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  • DE-85221 Dachau, DE-85221 Dachau
  • 10/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-299910)

Neubau Landratsamt Dachau


  • 1. Preis

    © h4a Gessert + Randecker Architekten

    Architekten
    h4a Gessert + Randecker Architekten | h4a Gessert + Randecker + Legner Architekten, Stuttgart (DE), München (DE), Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Gessert , Albrecht Randecker , Andreas Nies

    Mitarbeit
    Robert Eberle

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Glück Landschaftsarchitektur, Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    44.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das städtebauliche Konzept zeigt ein gleichwertiges Erscheinungsbild von allen umgebenden Seiten. Durch die weiche Ausformung reagieren die Baukörper auf städtebaulich determinierte Problembereiche wie beispielsweise die nordöstliche Wohnbebauung.

    Durch Vor- und Zurückspringen „atmet“ die Gebäudestruktur gegenüber den umgebenden Straßenräumen. Je nach Anforderungen werden tiefere oder schmalere Grün- und Freiflächen gegenüber den Verkehrsräumen angeboten. Hierbei kann in Teilbereichen der ortsbildprägende Baumbestand in das Gestaltungskonzept integriert werden. In Fortführung des Grünzuges am Richard-Strauß-Weg wird ein einladender Eingangsplatz angeboten. Charakteristische Baumpflanzungen in Grünflächen wie auch Ausstattungselemente in Form von Bänken oder eines platzbegleitenden Wasserbeckens sorgen für Aufenthaltsqualitäten.

    Während den Öffnungszeiten besteht die Möglichkeit, durch die Erschließungshalle über den östlich situierten Vorplatz zur Innenstadt zu gelangen. In der östlichen Vorzone befindet sich in richtiger Zuordnung, verkehrsabgewandt vom stark befahrenen Bürgermeister-Zauner-Ring, der Freisitz der Cafeteria. In den nördlich weiterführenden Grün- und Freiflächen werden Spielangebote für die angelagerte Kinderkrippe angeboten. Hier wäre auch eine Wegeverbindung für Rad- und Fußverkehre vom westlichen Grünzug kommend in die Innenstadt möglich. Die Erschließung der Tiefgarage ist städtebaulich richtig situiert und weist den erforderlichen Abstand zur bestehenden nördlichen Tiefgargenzufahrt auf. Im Übergang zum nördlich angrenzenden Sparkassenareal bietet der Verfasser einen kleinen Bürgerpark als zonierendes Element zu den im nördlichen Gebäudeteil situierten Hausmeisterwohnungen an.

    Die exponierte Lage der Anlieferzone im südlichen Teil des Gebäudes am Bürgermeister-Zauner-Ring wird von der Jury kritisch bewertet. Eine Anordnung an gestalterisch weniger sensiblen und exponierten Stellen wäre vorteilhaft gewesen. Die Kurzzeitparker am Weiherweg werden sehr kritisch gesehen, weil sie Parksuchverkehr provozieren.

    In der großzügigen Erschließungshalle finden sich in guter Orientierbarkeit der Empfang, die Cafeteria sowie der Infopoint. In direkter Zuordnung liegen die erfahrungsgemäß hoch frequentierten Schalterbereiche wie beispielsweise das Ausländeramt inklusiv Wartebereich und Kassensituation. Die Zuordnung der Backoffice-Bereiche zu den Schalterzonen ist gut gelöst, jedoch flächenmäßig nicht ausreichend. Im Norden der Eingangshalle finden sich nachvollziehbar zugeordnet die Gemeinschaftsbereiche mit Außenbezug. Angrenzend zu den Gemeinschaftsflächen und zwischen der innenliegenden Tiefgaragenrampe liegt die Kinderkrippe. Die Nutzungstrennung ist an dieser Stelle gut gelungen. Allerdings wird die Anordnung von Teilen der Gruppen- und Schlafräume hin zum Vorplatz kritisch bewertet.

