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  • DE-48133 Münster, DE-32760 Detmold
  • 11/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-299998)

Neubau Eingangs- und Ausstellungsgebäude inkl. Freianlagen für das LWL-Freilichtmuseum Detmold


  • ein 4. Preis

    Lageplan, © Entwurf: SAL Landschafsarchitektur GmbH/ behet bondzio lin architekten GmbH & Co. KG

    Landschaftsarchitekten
    SAL Landschaftsarchitektur GmbH, Münster (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Stephan Bracht

    Mitarbeit
    Gregor Schütze, Andreas Wedemann

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: behet bondzio lin architekten, Münster (DE), Leipzig (DE)

    Erläuterungstext
    „Auf gut 100 Hektar Museumsgelände zeigen und bewahren wir eine historische Kulturlandschaft mit den wesentlichen Haus- und Siedlungsformen der Region Westfalen...“ (aus: Leitbild Museum)

    Der Neubau des Eingangs- und Ausstellungsgebäudes, in Mitten dieser historischen hochbaulichen Exponate soll sich selbstbewusst als zeitgemäße Architektur in diesen baulichen Kontext einfügen ohne diesen zu dominieren. Diesem Gedanken folgend, zeigen sich den Besucher*innen lediglich einzelne Gebäudeteile, wie der Haupteingang am Parkplatz, das Museumscafé an der historischen Gartenanlage „Friedrichstal“, der Anlieferungspavillon und der Eintrittspavillon, und fungieren als Markierungen auf dem Weg in das Freigelände.

    In seiner museumspädagogischen Funktion als Eingangsgebäude definiert der Neubau für die Besucher*innen den Übergang zwischen Alltagserfahrung und Ausstellungserlebnis, bei dem sie den Gegenwartskontext verlassen, und in verschiedene historische Kontexte geleitet werden. Dem Weg und seiner Inszenierung kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Der Eintritt in den Berg und das Durchschreiten des skulpturalen Treppenraumes, während dessen jeglicher konkreter Kontext ausgeblendet wird, symbolisiert dabei den Übergang aus dem hektischen Alltag in die Welt des Freilichtmuseums.

    Freiraum
    Der Idee folgend, das neue Gebäude in die vorhandene, bewaldete Topographie der bestehenden Hangkante zu schieben wird, mit Ausnahme der gläsernen Front des Eingangsgebäudes und eines Lichtbandes im Obergeschoss die ganze Gebäudehülle an der Eingangsseite (Nordseite) mit Erdreich überdeckt. In ähnlicher Neigung wie die angrenzenden Bestandshänge modelliert entsteht so eine topographisch nahtlos in die Umgebung eingefügte Hangkante, die mit Nadel- und Laubbaumarten des umgebenden Waldes aufgeforstet wird. So entsteht hier in einigen Jahren eine bewaldete Hangkante, die keinen Unterschied zu den angrenzenden, natürlichen Waldhängen erkennen lässt. Das äußere Entree des neuen Eingangs- und Ausstellungsgebäudes ist ein vom Eingangsbereich Richtung L 937 leicht abfallender Platz aus Asphalt mit Kunstharz gebundener Feinsplittbeschichtung. In dieser homogenen, barrierearmen Fläche sind bestehende Einzelbäume. ergänzt durch eine lichte Baumhainpflanzung aus Bergahorn, ein im angrenzenden Buchen-Mischwald typischer Laubbaum, welcher insbesondere durch seine silbrig-grau Schuppenborke und prächtige gold-gelbe Herbstblatt-färbung auffällt. Dieser Baum ist auch auf der oberen Gebäudeebene, auf dem Niveau der Gartenanlage Friedrichsthal, entlang der nördlichen Kante (Wettbewerbsgrenze) der historischen Gartenanlage zu finden. Hier bildet er in Verlängerung der südexponierten Cafe-Außenterrasse in Richtung Osten das Bindeglied zwischen Ausstellungsgebäude und Eintrittspavillon Freilichtmuseum sowie einen lichten Raumfilter zwischen historischer Gartenanlage und angrenzendem Waldgebiet. Unterhalb dieser Bergahornbäume bieten in einer geschnittenen Rasenfläche eingelegte große Holzpodeste Aussichtspunkte und Erholungsbereiche für Ausstellungsbesucher und Wanderer, die hier Rast machen.

    Nachhaltigkeit, Haustechnikkonzept
    Das Entwurfskonzept stellt eine nachhaltige und Ressourcen schonenden Strategie dar. Durch die Lage in der Erde besitzt das Energiekonzept einen hohen passiven Anteil, dem Grundsatz folgend: „So wenig Klimatechnik wie möglich, so viel wie nötig“. In 10m Tiefe beträgt die Bodentemperatur über das gesamte Jahr konstant ca. 11°C. Diese hohe Temperaturkonstanz der umgebenen Flächen erlaubt den vollständigen Verzicht auf Kühlung. Die notwendige Energie für die Temperierung auf 20°C erfolgt mittels Erdwärme aus Tiefbohrungen (Geothermie) und den Einsatz von umschließender Betonkernaktivierung. Die elektrische Energie für den Betrieb der Pumpen wird direkt über eine PV-Anlage, integriert in das Dach des Cafés gewonnen. Die konstante Lufttemperatur verringert zudem den Aufwand für die Luftfeuchteregulierung erheblich. Die Vorteile eines solchen, stark passiven Klimakonzeptes liegen neben den minimalen Verbrauchskosten zudem in einer hohen Havarie- und Ausfallsicherheit.

    Barrierefreiheit
    Die gleichberechtigte Nutzung aller Gebäudeteile, auch für körperlich beeinträchtige Personen ist durch die ebenerdige Erschließung, durch den Aufzug und angemessene Flur- und Aufzugsbreiten gegebenen.

    Anlieferung
    Die Anlieferung erfolgt über die vorhandene Anlieferungszufahrt. Das Magazin des Ausstellungsbereichs ist mittels eines Lastenaufzugs direkt an den Anlieferungspavillon angebunden. Auch die Anlieferung des Cafés erfolgt über die obere, bereits heute vorhandene Erschließungsebene.

    Wirtschaftlichkeit
    Auf Grund der Lage wesentlicher Bauteile des Neubaus im Erdreich, werden für den Erdbau deutlich höhere Kosten als üblich anfallen. Dem gegenüber ermöglicht diese Entscheidung aber erhebliche Einsparungen durch den Entfall großer Fassadenanteile. Die konstante Umgebungstemperatur der umschließenden Erde ermöglicht zudem ein extrem nachhaltiges, da stark passiv geprägtes Klimakonzept, dass sich in verringerten Investitionskosten und minimalen Betriebskosten niederschlägt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.