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  • 2. Preis

    Modellfoto, © WGG.

    Architekten
    WerkGemeinschaft Guttenberger . Architektur • Stadtplanung, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Alexander Kunert, Merve Orhan

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Jetter Landschaftsarchitekten, Stuttgart (DE)
    Tragwerksplaner: Mayr | Ludescher | Partner Beratende Ingenieure, München (DE), Stuttgart (DE)
    TGA-Fachplaner: Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart (DE), München (DE), New York, NY (US), Paris (FR)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Den Charakter der Arbeit zeichnen eine einfache Struktur und eine klare Durcharbeitung aus. In unaufgeregter Art und Weise versuchen die Verfasser, der Erwartungshaltung der Gemeinde an eine ablesbare Ortsmitte zu entsprechen. Die vorgeschlagenen Neubauten greifen die dörfliche Struktur und Körnung auf, die Gebäudesetzung erzeugt städtebaulich klare Räume. Hierfür ist jedoch das vorgeschlagene ergänzende Gebäude östlich des Rathauses zwingend notwendig. Ohne dieses ist der Platz nach Süden nicht gefasst.
    Östlich des Rathauses entsteht ein gut proportionierter Dorfplatz, der den Bezug zur Kirche herstellt. Westlich des Rathauses schlagen die Verfasser einen grünen Hof mit angegliedertem Rathausgarten vor. Das Kaplansgässle wird aufgewertet und erhält mit dem Bürgerplatz im Westen eine einladende Anbindung in Richtung Hauptstraße. Die angebotenen Platzräume kommen dem Wunsch der Gemeinde nach, vielfältig nutz- und bespielbaren Räumen nach.

    Der Baukörpertypus des Rathausneubaus ist in seiner Einfachheit dem örtlichen Kontext angepasst, wodurch jedoch für ein zeitgemäßes Verwaltungsgebäude ein problematisches Längen-Breiten-Verhältnis entsteht. Innenräumlich zwingt es zu einer Zweibundstruktur mit langgestreckten schmalen Fluren mit wenig Aufenthaltsqualität und Belichtung. Die Eingangssituation mit Orientierung zum Platz und klarer Auffindbarkeit der Vertikalerschließung ist angemessen gelöst. Der Sitzungssaal im 2. OG verspricht hohe Aufenthaltsqualität; die Entfernung zum Eingang / Foyer wird jedoch kritisch bewertet. Die Zuordnung der Verwaltungseinheiten ist gemäß den Vorgaben der Auslobung gelöst.

    Die Klarheit und Strukturiertheit, die das Gebäude sonst kennzeichnen, lassen die Fassaden weitestgehend vermissen. Sowohl das Gebäude selbst, als auch das vorgeschlagene Fensterband, erscheinen zu hoch und lassen die Gebäudeproportion unstimmig erscheinen. Die Anordnung unbedeutender Nebenräume und WCs hinter dem Fensterband wirkt unpassend. Die vorgeschlagene Materialität der Fassaden entspricht sonst dem dörflichen Kontext.
    Durch das vorgeschlagene ergänzende Gebäude östlich des Rathauses entsteht ein gutes Angebot, das sowohl durch öffentliche als auch gewerbliche Nutzung zur Belebung des Dorfplatzes beitragen kann.
    Die vorgeschlagene Erschließung und Parkierung hält die Platzflächen weitestgehend von Verkehr frei, erzeugt jedoch Zwangspunkte. Zum einen ist die Lösung mit einem hohen wirtschaftlichen Aufwand verbunden, zum anderen wird die Lage der TG-Zufahrt direkt an der Grundstücksgrenze kritisch gesehen. Auf die Erscheinung des Baukörpers und die Höhe der Fassaden wirkt sich auch die Lage der Rampe direkt an der westlichen Gebäudefassade negativ aus.

    Das Hineinschieben der Tiefgarage in den Platzbereich verschärft die topografische Situation und führt zu einer Zerschneidung des Rathausplatzes auf zwei unterschiedlichen Höhenniveaus. Die Qualität des Übergangs zwischen den beiden Niveaus ist weder im Bereich der Stützwand noch im Bereich der breiten Treppe erkennbar. Das Motiv des Sockels unter dem Rathaus wirkt im dörflichen Kontext unangemessen. Die Anordnung der oberirdischen Stellplätze sowohl vor dem Sockel als auch im südlichen Platzbereich schwächen die freiräumliche Qualität des Platzes und die Wirkung des Rathauses in Richtung Kirchstraße. Die vorgeschlagene Dorflinde auf dem Plateau lässt sich auf Grund der Unterbauung durch die TG nicht realisieren.
    Die einfache Struktur des Baukörpers lässt eine wirtschaftliche Umsetzbarkeit vermuten. Der Zuschnitt und die Größe der Tiefgarage stehen dem entgegen. Auch ist die Gemeinde bei dem vorgeschlagenen städtebaulichen Ensemble gezwungen, den zweiten Platzbaustein zwingend zu realisieren.

    Insgesamt handelt es sich um eine angemessene Lösung für die gestellte Aufgabe, die im gesamtstädtebaulichen Kontext überzeugen kann, im architektonischen und freiräumlichen Detail jedoch deutliche Schwächen aufweist.