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  • Anerkennung


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    Architekten
    Atelier . Schmelzer . Weber, Dresden (DE)

    Verfasser
    Peter Weber , Paul Schmelzer

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: QUERFELD EINS Landschaft | Städtebau | Architektur PartGmbB, Dresden (DE)
    Bauingenieure: TragWerk Ingenieure Döking+Purtak GmbH, Dresden (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    8.200 EUR

    Erläuterungstext
    Freiraum- und Erschließungskonzept

    Der Ossietzky-Hof bindet nahtlos an den geplanten Stadtloop an. Die Fußgängerbereiche entlang der Dr.-Robert-Koch-Straße werden einheitlich umgestaltet. Der kleine Antrittsplatz vor dem Atelieranbau im Nordwesten bildet dabei den sichtbaren, attraktiven Startpunkt des Stadtloops und das neue Gesicht des Ossietzky-Hofs zur Kreuzung aus. Sitzgelegenheiten und Pflanzungen schaffen Aufenthaltsqualität und erweitern das Angebot des Anbaus nach außen. Eine Terrasse mit Treppenanlage und barrierefreier Rampe vermittelt östlich davon den Höhenunterschied zwischen Gehweg und den Eingängen der Dr.-Robert-Koch-Straße 12-18. Nördlich der bestehenden Gehölzreihe werden die Stellplätze entlang der Dr.-Robert-Koch-Straße als Senkrechtparker bis zur Kreuzung ausgebildet. So entstehen 20 neue Stellplätze in unmittelbarer Nähe zum Wohnhof. Die Quartierserschließung erfolgt über die umgestaltete Carl-von-Ossietzky-Straße als Spielstraße im Einrichtungsverkehr. Die neue Ausfahrt auf die Dr.-Robert-Koch-Straße ermöglicht den Rückbau der Fahrspur südlich des Wohngebäudes. Im Nordosten entsteht die „Aktive Ecke“ mit Schnellladestation, Carsharing und drei barrierefreien Stellplätzen. Ein kleiner Unterstand mit Paketstation, Müllstandort und eine Mitfahrerbank vervollständigen hier das Angebot. Südlich der Aktiven Ecke entsteht eine „Grüne Wand“ an der nördlichen Brandwand des Gebäudes Carl-von-Ossietzky-Straße 3-6. Die Vorzonen des Gebäudes werden als Retentionsraum umgestaltet. Eine neue Gehölzreihe gegenüber des DRK zoniert den Raum. In Richtung Hof entstehen private Gärten für die Erdgeschosswohnungen. Nördlich der KiTa „Kleine Strolche“ werden vier öffentliche Stellplätze im Straßenraum angeboten. Gegenüber werden 14 Bewohnerstellplätze und eine Überdachung für Müll- und Geräteabstellmöglichkeiten sowie eine Fahrradstation vorgesehen. Im Südwesten entsteht der geschützte Quartiersplatz zwischen Kreativgarage und dem Gebäude der Albert-Träger-Straße 43. Hier können die Außensitze des Cafés, Feste und Veranstaltungen unter freiem Himmel stattfinden. Der Grünraum westlich des Gebäudes wird zum Lebensraum und Versickerungszone umfunktioniert. Eine Einmuldung, die Ansaat von Blühwiesen und Gehölzpflanzungen sorgen für eine natürliche Atmosphäre im Übergang zu den Gärten im Süden. Aufkantungen an den Eingangszonen bieten Platz zum Verweilen. Der Wohnhof wird als gemeinschaftlicher Freiraum mit vielfältigem Nutzungsangebot umgestaltet. Den Mittelpunkt bildet die offene Wiesenfläche die von zwei bewachsenen Rasenhügeln umspielt wird. Kleine Picknickplätze laden zum Sitzen unter den neugepflanzten Obstgehölzen ein. Hier kann im Herbst geerntet werden. Eine neue Spiellandschaft für die Kleinen, Trimm-Dich-Angebote und Flächen für den Sport laden zum aktiven Erholen ein. Im Osten des Hofs entstehen flexibel nutzbare Flächen für das Urban Gardening. Ein Gewächshaus und Geräteschuppen erweitern das Angebot. Im Norden des Hofs können die Hochbeete entlang der Erdgeschosszone gemeinschaftlich gepflegt werden – hier wachsen Blumen und Kräuter. Eine Hobby-Imker-Station liegt geschützt hinter dem Feuchtbiotop. Pflanzungen und Saaten werden unter dem Gesichtspunkt der Biodiversität (z.B. Bienenweide,), Trockenheitsresistenz und Imagebildung ausgewählt. Begehbare Flächen werden möglichst versickerungsfähig und mit nachhaltig ausgebildet. Um die dauerhafte Aneignung und Pflege der Flächen zu gewährleisten, sollten die Bewohner des Ossietzky-Hofs in die intensivere Planung der Freiflächen mit einbezogen werden.

