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  • DE-06122 Halle (Saale), DE-06128 Halle (Saale)
  • 01/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-314412)

Wohnquartier am Böllberger Weg in Halle (Saale), 1. BA


  • 4. Preis

    kein Bild vorhanden
    Landschaftsarchitekten
    bbz landschaftsarchitekten, Berlin (DE), Freiburg (DE), Bern (CH) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: ATELIER PK ARCHITEKTEN, Berlin (DE)
    Tragwerksplaner: ifb frohloff staffa kühl ecker, Berlin (DE)
    Bauphysiker: Ingo Andernach Architekt – Energiedesign, Berlin (DE)

    Preisgeld
    9.500 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser entwickeln eine klare städtebauliche Haltung zur besonderen landschaftlichen Situation des Grundstücks am Wasser und nutzen die Potentiale der Topographie, indem sie den Geländesprung durch ein durchgängig öffentlich zugängliches Plateau städtebaulich fassen. Auf den Baufeldern TG 4 und TG 5 werden die Baukörper so verteilt, dass Flächen für zwei kleine Quartiersplätze, auf dem Niveau des Uferwegs im Nordosten und auf der höherliegenden Quartiersebene im Südwesten, freigehalten werden. Damit wird versucht, für den zu entwickelnden Stadtbaustein öffentliche Räume als Adressen auszubilden. Im Preisgericht wird kontrovers diskutiert, ob die Schaffung von Quartiersplätzen im Hinblick auf die daraus resultierenden geringen Abstände zwischen den Bauköpern angemessen ist.

    Die auf dem höher gelegenen Teilgebiet gereiht angeordneten vier kompakten Geschossbauten sind durch ca. 80 cm über dem Straßenniveau liegende Freiräume deutlich gefasst. Dies verschafft den Erdgeschosszonen als Hochparterre im städtischen Umfeld eine angemessene Nutzungsqualität. Die Punkthäuser werden konsequent von Nordosten erschlossen. Die Hauseingangsbereiche sind als nutzungsoffene, vollständig versiegelte Flächen konzipiert. Damit werden Nebenfunktionen wie Fahrradstellplätze und die Aufstellflächen für die Feuerwehr gewährleistet. Der hohe Grad der Versiegelung wird hinsichtlich der Einhaltung der GRZ und der zu erwartenden geringen Nutzungsintensität kritisch beurteilt. Die Erschließung der Tiefgarage ist ungeschickt direkt neben einen Hauseingang an die nordöstliche Gebietskante gelegt.

    Der Freiraum besticht durch den Grundansatz, das obere Niveau als großen, öffentlichen Raum zu begreifen, der sich fast wie eine Bastion nach Nordwesten mit einem Selbstverständnis an die Saaleaue stellt und dieses Plateau mit vier erhabenen Signets besetzt. Der barrierefreie Rampenweg verbindet überzeugend die beiden prägenden Quartiersplätze und bildet den Schnittpunkt zu den privaten Reihenhausgärten. Kontrovers wird der hohe Anteil an öffentlichen Freiräumen diskutiert.

    Die Erschließung der Doppelhäuser im TG 5 erfolgt über den Uferweg. Die PKW-Stellplätze sind in als ebenerdige Garage gut in den Baukörper integriert. Die am Uferweg platzierten fünf Baukörper sind als städtische Doppelhaustypen über drei Ebenen logisch über eine mittig gelegte einläufige Treppe erschossen. Das Durchwohnen ist in den Obergeschossen möglich. Der PKW-Stellplatz und die Haustechnik sind in die Erdgeschosszone integriert. Die Hauserschließung erfolgt von der Seite und ermöglicht so im Erdgeschoss ein zusätzliches Gartenzimmer, welches als Arbeitsplatz, Gästezimmer oder zusätzliches Schlafzimmer flexibel genutzt werden kann. Die übrigen Geoschosse können wahlweise als Wohn- oder Schlafebene frei interpretiert werden. Die Körnigkeit und baukörperliche Ausformung der Doppelhäuser wird als angemessen beurteilt.

    Die auf dem Niveau des Böllberger Weges platzierten vier kompakten Geschossbauten sind als 2-, 3- und 4- Spänner um zentrale Erschießungskern organisiert. Die interne Erschließung der Zimmer erfolgt konventionell über Korridore, welche in offene, sich jeweils zu zwei Himmelsrichtungen orientierende Wohnräume münden. Die Bäder sind teilwiese natürlich belichtet und belüftet. In den tieferen Häusern sind sie durchgängig als innenliegende Bäder ausgebildet. Die Verteilung der Wohnungstypen ist folgerichtig gewählt: die großen Wohnungen sind in den Reihenhäusern und Dachgeschossen angeordnet. Das Wohnungsangebot entspricht jedoch nicht den Vorgaben, da insgesamt zu wenige Wohnungen realisiert werden und der Anteil der großen Wohnungen zu hoch ausfällt.

    Die Gebäude sind konventionell als Massivbauten geplant und konstruktiv so strukturiert, dass die Raumeinteilung in Leichtbauweise erfolgen kann. Die Fassaden zeigen mit massiven Brüstungen und Bildfeldern unspezifische, wohnungsbautypische Motive und sind schwach strukturiert. Die einzige räumlich wirksame Gliederung erfolgt durch übereinanderliegende Balkone. Als Fassadenmaterial werden WDVS und im Staffelgeschoss eine Holzverschalung vorgeschlagen. Die Wirtschaftlichkeit hinsichtlich des Verhältnisses von Nutzflächen und Bruttogrundfläche liegt im durchschnittlichen Bereich, wobei die geplante Wohnfläche deutlich unter dem Durchschnitt liegt.

    Den Verfassern gelingt es nicht, den interessanten und vielversprechenden städtebaulichen und freiraumplanerischen Ansatz in eine architektonische Qualität zu übersetzen, welche sowohl den Anforderungen und Ansprüchen an zeitgemäße Formen des Wohnens und dem Genius Loci gerecht wird. Leider wird auch hinsichtlich der Gestaltqualität der Baukörper und der Materialwahl nur Mittelmaß angedeutet.