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  • DE-70734 Fellbach
  • 01/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-302732)

Entwicklung des Freibad-Areals Fellbach


  • 1. Preis

    Modellfoto, © Hähnig + Gemmeke Freie Architekten

    Architekten
    Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Jan Gienau, Anthony Carimando

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE)

    Preisgeld
    13.000 EUR

    Erläuterungstext
    Erläuterungstext

    Mit der städtebaulichen Entwicklung des ehemaligen Freibadgeländes besteht die stadträumlich Chance, den südwestlichen Stadteingang im Kontext der vorhandenen baulichen und landschaftsräumlichen Strukturen zu definieren.
    Die, den Ort und sein Umfeld prägende historische Kelter, sowie der markante Baumbestand des Freibades werden wichtige, identitätsstiftende Elemente in der Neuordnung des Areals.
    Schnittstellen zu den angrenzenden Frei- und Landschaftsräumen werden akzentuiert und in einen übergeordneten Bezug gesetzt.
    Der Stadtplatz bildet das Gelenk zum innerstädtischen Siedlungskörper und schafft ein attraktives Vorfeld für die „Alte Kelter“. Durch mögliche bauliche Weiterentwicklungen im Bereich des ehemaligen Freibadeingangs kann diese wichtige Schnittstellenfunktion langfristig noch gestärkt und durch zusätzliche öffentliche Nutzungen attraktiviert werden.
    Der städtebauliche Entwurf definiert klare Raumkanten zu den angrenzenden öffentlichen Straßenräumen und bildet in der Ost-West-Achse, Stadtplatz-Landschaftsraum einen Quartiersplatz als neue Mitte des Stadtviertels. Nach Südwesten entsteht ein grüner Stadt-eingang, der das „Freibaldwäldchen“ als Alleinstellungsmerkmal erhält, aufwertet und in die Stadt einleitet.
    Bestehende Gebäude und Neuplanung verzahnen sich zu einem neuen Stadtviertel, welches durch Quartiersstrukturen, differenzierter Parzellierung geprägt ist. In diesem Kontext wird auf die bestehende, erhaltenswerten Gehölzstrukturen behutsam eingegangen. Nach Norden zur Bebauung am Eschenweg entsteht eine punktuelle Solitärbebauung, die Maßstäblichkeit und Duktus aufnimmt und weiterentwickelt. Gebäudetypologie, Durchblicke und Baumstandorte lassen eine parkähnliche Wohnsituation entstehen.
    Durch die klaren Raumkanten zu den angrenzenden Erschließungsstraßen entstehen im Innenbereich geschützte Wohnsituationen von großer Vielfalt, hoher typologischer Flexibilität und gewünschter Privatheit. Die grünen Innenhöfe schaffen Gartensituationen in einem verdichteten urbanen Gesamtgefüge.
    Die Geschossigkeit und Höhenentwicklung der Bebauung reagiert auf sein Umfeld und wird als II- bis V-geschossige Bebauung geplant. Das südwestliche Quartier akzentuiert das neue Stadtquartier durch einen Hochpunkt an der Esslinger Straße.
    Der öffentliche Raum innerhalb des neuen Quartiers wird als durchgängiges Fuß- und Radwegenetz mit den vorhandenen Wegestrukturen zum Kappelberg, in die Innenstadt und in die benachbarten Wohngebiete weiterentwickelt. Die vorhandene Topographie nutzend werden im Norden die Retentionsflächen für das anfallende Niederschlagswasser vorgesehen und in den parkähnlichen Freiraum integriert.
    Durch die Entscheidung einen Teilbereich des ehemaligen Baumbestandes des Freibades zu erhalten entsteht ein für Fellbach spezifischer und aus der Historie heraus entwickelter südwestlicher Stadteingang, der Obstwiesen, Weinberge und Kappelberg inszeniert und somit in die Stadt einleitet.
    Ein neues Stadtquartier das durch die Berücksichtigung und Einbindung der vorhandenen prägenden Grünstrukturen einen hohen Identifikationsgrad für seine zukünftigen Bewohnen und Nutzer generiert.

