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  • DE-14979 Großbeeren
  • 12/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-9123)

Neubau der Justizvollzugsanstalt Heidering in der Gemeinde Großbeeren


  • 2. Preis

    Plan 1

    Landschaftsarchitekten
    HAHN HERTLING VON HANTELMANN, Berlin (DE), Hamburg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Ziel des Entwurfes ist ein klar strukturiertes, funktionales Gebäudeensemble für die komplexen Funktionszusammenhänge der Haftanstalt zu entwickeln, welches gleichzeitig den Landschaftsraum Teltow - Fläming in angemessener Weise respektiert.


    STÄDTEBAULICH-ARCHITEKTONISCHES KONZEPT
    Die Gebäude werden im südöstlichen Bereich des Grundstückes vorgesehen, um die notwendigen Erdbewegungen so gering wie möglich zu halten. Die Anlage entwickelt sich parallel zu der Zugangsstraße im Nordwesten und integriert sich somit in die Hauptstruktur der Felder und Wiesen.

    Die einzelnen Funktionsbereiche der Haftanstalt werden im wesentlichen zu zwei miteinander verbundenen Großformen zusammengefasst:
    Die drei winkelförmigen Teilanstalten bilden durch ein durchlaufendes Dach und eine einheitliche horizontale Fassadengliederung einen schlangenförmigen Meander, der mit der weitläufigen Landschaft korrespondiert und sich zu dieser hin öffnet.
    Die Vollzugsmagistrale und die Bereiche für Arbeitswesen, Lagerung, Versorgung, Schule, Religion, medizinische Versorgung und Sport, sowie die Hauptverwaltung zeigen sich aufgrund der Fassadenausbildung, Farbe und Materialität sowie der rechtwinkligen Anordnung dagegen als ein in der Höhe differenziert gestaffelter Gebäudekomplex, an den der Meander an drei Punkten andockt.

    Das Pfortengebäude und das Logistikcenter werden getrennt im Nordwesten der Anlage situiert. Der Zugang in die Haftanstalt erfolgt aufgrund der Höhenlage westlich des Biotops.


    ORGANISATION
    Das Zentrum der Anlage bildet die Vollzugsmagistrale, die als vollkommen gerade Erschließungsachse alle Bereiche der Vollzugsanstalt miteinander verbindet. Die Magistrale ist im Wesentlichen zweigeschossig ausgebildet, bereichsweise sind im 1. OG die Räumlichkeiten der Teilverwaltung mit Bezug zu den Teilanstalten angeordnet.

    Die Unterkunftsbereiche für die Gefangenen binden südöstlich an die Magistrale an. Auf jedem der drei Geschosse einer Teilanstalt finden sich jeweils zwei entlang eines geraden Mittelflures organisierte Stationen, die beide gleichzeitig von einem gemeinsamen zentralen Dienstraum aus eingesehen werden können. Die Stationen unterteilen sich immer in zwei Untergruppen. Im Übergang zur Vollzugsmagistrale sind die Diensträume der allgemeinen Teilanstaltsverwaltung getrennt von den Unterkunftsbereichen vorgesehen, im Erdgeschoss die Teilanstaltszentrale.

    Alle anderen Funktionsbereiche der Haftanstalt schließen gegenüber den Unterkunftsbereichen nordwestlich an die Magistrale an:
    In direkter Nähe der des Pfortengebäudes befindet sich der Zugang zu der Hauptverwaltung mit dem Besucherzentrum im Erdgeschoss.
    Zum Südwesten hin findet sich die Sport- und Veranstaltungshalle. In der die Halle umgebenden zweigeschossigen Raumzone werden die Räume für Freizeit, der Arztdienst, die Bibliothek und der Andachtsraum angeordnet. Auf der Sporthalle wird die Schule vorgesehen, die auf diese Weise den Pausenhof im 2. OG erhält. Der konstruktive Aufwand im Tragwerk wird durch die resultierende effektive Geländeausnutzung und kompakte Bauweise ausgeglichen. Dieser Bereich bildet zusammen mit der Hauptverwaltung einen dreigeschossigen Kopfbau.
    Eingeschossig schließen nach Nordosten hin das Zentrallager und das Versorgungszentrum an.
    Den Abschluss bildet der großflächige Hallenkomplex für das Arbeitswesen bei dem rechteckig ausgebildete Sheddächer zwischen dem ein- und zweigeschossigen Bereich vermitteln. Die Speiseräume und die Nebenräume werden über eingeschnittene Höfe belichtet.


