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  • AT-6200 Jenbach, AT-6290 Mayrhofen
  • 01/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-312204)

Neubau Bahnhof Mayrhofen


  • 1. Preis


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    Architekten
    Architekt Michael Kapeller, Innsbruck (AT)

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Architekt Hannes Schroll, Innsbruck (AT)
    Tragwerksplaner: tragwerkspartner zt gmbh, Innsbruck (AT)
    Modellbauer: Die Modellbauer, Innsbruck (AT)

    Preisgeld
    20.000 EUR

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAULICHE EINBINDUNG

    Kontext

    Der neue Bahnhof befindet sich am Ortseingang in unmittelbarer Nähe des Zentrums. Durch die geplante Neuordnung des Verkehrs im gesamten Bahnhofsareal ergibt sich eine neue Zugangssituation zum Bahnhof. Der Zugang von Nordosten vom Ortszentrum wird künftig Fußgängern und Radfahrern vorbehalten sein, während alle anderen Verkehrsteilnehmer, insbesondere Autos, Taxis und Busse von Süden zufahren werden.

    Setzung und Formation der Baukörper

    Während die Platzierung von Bahnhofshalle und Remise weitestgehend vorgegeben ist, ist die Setzung des neuen Bahnhofsgebäudes von entscheidender Bedeutung für die Organisation des Platzes und die optimale Lenkung der Verkehrsströme.

    Das neue Bahnhofsgebäude, in dessen Erdgeschosszone sich unter anderem Kundencenter, Wartebereich und Kiosk befinden, wird in die Mitte des Platzes gesetzt und ist von Nord, Süden und Westen komplett verglast um eine möglichst hohe Durchlässigkeit zu ermöglichen.

    Der dem Bahnhofsgebäude südlich vorgelagerte Bereich mit der Tiefgarage und den darüber gelegenen Bushaltestellen dient der Erschließung für den motorisierten Verkehr. Treppen in die Tiefgarage sowie Licht- und Pflanzenöffnungen durchbrechen stellenweise die durchgehende Fläche. Der nordöstliche Platzbereich mit dem fußläufigen Anschluss an das Ortszentrum bleibt dagegen Fußgängern und Radfahrern vorbehalten.
    Das bereits vorhandene Verkehrskonzept wird, von marginalen Verschiebungen abgesehen, beibehalten.

    Bahnhofsgebäude, -halle und Remise sind versetzt gestaffelt angeordnet, um die Baukörper in ihrer Erscheinung zu gliedern und somit möglichst dezent in die Maßstäblichkeit der Umgebung einzufügen.


    ARCHITEKTONISCHES KONZEPT

    Bahnhofsgebäude

    Das zentrale Bahnhofsgebäude bildet ebenerdig eine offen durchsichtige Halle für die öffentlichen Betriebsfunktionen und die temperierten Wartebereiche. Darüber schwebt das Obergeschoss als geschlossen erscheinender Körper. Die oben angelegten nichtöffentlichen Funktionen bleiben hinter einer durchgehenden Vorhangfassade verborgen. Der Abstand der Fassadenlamellen variiert ziehharmonikaartig um je nach dahinter liegender Funktion eine natürliche Belichtung zu ermöglichen, während von außen die Gesamterscheinung als monolithischer Baukörper erhalten bleibt. Als baulichem Dreh- und Angelpunkt konzentrieren sich beim Bahnhofsgebäude hochwertige Materialien und Oberflächen.

    Bahnhofshalle & Remise

    Die, zu den Betriebszeiten offene Bahnhofshalle mit der vorgelagerten Bahnsteigüberdachung bleibt vom Gebäude leicht abgesetzt. Das auf größte Wirtschaftlichkeit ausgelegte Rahmentragwerk in Holzbauweise gliedert den großen Körper und schafft neben einer warmen Atmosphäre eine Reminiszenz an die Wirtschaftsgebäude der bäuerlichen Kultur.

    KONSTRUKTION & MATERIAL

    Hallen

    Bahnhofshalle und Remise werden konstruktiv in Holzbauweise errichtet.
    BSH-Binder ruhen auf rechteckigen Holzstützen. Die Horizontalaussteifung in Querrichtung übernimmt die westseitige Betonwand der Remise, die am Boden eingespannt ist. In Längsrichtung gibt es zwischen den Hallen partiell Windverbände. Durch entsprechende Dimensionierung der Bauteile wird die erforderliche Brandbeständigkeit erreicht.
    Richtung Nordosten leisten Stahlbetonwände mit Holzstrukturschalung den notwendigen Brandschutz.

