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  • 1. Preis

    © ZRS Architekten / Hütten & Paläste

    Architekten
    ZRS Architekten Ingenieure, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Hütten & Paläste Architekten, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: herrburg Landschaftsarchitekten, Berlin (DE)
    Bauingenieure: eZeit Ingenieure GmbH, Berlin (DE)

    Preisgeld
    32.800 EUR

    Erläuterungstext
    WETTBEWERB „MULTITALENT GESUCHT „– UMBAU OSSIETZKY-HOF IN NORDHAUSEN / MIT HÜTTEN & PALÄSTE / 1. PREIS
    Thüringen – Nordhausen

    Im Rahmen der IBA Thüringen und gefördert durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung werden zukunftsfähige, klimagerechte und übertragbare Strategien für die Weiterentwicklung von Plattenbauquartieren gesucht. Anhand des Modellquartiers Ossietzky-Hof in Nordhausen-Nord sollen neue Lösungen für ressourcenbewusste und differenzierte Wohn-, Gemeinschafts- und Freiraummodelle aufgezeigt werden.
    Gemeinsam mit Hütten & Paläste Architekten, herrburg Landschaftsarchitekten und eZeitIngenieure wurde ein Modell entwickelt, welches das Nutzungsspektrum des Bestands durch Eingriffe in verschiedenen Maßstäben neu sortiert. Plattenbauten sind hocheffiziente Bauten, die durch Vorfertigung und Standardisierung Bauzeiten und Baukosten verringerten. Sie werden hier in Ihrer Eigenschaft als Ermöglichungsstrukturen auf den Prüfstand gestellt und durch gezielte Interventionen für neue Nutzungen mit hoher Flexibilität neu programmiert und fortgeschrieben.
    Der Wettbewerbsbeitrag Franzi, Ludwig & Sophia hat den Anspruch zum nationalen und internationalen Diskurs von Klimaschutz und -adaption auf Quartiersebene beizutragen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit formuliert mit den Häusern Sophie, Ludwig und Franzi drei gelungene Ansätze für die Transformation der einzelnen Bestandsgebäude, bei denen jeweils unterschiedlich tief in die Substanz eingegriffen wird. Auf maßvolle und differenzierte Art und Weise wird jedes Gebäude für sich konsequent und durchaus prototypisch umgesetzt. Die Konzepte richten sich an unterschiedliche Nutzergruppen und lassen eine vielfältige Mischung und reges Hofleben erwarten.

    Durch eine gemeinsame Terrassenzone werden die drei Baukörper städtebaulich schlüssig verbunden und erhalten so eine barrierefreie Erschließung. Die Terrasse gliedert den großen Hofraum und schafft einen intimeren grünen Innenbereich mit kleinen Gartenhäusern, der gleichzeitig auch als Pufferspeicher für Regenwasser dient. Die Anordnung der Stellplätze in der Nord-West-Ecke und im Süden des Hofes wird eher kritisch bewertet, perspektivisch sind diese Flächen aber nach Fertigstellung der geplanten Quartiersgarage einfach rückbaubar. Die Gebäude zeichnen sich durch einen jeweils sehr differenzierten Umgang im Zusammenspiel von Grundrissvielfalt, energetischem Konzept und Fassadengestaltung aus. Eine hohe Attraktivität
    für verschiedene Nutzergruppen ist zu erwarten.

    Sophie, die Mehrwertplatte, erhält einen vorgelagerten breiten Laubengang zum Hof, der neben der barrierefreien Erschließung auch als Aufenthaltsraum genutzt werden kann. Durch das Abrücken von der Fassade wird geschickt eine Distanz und bessere Belichtung zu den Wohnräumen geschaffen. Die Wohnungen in den Obergeschossen sind barrierefrei erschlossen und als Clusterwohnungen oder für Wohngemeinschaften ausgebildet. Positiv werden die Maisonettewohnungen im Erdgeschoss und erstem Obergeschoss bewertet, welche Modelle für integriertes Wohnen und Arbeiten ermöglichen und gleichzeitig eine Distanz zum gemeinschaftlichen Hof schaffen.

    Insgesamt entsteht durch die Eingriffe eine hohe Grundrissflexibilität. Die
    Anzahl an Gemeinschaftsräumen scheint angemessen, diese können aber optional auch anders genutzt werden, z.B. als Gästewohnung. Bei Ludwig, der optimierten Bestandsplatte, werden die bestehenden Grundrisse beibehalten. Die einfache Lösung die bestehende Balkonzone zum Wintergarten auszubauen und als Klimapuffer zu nutzen, wird begrüßt. Die Treppenhäuser werden im Erdgeschoss zum Innenhof durchgesteckt, was einen direkten Zugangfür alle ermöglicht. Die Wohnungen im EG werden mit privaten Gärten zum Hof ausgestattet.

    Bei Franzi, dem neuen Bestandsblock, wird der bestehende Laubengang den Wohnungen zugeordnet und beinhaltet kleine Abstellräume und Nischen als Eingangsbereiche für die Wohnungen. Ein vorgesetzter Laubengang nimmt den neuen Lift auf und macht alle Wohnungen barrierefrei nutzbar. Innerhalb der bestehenden Struktur wird durch Schaltbarkeit eine variable Grundrisseinteilung aufgezeigt.

    Das Entwurfskonzept geht mit den bestehenden Strukturen und Gegebenheiten der Fassaden gekonnt um. Balkone werden in der südorientierten „optimierten Bestandsplatte“ zu Wintergärten. Die Eingriffe in die Fassaden reagieren sinnfällig auf Nutzung, Grundrissorganisation und Orientierung. Die ergänzenden vorgelagerten Strukturen im Bauteil Sophia beachten die Tageslichtsituation der dahinterliegenden Wohnräume. Aussagen zu Ausbildung und optimierter Dimensionen bleiben hingegen vage bzw. werden kritisch hinterfragt. Der Umgang mit energetischen Optimierungsmaßnahmen und Abrissstrategien ist wiederum angemessen und nachvollziehbar.

    Generell zeichnet sich die gesamte Arbeit durch einen sehr geschickten, maßvollen, differenzierten und dadurch innovativen Umgang mit präzisen Eingriffen in die Bestandssituation aus, welche in Summe die in der Auslobung genannten Zielstellungen weitgehend erfüllen.