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  • DE-37581 Bad Gandersheim
  • 04/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-297248)

Landesgartenschau 2022 Bad Gandersheim


  • Anerkennung

    Aufenthaltsbereich am Pflanzenfilterbecken, © wbp Landschaftsarchitekten GmbH

    Landschaftsarchitekten
    wbp Landschaftsarchitekten GmbH, Bochum (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Rebekka Junge , Christine Wolf

    Mitarbeit
    Swantje Münstermann, Boyuan Chen

    Preisgeld
    4.375 EUR

    Erläuterungstext
    Stadt ans Wasser
    Die einmalige Lage des Kurorts am Zusammenfluss zweier Flüsse, ist ein heute wenig
    erlebbares, jedoch hervorragendes Potential für die Attraktivierung als Kurort und als
    Wohn- und Lebensort.
    Die Inszenierung der beiden Flüsse, die Erlebbarkeit des Elementes Wasser und vor
    allem die Besonderheit der Solequellen im Kurort soll das tragende, durchgehende
    Thema der Gartenschau und vor allem der Daueranlagen werden. Ob als naturnahe
    Flusslandschaft, die von Norden an die Stadt andockt, als zentraler, intensiv gestalteter
    Kurpark oder als große Seenlandschaft entlang der Eterna -
    Wasser als lebensspendendes Element bespielt auf unterschiedlichste Art und Weise
    die verschiedenen Stadt- und Parkräume.
    Flussräume
    Von Norden kommend wird die Gande zu einem renaturierten, mäandrierend verlaufenden
    Fluss, der in eine Auenlandschaft eingebettet ist, entwickelt. Ergänzende Wiesenmulden
    verbessern den Hochwasserschutz bevor der Fluss auf die Stadt trifft.
    Im Kurpark wird die Gande als lebendiger, sehr unterschiedlich ausgeprägter Fluss
    zum Rückgrat des Parks: mit neuen Flachwasserzonen, einem neuen Lauf um den
    Barfußpfad, der eine Insel ausbildet, den Flussterrassen, die einen flachen Zugang
    zum Wasser mit Sitzstufen bilden oder mit ökologisch wertvollen Steilufern wird der
    Fluss im neuen Kurpark zum attraktiven und gut erlebbaren Element im Park.
    Nach der Querung des Damms mit seiner imposanten Brücke über die Gande erhält
    der Fluss, bevor er die Brücke zur Altstadt passiert, eine breite Aufweitung, die sich
    mit Rasenstufen zum neuen Kurpark öffnet. Das flache Ufer schafft Hochwasserentlastungsflächen
    und trägt zur naturnahen Aufwertung bei.
    Nördlich der Altstadt fliesst die Gande als Wiesenfluss begleitet von einer lockeren
    Baumreihe entlang der Stadtmauer nach Westen, bevor sie sich im Westen der Stadt
    mit dem Mühlengraben noch einmal verzweigt.
    Die Besonderheit des Eternatals wird in den Seen gesehen. Mit der Gartenschau können
    die einzelnen Seen verbunden und etwas vergrößert werden, so daß sich die
    Seen natürlich und mit einer hohen Wasserqualität entwickeln können.
    Die Eterna, die weiterhin parallel zu den Seen fliesst, wird im östlichen Bereich mit
    Flachwasserzonen aufgewertet.
    Die Mündung der Eterna in die Gande wird durch eine neue FussgaÅNngerbrücke und
    einen Steg erlebbar.
    Hangräume
    Die Flusstäler werden durch unterschiedlich ausgeprägte Hänge gefasst. Damit ergeben
    sich immer wieder neue Blicke auf Flusslandschaft und Stadt. Die Hänge mit ihrer
    unterschiedlichen Ausprägung, bewaldet oder offen, werden Teil der neuen Flussparklandschaft.
    Parkräume
    Die unterschiedlichen Landschaftsräume entlang der Flüsse schaffen die Grundlage
    für differenzierte und spannende Parkräume: die Auenlandschaft im Norden der Stadt
    wird als naturnahes Tal behutsam entwickelt, mit zwei Stegen werden die
    Landesgartenschau 2022 Bad Gandersheim, Realisierungswettbewerb 584936
    Koppelteiche als Naturerfahrungsort erlebbar gemacht. Entlang der Hildesheimer
    Strasse wird mit einer lockeren Baumreihe eine räumliche Fassung für den Talraum
    erreicht.
    In zentraler Lage soll sich ein neuer Kurpark entwickeln, der sich stärker der Stadt
    zuwendet. Dafür wird vorgeschlagen, sowohl den Osterbergsee als auch den Park
    rund um das Kulturhaus (B1, B2) in den Kurpark mit einzubeziehen. Damit wird der
    Kurpark zum Bindeglied zwischen Stadt und Park, zwischen Kurkliniken und Wohnquartieren.
    Weiter nach Westen soll sich ein ruhiger Flusspark mit Gartenräumen und Flusswiesen
    entlang der Gande bilden, der südliche Bereich des Eternatals hingegen soll sich
    zum lebhaften Spiel- und Sportpark entwickeln.
    Anbindung an die Stadt
    Die Altstadt wird über einen breiten Boulevard entlang der Hildesheimerstrasse nach
    Nordosten mit dem Kulturhaus, den Kliniken und dem Solebad verbunden. Als Teil des
    Auenparks wird der Weg bis zum Kloster Brunshausen weitergeführt.
    Der Lohmühlenweg wird abgebunden, die Fahrverbindung erfolgt von der Roswithastrasse
    direkt über die heutige Erschliessung der Stellplätze bis zur Hildesheimerstrasse.
