loading
  • DE-92224 Amberg
  • 01/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-314343)

„Leben an der Vils“ in Amberg


  • Anerkennung

    Blick Richtung Flussbad

    Landschaftsarchitekten
    lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Ursula Hochrein , Axel Lohrer

    Mitarbeit
    özge menevse

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: löhle.neubauer_architekten BDA pmbb, Augsburg (DE)

    Erläuterungstext
    Konzept | Es ist erstaunlich, wie sehr sich Amberg derzeit von der Vils abwendet. Nach innen verlagerte Plätze, hohe Flutmauern, abgesetzte Promenaden, entfernt geführte Wege oder blickdichte Vegetation.
    Dabei ist die Stadt allein schon durch die Geschichte eng mit dem Fluss verbunden, was nicht zuletzt durch Stadtbrille und Plättentradition zum Ausdruck kommt. Durch diese räumliche wie kontextuelle Nähe ist es jedoch ein Leichtes, sich wieder der Vils zuzuwenden und dadurch dieses unverwechselbare und den Ort prägende Potential, zu heben.

    Leben und Wohnen an der Vils bedeutet, den Fluss in das alltägliche Geschehen selbstverständlich und immanent einzubinden. En passant sind der Klang der Bewegung, die herbstlichen Nebel, das sommerliche Glitzern und die stille winterliche Bewegung des Wassers wahrzunehmen. Selbstverständlich ist der Schritt ans Ufer, die Hand kurz im Wasser zu halten, die kurze Rast, der spontane Treff direkt am Fluss.

    „Der Vils folgen“ – wird Thema und Leitbild für die behutsame Wiederzuführung und subtile Entdeckung des besonderen Charmes der Stadt an ihrem Fluss. In drei Schichten – der Promenade, den Querungen und den Orten - wird diese Annäherung inszeniert. Die individuellen Charaktere der Amberger Vils – Flusslandschaft, Stadtlandschaft und Parklandschaft – werden verstärkt herausgearbeitet. Sie wird mit den Promenaden und Querungen durch eine gekettete Folge von einladend langen Rundwegen erschlossen und innerhalb der so entstehenden Teilräume durch besondere, den Raum unterstreichende „Orte“ prägnant inszeniert.


    Promenade | Beidseitig der Vils werden die Ufer begleitenden Wege durch die Beseitigung der kurzen Unterbrechungen, durch die Öffnung von Blicken und einer verbindenden Materialität und einheitlichen Ausstattung lesbar zu den flankierenden, die Vils in die Mitte nehmenden „Promenaden, ausgebaut.

    Querungen | Die Querungen verknüpfen die beiden Promenaden und schaffen überschaubare Rundwege. Durch ihre architektonische Durcharbeitung (Brücken) und künstlerische Überhöhung (Unterführungen) werden sie markant Teil der freiräumlichen Inszenierung der Amberger Flusslandschaft.

    Orte | Innerhalb der durch die Rundwege erschlossenen Teilbereich bilden kompakt-intensive Orte die besonderen bildprägenden Akzente – das Bootshaus im Park, der Wassersoccerplatz am Ufer, die „Länd“ in der Stadt, der aquatische Pleasureground im Englischen Garten, die wilde Flussbadestelle mit dem „gestrandeten Kahn“ oder der Naturbeobachtungsturm in der wilden Aue.

    Englischer Garten | Die bereits intensiv gestaltete landschaftliche Parkanlage im Schnittbereich von Flusslandschaft und grünem Stadtring wird durch die klärende Herausarbeitung von Baumgruppen, die selbstverständlichere Integration der zu weiten Stadteinfahrt und durch die – im Sinne des klassischen Landschaftsgarten erfolgende – Neuinterpretation eines aquatischen Pleasureground und damit als erlebbarer eigenständiger Teilbereich in der Freiraumfolge aufgewertet.


    Kräuterwiese | Im Gegensatz zur gestalteten Parklandschaft im Süden präsentiert sich die Kräuterwiese als ein naturgetönter offenen Landschaftsraum. Durch die dezente Rücknahme der zu dichten Ufervegetation, durch partielle leichte Absenkungen des Terrains und durch den Einbau südwestorientierter Sitzstufen wird die Vils erlebbar und bildprägend in die Mitte des Raums genommen. Mit dem „Flusbadeschiff“ erhält der ansonsten lesbar naturnahe Raum einen Blickfang und Treffpunkt. Die Sitzstufen sind in angenehmer Exposition erweiterte, einladende Aufenthaltsbereiche, Aufforderungen zum Flussbad und – landschaftlich formuliert – Anlandestellen für Flusswanderer.
    Die Wiesen werden abgemagert, blütenreicher und insektenfreundlicher weiterentwickelt. Mit einer Furt und einer abenteuerlichen wie hochwassergerechten „Robebride“ werden die beiden Ufer spielerisch verbunden.

    In einem späteren Bauabschnitt kann zudem eine reguläre wie behindertengerechte Brücke über den Fluss und darüber hinaus bis in die angrenzenden Wohnquartiere geführt werden.


    „Flussbadeschiff“ | Ein “gestrandeter“ und gleichzeitig schwimmfähiger Kiosk mit Sonnendeck wertet den Landschaftsraum weiter auf und lädt zum Verweilen ein. Auf Schwimmpontons aus Aluminium wird eine einfache Holzkonstruktion aus Dickholzelementen aufgelagert. Auf dem Holzdeck werden ein Cafe mit großer Terrasse, eine Bar, eine kleine Küche mit Lagerraum, 2 WCs mit Umkleide sowie ein Geräteraum verortet. Zusätzlich kann über eine einfache Steigleiter das “Oberdeck“ als reine Sonnenterrasse genutzt werden.

    Verkleidet wird die Holzkonstruktion mit einer horizontalen Holzlattung; ein flexibles Schlauchsystem – welches im Hochwasserfall abgeklemmt wird, gewährleistet die “haustechnische“ Versorgung des schwimmfähigen Kiosks, der an einem Poller aus Stahl in der Landschaft rückverankert wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Gewürdigt wird der Umgang mit der Vils und den begleitenden Wiesen die über baumbestandene Ränder einen angenehmen Raum definieren. Die Bastion ist leider nicht mehr erkennbar während der Mühlenplatz dem Rossini ein würdiges Umfeld bietet und zugleich die Mühlengasse angenehm verkehrsberuhigt. Schade ist, dass die Verfasser nur sehr rudimentär zeigen wie sie räumlich mit der Pfalzgrafenbrücke umgehen
    wollen. Nicht nachvollziehbar ist der lapidare Wegfall der Parkpalette.