    KONSTRUKTION UND MATERIALIEN
    Grundsätzlich wird darauf geachtet ein hohes Maß an Vorfertigung zu erreichen und möglichst einfache Konstruktionen zu verwenden. Konstruktive und unveränderliche Elemente werden aus Fertigteilen (Fertigteilstützen, Stahlbetonhohlwände) bzw. Halbfertigteilen hergestellt, während Bereiche, in denen ein gewisses Maß an Flexibilität sinnvoll erscheint, wie zum Beispiel die Innenbereiche der Verwaltung, in nicht tragendem Mauerwerk ausgeführt werden.

    Die Wände des Unterkunftsbereiches werden im Wesentlichen als Stahlbetonhohlwände ausgeführt, die Flachdecken als Halbfertigteile.
    Die zweigeschossige Modulhalle 1 wird als Stahlbetonbau in Kombination von Ortbeton und Fertigteilen geplant. Die weiteren Modulhallen werden als Kombination von Stahlbetonfertigteilstützen und in die Shedwände integrierte Stahlfachwerkbindern errichtet. Die Hallen werden voneinander mit Brandwänden aus preiswerten Porenbetonfertigteilen getrennt. Auch die Ausfachung der Außenwände erfolgt durch Porenbetonfertigteile, die aufgrund entsprechender Dicke als einschalige massive Außenwand fungieren.
    Die Bauteile Versorgungsküche und Zentrallager werden als Stahlbetonskelettbauten - ausgefacht mit Porenbetonfertigteilen - mit nichttragenden Trennwänden aus Mauerwerk vorgesehen, um erforderliche Nutzungsänderungen einfach zu ermöglichen. Im Verwaltungstrakt, im Pförtner- sowie im medizinischen Bereich kommen Flachdecken als Halbfertigteile mit nichttragenden Trennwänden zum Einsatz. Die Decke über der Sporthalle wird mit Spannbetonfertigteilbindern realisiert. Der darüber liegende Ausbildungstrakt wird mit dünnen Stahlbetondecken und parallel zu den Bindern spannenden Unterzügen umgesetzt.
    Das Logistikzentrum kann wirtschaftlich als Stahlhalle errichtet werden.


    Die Fassaden der Unterkunftbereiche sowie der Vollzugsmagistrale werden aus einfachen, glatten, unterschiedlich farbig behandelten Betonfertigteilen erstellt, so dass in diesen für die Gefangenen erreichbaren Bereichen eine besonders dauerhafte und widerstandfähige Fassade entsteht, die gleichzeitig über die Farbigkeit ihre Massivität überspielt und sich in die Landschaft integriert.

    Demgegenüber erhalten die weniger beanspruchten Fassaden der Gebäudeteile nördlich der Magistrale über einem Sockel aus Betonfertigteilen eine Putzoberfläche, teilweise direkt auf der Wandkonstruktion (Hallen mit Porenbeton), teilweise als Wärmedämmverbundsystem (Hauptverwaltung).

    Im Inneren werden einfache und robuste Materialien möglichst effizient verwendet.
    So ist durch den hohen Anteil von Stahlbetonfertigteilen ein vergleichsweise geringer Anteil der Oberflächen zu verputzen, und ein Großteil der Mauerwerkswände wird als gestrichenes Sichtmauerwerk ausgeführt. Als Bodenbeläge werden je nach Erfordernis Linoleum, Fliesen und Hartestrich oder Epoxydharzestriche vorgesehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.