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  • Teilnahme 2. Stufe

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    Bauingenieure
    Leonhardt, Andrä und Partner, Beratende Ingenieure VBI AG, Stuttgart (DE), Berlin (DE), Dresden (DE), Erfurt (DE), Nürnberg (DE), Hamburg (DE), Zürich (CH), Köln (DE), Frankfurt am Main (DE), Magdeburg (DE), München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Nickl & Partner, München (DE), Berlin (DE), Zürich (CH)
    Architekten: BS + EMI Architektenpartner AG, Zürich (CH)
    Architekten: GMS Partner AG, Zürich (CH)
    sonstige Fachplaner: MMI Schweiz AG, Zürich (CH)
    sonstige Fachplaner: Hospitaltechnik Planungsgesellschaft mbH, Krefeld (DE)
    TGA-Fachplaner: Amstein + Walthert AG, Zürich (CH)
    Landschaftsarchitekten: Müller Illien Landschaftsarchitekten, Zürich (CH)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebau / Architektur
    Das Projekt schlägt als städtebauliche Setzung einen flach gehaltenen Baukomplex vor, der sich hinter dem bestehenden Universitätsspital netzartig über das Gelände ausbreitet.
    Eine grosszügige, dem Terrain folgende Magistrale verläuft in ost-westlicher Richtung und
    verbindet die Gloriastrasse mit der Sternwartstrasse mit einer grosszügigen Geste. Die die Magistrale begleitenden Innenhöfe sind stimmungsvoll und verbinden Alt- und Neubau sowohl räumlich, als auch inhaltlich auf eine angemessene Weise. Allerdings ist die verlangte öffentliche Durchlässigkeit des Areals in beiden Etappen nicht wirklich überzeugend gelöst. Das langgezogene Bauwerk wird durch darauf aufgesetzte, mehrgeschossige Bettentrakte an den beiden Stirnseiten volumetrisch akzentuiert. Diese Konzeption wirkt städtebaulich kompakt, unaufgeregt und ist interessant.

    Die architektonische Gestaltung thematisiert ein explizites Weiterbauen im Sinn der architektonischen Themen des heute bestehenden, architektonisch wertvollen Spitalbaus. Die Fassaden zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Bestand und dem Versuch einer stimmigen Übersetzung in die heutige Zeit. Auch in den Innenräumen verspürt man diesen gestalterischen Ansatz. Allerdings wirft diese Nähe sowohl in volumetrischer, als auch in inhaltlicher Hinsicht Fragen auf. Einerseits bedrängt der achtgeschossige Neubau an der Gloriastrasse mit seiner Mächtigkeit den Altbau über das erträgliche Mass. Gleichzeitig dürfte sich die gewollte gestalterisch-architektonische Verwandtschaft zum Altbau auf die Länge weniger zum Katalysator des Gesamtprojektes entwickeln, sondern vielmehr sowohl für den Altbau, als auch für den Neubau als unglückliche Behinderung der jeweiligen architektonischen Wirkung erweisen. Auch in betrieblicher Hinsicht wirft der Entwurf nicht zu übersehende konzeptionelle Mängel auf, die ihm ein Weiterkommen im Verfahren verwehren.


    Freiräume

    Porosität, Sprossen und Holmen, Quartiervernetzung, Einbettung, Umgang mit Topografie

    Der Grundsatzentscheid für eine Grossstruktur widersprach an sich der Vorgabe der Porosität und der Quartiervernetzung aus dem Weissbuch im Prinzip von Beginn weg. Wegen des Versprechens eines sich dank der geringen Bauhöhe sehr gut ins Quartier einordnenden Bauvolumens, hat dieser Grundansatz das Beurteilungsgremium jedoch sehr angesprochen. Es zeigte sich im Lauf der Bearbeitung, dass das Team keine Lösung für eine offene Durchwegung Park - Gloriarank anbieten konnte, wie sie ursprünglich gefordert war. Diese ist zwar nachgewiesen, führt jedoch durch das Gebäude hindurch, ist kompliziert und labyrinthisch und muss in den Nachtzeiten geschlossen werden. Auch in der ersten Etappe bleibt nur einkleiner Schlupf für den Durchgang, der unter der Arkade durchführt und räumlich nicht sehreinladend wirkt. Dies ist der Preis für die niedrige Gebäudehöhe. In der zweiten Etappe ist diese Problematik noch verschärft.
    Die Verbindung Sternwartstrasse – Park hat einen grosszügigen begrünten Auftakt an der Sternwartstrasse und führt offen in den Park. Die Einbettung in die Topografie ist gut gelungen, bezüglich dieses Aspektes gibt es kaum problematische Orte der Anbindung an die Umgebung.