    Im südlichen Gebäudeteil befinden sich im ersten Obergeschoss angelagert an eine großzügige Foyerzone die Sitzungssäle sowie der Multifunktionsraum. Der Übergang in den anschließenden Bereich Büro des Landrats erscheint zu offen. Im nördlichen ersten Obergeschoss sowie in den weiteren Geschossen werden die Bürobereiche in den geforderten Flächengrößen vorgeschlagen. Innenliegende Bereiche sind über Lichthöfe respektive offene Innenhöfe ausreichend belichtet. Zwischen den außen liegenden Bürozonen und den Innenbereichen finden sich vielfältige Besprechungssituationen, Meeting- Bereiche sowie notwendige Funktionsflächen. Nord- und Südbaukörper verbinden Stege und Treppen in der zentralen Eingangshalle direkt und räumlich reizvoll. Nur zwei Treppenhäuser je Bauteil erscheinen allerdings auch in Hinsicht auf die erwünschten 400-m²-Einheiten zu wenig. Durch die in den Obergeschossen versetzten Baukörper werden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern interessante Dachterrassenbereiche und Freisitze für den Pausenaufenthalt angeboten. Die oberste Dachebene wird dem ökologischen Kriterienkatalog folgend extensiv begrünt bzw. kann für Photovoltaikanlagen genutzt werden.

    Die Tiefgarage ist 2-geschossig organisiert und verfügt über eine klar definierte Erschließungssystematik für beide Geschosse. Über eine zentrale Aufzug- und Treppenanlage gelangen Besucherinnen und Besucher direkt in die zentrale Erschließungshalle sowie den Sitzungs- und Veranstaltungsbereich im ersten Obergeschoss. Eine Anbindung der nördlichen Bestandstiefgarage ist möglich. Im nördlichen Untergeschossbereich befinden sich in sinnvoller Zuordnung die Haustechnik- und Funktionsräume. Im südlichen Bereich der Untergeschosse werden ebenfalls Haustechnikbereiche sowie Lager- und Registraturflächen angeordnet. Diese dienenden Räume sind auch direkt über die Tiefgaragenebenen erschlossen.

    Am Hof zum Bürgermeister-Zauner-Ring liegt ein Gruppen- und ein Schlafraum der Kita an der lauten Straßenseite, die anderen Kita-Räume und die Freispielfläche sind lärmabgewandt. Ab dem 1. Obergeschoss zahlreiche Büroräume hinter den Fassaden am Bürgermeister-Zauner-Ring. Das Öffnen der Fenster verursacht in Abhängigkeit der Verkehrssituation eine nennenswerte Lärmbelastung und Störung an den Arbeitsplätzen. Daraus folgt die Notwendigkeit für ein möglichst effektives Konzept für eine schallgedämmte natürliche Lüftung, um den Aufwand für eine mechanische Raumlüftung und - kühlung einzugrenzen. Der hohe Anteil an transparenten Außenbauteilen ist hinsichtlich der Wärmeeinträge im Sommer zu hinterfragen.

    Der Entwurf lässt nach den Kenndaten eine wirtschaftliche Realisierung erwarten, trotz zu erwartbarer höherer Ausführungskosten aufgrund der Terrasierungen und Gebäudeüberhänge. Die Bauabschnittsbildung ist nachvollziehbar.
    Grundsätzlich überzeugt die Arbeit durch das sensible Einfügen in die städtebauliche Situation sowie die grundsätzlich gut gelösten Raumübergänge und -aufteilungen über die Geschossebenen hinweg.
    Die Arbeit bietet eine hohe Flexibilität für zukünftig zu erwartende Veränderungen in den Bürowelten. Die vorgeschlagene Baukörperkonfiguration und die im Konzept vorgestellten Fassaden können dem neuen Landratsamt Dachau einen dezent repräsentativen Auftritt im Stadtgefüge ermöglichen.