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  • DE-85221 Dachau, DE-85221 Dachau
  • 10/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-299910)

Neubau Landratsamt Dachau


  • ein 3. Preis


    Landschaftsarchitekten
    Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Till Rehwaldt

    Mitarbeit
    Ulrike Zänker

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten, Berlin (DE), Stuttgart (DE), Köln (DE), Dresden (DE), Wrocław (PL), Erlangen (DE), Berlin (DE)

    Preisgeld
    21.500 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf sieht entlang des Bürgermeister-Zauner-Rings einen 135 Meter langgestreckten und 6 bis 7 Geschosse hohen Baukörper vor. Auf der ruhigeren Westseite wird ein niedrigeres, 2-geschossiges Volumen aus der präzisen Grundform ausgedreht und damit eine unaufgeregte Reaktion auf den spitzzulaufenden Zuschnitt des Bauplatzes geschaffen. Die Kinderkrippe mit den Hausmeisterwohnungen im Nordosten des Areals ist als 2-geschossiger, quadratischer Solitär geplant.

    Die beiden niedrigeren Baukörper schaffen gegenüber dem kleinmaßstäblich bebauten Umfeld eine wohltuende Abstufung und vermitteln zwischen den konträren Maßstäben des Landratsamtes und der Wohnbebauung.

    Der einfache, präzise geschnittene Hauptbaukörper erscheint auf den ersten Blick in seiner Längenund Höhenentwicklung gewagt und polarisiert innerhalb des Gremiums dementsprechend. Seine Stringenz bietet aber eine Reihe von städtebaulichen und funktionellen Vorteilen. Augenscheinlich wirkt die Konzentration der Baumasse am Bürgermeister-Zauner-Ring entlastend auf die Gesamtsituation. Der bauliche Fußabdruck ist kompakt und belässt Freiraum für Außenbereiche und Aufenthaltszonen im Grünen.

    An zentraler Stelle wird ein repräsentativer Haupteingang geschaffen, der gleichzeitig die Durchlässigkeit auch außerhalb der Öffnungszeiten des Landratsamtes für Fußgänger und Radfahrer bietet. Der großzügige, schräge Durchbruch setzt eine Zäsur im Gebäuderiegel, leitet zu den geschützten, überbauten Eingängen des Landratsamtes und weiter Richtung Stadt. Die schräge Platzpromenade dockt zielgerichtet an der Ecke Brucker Straße / Weiherweg an, und breitet sich auf der ruhigen, der Stadt zugewandten Seite aus. Sie wird von den Seiten durch die Außenflächen am Foyer und dem Vorbereich des getrennten Hauses der Kinderkrippe angenehm belebt. Das Bestreben der Verfasser hier vorhandenen Baumbestand zu integrieren wird anerkannt, ob das gelingt, ist jedoch aufgrund des Bauumgriffes zu bezweifeln. Das Interesse, lärmabgewandte Freiflächen zu maximieren wird durch die sparsame Vorzone zur Straße im Westen konsequent verfolgt. Die maßstabssprengende große Gesamtlänge im Kontext der Umgebung würde durch die Auflockerungsversuche mit den angedeuteten schwingenden Sitz- und Gestaltungselementen kaum verträglicher erscheinen.

    Der markante Baukörper zeigt zum Grünspitz eine unverwechselbare, schlanke Silhouette, die als Erkennungsmerkmal für das Landratsamt gut geeignet ist. Die beiden als Sockel ausgebildeten Geschosse, Erdgeschoss und erstes Obergeschoss, sind überhöht und verleihen dem Gebäude Leichtigkeit und schlichte Eleganz. Allerdings entsprechen die erdgeschossigen Funktionen, die zum Grünspitz situiert sind nicht den gesteigerten Erwartungen an diesem repräsentativen Ort.

    Der ausgedrehte Baukörper im Südosten schafft Raum für die erdgeschossige Cafeteria mit Außenbereich und die Sitzungssäle sowie den Multifunktionsraum im Obergeschoss. Die Ausdrehung schafft auf unspektakuläre und effiziente Weise Raum für Warte- und Besprechungsbereiche im Erdgeschoss und ein angemessenes Foyer für die Säle im Obergeschoss.