    Innerer Städtebau, innere Wege, Innen / Aussen

    Die innenliegende Magistrale hat ihren Auftakt in einer grosszügigen Eingangshalle mit
    direkten Bezug auf einen kleineren Gebäudehof. Die Magistrale und die zweigeschossige
    Galerie führen in der Folge entlang des gut proportionierten langestreckten Gartenhofes
    Richtung Sternwartstrasse. Der Hof ist sehr grosszügig, die Visualisierung zeigt eine sorgfältige attraktive Gestaltung. Auch die vier kleinen Innenhöfe der ersten Etappe stellen sensible Vorschläge dar und bieten mit ihren Staffelungen auf verschiedenen Höhen einen schönen Ausblick aus den angrenzenden Räumen.

    Bezugnahme auf Stadtraumtypologien Weissbuch, Park, Parkschale, Solitärbäume

    Die Idee der Parkschale ist gut aufgenommen. Die Zufussgehenden werden von der Agora im Bereich des Parks hochgeführt. Baumbestandene Vorbereiche wechseln sich ab mit befestigten, mit Funktionen versehenen Zonen. Schwierig ist die Ausformulierung der Mauer und Rampenanlage im Bereich der Tiefgarageneinfahrt. Die Visualisierung negiert die Autos, die auf den Bereich zwischen Garageneinfahrt und Spital zu stehen kommen (Besucherparkplätze). Das Geländer wird unter diesen Voraussetzungen nie so filigran ausgeführt werden können, die Mauer wird von der Strasse her damit noch markanter in Erscheinung treten, die Situation wird somit von der Gloriastrasse sehr hart und unwirtlich erscheinen. Der Zwischenraum zwischen der alten Anatomie und dem neuen Spital besteht aus Abstandsgrün und einem Weg. Obwohl das Restaurant des Spitals im Erdgeschoss angeordnet ist, wird die Gelegenheit nicht genutzt, dessen
    Aussenraum zur Belebung dieses Ortes zu nutzen. Die Aussenbestuhlung ist auf die Arkade beschränkt. In diesem engen Raum kann sich der Park nicht bis zur Gloriastrasse hin entwickeln, er bleibt ein Restraum.

    Dachgärten, Fassadenbegrünung

    Zur Erweiterung der Aussenräume wird in der 1. Etappe einzig das Dach des Häfeli-Moser-Steiger-Baus genutzt. Zu den Dächern des Neubaus werden keine Aussagen gemacht. Fassadenbegrünung ist nicht vorgesehen. Identität, Qualität, Vielfalt, Gesamteindruck Der Preis für das niedrige Volumen des neuen Spitals ist einerseits, dass das Grundstück flächenmässig sehr stark beansprucht wird, was knappe Aussenräume zur Strasse hin zur Folge hat. Zudem konnte das Team nicht nachweisen, dass bei diesem Ansatz die gewünschte Durchwegung möglich ist. Das ist jedoch nicht der Grund, weshalb dieses Projekt nicht zur Ausführung empfohlen wurde. Insgesamt ist die Gestaltung der Aussenräume solid und ein anspruchsvoller Gestaltungsansatz erkennbar. Überzeugend sind vor allem der Umgang mit der Topografie und die Entwürfe des Gartenhofes und der vier Innenhöfe.

