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  • DE-70734 Fellbach
  • 01/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-302732)

Entwicklung des Freibad-Areals Fellbach


  • Anerkennung

    Lageplan

    Stadtplaner
    rheinflügel severin, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: A24 Landschaft, Berlin (DE)

    Preisgeld
    3.000 EUR

    Erläuterungstext
    Mit der Bebauung des ehemaligen Freibad-Areals wird Fellbach auf seiner Südwestseite baulich vervollständigt, sodass ein kompakter Siedlungskörper entsteht. Hierdurch erfolgt eine selbstverständliche Einbettung des neuen Quartiers in die Ortsstruktur. Die nicht vollständige Ausnutzung des Grundstücks im Südwesten ermöglicht neben der Abrundung des Siedlungskörpers mit großzügigem Abstand zur nicht überdeckten Bundesstraße eine „Landschaftsbrücke“ zur Verknüpfung der Weinberge des Kappelbergs mit den Streuobstwiesen Bad Cannstatts.

    Die bauliche Struktur setzt sich aus einem Verbund von Wohnhöfen zusammen, wodurch die Bildung von Nachbarschaften gefördert wird. Die Höfe schmiegen sich in ihrer Geometrie dem baulichen Bestand an und greifen die abknickende Typologie des bestehenden Riegels an der Untertürkheimer Straße auf. Die vorgeschlagene Struktur ist aber kleinteiliger als dieser und versteht sich daher im Maßstab als Vermittler zu den Gebäuden am Eschenweg. Die Höfe bilden an ihrem Schnittpunkt in der Mitte einen kleinen Nachbarschaftsplatz unter Bäumen aus. Durch die leicht abweichende Form und Materialität der Höfe entsteht ein abwechslungsreiches Quartier mit eindeutigen Adressen und zusammenhängender Identität.

    Die Mischung verschiedener Wohntypologien erfolgt innerhalb der Höfe. Angeboten werden Geschosswohnungsbauten als Zeilen und geöffnete Winkel. Beabsichtigt ist eine kubische Architektur mit extensiv begrünten Dächern, deren Fassaden von großzügigen Loggien und Fensteröffnungen gegliedert werden. Die Erdgeschosswohnungen verfügen über umlaufende Gärten mit Hecken zur signifikanten Markierung der privaten Freiflächen. Der Innenbereich der Höfe hat halböffentlichen Charakter. Bobby Cars und Dreiräder haben hier Vorfahrt, wenn auch eine grundsätzliche Befahrbarkeit durch den MIV möglich ist.

    Die Realisierung des neuen Quartiers lässt sich hofweise in 3 Abschnitte gliedern. Grundsätzlich sind alle Bauabschnitte zeitlich unabhängig voneinander zu realisieren. Um Störungen der Bewohner durch Baulärm und Lieferverkehre zu vermeiden, wird der nordöstliche Hof als erster Bauabschnitt favorisiert.

    Die Erschließung des Quartiers erfolgt weitgehend über die bestehenden Straßen. In Ergänzung zu den Hofflächen wird eine Stichstraße entlang der Grundstücksgrenze zum bestehenden Wohnungsbau an der Untertürkheimer Straße vorgeschlagen. Für Fußgänger und Radfahrer wird darüber hinaus ein feinmaschiges Wegenetz auf zum Teil halböffentlichen Flächen mit optimalen Anschlüssen an die umgebende Struktur angeboten.

    Die privaten Stellplätze der Geschosswohnungen befinden sich in Tiefgaragen unter den Höfen, sodass der ruhende Verkehr optisch nicht sonderlich in Erscheinung tritt. Oberirdisch sind lediglich die Stellplätze der Besucher angeordnet. Die Fahrradstellplätze befinden sich zum größten Teil im Untergeschoss unmittelbar neben den Treppenkernen und sind über die Tiefgarage von außen erreichbar. Ein kleinerer Teil der Fahrradstellplätze ist oberirdisch im Zufahrtsbereich der Höfe zusammen mit den Müllsammelplätzen untergebracht.

    Das Fuß- und Radwegenetz ist in ein vielfältiges System von Freiräumen eingebunden. Zentrale Bedeutung kommt neben den Höfen dem Nachbarschaftsplatz in der Quartiersmitte zu. In Ergänzung hierzu bietet die Lindenallee auf der Nordseite mit Anbindung an den Stadtplatz im Osten und die Landschaftsbrücke im Südwesten unterschiedliche Freiraumqualitäten an. Die in den Freiräumen integrierten Spielflächen sind ebenso vielfältig gestaltet. Hier steht beispielsweise ein generationsübergreifender Bewegungsparcour im Nordosten einem landschaftlichen Spielplatz im Südwesten gegenüber. Neben den Spielflächen ist das Regenwassermanagement über wegebegleitende offene Versickerungsmulden in den Freiraum integriert. Auf den Platzflächen und in den Höfen sind Langbänke verortet, die zur Rast und zum Aufenthalt einladen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Drei kompakte Wohnhöfe gruppieren sich um einen zentralen Stadtplatz, der Baumbestand des ehemaligen Freibades wird zum umgebenden Grüngürtel und Teil einer landschaftlichen Vernetzung, die jeweilige Erschließung erfolgt störungsfrei aus dem umgebenden Straßennetz. Nach Südwesten bildet der Park das Entree zur Stadt. Im Norden wird die Lindenallee zur Parkpromenade zwischen dem Platz vor der Alten Kelter, einem zukünftigen Baugebiet und der Landschaft im Westen.

    Die Bebauungshöhe dieser Wohninseln variiert zwischen zwei und fünf Geschossen. Diese Höhenentwicklung, die dadurch entstehende bauliche Massivität und der Eindruck der Abgeschlossenheit werden kritisiert. Auch die Qualität sowohl der öffentlichen wie der privaten Freiräume wird in Frage gestellt – der vorgelagerte Wald im Südwesten ist stark lärmbelastet und bietet wenig Aufenthaltsqualitäten, ebenso wird die Notwendigkeit der vorgeschlagenen Dimension der Promenade im Norden hinterfragt. Die privaten Freiflächen, die die drei Höfe im EG umkränzen, sind ebenfalls nicht durchgehend qualitätsvoll – z. B. orientieren sie sich zur stark befahrenen Esslinger Straße oder sind verschattet von der Lindenallee.

    Das Projekt bietet in seiner Differenzierung zwischen dichter städtischer Bebauung und einem großen Anteil an öffentlichem Freiraum mit Erhalt des Freibad-Baumbestandes ein Gegenmodell sowohl in Freiraumnutzung als auch in Lebensformen. Baukörper, die in ihrer Höhe und Tiefe flexibel und ökonomisch nutzbar und mit verschiedenen Wohnformen organisierbar sind, thematisieren nicht eine gestalterische Vielfalt, sondern ein bindendes Korsett in einer Materialität. Mit den gemeinschaftlichen Wohnhöfen entsteht eine Großform als Rahmen für Begegnung, Dachgärten bieten alternative Aufenthaltsorte. Dieses alternative Angebot wird wertgeschätzt, die Frage nach dem Mehrwert der erhaltenen Freiflächen im Vergleich zu einer Überbauung mit notwendigem Wohnungsbau ist allerdings nicht ausreichend beantwortet.