    Der Fernradweg über den Bahndamm erhält zwischen den beiden Brücken eine direkte
    Anbindung an die Stadt: über Treppen und eine Rampe wird die Innenstadt auf
    direktem Weg erreicht.
    Im Süden an der ‚Paracelsusklinik am See’ wird auch über die Gartenschau hinaus
    ein wichtiger Anbindungspunkt geschaffen. Den topografischen Einschnitt nutzend bilden
    flache Treppen und ein barrierefreier Serpentinenweg mit spannenden Ausblicken
    auf den Talraum den Auftakt zur Seenlandschaft im Eternatal. Der Dehneweg bleibt
    als erforderliche Erschliessung erhalten.
    Die neuen Parkräume werden über vielfältige kleine Wege und Treppen an die Kliniken
    und die Wohnquartiere angebunden. Barrierefreie Wege werden durch direkte Verbindungen
    mit Treppen oder barrierearme Wege ergänzt. Ein Netz aus attraktiven, immer
    wieder neu kombinierbaren Wegen entsteht.
    Die Talräume verknüpfen sich über die Parklandschaften hinaus mit den Flusstälern,
    Bad Gandersheim wird so auch für Radfahrer und Wanderer attraktiv erreichbar.
    Der neue zentrale Park beginnt von der Stadt aus kommend an der ‚Neustadt’ mit einer
    Bastion an der Gande, die den ersten Blick auf den weitläufigen Kurpark freigibt. Mit
    der vorhandenen Eisdiele wird ein Auftakt zum Boulevard geschaffen. Der Boulevard
    wird mit Heckenbändern von der Hildesheimer Strasse abgeschirmt, Bänke unter der
    neuen Baumreihe entlang dem Boulevard laden zum Verweilen ein. Neues zentrales
    Element dieses Parkteils wird der Große See, der nach Norden mit Seetreppen zu
    einem Baumhain und der neuen Terrasse des Kulturhauses ansteigt.
    Die Bastion an der Gande bildet den Auftakt für abwechslungsreiche Uferbereiche der
    Gande: flache, mit Rasenstufen erreichbare Uferzonen und Sitzstufen schaffen sowohl
    Aufenthaltsbereiche mit Zugängen zum Wasser und dienen gleichzeitig dem Hochwasserschutz.
    Den Boulevard ergänzend führen zwei Parkwege entlang der Gande und dem Großen
    See in den Park und weiter unter den großartigen Brücken nach Osten. BrückenboÅNgen
    Landesgartenschau 2022 Bad Gandersheim, Realisierungswettbewerb 584936
    und Bahndamm fassen den Park und bilden gleichzeitig ein ‚Tor’ zu den angrenzenden
    Parkteile.
    Der bereits heute als Kurpark bezeichnete Bereich zwischen der Paracelsus-
    Roswitha-Klinik und dem Solebad öffnet sich in Zukunft mit einer breiten Flussterrasse
    zur Gande, die am Steilufer liegende Solequelle wird mit einem Balkon gefasst und
    rückt in das Blickfeld. Ein Wasserbassin bildet den Auftakt der Flussterrasse, zumindest
    während des Ausstellungsjahrs ist hier eine Gastronomie vorgesehen. Mit Aussenterrassen,
    breiten Sonnenwiesen und Sitzstufen wird ein ruhiger, aber attraktiver
    Ort im Flusspark geschaffen. Eine neue Brücke schliesst die Terrassen direkt an den
    östlichen Waldhang an.
    Nördlich angrenzend wird mit einer neuen Gandeschleife nicht nur eine wasserbauliche
    Aufwertung sondern auch ein schöner, kontemplativer Ort am Fluss geschaffen.
    Die Kneipp- und Barfußanlagen ‚wandern’ auf die Insel. Die direkt daran angrenzenden
    Waldhänge werden als WellnessWald, ausgestattet mit Holzdecks und Spazierwegen
    zum Ruhe- und Rückzugsraum entwickelt.
    Nach Süden bildet das Solebad mit seinen grosszügigen Liegewiesen den Übergang
    in den südlichen Kurpark um den Osterbergsee. Parallel zum Weg am Fluss führt hoch
    über der Gande ein Spiel-Erlebnispfad im Wald nach Süden in das Eternatal.
    Auch im Schwimmbad wird die Gande als naturnaher Fluss entwickelt. Zugänge und
    Übergänge in Flachwasserbereichen attraktivieren das Solebad und lassen den Aussenraum
    zu einem Teil des Kurparks werden.
    Im Eternatal bildet der Osterbergsee den Auftakt zur neuen Seenlandschaft. Mit der
    breiten Seeterrasse, die neben der privaten Hotelterrasse einen öffentlichen Raum
    bietet, wird der erste Blick über den See inszeniert. Die Terrasse treppt sich mit Sitzstufen
    zum Wasser ab, ein vorgelagerter Steg auf Wasserniveau lässt den See neu
    erleben.
    Während der nördliche Weg hochliegend und schmal zwischen See und Eterna verläuft,
    öffnet sich der südliche Uferweg mit breiten Stufen zum Wasser. Die beiden
    Wege um den See werden im Süden durch einen dritten Weg ergänzt, der den Auftakt
    für einen attraktiven Hangpark bildet. Über flach ansteigende Wege wird der südliche
    Eingang zum Park barrierefrei erschlossen. Eine Weidenutzung durch z.B. Ziegen lassen
    hier langfristig einen extensiven Hangpark entstehen, der zur Bewegung, aber
    auch zum Verweilen und zu hervorragenden Ausblicken über das Tal einlädt.
    Eine direkte Verbindung über Aussichtsterrassen, Treppen und einem breiten Weg
