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  • DE-45128 Essen, DE-44581 Castrop-Rauxel
  • 02/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-313317)

Sprung über die Emscher - Brückenbauwerk über das Wasserkreuz in Castrop-Rauxel


  • ein 2. Preis

    © HENCHION REUTER ARCHITEKTEN / EiSat GmbH / SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH

    Architekten
    HENCHION REUTER ARCHITEKTEN, Berlin (DE), Dublin (IE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Michele Sangiacomo, Hugo Bernard Lecharpentier

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauingenieure: EiSat GmbH, Eisenloffel, Sattler + Partner, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE), Frankfurt am Main (DE)

    Erläuterungstext
    Das neue Brückenbauwerk über die Emscher und den Rhein-Herne-Kanal bildet, vom Platz der Schichten ausgehend, den Übergang zwischen dem urbanen Raum in das westlich angrenzende landschaftlich geprägte Emscher-Tal. Es bindet die dicht besiedelten Stadtteile Castrop-Rauxel-Ickern, -Habingshorst und -Henrichenburg an den neu entwickelten Landschaftsraum mit dem Natur-, Wasser- und Erlebnispark. Als Fuß- und Radwegverbindung nimmt es die regionalen Radwege Emscher-Park-Radweg und Emscher-Weg auf und vernetzt so auch die beiden Städte Castrop-Rauxel und Recklinghausen.

    Das neue Brückenbauwerk
    Die ruhige und klare Wegeführung der neuen Brücke inszeniert das aktuelle sowie das ehemalige Wasserkreuz in Castrop-Rauxel auf besondere Weise. Die Ausrichtung der beiden Brückengeraden entspricht genau den Richtungen von Rhein-Herne-Kanal und Emscher am Kreuzungspunkt. Der Wegeverlauf vom Platz der Schichten, über die Emscher, weiter über den Rhein-Herne-Kanal, die Emscher-Terrassen mit dem „Emscher-Balkon“ und noch einmal über die Emscher zum Gläsernen Schacht eröffnet vielfältige und spannende Ausblicke aus den unterschiedlichsten Perspektiven auf das Wasserkreuz. Darüber hinaus werden auch die Lage des alten Wasserkreuzes mit dem Emscher-Altarm, sowie der Alten Fahrt und dem Kanalschwimmbecken in der Achse über den „Emscher-Balkon“, erlebbar und verständlich in Szene gesetzt.
    Der Brückenverlauf erlaubt bei einer Steigung von überwiegend 3 % bis max. 4,5% und einer Gesamtlänge von ca. 513 Metern eine attraktive und selbstverständliche Erschließung vom Platz der Schichten über die Emscher-Terrassen zum Gläsernen Schacht. Er verbindet sinnfällig die Fuß- und Radwege Emscher-Park-Radweg und Emscher-Weg entlang des Rhein-Herne-Kanals sowie der Emscher-Promenade.
    Konstruktiv spannt eine Hängeseilbrücke, welche die größte Spannweite mit 84 Metern über den Rhein-Herne-Kanal überbrückt, über 10 Y-förmige Pylone und verbindet so die gesamte Strecke mit einem gleichbleibenden und simplen Prinzip, welches in der in der Summe ein signifikantes und zeichenhaftes Bild ergibt. Die höchsten Pylone direkt am Rhein-Herne-Kanal ragen insgesamt 22,5 Meter hoch über das Gelände. Die übrigen Pylone nehmen in ihren Abmessungen proportional zur jeweiligen Spanweite ab.
    Die Lauffläche bzw. der Brückenüberbau besteht aus einer an Stahlseilen abgehängten Stahlrahmenkonstruktion mit jeweils einem Hohlkastenprofil am rechten und linken Rand, welche an den Hängepunkten über einen Querprofil miteinander verbunden sind. In der Breite des Steges (250 cm) werden in diese Rahmenkonstruktion Betonfertigteilplatten (L 250 x B 75 x H 35 cm) eingelegt und bilden den fertigen Brückenbelag. Die Brückenentwässerung erfolgt, wie bei einer Rostkonstruktion, direkt über die Fugen der Betonfertigteile. Wir schlagen vor, auf eine aufwendige Entwässerung zu verzichten. Ein Edelstahlprofil auf der Höhe von 90 cm sowie ein zweites auf der Höhe von 130 cm bilden Handlauf und Absturzsicherung. Die Brüstung wird mit einem Edelstahlnetz geschlossen. Als Beleuchtung schlagen wir ein LED-Profil vor, welches in das untere Brüstungsprofil direkt über dem Belag angeordnet wird und die Lauffläche im dunklen blendfrei und angenehm illuminiert. Ziel ist es dem Nutzer ein sicheres Gefühl und eine gute Orientierung zu bieten sowie eine attraktive Illumination der Brücke zu erreichen bei gleichzeitig minimaler Lichtbelastung für die Umwelt. Die Pylone könnten ebenfalls an den orangen Innenseiten über kleine LED-Spots dezent akzentuiert werden.
    Die vorgeschlagene Konstruktion zeichnet sich durch die Möglichkeit einer hohen Vorfertigung und somit sicheren Erstellung sowie einer einfachen Montage aus, da die Einzelbauteile in gut händelbaren Größen bemessen sind. Auch bezüglich der Wartungsanforderungen stellt die Konstruktion eine sehr einfache Lösung dar, da auf eine Entwässerung komplett verzichtet werden kann und es auch keine wartungsrelevanten Brückenauflager, Beläge etc. gibt.
    Insgesamt eine einfache und in der Erstellung sowie dem Unterhalt sehr wirtschaftliche und auch risikoarme Lösung.
    Über die Addition der Konstruktionsstruktur entsteht ein einmaliger und signifikanter Eindruck. Eine sehr angemessene Geste als Landmarke am Wasserkreuz in Castrop-Rauxel, welche als ein Symbol für den Strukturwandel der Region steht.

