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  • DE-92224 Amberg
  • 01/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-314343)

„Leben an der Vils“ in Amberg


  • Anerkennung


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    Landschaftsarchitekten
    Trepesch Landschaftsarchitektur, Amberg (DE)

    Verfasser
    Andreas René Dittrich , Christopher Trepesch

    Mitarbeit
    Florian Rüger, Johann Christian Hannemann, Mart Simisker

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Dittrich Landschaftsarchitekt, Freising (DE)

    Preisgeld
    3.000 EUR

    Erläuterungstext
    RAN an den Fluss

    Konzept
    Der Entwurf schafft für nichtmotorisierte VerkehrsteilnehmerInnen eine neue, attraktive Nord-Süd-Verbindung entlang der Vils durch die Altstadt von Amberg. An der Schnittstelle von Stadt und offener Landschaft entsteht für RadfahrerInnen, SpaziergängerInnen und PaddlerInnen ein vielfältiger, dynamischer Spiel-, Natur- und Erlebnisraum am Fluss, der auf unterschiedlichen Ebenen zugänglich gemacht wird.

    Die Kräuterwiese ist der Vorgarten der Stadt und trifft mit dem Englischen Garten unmittelbar auf die Stadtkante.
    Durch einen überregional angelegten Weg von Traßlberg bzw. Neumühle herkommend, gelangt man direkt am Wasser in den neu gestalteten Park.

    Im Vorfeld der Kräuterwiese im Norden wird die Vils stark aufgeweitet. Durch die Verbreiterung und das Schaffen von tiefen Bereichen im Flussbett entsteht eine Sedimentfalle. Die Fließgeschwindigkeit verlangsamt sich, die mitgebrachten Sedimente im Wasser setzen sich ab. Die Aufweitung dient als Sandfang, der über einen Unterhaltsweg erschlossen wird, da ein Ausbaggern im Bedarfsfall notwendig sein wird. Als zusätzliche Filterfunktion dienen Schilf- und Röhricht Zonen, welche die Ufer säumen. Hier entstehen wechselfeuchte Bereiche im Schwemmland.

    • Es entsteht ein Ökologisch-dynamischer Flussraum, bei dem bewusst durch Engstellen, das Waser von einem Ufer zum anderen pendelt. Es wirkt wie ein Spielfeld für den Fluss, die Eigendynamik des Flusses sollte so gut es geht genutzt werden.
    Verengungen z.B. am Brückenbauwerk werden durch Steine geschaffen. Hier wird eine flache Sohlgleite eingebaut. Die Strömung in der sonst „vor sich hin dümpelnden Vils“ macht den Flusslauf an dieser Stelle attraktiv. Klares Wasser wird sich hier einstellen. Es entstehen unterspülte Ufer am Prallhang mit Steilwänden, die dem Eisvogel zum Bau von Bruthöhlen dienen.
    Bewusst eingebaute Raubäume und Störsteine erzeugen Kehrwasser für zusätzliche Dynamik. Das Substrat der Sohle wird daher nicht Verschlammen sondern vielfältig den Fischen zum Laichen dienen. Bisher kaum auftretende Anlandungen von Schwemmholz werden bewusst durch das verkelien von Totholz, Weidenstämme (die auch austreiben dürfen) und Wurzelstöcke als Unterstand für Fische eingeführt.

    Aus dem neu gestalteten Flussraum an der Kräuterweise gelangt man über schwimmende Stege (bei Hochwasser selbst aufschwimmende Pontons) immer am Wasser entlang in die Altstadt.

    Das Zentrum, das "Amberger Ei" ist mittelalterlich geprägt mit seinen zahlreichen historischen Gebäuden und der wehrhaften Stadtmauer – außen rund wie eine Ellipse – innen eckig und kantig durch die Gassen und Plätze. Bei der Stadtbrille und in der Schiffbrückgasse ist man nah am Wasser. Bei einer Plättenfahrt kann man die Vils auf dem Wasser erleben.

    Fehlende Wegeverbindungen direkt am Fluss sollten verbessert werden. Durch einen hohen, auskragenden Steg, der Krambrücke und Martinssteg verbindet, befindet man sich direkt über dem Wasser gegenüber des Martinturms. Dies schafft ganz neue Blickbeziehungen für Amberg. Gastronomie mit Außenbereich auf schwimmenden Pontons direkt am Fluss bereichern die Schiffbrückgasse und beeinträchtigen den Durchfluss im Hochwasserfall nicht. Vom Luftmuseum aus entlang des Bürgermeister-Sattler-Hauses spiegelt sich ein untergeordneter Fußweg, der die Vils bis zur Stadtbrille am Landratsamt erlebbar macht. Auf großen Veranstaltungen wie dem „Entenrennen“ oder dem Luftbootrennen kann von beiden Seiten zugejubelt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser überzeugen mit ihrer großräumlichen Einordnung der Vils und dem konzeptuellen Umgang der drei Bereiche: Kräuterwiese, Altstadtei mit grünem Stadtgraben und südliches ehemaliges IGA-Areal. Auch der unterschiedliche Umgang der beiden Uferseiten an der Kräuterwiese kann intellektuell nachvollzogen werden. Im täglichen Gebrauch werden diese zwei Welten jedoch nicht verstanden werden, da beide Uferseiten gleichermaßen begangen werden können. Die Jury findet die formale Gestaltung des westlichen Uferbereichs unangemessen. Die Auflösung der Brückenpfeiler dürfte im Verhältnis zum gewonnenen Erlebniszuwachs zu aufwendig werden. Begrüßt wird dagegen der Platz an der Vils, der sich zwischen Bastion und Stadtmauer aufspannt und so als gelungenes Gelenk zur Altstadt fungiert.


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