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  • DE-85221 Dachau, DE-85221 Dachau
  • 10/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-299910)

Neubau Landratsamt Dachau


  • Anerkennung

    kein Bild vorhanden
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    Visualisierer
    RIVIERA | MORETTI, Wien (AT)

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: AllesWirdGut, Wien (AT), München (DE)
    Landschaftsarchitekten: toponauten LaGmbH, Freising (DE)
    Modellbauer: Neubauer Modellbau, München (DE)

    Preisgeld
    11.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das städtebauliche Konzept mit der Aneinanderreihung von neun giebelständigen Gebäuden führt zu einer differenzierten Feingliedrigkeit der städtebaulichen Figur, die gut in den kleinmaßstäblichen Kontext eingebettet ist. Die Gebäude sind in ihrer Höhenentwicklung zur Mitte hin ansteigend und zum Südende hin wieder leicht abfallend gestaffelt, von einer 2-Geschossigkeit im Norden, die im Anschluss an den nördlichen Baukörper am Bürgermeister-Zauner-Ring als zu niedrig empfunden wird, bis hin zur 6-Geschossigkeit an der Brucker Straße, die insbesondere im Bereich der Zuwegung aus der Brucker Straße hinterfragt wird. Auf die Wohnhäuser im Nordosten wird durch die vorgeschlagene Höhenentwicklung angemessen Rücksicht genommen.

    Das von den Verfassern beabsichtigte Bild einer dörflichen Gebäudestruktur ist als morphologischer Vermittler in der dargestellten Höhenentwicklung nicht mehr ablesbar. Der auskragende, unterseitig schräg abgeschnittene Baukörper, der den Hauteingang akzentuiert, wirkt bedrückend. Die gewünschte öffentliche Durchwegung wurde nicht umgesetzt, auch die Eingangssituation unter dem auskragenden Bauteil lädt nicht zum Durchqueren des Foyers ein.

    Aufgrund der gewählten additiven Struktur aus Einzel’häusern‘ und unterstützt durch die vorgeschlagene Haut der Fassade aus Glasfasergewebe teilt sich der Baukörper in seiner Anmutung nicht als öffentliches Gebäude, als „Landratsamt Dachau“ mit.

    Die große Stärke des Entwurfes liegt in der inneren Organisation und räumlichen Gestaltung der Grundrisse, die die Umsetzung einer großen Bandbreite an Arbeitswelten und Bürokonzepten ermöglicht bei angenehm proportionierten Abteilungsgrößen und guter Orientierbarkeit im Gebäude.

    Das Bespielen der Eingangshalle mit Schalterflächen, Empfang und Wartebereichen wird im Hinblick auf Diskretion und die fehlende Übersichtlichkeit der Fläche als herausfordernd angesehen. Die Erschließungskerne im Erdgeschoss wirken hier verstellend, die Flächen sind nicht multifunktional nutzbar.
    Die gewünschte separate Erschließung des Sitzungssaales, der an der Südspitze im 1. Obergeschoss stadträumlich richtig situiert ist, lässt sich grundsätzlich umsetzen.

    Am Bürgermeister-Zauner-Ring befindet sich ein Gruppenraum der Krippe an der lauten Straßenseite, die anderen Gruppenräume und die Freispielfläche sind lärmabgewandt. Ab dem 1. Obergeschoss liegen zahlreiche Büroräume hinter den Fassaden an der stark befahrenen Straße. Das Öffnen der Fenster verursacht in Abhängigkeit der Verkehrssituation eine nennenswerte Lärmbelastung und Störung an den Arbeitsplätzen. Daraus folgt die Notwendigkeit für ein möglichst effektives Konzept für eine schallgedämmte natürliche Lüftung, um den Aufwand für eine mechanische Raumlüftung und - kühlung einzugrenzen. Der vorgesehene Anteil an opaken Außenbauteilen ist hinsichtlich der Verringerung der Wärmeeinträge im Sommer und der erforderlichen Schallschutzqualitäten der Fenster positiv zu bewerten.
    Aus den Raumvolumina der Satteldächer resultiert ein überdurchschnittlich großer Bruttorauminhalt, die Büroräume in den obersten Geschossen haben ein ungünstiges Verhältnis von Grundfläche zu Raumhöhe. Die Satteldächer bieten keinen erkennbaren innenräumlichen Mehrwert, sie scheinen alleine der äußeren Baukörperform geschuldet zu sein.

    Die vorgeschlagene Materialität der Fassade aus Fensterbändern und gedämmten Stahlbetonbrüstungen, die von einer äußeren Haut aus Glasfasergewebe überzogen werden soll, wird kritisch diskutiert und wirft hinsichtlich der Nutzerakzeptanz deutliche Fragen auf.

    Die im Grundstück beinah mittig angeordnete kammartige Abfolge der Gebäudestruktur, bringt zwar viel Licht in die Innenräume, zerteilt aber die Freiflächen in, für die Allgemeinheit wenig brauchbare Teilbereiche. Die detaillierte Ausformulierung der Freiflächen wird anerkannt. So sehr sich die Verfasser um eine Interpretation der Topographie der Stadt mühen, erscheint das Ergebnis in den Freiflächen, aufgrund der Kleinmaßstäblichkeit, dennoch wenig überzeugend.
    Die Besucherstellplätze werden im Baumgraben des Bürgermeister-Zauner-Rings nachgewiesen.

    Die an der Fassade neben dem Vortragsraum angeordnete Tiefgaragenzufahrt wird kritisch gesehen, die Rampenlänge ist mit etwa 17 m zu knapp bemessen. Kritisch wird das Überfahren des Fuß- und Radweges für die Behindertenstellplätze neben dem Eingang beurteilt. Die Anlieferzone im Untergeschoss lässt sich bedingt durch die Raumhöhe der Tiefgarage und die Rampenlänge nicht realisieren.

    Das Gebäude verfügt nicht über getrennte Gebäudezugänge für Öffentlichkeit und Mitarbeiter. Die Treppenräume haben keine direkten Ausgänge ins Freie.
    Die bauabschnittsweise Realisierung ist nicht wie gewünscht umsetzbar.

    Die Energieeffizienz liegt aufgrund der großen Kompaktheit in einem guten Bereich.

    Der überdurchschnittlich große Bruttorauminhalt dieses Wettbewerbsbeitrages wirkt sich negativ auf dessen Wirtschaftlichkeit aus. Die textile Fassadenhaut lässt erhöhte Kosten für Reinigung und Unterhalt erwarten.

    In der Gesamtschau reagiert das Preisgericht auf den Versuch, mit dem Grundelement des ‘Urhauses’ und der überzogenen Kleinmaßstäblichkeit eine Gliederung des Baukomplexes und eine plakative Vermittlung zum Kontext zu erreichen, zugleich mit Wohlwollen und Befremden. Mehrheitlich aber wird dieser Ansatz als typologisch abwegig erachtet.


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