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  • DE-83043 Bad Aibling
  • 12/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-305653)

Wohnanlage Karl-Wagner-Straße in Bad Aibling


  • 1. Preis

    Modellfoto, © STUDIOKUBIK + Jens Metz Architekten

    Architekten
    STUDIOKUBIK Architekten, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: plattformberlin, Jens Metz Architekten, Berlin (DE)

    Preisgeld
    30.000 EUR

    Erläuterungstext
    NEUE NACHBARSCHAFTEN … IM PASSENDEN MASSSTAB.
    Wir sehen das Quartier als Ensemble, das sich in die Umgebung integriert und diese bereichert. Das Stadtmodell schreibt bewährte Typologien fort und ergänzt diese durch differenzierte öffentliche Räume. Leitgedanke ist dabei die Berücksichtigung der Maßstäblichkeit und der bestehenden Strukturen aus einzelnen, ablesbaren Häusern und dazwischenliegenden großzügigen Freiräumen.
    Aufgrund ihrer Kubatur, Materialität und Gestaltung wirken die unterschiedlichen Häuser als Ensemble, der Raum öffnet sich und erzeugt durch ein ausgewogenes Verhältnis von Dichte und Öffnung Spannung und Abwechslung. Das gesamte Quartier ist autofrei, unterschiedliche von Fußgängern und Radfahrern nutzbare Passagen binden das Quartier an die umliegenden Strukturen an. Die kompakten Gebäudeformen und die Minimierung der Fahrerschließung sind im Hinblick auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit optimiert.


    KOMPAKTES QUARTIER … MIT GROSSZÜGIGEN FREIRÄUMEN.
    Wir möchten Angebote an die Bewohner machen, die zur Aneignung durch unterschiedliche Nutzergruppen einladen. Die Zwischenräume bilden verschiedene Höfe, die als halböffentliche Räume der gesamten Nachbarschaft offenstehen. Entlang der kreuzenden Wege befinden sich Spielflächen, Gartenbereiche, Ruhe- und Sportbereiche, die die Aneignung ermöglichen und die Identifikation der Bewohner mit dem neuen Raum fördern. Die Abstandsflächen von 0,5 H gemäß BayBO werden gegenüber der umgebenden Bebauung durch Nutzung des Schmalseitenprivilegs (Breite < 16m) sowie innerhalb des Grundstücks eingehalten
    Der bildprägende grüne Hof ist großen Bäumen bepflanzt, er dient sowohl als kommunikativer Erschließungsraum wie auch als Aufenthaltsort mit unterschiedlichen Angeboten, die durch die aktiven Ecken der Gebäude ergänzt werden. So liegt ein Kinderspielplatz gegenüber der Kita, eine Fahrradwerkstatt im Nordwesten und die überdachte Sommerküche am großen Hof, ein überdachter Tresen, der für Grillabende oder für Flohmärkte genutzt werden kann und den Außenraum animiert.


    UNTERSCHIEDLICHE WOHNFORMEN … DIE MISCHUNG MACHT’S.
    Wir sehen Vielfalt als Qualität in einer Wohnanlage. Das Quartier verfügt über insgesamt 86 Wohneinheiten gemäß dem vorgegebenen Wohnungsschlüssel, jede Etage verfügt über Wohnungen unterschiedlicher Größe, die mindestens zweiseitig ausgerichtet sind. Der Wohnbereich mit wahlweise abtrennbarer Küche öffnet sich zu den über Eck orientierten Balkonen, die als Energiegärten genutzt werden können.
    Durch den modularen Charakter ist es möglich, für unterschiedliche Wohnvorstellungen und Zielgruppen verschiedene Wohnungstypen anzubieten und deren Verteilung durch die zwischengeschalteten Zimmer gegebenenfalls zu variieren. Sämtliche Zimmer sind von ähnlicher Größe und damit nutzungsneutral, damit wird unterschiedlichen Belegungen und Familienkonfigurationen Rechnung getragen, auch für künftige Generationen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das neue Quartier stellt sich als eigenständiges Ensemble mit besonderen stadträumlichen Qualitäten dar: Es ist konsequent autofrei, die Zufahrten enden an Sammelparkplätzen an der Karl-Wagner-Straße und an der Maxlrainer Straße. Innerhalb des Quartiers entsteht so eine grüne Mitte mit differenzierten Freiräumen. Die notwendige Feuerwehrdurchfahrt deckt sich in unauffälliger Weise mit den nutzbaren Freiflächen im Außenraum. Ein Schwachpunkt der städtebaulichen Außenwirkung liegt in der Lücke an der Münchner Straße, die durch den eingeschossigen Kindergarten im Erdgeschoss des südwestlichen Gebäudes nicht geschlossen werden kann. Hier wäre ein größeres eigenständiges Bauvolumen denkbar. Der Beitrag zeichnet sich durch eine klare Trennung von Gebäude und Außenraum aus. Durch das auf + 0,95 m angehobene Erdgeschoss gibt es keine Mietergärten vor den Wohnungen, sondern lediglich gemeinschaftliche Freiflächen. Diese Außenräume sollen durch besondere Angebote wie Kinderspielplätze, Boule, Grillplatz Sommerküche, Buchleihe oder Tischtennis in der Nähe der Gebäudeeingänge aufgewertet werden. Diese Attraktionen werden zur Aneignung durch die Bewohner vorgeschlagen. Der Bezug der Wohnungen zu den Freiflächen wird durch Loggien an den Gebäudeecken auch in den Erdgeschossen hergestellt. Die an den Gebäudeecken gelegenen Wohnküchen mit den Loggien erscheinen nicht ausreichend geräumig und werden durch die notwendigen Laufwege in ihrer Nutzbarkeit eingeschränkt. Teilweise werden über die Wohnküchen auch gefangene Schlafräume erschlossen. Andererseits sind viele Individualräume deutlich größer als erforderlich, so dass innerhalb der Wohnungen oftmals Raumreserven zur Korrektur diverser Schwächen im Grundriss bestehen (z.B. zur Verbesserung der Wohnküche). Die Nordorientierung von Aufenthaltsräumen mancher Wohnungen wird kritisch gesehen. Die architektonische Erscheinung wirkt unspektakulär, die Einfachheit in Material und Ausdruck sollte dennoch mit höherem Gestaltungsanspruch umgesetzt werden. Die Stapelung der Regelgeschosse wird durch Verschiebungen der Fensterachsen und Variationen der Fensteröffnungsgrößen überspielt, die jedoch keine Entsprechung im Grundriss finden. Die Tiefgarage ist hinsichtlich Größe, Zu- und Abfahrt sowie innerer Organisation zu verbessern. Der unterirdische Stellplatzanteil sollte dabei erhöht werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Hoffläche weiterhin von Unterbauung freigehalten wird, um die hohe Qualität des Freiraumes zu erhalten.