    über den Osterbergsee nach Norden zum Waldhang wird geschaffen. Weiter nach
    Osten wird der heute schmale und versteckt liegende See vergrößert, die großen Bestandsbäume
    werden erhalten und bilden Inseln im See. Zwischen den Seen weitet
    sich ein grosszügiger Platzbereich für Veranstaltungen und zum Verweilen im Alltag
    auf. Mit dem Treppen- und Aussichtsterrassenband wird der Park hier nach Süden
    verknüpft. Der Höhenversprung der beiden Seen wird über eine Wassertreppe aufgenommen,
    die mit Pflanzenfilterbecken und Stegen nicht nur einen spannenden Ort am
    Wasser, sondern auch einen Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität liefern.
    Weiter nach Süden entlang dem Hangwald zur ‚Paracelsusklinik am See’ wird ein intensiver
    Spiel- und Sportpark geschaffen, der Hangwald nimmt einen Klettergarten
    auf, in einer Lichtung wird ein Hangrutschenpark angeboten, die weiten Wiesen laden
    zum Ballspielen ein. Nach Osten im Übergang zur Flusslandschaft der Eterna ergänzt
    ein Wasserspielplatz das Spielangebot.
    Landesgartenschau 2022 Bad Gandersheim, Realisierungswettbewerb 584936
    Nördlich der Altstadt werden in kleineren Terrassen, die sich mit Natursteinmauern ca.
    1-2m aus dem Hang schälen, attraktive Stadtgärten geschaffen. Die Gärten werden
    ergänzt durch Obstgärten und einen Weinhang. Zwischen den Terrassen führt ein extensiver,
    barrierefreier Weg zu dem nördlichen Abschluss der Stadtgärten, der einen
    Aussichtsplatz mit Blick zur Altstadt schafft. Die einzelnen Gärten sind zusätzlich über
    Treppen und Rasenwege erreichbar. So werden die neuen Stadtgärten nicht nur attraktiv
    für ‚urbane Gärtner’, sondern auch zu einem selbstverständlichen Teil der Parklandschaft.
    Zur Gande hin öffnen sich die Stadtgärten mit einem Pfad am Wasser und
    einigen Sitzstufen zum Fluss.
    Das Kloster Brunshausen wird als nördlicher Abschluss der Parklandschaft eingebunden.
    Auftakt zur Klosteranlage bildet der neue Quellpark am Fuß des Hügels. Eine
    Treppenachse mit einem barrierearmen Weg führt zum Kloster hinauf und bietet einen
    attraktiven, weiten Blick über das Eternatal und zur Altstadt. Der Quellpark wird als ein
    dicht mit Bäumen umstandener und damit räumlich gefasster Wiesenraum entwickelt.
    Die beiden Quellen werden mit zwei kreisrunden Wasserbecken verortet. So sollen
    die Quellen auf eine einfache, aber attraktive Weise sichtbar gemacht werden. Die
    Strasse nördlich des neuen Quellparks wird auf einen breiten Fuß-und Radweg zurückgebaut,
    die Fußgängerquerung zum Auenpark wird damit gut eingebunden.
    Ausstellungskonzept:
    Den Haupteingang bildet die Achse von der Dehneweg aus. Entlang von Staudenbeeten
    öffnet sich den Besuchern über eine grosszügige Treppen- und Sitzstufenanlage
    der erste Blick auf die Seenlandschaft. Ein barriererfreier Weg führt über den Hangpark
    zum Seeplatz, der zwischen den beiden Seen einen ersten attraktiven Ort zum
    Aufenthalt schafft. Der Rundweg führt entlang dem südlichen Ufer zum neu eröffneten
    Hotel mit seiner vorgelagerten Seeterrasse. Hier kann entweder ein Abstecher über
    den großen See zur Altstadt gewählt werden oder es geht weiter entlang dem Freigelände
    am Solebad bis zur ersten Querung über die Gande und zu den Flussterrassen.
    Die Hallenschau und die Gastronomie am Wasserbassin lädt zum ersten längeren
    Verweilen ein. Weiter geht es entlang der Gande nach Norden zum Auepark. Parallel
    der Gande führt mit dem Aueturm, Stegen zu den Koppelteichen und vielfältigen Naturthemen
    ein abwechslungsreicher Weg bis zum Solepark unterhalb des Klosters
    Brunshausen. Nach dem Aufstieg zum Kloster mit seinem Klosterhof, der Gastronomieangeboten
    und einem Klostergarten geht es zurück zum kompletativen Solegarten.
    Zurück führt ein direkter Weg parallel zur Hildesheimerstrasse zum Kurpark zurück.
    Über die Gande wird die Wellnessinsel erreicht, ein darüber liegender Garten lädt zum
    Innehalten ein. Weiter geht es über das Waldspielband entlang des Hangs zur Wasserbühne
    Osterbergsee mit seinen schwimmenden Gärten. Zwischen Eterna und See
    wird der Wasserspielplatz am Fluss und der Sport- und Spielpark mit großen Spielwiesen,
    einem Hochseilklettergarten und Hangrutschen im Hangwald erreicht. Die Themengärten
    begleiten den letzten Teil des Hauptrundwegs, bevor am Seeplatz die
    Gastronomie, der Ruderbootverleih, den Verweilmöglichkeiten am Pflanzenfilterfeld
    der Tag ausklingen kann.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Inszenierung von Wasser und Quellen bildet das Leitmotiv dieser Arbeit, was in den Bereichen Platz mit der Seetreppe am Kurhaus, den Flussterrassen an der RoswithaKlinik und dem Platzbereich zwischen den Osterbergseen sehr gut ablesbar ist.