    Architektonisches Konzept

    Ziel ist die gestalterische und funktionale Aufwertung der Bestandsgebäude unter Beachtung der individuellen Parameter der Häuser sowie der nutzungsspezifischen Gesamtbetrachtung des Ossietzky-Hofs.
    Die „flexible Mehrwertplatte“ wird mittels durchgesteckter Treppenhäuser im Erdgeschoss mit dem Innenhof verbunden. In den ersten beiden Etagen werden jeweils zwei Ebenen zu Maisonettwohnungen zusammengefasst und durch einen angrenzenden privaten Gartenbereich ergänzt. Besonders für Familien wird dadurch im Ossietzky-Hof eine attraktive Wohnungstypologie etabliert. Eine neue vorgesetzte Balkonstruktur generiert großzügige Freibereiche auch in den oberen Geschossen und gliedert die vorhandene charakteristische Fassadenstruktur. Die Wohnungen können bei Bedarf zu größeren WG´s zusammengefasst werden. Der Umbau zu Maisonette-Wohnungen wird mittels gerader Treppenläufe geplant. Die zugehörigen neuen Öffnungen in den Bestandsdecken sichern sogenannte Auswechslungen. Die Öffnungslaibungen werden mit Stahlprofilen hergestellt, woran auch die neuen Geländer zu befestigen sind. Die neuen Balkonanlagen stehen als eigenständiges Tragwerk vor den Fassaden. Die Konstruktion ist aus Fertigteilen in sehr hoher Qualität und Dauerhaftigkeit vorgesehen. Die Anschlüsse an die bestehende Rohbaukonstruktion dienen in erster Linie der horizontalen Aussteifung, welche in die Bestandsdecken mit eingeklebten Ankern einfach herzustellen sind. Über eine eigene Gründung werden die Lasten in den Baugrund eingeleitet. Die Grundrisse innerhalb der „optimierten Bestandsplatte“ bleiben in den Obergeschossen vollständig erhalten. Zur besseren Anbindung an den gemeinsam genutzten Hof werden auch hier Treppenhäuser im Erdgeschoss zweiseitig durchgesteckt. Die Ladenzonen im Erdgeschoss werden durch eine barrierefreie ebenerdige Erschließung der weiteren Flächen im Westen ergänzt. Hier entstehen Räume für kleine Startups, Büros oder Dienstleister mit guter Anbindung an den städtischen Raum. Die „optimierte Bestandsplatte“ erhält ebenfalls eine neue Balkonstruktur, welche auf Grund der südlichen Himmelsausrichtung durch einen öffenbaren Wintergarten ergänzt wird. Innerhalb der kalten Jahreszeiten wird somit eine klimatische Pufferzone sowie zusätzlich nutzbarer Wohnraum generiert.
    Der Laubengang des „neue Bestandsblocks“ wird durch eine individuelle Begrünung aufgewertet. Im Erdgeschoss wird ein multifunktional nutzbares Café mit Bezug zum Innenhof angeordnet. Die weiteren Flächen im Erdgeschoss werden als vermietbare Apartments, Vereinsräume oder Co-Working-Spaces attraktiv gestaltet. Ein zusätzliches Treppenhaus stellt die barrierefreie Erschließung aller Geschoss sicher. Daher eignet sich besonders dieser Gebäudeteil für Menschen mit Handicap. Rentner – WG´s sind ebenso willkommen wie Familien oder Mehrgenerationsstrukturen. Durch die optionale Zuschaltbarkeit einer kleineren 1-Raum-Wohnung wird ein großes Nutzerspektrum abgedeckt. Für den Einbau von großzügigen Wohnungen und des Cafés im Erdgeschoss des ehemaligen Schwesternwohnheimes werden die tragenden Wände durch Stahlrahmenkonstruktionen ersetzt. Die räumliche Aussteifung des Gebäudes ist damit weiterhin gegeben. Der Anbau der neuen vertikalen Erschließung mit Aufzug wird über einen Massivbau realisiert.
    Das Ossietzky – Forum kann optional, auch in einem 2.Bauabschnitt, realisiert werden. Es betont die besondere Ecke des Blocks und vermittelt zwischen dem Ossietzky – Hof und dem angrenzenden Stadtraum. Es bildet für beide Seiten einen Auftakt und stellt besondere Flächen für Kunst und Kultur bereit. Der optionale Anbau des Forums zur städtebaulichen Schließung der „offenen Ecke“ ist als eigenständiger Massivbau vorgesehen. Vorgespannte Deckenelemente als Fertigteile überspannen die Gebäudebreite stützenfrei, so dass die Erdgeschosszone vielfältig nutzbar ist.
    Die Kreativgarage wird in die Umgestaltung des Gemeinschaftshofes einbezogen und erhält einen direkten Bezug zum Quartiersplatz. Eine offene Struktur sowie vielfältige Nutzungsmöglichkeiten werden diesen Ort beleben. So finden hier z.B. eine Selbst - Schrauber - Werkstatt für Fahrradfahrer, eine Band- und Konzertraum sowie ein Jugendtreff Platz.

