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  • AT-6922 Wolfurt
  • 11/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-323699)

QER – Quartiersentwicklung Rickenbach in Wolfurt (Bauphase 1)


  • 2. Preis

    Erdgeschoß, © AllesWirdGut / DnD Landschaftrsarchitektur

    Architekten
    AllesWirdGut, Wien (AT), München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: DnD Landschaftsplanung, Wien (AT)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das sehr eigenständige und spezifische Projekt wurde nach der Prämisse entwickelt, für den Ortsteil Rickenbach einen neuen Ortskern zu schaffen, was kohärent mit der Ausschreibung verstanden wird. Dazu wurde in fünf Punkten eine Grammatik entworfen, nach der sich die volumentrischen und freiräumlichen Setzungen richten. Die Grammatik basiert sowohl auf analytischen wie auch assoziativen Kriterien. Die analytischen beziehen sich auf den vorgefundenen Ort, die assoziativen kommen frei hinzu und reichern das Projekt an.

    Insgesamt werden dieser Ansatz und die damit verbundene, intellektuelle Arbeit ausdrücklich gewürdigt.

    Herzstück des städtebaulichen Entwurfs bildet ein zentraler «Dorfplatz», der von allen Seiten zugänglich sein soll. Diese Zugänge erfolgen über schmale Gassen, die weitere Aufweitungen und kleinere, offenere Platzräume in das durchgehende Freiraumgerüst einbinden. Auch die Bestandsbauten werden explizit, etwa über einen Anbau oder eine Wegverbindung, mit diesem Gerüst ins Gesamtgefüge integriert. Wie in einer Altstadtstruktur – und diese Lesung legt das gezeigte Funktionsschema nahe – scheinen diese Freiräume aus einer fiktiven Baumasse ausgeschnitten. Die Jury fühlt sich dabei beinahe an die Regelwerke eines Camillo Sitte erinnert, der die szenografischen Qualitäten von Altstadträumen proklamiert hatte.

    Hierin bestand denn auch ein erster Kritikpunkt, da die Raumbildung im Bestand von Rickenbach eben nicht einem «subtraktiven», sondern einem additiven, offenen Prinzip mit autonomen Einzelhäusern folgt. Auch wenn die freie Stellung der Häuser zueinander richtig beschrieben und ins Projekt übersetzt wird, ist die Raumbildung letztlich doch eine diametral andere. Es resultiert eine in gewisser Weise nachgebaute, imitierende (Altstadt-)Struktur, die dem Ort fremd bleibt.

    Damit soll aber nicht die Qualität einzelner Räume in Frage gestellt werden, im Gegenteil. Die sehr unterschiedlichen und spezifischen Zuschnitte der einzelnen Baukörper birgt großes Potential für die Unverwechselbarkeit und Identität des neues Ortes und auch für das Wohnen entstünden über unterschiedliche Bautiefen, Orientierungen etc. Situationen mit hoher Qualität und spezifischem Charakter (diese Eigenschaften gehen sogar bis ins Humoristische: Es gibt Häuser, die haben ihre Adresse auf der einen und den Wohnraum auf der anderen Seite des Baches...).

    Die einzelnen Charaktere werden auf den Plänen auch benannt und beschrieben. Leider ist dabei die Terminologie teilweise sehr ungenau. Es erschließt sich nicht, warum das eine Haus ein «Stadthaus» ist und das andere nicht. Auch der Begriff «Park» wird zweimal für ganz verschiedene Räume verwendet und besitzt damit wenig Aussagekraft. Im Falle der östlichen Bebauung ist er wahrscheinlich sogar falsch. Unabhängig davon wurde der Vorschlag für diesen östlichen Teil kritisch beurteilt. Hier wechselt die Bebauungsstruktur von individuellen Einzelhäusern in eine Serie gleicher Volumen, die aber ähnlich dem Rest auch über offene Strukturen verkettet sind. Unverständlich ist hier zudem der Zusammenschluss von der «Serie» mit dem Einzelhaus am Platz.

    Die Auszeichnung mit dem zweiten Preis versteht sich als Würdigung eines sehr eigenständigen Projektes, das bis hin zur Materialisierung äußerst konsequent durchgearbeitet ist und an vielen Stellen räumliche Qualitäten aufweist.