    Die städtebauliche Anbindung an die Altstadt ist gut gelöst, die einzelnen Gartenschaubereiche sind gut ablesbar und angemessen inszeniert. Die Platzierung der Ausstellungsbereiche ist in diesem Entwurf gelungen; die Zugangsbereiche bedürfen jedoch einer stärkeren Detaillierung, um feststellen zu können, ob sie den Bedürfnissen einer LGS im Erlebnisbereich gerecht werden.

    Die Teilung des Kurparks wird durch die Verlegung des Lohmühlenweges aufgehoben. Die Anbindung an die Hildesheimer Straße muss verkehrstechnisch optimiert werden.

    Die Anbindung des Skulpturenwegs über eine Treppe und Rampe ist gut gelungen.

    Hinterfragt wird die Platzierung der Gastronomie zwischen dem 2. und 3. Osterbergsee, weil sie von allen vier Seiten einsehbar ist. Die Einfriedung der LGS muss zu einem späteren Zeitpunkt maßgeschneidert festgelegt werden.

    Die gestalterische Ausformulierung der Seetreppe und der Seeterrassen erscheint für diesen Ort nicht angemessen und wird kontrovers diskutiert. Positiv werden die Schaffung von Renaturierungs und Aufenthaltsbereichen entlang der Gande gewürdigt.

    Ebenso gewürdigt wird die Integration der Pflanzenkläranlage. Die Ideen zur Umgestaltung des Hanges werden positiv hervorgehoben, jedoch ist fraglich, ob der dargestellte Eingriff eine wirtschaftliche Realisierung ermöglicht. Andererseits wird eine hohe barrierefreie Erlebbarkeit des Parkbereiches erreicht.

    Es fehlen detaillierte Angaben zu Materialien und Pflanzungen.

    Fazit: Eine handwerklich gut gemachte Arbeit, die aber zu wenig Strahlkraft für den für Bad Gandersheim angemessenen Umgang mit Wasser und Quellen bietet, weil diese in der angebotenen Form nicht neu interpretiert werden.