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  • DE-10115 Berlin
  • 01/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-301185)

Umgestaltung Freiraum am Schäfersee in Berlin


  • 4. Preis

    Neuer Parkzugang mit Uferbalkon am Schäfersee, © A24 Landschaft

    Landschaftsarchitekten
    A24 Landschaft, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Steffan Robel , Jan Grimmek

    Mitarbeit
    Oliver Ferger

    In Zusammenarbeit mit:
    Wasserbauingenieure: Arcadis Deutschland GmbH, Darmstadt (DE), Berlin (DE), Karlsruhe (DE), Freiberg (DE), Dresden (DE), Halle/Saale (DE), Hamburg (DE), Hannover (DE), Kaiserslautern (DE), Kassel (DE), Köln (DE), Leipzig (DE), München (DE), Stuttgart (DE), Aalen (DE), Essen (DE)

    Erläuterungstext
    Die denkmalgeschützte Parkanlage am Schäfersee wurde seit ihrer Entstehung in den 1920er Jahren mehrfach überformt. Die unterschiedlichen Zeitschichten haben ihre Spuren hinterlassen, die ringförmige Grundfigur der Parkanlage rund um die Wasserfläche ist aber weiterhin gut ablesbar. Verloren gingen jedoch historische Blickbezüge aufs Wasser.

    Der Schäfersee als zentrales Freiraumelement wird erneut in den Mittelpunkt der Gesamtgestaltung gerückt. Um ihn lagern sich ringförmig verschiedene thematische Bänder, wie Parkpromenade, Seedeck, Ufersaum und Aktivband an. Der vorhandene Parkweg wird zu einer ringförmigen Uferpromenade verbunden und ermöglicht eine abwechslungsreiche Runde um den See. An die Promenade lagern sich verschiedene Elemente und Freiraumtypen an: im Osten eine urbane Uferkante mit Sitzstufen und Aktivnutzungen, im Westen landschaftliche Wiesen und geschützte Biotope. Unterschiedlich dimensionierte Parkeingänge knüpfen an die Promenade an und verspannen sie mit der umgebenden Stadt- und Grünstruktur. Die neu geklärten Eingangssituationen enden jeweils mit einem markanten Aussichtsbalkon am Wasser. Die Querverbindungen sorgen für eine spannende Rhythmisierung und klare Zonierung in variierende Parkabschnitte.

    Den ursprünglichen Volksparkgedanken trägt die Parkanlage nach wie vor in sich. Der Park als Teil des Reinickendorfer Grünzugs ist mit seinem breiten Nutzungsangebot beliebt bei Anwohnern, Familien und Senioren. Im Rahmen der Aufwertung der Residenzstraße zum zentralen Rückgrat des Städtebaufördergebiets „Aktives Zentrum Residenzstraße“ erhält der Park am Schäfersee zukünftig eine zentrale Bedeutung als wichtiges Bindeglied im Stadtraum.


    Parkzugänge und Blickbezüge
    Bereits in der ursprünglich geplanten Grundorganisation der Parkanlage orientieren sich die Parkzugänge immer in Richtung See und schaffen räumliche Blickbezüge zwischen den Uferseiten. Sowohl die stadtseitigen Auftaktplätze als auch die parkseitigen Abschlüsse werden als wiedererkennbare Elemente heraus gearbeitet und bieten Orientierung. Die Parkzugänge werden von störende Einbauten und dichtem Bewuchs freigeräumt, so dass bereits von der erhöhten Stadtkante aus der Blick auf die zentrale Wasserfläche mit der stimmungsvollen Baumkulisse gelenkt und das "Hinabschreiten" in den Park zum Erlebnis wird. Uferbalkone am Ende der Parkzugänge schieben sich bis an die Wasserkante und erlauben weite Rundblicke über das Seepanorama. Sitzelemente schaffen neue Aufenthaltsorte am Wasser. Stadtseitig erhält jeder Zugang einen platzartigen Auftakt, abgestimmt auf den jeweiligen stadträumlichen Kontext.