    Ein Beitrag zum Klimaausgleich wird durch die extensive Dachbegrünung sinnvoll angeboten. Auch die Klimabalkone in der Fassade sind als interessantes Angebot anzuerkennen. Zugleich wird damit das Freiflächenangebot für die Mitarbeiter ergänzt.

    Die Bürogeschosse weisen eine klare und in sämtlichen Bereichen rationelle Grundstruktur auf, die einen hohen Nutzwert schafft und ein Höchstmaß an Flexibilität zulässt. Große Bedeutung kommt der Gleichwertigkeit der Arbeitsplätze zu, die in diesem Bürokonzept besonders gut erfüllt wird. Die wenigen fixen Erschließungskerne und das konsequente Konstruktionsraster lassen auf lange Sicht Spielraum für die sich ständig wandelnden Anforderungen an die Arbeitswelt Büro.

    Der Entwurf sieht für die Fassaden eine zweischalige Konstruktion aus innenliegenden, witterungsgeschützten Holzfenstern und einer außenliegenden einschaligen Glashaut (Prallscheibe) vor. Dadurch wird eine hohe Transparenz erzeugt und der Ausdruck des Gebäudes wird vom Sonnenschutz nicht negativ beeinflusst. Der Charakter des Gebäudes wird durch den hohen Anteil an Glas stark geprägt, daran vermögen auch die begrünten Loggien wenig zu ändern. Die raumhoch verglasten Büros werfen Fragen der Akzeptanz durch die Nutzer auf.

    Die Idee, die Tiefgaragenzufahrt nördlich des Gebäuderiegels anzuordnen, muss als verfehlt beurteilt werden. Die Erschließung der Besucherstellplätze nördlich der TG-Zufahrt gemeinsam mit der Zufahrt der Feuerwehr ist dort als dritte Zufahrt in einem sehr kurzen Abstand konfliktträchtig. Die Logik der Parkhauserschließung wird hinterfragt, zumal die Rampen im Zweibahnverkehr nicht befahrbar erscheinen. Die Stützen in der Flucht der Stellplatzzufahrt erschweren das Parkieren.

    Als positiv wird der uneingeschränkt offene Durchgang für den Fuß- und Radverkehr in der zentralen Erschließungsachse angesehen; die Überlegungen zur Querung des Bürgermeister-Zauner-Rings sind positiv zu bewerten. Fahrradständer sind auf der Oberfläche in reicher Zahl verteilt vorgesehen. Die Radabstellmöglichkeiten im 2. Untergeschoss der Tiefgarage würden dort nicht angenommen werden.

    Die Gruppenräume und Freispielflächen der Krippe liegen im lärmabgeschirmten Bereich an der Ostseite des Areals. Ab dem Erdgeschoß sind zahlreiche Büroräume hinter den Fassaden am Bürgermeister- Zauner-Ring. Die Möglichkeit einer Fensterlüftung könnte durch die Doppelfassade verbessert und die Lärmbelastung und Störung an den Arbeitsplätzen verringert werden. Eine exakte Dimensionierung wäre erforderlich, um die Lüftungsfunktion, den Schallschutz und die Wärmeabfuhr aus dem Fassadenzwischenraum zu koordinieren. Der Aufwand für eine mechanische Raumlüftung und -kühlung ist einzugrenzen. Der hohe Anteil an transparenten Außenbauteilen ist hinsichtlich der Wärmeeinträge im Sommer zu fragwürdig.

    Das Projekt wird aufgrund seiner einfachen und klaren Konzeption als wirtschaftlicher Beitrag beurteilt. Aspekte der Nachhaltigkeit und Energieeffizient sind in den Entwurf ebenso eingeflossen wie Überlegungen zu den vielfältigen Qualitäten der Arbeitsplätze.

    Insgesamt stellt das Projekt einen wertvollen und bemerkenswerten Beitrag dar, der weniger dem Zeitgeist verpflichtet ist, dessen Qualitäten sich aber besonders in der inneren Organisation und seiner Relation zu Freiraum zeigen.