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  • DE-15306 Seelow, DE-15377 Buckow
  • 11/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-307908)

Neubau Besucherzentrum am Brecht-Weigel-Haus in Buckow (Märkische Schweiz)


  • 3. Preis

    Innenraum (Mehrzweckhalle), © JBS

    Architekten
    JORDAN BALZER SCHUBERT Architekten PartG mbB, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Rico Schubert , Tobias Jordan , Alexander Balzer

    Mitarbeit
    Corinna Nieke

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Architekturbüro Hauswald, Meißen (DE)
    Landschaftsarchitekten: QUERFELD EINS Landschaft | Städtebau | Architektur PartGmbB, Dresden (DE)

    Erläuterungstext
    Auszug aus dem Erläuterungsbericht

    Vorwort (Architektonisches Konzept)

    In der Auseinandersetzung mit der Lyrik des Bertolt Brecht fasziniert als durchgängiges Stilmerkmal sein Ringen um die Klarheit des Ausdrucks, die Vermeidung des Undeutlichen, Träumerischen und Expressiven, was zur einzigartigen Lakonie seiner Gedichte führt. Dieses Ringen um eine geistige Ordnung war in der Zeit seines Wirkens auch das Wesensmerkmal der baulichen Moderne, besonders verkörpert durch Mies van der Rohe. So muss auch die bauliche Ergänzung auf dem Grundstück des Brecht-Weigel-Hauses einem klaren, puristischen Ansatz verpflichtet sein, der selbst erklärend ist und der Landschaft ihre Präsenz lässt.
    Der Saal lässt durch die großflächige Verglasung den Landschaftsraum mit dem Lyrischen Garten und dem Brecht-Weigel-Haus ins Innere wirken. Die „geborgte Landschaft“ erlaubt es, den eigentlichen Raum gestalterisch so zu reduzieren, dass allein der unverwechselbare Blick den Geist des Ortes prägt. Die Vorhänge erinnern nicht nur an „Miesianische“ Architekturen und das Werk von Lilly Reich, sondern auch an das Epische Theater von Brecht. Hier wird der Ort selbst zum Ereignis!

    1.) Städtebauliche Einordnung und Erschließung

    Das Gebäude gliedert sich in drei Funktionsbereichen: Funktionsbaukörper, Eingangsraum und Saal mit Orientierung zum lyrischen Garten.
    Das neue, pavillonartige Eingangsgebäude für das Brecht-Weigel-Haus ermöglicht zum einen die didaktische und museale Präsentation der Geschichte als Einstimmung in den „Literarischen Ort“ und zum anderen einen neuen Hauptzugang zum Gesamtareal. Die Optionsfläche sehen wir als essentiell, um den vorhandenen Baumbestand im Kronenbereich zu schützen und ausschließlich den Saal im Gesamtareal so zu präsentieren, dass eine spannungsvolle städtebauliche Ordnung freistehender Bauten im Park entsteht.
    Die gesamten Nebenfunktionen und die Büros werden im hinteren Baukörper angeordnet und, vom Brecht-Weigel-Haus gesehen, hinter dem gläsernen Saal versteckt. Durch die leichte Verschränkung der Baukörper entsteht so eine klar erkennbare Eingangssituation zwischen Saal und Versorgungsbereich und das Gebäude wirkt gegenüber dem Hauptgebäude kleiner.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Es handelt sich bei dem Entwurf um eine ruhige, ausgewogene und klare Anlage, die sich gegenüber dem Atelierhaus sehr zurücknimmt. Die Grundrissstruktur setzt sich aus zwei quadratischen Baukörpern zusammen, dem Funktion- und Saalbau, den ein kleiner quadratischer Foyerbau verbindet. Der Saalbau, das höchste Gebäude, konzentriert sich mit seiner Nordfassade auf den Garten mit Atelierhaus. Der Saal, ein lichter U-förmiger verglaster Bau, schafft es, den Garten und das Atelierhaus in den Raum zu holen und es entsteht ein Licht durchfluteter Raumeindruck (Nachteil Raumklima/Sonne). Das Foyer - der kleinste Baukörper - erschließt sich von der Straße. Durch die unklare Gliederung des Eingangs- und Ausgangsbereichs entsteht ein Problem bezüglich der Einlasskontrolle, das unbedingt geklärt werden muss. Das Foyer beherbergt den Museumsshop hinter dem sich sehr eng und unzugänglich der gastronomische Versorgungsbereich befindet. Da dieses Gebäude beidseitig belichtet wird, sollte diese Situation klarer gegliedert werden, auch im Hinblick auf den rückwärtigen Gartenaustritt. Der um die Attika gegenüber dem Foyer erhöhte Funktionsbau ist im Grundriss dreigeteilt: dem mittig liegenden Flur, der westlich befindlichen Nassraumachse und dem östlichen Verwaltungstrakt mit Büro, Lager, Archiv.
    Die Fassaden gliedern sich klar in geöffnete und geschlossene Flächen, proportional ausgewogen gestaltet. Jedoch sollte die östliche Fassade des Funktionsgebäudes geschlossen sein um die Eingangssituation im Verhältnis zur Saalfassade zu steigern. Im Materialkanon der vorgefundenen Situation wirken die naturgraufarbenen Faserzentplatten recht fremd.
    Der Entwurf füllt das vorgegebene Optionsfeld und wird den sonstigen Vorgaben der Auslobung gerecht.