    Freiraumkonzept

    Im neuen Wohnquartier wird ein differenziertes Angebot an öffentlichen, halböffentlichen und privaten Freiräumen vorgeschlagen.
    Zentrales Element ist eine öffentliche Freiraumachse, die in Ost-West-Richtung vom neu gestalteten, urbanen Stadtplatz vor der Alten Kelter entlang der bestehenden Lindenreihe bis zum neuen Quartiersplatz im Zentrum des Wohngebiets führt. Der Quartiersplatz bietet vielfältige Nutzungs- und Aufenthaltsqualitäten und ist durch den hier wieder aufgestellten Freibad-Springturm und ein Wasserspiel als Remmiszenz an die frühere Freibadnutzung, der identitätsstiftende zentrale Kommunikationsort des neuen Quartiers.
    Darüber hinaus fungiert er als Verteiler für die Wegebeziehungen in die umliegenden Bereiche und besonders zum Kappelberg.
    Ein weiterer prägender Ort ist die multifunktional nutzbare, öffentliche Grünanlage des Freibadwäldchens im südöstlichen Bereich, das aufgrund des wertvollen Baumbestandes erhalten und in das Konzept integriert wird. Darüber hinaus werden weitere schützenswerte Bäume und erhaltenswerter Baumbestand in das Konzept integriert.
    In den vier Quartieren bieten gemeinschaftliche Wohnhöfe mit (LBO-) Spielplätzen und Sitzmöglichkeiten zentrale Aufenthalts- und Kommunikationsorte für die Bewohner/ -innen. Den EG-Wohnungen werden private Gartenanteile zugeordnet.
    Das Regenwasser von den begrünten Dachflächen wird über ein unterirdisches Rigolensystem hangabwärts in am Nordrand des Gebiets liegende Retentionsvolumen eingeleitet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit einem vielleicht tradierten, an sich jedoch klaren wie schlichten orthogonalen Prinzip umschreiben die Verfasser im Areal eine Folge von gut proportionierten Blöcken. Das so entstehende Netz gewährleistet eine gute Grunderschließung des Areals und eine sinnfällige Einordnung des ruhenden Verkehrs. Das Netz knüpft mit dem Kelterplatz, der Lindenallee oder dem Weg in die südlichen Weinberge an den richtigen Stellen des Ortes an. Es integriert subtil durch leichte Ausdrehungen die angrenzenden Strukturen und entwickelt durch dezenten Versatz der Blöcke gegeneinander ansprechende öffentliche Erschließungsräume.

    Im Norden bilden freistehende Villen mit der richtigen Körnigkeit den Übergang zur bestehenden Bebauung. Richtig ist die Besetzung einer eigenständigen Mitte für das Quartier durch den fast im Zentrum liegenden großzügigen Quartiersplatz, wenngleich dieser zu nordorientiert erscheint und dessen Zusammenspiel mit der angrenzenden Wohnstraße und dem beendenden Kelterplatz vielleicht ein Zuviel an städtischer Urbanität für diesen Ort inszeniert.

    Die Blöcke sind gut geschnitten und entwickeln innerhalb der klaren Grundordnung durch Öffnungen mit einladenden Durchblicken, durch unterschiedlichste Bautypen in der Bandbreite von Wohnclustern bis Gartenhäuser, ein leichtes Spiel mit den Höhen sowie changierende Erschließungsstrukturen ein Bild von ansprechender Vielfalt und richtig gesetzter Privatheit. Der Lärmschutz ist aufgrund der Baustruktur gewährleistet.

    Geschickt werden große Teile des Baumbestandes integriert. Mit der Ausweisung des Freibadwäldchens als öffentlicher Park wird eine eigenständige Antwort auf die Frage des Stadteinganges entwickelt, wenngleich der vorhandene Lärmpegel dessen freiräumliche Nutzung sicherlich stark einschränken dürfte.

    Die Arbeit bietet eine robuste und durchaus vorstellbare Antwort für die gestellte Aufgabe, die die gewünschte Wohnungsvielfalt wie Anzahl bietet und die in einem tragfähigen Rahmen die sicherlich erforderliche Flexibilität für die weitere qualitätsvolle Entwicklung des Areals gewährleistet.