    Der Parkzugang am U-Bahnhof Franz-Neumann-Platz wird entsprechend seiner Bedeutung als stark frequentierter Hauptzugang zu einem großzügigen Parkentree umgestaltet. Eine zusammenhängende Platzfläche spannt sich von der Residenzstraße bis zur Parkpromenade und leitet den Besucher bis direkt an das Seeufer. Lange Stufenanlagen vermitteln den geringen Höhenversprung, integrieren die flache Wegerampe der Parkpromenade und erlauben einen großzügigen, barrierefreien Zugang in den Park. Der Plattenverband aus variierenden Natursteinformaten unterstützt die Leitwirkung. Die Kugelahorne werden zugunsten einer offenen und einladenden Platzfläche entfernt.
    Eine klare Raumorganisation konzentriert die Anliegerzufahrt zur Straße am Schäfersee mit Taxistand und Pkw-Stellplätzen unterhalb eines Baumdachs. Der bestehende Zugang zur U-Bahn wird mit der neuen Bushaltestelle verknüpft. Der Kiosk bildet einen wichtigen Fokus auf der steinernen Platzfläche und kann zukünftig zu einem attraktiven Parkcafé ausgebaut werden.

    Die neu gesetzten Uferbalkone erhalten ein wiedererkennbares Gestaltungsmotiv. Sie werden durch eine 60 cm hohe Betonbrüstung gefasst und mit einem 30 cm hohen Handlauf aus Flachstahl ergänzt. Die Flächen werden aus kleinformatigem Natursteinpflaster ausgelegt. Lange Sitzelemente betonen die Aussichtspunkte. Der breite Balkon am Hauptzugang wird mit Parkliegen aus Holz mit farbig lackierten Stahlwangen bespielt.

    Der Durchgang am Gebäude Residenzstraße 42 wird als einladender Parkeingang gestaltet mit warmen Farbtönen an den Wänden und einer Illumination des gesamten Durchgangsbereichs in den Abendstunden. Ein einheitlicher Belag aus Asphalt mit mineralischer Abstreu sorgt für eine angemessene Großzügigkeit in diesem beengten Bereich und unterstützt die klare Wegeführung in den Park. Der Endpunkt am See wird durch einen kleinen Uferbalkon betont.

    Der Eingangsplatz an der Stargardstraße mit den vorhandenen Natursteinplatten und dem Rundbeet bleibt als wichtiges zeithistorisches Relikt aus den 70er Jahren erhalten. Zugangsrampe und Treppenanlage führen barrierefrei in den Park und werden von langen Staudenbeeten begleitet. Die vorhandene Aussichtsplattform am Ende der Achse wird verbreitert und als Lesebalkon für die benachbarte Stadtteilbibliothek ausgebaut.

    Der in die Wasserfläche hinein ragende historische Aussichtsbalkon bleibt unverändert und bietet ein zurückgezogenes Naturerlebnis inmitten der Röhrichtflächen. Der Sondergarten an der Holländerstraße erhält einen balkonartigen Abschluss mit Staudengarten und Seeblick. Der markante Kastanienhain rund um die historische Aussichtsplattform am Ende der Brienzer Straße wird punktuell ergänzt und bildet einen räumlichen Auftakt in den Park.


    Parkpromenade und Zonierung
    Der Rundweg um den Schäfersee wird als durchgehende Parkpromenade ausgebildet. Die ringförmige Promenade erschließt alle wichtigen Nutzungen und ist an die neu gestärkten Parkzugänge angebunden. Sie durchläuft eine spannungsreiche Abfolge aus unterschiedlichen Parkabschnitten mit variierenden Stimmungen. Ruhige, introvertierte Bereiche wechseln sich ab mit aktiven, exponierten Bereichen; offen sonnige mit geschlossen schattigen Bereichen.