    Der Platz der Schichten
    Der Platz der Schichten ist ein hybrider Ort zwischen landschaftlich gefasstem Platz und urbaner, artifiziell gestalteter Landschaft. Er besetzt eine Insel zwischen drei höchst unterschiedlichen Gewässern und sein „erzählendes“ Relief macht Gewässerlandschaft erlebbar. Wie in einem wilden Mündungsdelta scheinen sich die wechselnden Läufe des Torfheider Baches in die Landschaft eingeschrieben zu haben. Sie haben als Bewegungsebene scheinbar einen schwarzen Horizont (Basaltsplitt / Asphalt) freigelegt. Eine Gruppe von freigeschälten, grasbewachsenen Geländeinseln erhebt sich bis zu 4 Meter Höhe über die Grundebene und ermöglicht auf seinen terrassierten Ebenen Perspektivwechsel und Aussichten über die Gewässerlandschaft. Verwendet wird dabei der Aushub des Ökologischen Umbaus der Bäche. Steinerne Geländekanten scheinen in Teilabschnitten freigelegt zu sein und dienen als Sitzmauern. In diese bis zu 90 cm hohen Stampfbetonwände sind in verschiedenen Höhenlagen übereinander Basalt-, Stahl- und Rohglas-Horizonte eingelassen.

    Im Verflechtungsbereich zwischen Bachbrücke an der Wartburgstraße, dem Anschlusspunkt des neuen Brückenbauwerks und dem Kanalufer verdichten sich die Wegebeziehungen zu zwei platzartigen Aufweitungen an der Emscher sowie am Rhein-Herne-Kanal. Den funktionalen Schwerpunkt bildet dabei der Platzbereich an den Schachtbauwerken (AKE und Staukanal) vor der Kulisse des Kanalufers. Es wird vorgeschlagen die äußere Gestalt der Bauwerke entsprechend dem Platz am Gläsernen Schacht auszuführen. Mit der vorgeschlagenen Stahl-Verblendung wirken die Bauwerke wie skulpturale Setzungen, sind dabei aber Teil des Informationssystems. Die Schachtabdeckungen können als Sitzebenen genutzt werden, wobei in die nördlich liegende Abdeckung ein Geländemodell aus Gusseisen integriert ist. Bodenintarsien aus demselben Material zeichnen die Kanalverläufe in der Platzdecke nach. Der Platz am Kanal steht auch für Veranstaltungen und Konzerte zur Verfügung. Die flankierenden Rasenkörper mit ihren Sitzterrassen werden dann zum Auditorium.

    Der Platz der Schichten bildet den urbanen Brückenkopf der nördlichen Siedlungsteile der Stadt Castrop-Rauxel und er wird dieser Funktion als Knotenpunkt der Wege- und Promenadenachsen gerecht. Die Brückenachse am Platz eröffnet dem Besucher in linearer Fortsetzung die Wegeoptionen des Emscher-Hauptwegs nach Osten oder der Kanalpromenade nach Norden. Gleichzeitig lagert sich die Brücke aber am Platzschwerpunkt an und lädt zur Erkundung ein.