    Zum Abschließen der Halle außerhalb der Betriebszeiten gibt es zwischen den Stützenfeldern Rolltore, die herunterfahren können. Das gewählte Achsraster von ca. 5m ermöglicht eine effiziente Lösung der Tore.

    Belüftung und Rauchabzug der Hallen wird über öffenbare Dachverglasungen gewährleistet.

    Bahnsteige & Platzoberflächen

    Die platzseitige durchlaufende Bahnsteigüberdachung macht die funktionale Einheit des Bahnsteigs innerhalb und außerhalb der Bahnhofshalle ablesbar. Die Holzstützen, die Bahnsteig- und Busüberdachung tragen, sind im Bodenbereich in einem Köcherfundament aus Stahlbeton fest eingespannt. Ein Flachstahl-T wird zwischen die aus zwei Holzteilen bestehende Stütze eingeschoben und spannt das Dach fest ein. Durch den großzügigen Dachüberstand wird der Stützenfuß nicht bewittert und kann bis zum Boden geführt werden.

    Ein homogener Platzbelag, der sich in ähnlicher Optik auch in der EG-Zone des Bahnhofsgebäudes und in der Bahnhofshalle fortsetzt, hebt die Trennung zwischen Innen- und Außenraum auf und macht den gesamten öffentlich zugänglichen Bereich klar ablesbar. Ein warmer Farbton des Bodenbelags und Grüninseln schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität auf dem neuen Bahnhofsplatz. Der nördliche und der südliche Platzteil bilden – zusammen mit dem öffentlichen Innenraum - ein zusammengehörendes Ganzes.

    Bahnhofsgebäude

    Das Erdgeschoss wird als Betonbau ausgeführt. Die Sichtflächen im Innenbereich werden mit hochwertiger Sichtschalung (zB sägerauhe Brettschalung) ausgeführt. Das Obergeschoss wird in vorgefertigter Holzmodulbauweise ausgeführt. Die Fassade des gesamten Obergeschoßes sowie des massiven Gebäudekerns des Erdgeschosses wird mit einer durchgehenden, vorgehängten hinterlüfteten Holz-Fassade verkleidet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Selbstverständlich, fast lapidar wird das Bahnhofsgebäude als eigenständiges Volumen ausgebildet und so gesetzt, dass eine sehr übersichtliche Zonierung des Raumes und schöne Platzsequenzen entstehen: ein zum Ort gewandter beruhigter Bereich und nach Süden der hauptsächlich von den Bussen frequentierte Raum. Die transparente Erdgeschosszone des Bahnhofsgebäudes wirkt dabei als einladendes Entrée und Filter zugleich. Als verbindendes Element wird überzeugend eine von Norden nach Süden durchgehende Bahnsteigüberdachung vorgeschlagen.

    Der Busterminal ist gut entwickelt. Witterungsschutz bietet eine an die Bahnsteigüberdachung angelehnte Konstruktion. Die Tiefgarage weist Durchstanzungen nach oben auf, die für Licht und Luft sorgen. Bäume und Bepflanzungen zonieren die Abstellfläche und wirken hinsichtlich Raumatmosphäre positiv. Am verjüngten Ende wird die räumliche Verbindung zum Bahnhofsgebäude hergestellt.
    Hervorgehoben und gewürdigt wird die durchgängige Verwendung des Materials Holz. Die Umstellung der Zillertalbahn auf einen nachhaltigen Antrieb durch Brennstoffzellen wird damit auch hinsichtlich der Gebäudeanlagen zum Ausdruck gebracht: nachwachsende, heimische Materialien werden verwendet.

    Insgesamt handelt es sich um eine einfache Gebäude- und Raumkomposition mit hohen Qualitäten.

    Auflagen zur weiteren Bearbeitung:
    • Die Tiefgarage ist am nordöstlichen Ende bezüglich ihrer Breite zu maximieren.
    • Der Witterungsschutz zwischen Bahnhofsgebäude und Halle ist durchgehend herzustellen.
    • Die gläserne Überdachung im Bereich der Fahrradabstellplätze soll entwurflich weiterentwickelt werden und stärker aus der Bahnsteigüberdachung entstehen.


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