    Energetisches Konzept

    Die vorhandene Fernwärmeversorgung erlaubt eine optimale Ausgangssituation zur Realisierung der angestrebten sehr guten Hofbilanz. Die energetische Aufwertung durch eine allseitige Wärmedämmung und ökologische nachhaltige Fassadenbekleidung verbessert die Gesamtbilanz. Bei der Auswahl der Materialen werden ausschließlich Produkte verwendet, welche vollständig recycelbar sind. Auf Verbundmaterialen wird verzichtet.
    Die Integration von Aufstellflächen für Photovoltaikanlagen auf den Gebäudedächern sowie an den sonnenexponierten Seiten unterstützt die Quartiersinterne Strombilanz und die damit verbundene energetische Versorgung der E-Mobilitäts-Infrastruktur. Der Feuchteschutz nach DIN 1946-6 muss für neu sanierte Wohnungen gewährleistet sein. Um diesen sicherzustellen wird die Installation von Nachströmelementen im Fensterbereich in Verbindung mit einer Querlüftung der Wohnungen vorgeschlagen. Bei den innenliegenden Bädern und Küchen ist eine Kombination von Abluftanlagen und Nachströmelementen sinnvoll. Zur Optimierung der 1-Rohr-Heizanalge wird eine indiControl System verwendet. Mit diesem System wird der Heizwasservolumenstrom in den einzelnen Heizsträngen, in Abhängigkeit der tatsächlich geforderten Heizleistung der Heizkörper geregelt. Regelgröße ist die Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf. Bei geringer Anforderung sinkt die Spreizung, der Volumenstrom wird wieder erhöht. Durch den reduzierten Volumenstrom wird auch die Wärmeabgabe über die Heizungsrohre reduziert.Das anfallende Regenwasser auf den Dachflächen wird gesammelt und in separaten unterirdischen Zisternen im Hof gespeichert. Somit kann eine Verwendung für die Bewässerung der Urban Gardening Flächen sinnvoll umgesetzt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überzeugt durch ihre große gestalterische Einheitlichkeit, was - nach Abbruch der Bestandbalkons-durch neue, elegante Fassadenlösungen erreicht wird. Dabei steht eine Konstruktion aus Fertigteilen als eigenständiges Tragwerk vor der Fassade. Alle Gebäude tragen gemeinsam mit ihren dunklen Holzverkleidungen und den genannten Balkonen zum Gesamteindruck bei. Das ergibt eine klare Aussage und ein elegantes Erscheinungsbild. Das Projekt zeigt ein hohes Potential zur Vervielfältigung/Modularität bezüglich der Fassadenertüchtigung und gibt sinnfällige Antworten bezüglich der ökologischen Qualität der neuen Hüllkonstruktionen. Grundsätzlich sind die Maßnahmen zur energetischen Ertüchtigung nachvollziehbar, ebenso ist der Umgang mit den bestehenden Bauteilen im Wesentlichen angemessen.

    Die „flexible Mehrwertplatte“ bildet Maisonette-Wohnungen mit hoher Wohnqualität, aber auch (zu) hohem konstruktivem Aufwand. Behindertengerechtigkeit wird dadurch nicht erreicht.

    Die „optimierte Bestandsplatte“ wird im Erdgeschoss über eine Terrasse barrierefrei erschlossen.

    Der „neue Bestandsblock“ erhält ein neues Treppenhaus mit Aufzug, die Wohnungen entlang des Laubengangs werden durch Zusammenlegung vergrößert.

    Die klare Aussage in den Gebäudekubaturen wird durch einige Ergänzungsbaukörper vervollständigt. So erhält die optimierte Bestandsplatte einen Anbau, dessen Nutzung als Atelierhaus über 5 Etagen etwas beliebig erscheint. Ferner komplettieren Fahrradgarage und Quartiersgewächshaus die Freiräume im Hof. In der Südwestecke ist ein Quartiersplatz angeordnet, der in seiner Lage von der Jury jedoch unterschiedlich bewertet wird. Diese öffentliche Schnittstelle sollte besser einen Beitrag zum öffentlichen Stadtraum, insbesondere
    dem geplanten „Loop", leisten.

    Insgesamt ein sehr gut durchgearbeiteter, gestalterisch überzeugender Entwurf, dessen Eignung für den konkreten Standort und die sozialräumlich differenzierte Programmatik der Auslobung dennoch zweifelhaft bleibt.


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