    Spitalorganisation

    Aus Sicht der Spitalorganisation handelt es sich um einen interessanten Vorschlag mit ansprechenden Ansätzen. Das Grundkonzept der Neukonzeption wurde durch das Projektteam gut erfasst und umgesetzt.
    Das geforderte Prinzip der Modularität bei den Funktionseinheiten wurde mehrheitlich angewendet, doch erschwert der teilweise fehlende Detaillierungsgrad bei der Ausarbeitung der Grundrisse eine finale Bewertung. Diverse Raumnachweise sind nur als Raumgruppen (aggregierte Raumstempel) nachgewiesen. Sehr positiv wird die Anordnung von vier Pflegestationen auf einer Ebene bewertet, wenn auch dieses Prinzip nicht in den späteren Bauabschnitten eingehalten wird (geforderte Standardisierung). Kritisch bewertet werden die eklatanten Flächendefizite insbesondere in den so wichtigen Bereichen, wie Notaufnahme, BGV, IPS, NUK (12-25 % zu wenig Nutzfläche). Die Pflegestationen weisen einen guten Aussenbezug und entsprechende Tageslichtqualitäten auf. Diese Qualitäten werden bei diversen anderen Räumlichkeiten vermisst. Die IPS könnte auch aufgrund der Anordnung der Pflegestützpunkte
    übersichtlicher für einen perfekten Betriebsablauf gestaltet werden.
    Verbindungen zwischen Neubau und Bestand sind zwar schematisch aufgezeigt, jedoch
    schwer in ihrer Funktionalität bzgl. Personen- und Warenströmen wertbar. Entsprechende Angaben zu Höhendifferenzen fehlen hier. Die Güterlogistik insgesamt ist ebenfalls schwer wertbar, zumal bspw. Hüll- / Schleppkurven bei Wirtschaftshof und Anbindungen fehlen. Die Anforderungen an das Notfallzentrum wurden nicht optimal erfüllt, sodass die gewünschten prozessualen Zusammenhänge nur bedingt erfüllt werden. Ein sehr erheblicher Teil der dort nachgewiesenen Räume verfügt über kein direktes Tageslicht. Der geforderte, separate Eingang für Verdachtsfälle infektiöser Patienten fehlt. Die Zufahrt zur Notaufnahme weist eine Vermischung mit Transporten der Ambulanzfahrzeuge und privatem Verkehr auf. Auffällig ist auch der geringe Abstand zwischen der Einfahrt und der Tramhaltestelle. Die funktionalen Anordnungen innerhalb des Operationsbereichs sind gut gelöst und erfüllen die Anforderungen. Sehr positiv wird auch bewertet, dass die OP-Einheiten in nur zwei Clustern nachgewiesen werden. Die Anbindungen an die verschiedenen Operationsbereiche sowie IPS/IMC Stationen erfolgen direkt auf den Geschossen, sodass Aufzugsfahrten in nur moderatem Anteil notwendig sind. Die Anordnung der IPS/IMC-Bereiche ist bedingt übersichtlich und verfügt über eine erhebliche Anzahl innenliegender Räume. Die geforderten Qualitäten an die Wegeführung werden nicht optimal umgesetzt. Speziell hier fällt auch die voraussichtlich zu geringe Anzahl an Liftkapazitäten auf, letztlich zur geeigneten Separierung des Waren-/Güterverkehrs aber auch zur notwendigen Kopplungsmöglichkeit der IPS/IMC untereinander. Die Allgemeinpflege weist jeweils 4 Stationen auf einer Ebene aus, was für die notwendige interdisziplinäre Organisation der Pflege sehr hilfreich ist. Die Patientenzimmer verfügen über den geforderten Aussenbezug mit Tageslicht. Die Lichthöfe sichern auch für die sonstigen Stationsräume einen guten Tageslichtbezug ab. Die gewünschte Standardisierung der Normalpflegestationen konnte erzielt werden. Die Gleichartigkeit der Anordnung
    auf einer Ebene wird allerdings in den späteren Bauabschnitten durchbrochen mit dann nur noch drei Pflegestationen je Ebene.
    Die Logistik mit Anlieferung und Verteilung ist nur bedingt nachvollziehbar dargestellt.
    Die Umschlagplätze sind angeordnet, allerdings ist die An- und Ablieferung insbesondere mit grossen Lastwagen auch aufgrund der fehlenden Schleppkurven nicht abschliessend prüfbar.
    Insgesamt erscheint die so wichtige Funktion des Güterumschlages zu knapp bemessen.
    Die Anordnung der verschiedenen Funktionseinheiten bedingt entsprechende Kapazitäten bei den Vertikalerschliessungen, um diese zeitgerecht versorgen zu können. Diese erscheinen aus betrieblicher Sicht auch zu gering bemessen. Die Trennung der Patienten-, Mitarbeitenden- und Warenströme erfüllt allerdings vom Prinzip her die Anforderungen. Die klare Trennung zwischen Forschung und medizinischer Versorgung wird durch deren Platzierung im Gebäude positiv aufgenommen. Die Verbindung zwischen den einzelnen Neubauetappen scheint gut möglich.
    Die Technikkonzepte sind durchdacht und untereinander abgeglichen. Die Vorgaben sind
    eingehalten und die Technikflächen, -zentralen und -konzepte sind nunmehr nachvollziehbar dargestellt. Die Anordnung der Steigzonen sind nach Gewerken aufgeteilt und scheinen effizient in das Gebäude integriert zu sein. Hinsichtlich technischer Modularität sowie bezüglich entsprechender Redundanzen weist das Konzept allerdings Schwächen auf.
    Das geforderte Raumprogramm wird erheblich unterschritten, sodass das Ziel eines optimierten, respektive minimierten Bauvolumens dem fehlenden Flächennachweis entgegensteht.
    Das Verhältnis Geschossfläche zu Nutzfläche liegt leicht unter dem Benchmark universitärer Spitalbauten. Dieser sehr wirtschaftliche Koeffizient zwischen Geschoss- und Nutzfläche lässt vermuten, dass Verkehrs- und / oder Technikflächen zu gering angesetzt wurden.

    Die Gesamtkosten erscheinen entsprechend korrekt ausgewiesen, allerdings aufgrund der Unterschreitung des Raumprogramms und der niedrigen Geschossfläche nach oben zu korrigieren.

    Gesamtwürdigung

    Das Projekt von Nickl & Partner und BS+EMI nimmt mit einem flach gehaltenen, netzartig organisierten Baukomplex eine entschiedene städtebauliche Setzung vor. Die architektonische Gestaltung thematisiert ein Weiterbauen im Sinn des heute bestehenden, architektonisch wertvollen Spitalbaus und zeugt von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Bestand und dem Versuch einer stimmigen Übersetzung in die heutige Zeit.


INFO-BOX

Angelegt am 11.01.2019, 13:26
Zuletzt aktualisiert 16.01.2019, 14:38
Beitrags-ID 4-167975
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