    Zu jedem der Gewässer entwickelt der Platz einen Widerhall indem er eine eigene Kantenausbildung und Bewegungsform etabliert. Der Platz der Schichten stellt topografisch eine deutliche Korrespondenz her zum Erlebnispark Natur und Wasser. Er transformiert die fließenden Naturformen aber in ein gartenkünstlerisches Thema und damit in eine kulturelle Interpretation. Typologisch bildet er in seiner erzählerischen Haltung auch einen Anknüpfungspunkt an den Landschaftsarchäologischen Park Henrichenburg. Sein Thema ist dabei allerdings die Geschichte und Zukunft der artifiziellen und natürlichen Gewässerstrukturen des Ruhrgebiets.

    Die Querung des Torfheider Baches erfolgt mit einer Brücke in der Achse des Emscher-Weges im Osten. Für die Querung der Wartburgstraße wird die Einrichtung einer Fußgängerquerung mit Lichtsignalanlage vorgeschlagen, die mit den Anlagen der benachbarten Knotenpunkte verschaltet ist. Ein Informeller, nur zeitweise nutzbarer Pfad ist nach dem Umbau als Unterquerung der Wartburgstraße denkbar.


    Die Emscher-Terrassen / Emscher-Balkon
    Zwischen den beiden Brückenabschnitten quert die neue Verknüpfung das Geländeplateau über dem vormaligen Emscherlauf westlich des alten Durchlasses. Die Wegeachse wird hier in Fortführung der Brückensteigungen auf das bestehende Gelände aufgesetzt. In der Beziehungslinie zwischen Alter Fahrt und Kanalschwimmbad entsteht ein balkonartiger Platz mit Sitzstufen. In diesem Bereich erfolgt auch die Verflechtung des Brückenschlages mit den Uferwegen an Emscher und Rhein-Herne-Kanal. Auf diese Weise gelingt die Anbindung der Emscher-Terrassen aber auch die diagonale Verknüpfung der kanalbegleitenden Wegeachsen und somit ein wesentlicher Beitrag zu Komfort und Durchlässigkeit der Nord-Süd-Achse im Grünzug.

    Platz am Gläsernen Schacht
    Die Wiederentdeckung der natürlichen Wasserlandschaft des Emschertals ist ohne den AKE nicht denkbar. Das Wasserkreuz mit dem Erlebnispark ist der Ort um diesen Zusammenhang aufzuzeigen. Es wird vorgeschlagen, die nicht sichtbare Kanaltrasse als markierte Spur über den Platz sichtbar zu machen und mit dem Schachtbauwerk sinnfällig zu verknüpfen. Elemente aus Stahl mit Schutzrostschicht werden bündig als Spuren in den Boden eingebracht. Überirdische Schachtelemente erhalten eine Umhüllung aus demselben Material. Eine verglaste breite Öffnung über eine Längsseite und den Kopfbereich der ersten Deckplatte ermöglicht einen Blick in den Schacht für Klein und Groß. Der Deckel bleibt dabei abnehmbar und die Lüftung gewährleistet. Der Schacht ist beleuchtet mit übereinander angeordneten LED-Ringen mit steuerbarer Lichtintensität. Die Anzahl der Ringe mit hoher Leuchtintensität korrespondiert mit dem jeweils aktuellen Wasserdurchfluss. Die Lichtinszenierung visualisiert so die Aktivität des Kanals. An der dem Sichtfeld gegenüberliegenden Schmalseite wird ein Hörschlitz angebracht um die Kanalgeräusche zu erkunden. Möglicherweise hört man aber auch Rufsignale von der anderen Kanalseite, sofern der Schacht am Platz der Schichten eine ähnliche Installation aufweist und der Kanal wird zum Walkie-Talkie.

    Tragwerk / Konstruktion
    Der geplante Steg wird als mehrfeldrige Hängebrücke mit einer harmonischen Staffelung der Spannweiten vorgeschlagen. Entwurfsentscheidend für die Wahl des Tragwerks war die Notwendigkeit, das Tragwerk über der Gehbahn anzuordnen, um die notwendige Steigung zur Erzielung des erforderlichen Lichtraumprofils über dem Rhein-Herne-Kanal, sowie die Brückenlänge zu optimieren. Neben der Schaffung eines Wahrzeichens sollte eine transparente Bauart gewählt werden, um den außergewöhnlichen Ort unverstellt erleben zu können.
    Vom längsten Brückenfeld, mit einer Stützweite von 84 m über dem Rhein-Herne-Kanal ausgehend, verkürzen sich die Spannweiten zu den Rändern hin in statisch sinnvollen Intervallen sowie unter Berücksichtigung der zu überbrückenden Zonen und möglichen Pylonstandorte. Die Gesamtlänge der Brücke mit insgesamt 10 Pylonen beträgt rund 513 m und baut auf einem durchgängigen Grundraster von 3,00 m in Brückenlängsrichtung auf.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.