    Eine klare Zonierung in Anlehnung an das ursprüngliche Parkkonzept schafft klar erkennbare Nutzungsabschnitte. Der östliche Abschnitt mit Anbindung an die Residenz- und Stargardtstraße wird als urbane Uferpromenade gefasst. Zwischen Haupteingang am Franz-Neumann-Platz und Café am See zeichnet ein langes Holzdeck den Bogen des Seeufers nach. Sitzstufen über die gesamte Länge ermöglichen stimmungsvolle Aufenthaltsmöglichkeiten am Wasser und dienen dem Bootsverleih zum Festmachen von Tret- und Ruderbooten.

    Die in Fragmenten erhaltene historische Lindenallee wird ergänzt und nach Osten erweitert, so dass das urbane Ufer zwischen Stragradtstraße und Brienzer Straße von einer geschlossenen Lindenallee räumlich gefasst wird. Das Flanieren unterhalb des schattigen Blätterdachs wird im Bereich der offenen Parkzugänge unterbrochen. Geh- und Radverkehr werden über einen gemeinsamen 7m breiten Rundweg geführt. Die Parkpromenade wird als wassergebundene Wegefläche in warmen, hellen Farbtönen angelegt. Rampen und befahrbare Bereiche werden in robustem Asphalt mit mineralischer Abstreu ausgebildet. Die farblich fein aufeinander abgestimmten Materialitäten sorgen für ein einheitliches Erscheinungsbild, das die ringförmige Uferpromenade klar erkennbar herausarbeitet und selbstverständlich in die historisch gewachsene Parkstruktur einbettet. Ein innerer Ring aus 1m breiten geschnittenen Granitplatten bildet die uferseitige Abschlusskante und ermöglicht einen bei allen Wetterlagen gut begehbaren Bereich, auch für mobilitätseingeschränkte Personen.

    Zusätzlich zur ringförmigen Parkpromenade und den ufernahen Freiräumen lagert sich im nordöstlichen Parkteil ein Aktivband an, das enge Verknüpfungen zu den angrenzenden sozialen und kulturellen Einrichtungen schafft. Beliebte Nutzungen wie die Minigolfanlage und die Gastronomieterrasse des „Café am See“ werden durch weitere Nutzungsbausteine ergänzt. Die Minigolfanlage erhält einen großzügigeren Eingangsbereich mit Boulespielflächen und Sitzgelegenheiten. Das Familien- und Stadtteilzentrum „Haus am See“ öffnet sich mit einer vorgelagerten befestigten Terrasse und einer multifunktionalen Picknickwiese nach Süden zum Park. Der neue Eingangsbereich kann auch für kleinere Parkfeste genutzt werden. Der Seniorenfreizeitstätte vorgelagerte Fitnessstationen schieben sich schollenartig aus der Geländeböschung und verbinden sich zu einem kleinen Aktiv-Parcour für alle Generationen.

    Das westliche Seeufer wird entsprechend seiner heutigen Bedeutung als ruhigere, naturnahe Parkanlage am Wasser ausgebildet. Die geschützten Röhrichtbiotope werden erhalten und durch einen neuen Naturlehrpfad gerahmt. Zwei schmale bogenförmige Wegebänder aus wassergebundener Wegedecke rahmen die Biotope und führen durch das Eibenwäldchen. Ein wegebegleitendes niedriges Stahlband schafft eine subtile Abgrenzung zur geschützten Biotopfläche und integriert Informationstafeln zu Natur- und Umweltschutzthemen.

    Im westlichen Parkbereich wird die freie Baumstruktur aus markanten Bestandsbäumen erhalten und lichtet sich sukzessive vom dichten Eibenwäldchen im Norden bis zu den offenen Liegewiesen im Süden. Das Arboretum mit Bäumen des Jahres wird in die neue Parkgestaltung integriert und kann auch noch weiter ergänzt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.