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  • AT-6200 Jenbach, AT-6290 Mayrhofen
  • 01/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-312204)

Neubau Bahnhof Mayrhofen


  • 2. Preis

    Ansicht von Norden, © OBERMEYER

    Architekten
    OBERMEYER Planen + Beraten, München (DE), Berlin (DE), Hannover (DE), Stuttgart (DE), Wiesbaden (DE), Köln (DE), Hamburg (DE), Erfurt (DE), Neu-Ulm (DE), Dresden (DE), Leipzig (DE), Chemnitz (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    15.000 EUR

    Erläuterungstext
    Im August 2018 lobte die Marktgemeinde Mayrhofen einen Realisierungswettbewerb aus, der den Neubau des Bahnhofs und dessen verkehrstechnische Infrastruktur zum Gegenstand hatte. Der Entwurf von OBERMEYER wurde mit dem 2. Preis ausgezeichnet.

    Mayrhofen ist zentraler Verkehrsknotenpunkt des hinteren Zillertals. Der über 100 Jahre alte Bahnhof stößt nun an die Grenzen seiner Kapazität. Deshalb lobte die Zillertaler Verkehrsbetriebe AG einen EU-weiten, offenen, einstufigen Wettbewerb aus, der den Neubau des Bahnhofs und dessen infrastrukturelle Einrichtungen umfasst. 48 Entwürfe waren eingereicht worden. Der Entwurf von OBERMEYER wurde mit dem 2. Preis ausgezeichnet.

    Kriterien für die Bewertung waren zum einen die städtebauliche Einbindung in die Umgebung unter besonderer Berücksichtigung des Ortsbilds. Auch galt es, eine Lösung zu präsentieren, bei der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen.

    Der architektonische Entwurf von OBERMEYER gestaltet den Neubau als markanten Auftakt des Ortseingangs. Besonders prägnant ist dabei das gefaltete Bahnhofsdach, welches die orthogonal gegliederten Hallenbauwerke (Remise, Bahnhofshalle und Gleishalle) mit dem Busbahnhof verbindet. Edelstahlpaneele erzeugen eine spiegelnde Oberfläche, die die alpine Umgebung reflektiert. Im Kontrast dazu steht die Holzverkleidung der Remise und der Bahnhofshalle.
    Im Nordosten ist ein attraktiver Vorplatz vorgesehen, der an den Ortskern und die Fußgängerzone anbindet. Ferner ist eine öffentliche Tiefgarage geplant.
    Das Konzept für die Energieversorgung sieht Photovoltaik-Module auf den nach Süden hin ausgerichteten Dachflächen vor. Die so erzeugte Energie kann sowohl für die Stromversorgung als auch zu Heizzwecken genutzt werden. Die Raumklimatisierung soll u.a. durch Dachöffnungen auf natürliche Weise erfolgen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Projekt ist geprägt von einer markanten, gefalteten Dachkonstruktion,
    welche sich, den Funktionen der Verkehrsstation folgend, vom Südende des Busbahnhofes bis zur Gleishalle im Norden, als „ikonographisches Wahrzeichen positioniert. Die Baukörper der Remise und des Aufnahmegebäudes ordnen sich dieser Großform unter und platzieren sich damit gut verträglich in die Umgebung. Kritisch wurde die Höhe der Gleishalle im Bereich des westlichen, direkten Anrainers gesehen. Die Erschließung der Verkehrsstation erfolgt im Norden über die Bahnhofsstraße und einen großzügigen, klar definierten Vorplatz. Von Süden gelangt man gedeckt über den Mittelbahnsteig des Busterminals direkt zur Gleishalle und zum Aufnahmegebäude. Diese präzise definierten unterschiedlichen Bereiche des Bahnhofes, sowie die qualitative Durcharbeitung des Wettbewerbsbeitrages zeigen das hohes Verständnis und Kompetenz des Projektanten. Das Aufnahmegebäude mit seiner attraktiven, doppelgeschossigen Halle verbindet den Vorplatz mit dem Busterminal und der Gleishalle. Die Zuordnungen und Funktionen sind überzeugend positioniert und klar strukturiert. Die B&R Anlage wird an der vorgesehen Position problematisch gesehen, da die Erschließung von Süden nur über den Mittelbahnsteig oder den Fahrspuren des Busterminals erfolgen kann. Auch die Querung und Durchmischung der Fahrräder in einem der frequentiertesten Punkte der Verkehrsstation scheint nicht ideal. Der Busterminal ist als gedeckter Mittelbahnsteig mit beidseitiger Sägezahnaufstellung der Busse vorgesehen. Positiv ist die übersichtliche und großzügige Gestaltung dieses Bereiches. Kritisch beurteilt werden der dadurch notwendige Linksverkehr und die damit problematische Einbindung in den Kreisverkehr. Die Tiefgarage folgt dem vorgeschlagenen Verkehrskonzept. Die Erschließung Busbahnhof ist überzeugend, die funktionelle Abwicklung der K&R Zone sollte hinterfragt werden. Die Entwurfsidee mit dieser prägnanten Dachformation ist überzeugend und verleiht diesem Projekt ein Alleinstellungsmerkmal. Die formal zurückhaltenden jedoch gestalterisch präzise formulierten Baukörper fügen sich harmonisch zu einem gesamten Ensemble.

    Auflagen (nur für den Fall des Nachrückens):
    • Die Dachhöhe der Halle ist zu minimieren und Abstand zum westlichen Anrainer zu vergrößern.
    • Eine Überarbeitung der Tiefgarage wäre erforderlich.
    • Die Einbindung des Busterminals in den Kreisverkehr ist zu verbessern.
    • Die Anordnung der Fahrradstellplätze wäre zu verbessern.