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  • DE-72810 Gomaringen
  • 01/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-330245)

Freiraumgestaltung Ortsmitte Gomaringen


  • 2. Preis

    Perspektive Bahnhofstraße, © Stefan Fromm Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Stefan Fromm

    Erläuterungstext
    GESAMTKONZEPT
    Ziel der Arbeit ist es, mit angemessenen, maßvollen Mitteln die Ortsmitte von Gomaringen funktional und gestalterisch aufzuwerten und damit eine Belebung und Entwicklung im Sinne eines identitätsstiftenden, gut funktionierenden Ortszentrums zu erreichen.
    Die zwingend notwendigen vorhandenen Einzelhandels- und Dienstleistungsnutzungen sollen dabei in das Konzept integriert und damit aufgewertet werden. Das neue Dienstleistungszentrum (DLZ) kann und soll dabei eine zentrale Rolle spielen. Insgesamt soll mit wenigen verschiedenen Gestaltungsmitteln und Materialien ein ruhiger, zusammenhängender und die Ortsmitte prägender (identitätsstiftender) öffentlicher Raum entstehen, der als verbindender Stadtboden die vielfältigen Architekturen aus verschiedenen Zeitepochen aufnimmt und zusammenfasst. Dabei wird die historische Entwicklung der Ortsmitte - ausgehend vom Schloss und der westlichen Lindenstraße - genauso berücksichtigt wie die Besonderheiten in Bezug auf Höhenlage und Architektur der neueren Wohn- und Geschäftsgebäude in der Bahnhofstraße mit dem stadtbildprägenden Naturana-Hochhaus. Essentiell ist daher die Mitbetrachtung und die Gestaltung der zwischen öffentlicher Straße und Gebäude liegenden privaten Vorzone, die den Straßenraum erheblich mitprägt. Die bereits vorhandene Mitwirkungsbereitschaft einiger Anlieger ist daher sehr zu begrüßen.

    BAHNHOFSTRASSE
    Von Norden kommend stellt die Zufahrt in die Bahnhofstraße in Verbindung mit der städtebaulich prägenden Portalsituation zwischen Naturana-Hochhaus und Neubau der Kreisbau den Auftakt in die Ortsmitte dar. Diesem Punkt kommt besondere Bedeutung zu. Wir schlagen daher eine leichte Verschiebung der Fahrbahn nach Osten vor, um die lineare Kreuzungssituation zu entschärfen und mehr Raum vor dem Neubau der Kreisbau zu generieren. Der Vorplatz der Fa. Naturana soll in diesem Zusammenhang ebenfalls neu gestaltet werden. In diesem Bereich wird der öffentliche Raum durch die EG-Geschäfte (Bäckerei/ Café) im Neubau Kreisbau belebt. Ein lockeres, über die Hinterweilerstraße überspringendes Baumdach schafft Aufenthaltsqualität unter Grün und betont die Platzqualität.
    Das Element des lockeren Baumdachs findet sich wieder jeweils bei den vorhandenen Platzaufweitungen auf der Westseite der Bahnhofstraße und stellt damit ein Merkmal der Platzsituationen dar, während zwischen den Aufweitungen lineare Baumreihen vorgeschlagen werden. Zwischen Naturana und DLZ befindet sich diese Baumreihe auf privaten Grundstücksflächen, da so die Raumproportionen des Straßenraums ausgewogener sind und der zur Verfügung stehende öffentliche Raum bei der zugrunde gelegten und gewünschten Fahrbahnbreite von 6,50 m für eine Baumreihe nicht ausreichen würde.
    Eine Besonderheit stellt der Höhenversatz zwischen Straßenniveau und den westlich angrenzenden Geschäften und Gastronomien (Bistro, Bäckerei, Apotheke, Kreissparkasse) dar. Im Sinne einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Aufhebung der Trennwirkung durch den vorhandenen Grünstreifen wird hier eine abwechslungsreiche Gestaltung aus Stufen und Rampen, Sitzstufen und kleinen Baumbastionen vorgeschlagen. Jeweils an den Seiten führen barrierefreie Rampen auf die obere Ebene. Dadurch werden die Geschäftslagen deutlich aufgewertet. Auch die östlichen Vorbereiche vor der Fa. Naturana, Volksbank und Hotel werden begrünt und gestalterisch in den Straßenraum einbezogen.




    BEREICH DIENSTLEISTUNGSZENTRUM DLZ
    Ein Schwerpunkt der Gestaltung erfolgt in Zusammenhang mit dem neuen DLZ, das als öffentliches Gebäude einen neuen Nutzungsschwerpunkt darstellt. So soll der von der Lindenstraße durchgesteckte Weg als Platzsituation vor dem DLZ fortgeführt werden. Diese bezieht über die Bahnhofstraße hinweg auch das Privatgrundstück auf der gegenüber liegenden Seite mit ein (Flst. 3349/ 13). Durch eine (bautechnisch gut geplante) Aufpflasterung wird dieser Platzbereich besonders hervorgehoben. Der entstehende Platz wird neu geordnet und kann im Alltag weiterhin für Parkierung genutzt werden. Eine kleine Bastion mit räumlichem und funktionalem Bezug (Treppenabgang) zum ZOB („Stadtbalkon“) fasst den Platz, der damit Gestalt- und in Verbindung mit den locker eingestreuten Bäumen auch Aufenthaltsqualität erhält. Das Plätzchen kann auch für kleine Märkte oder Festivitäten genutzt werden kann.
    Südlich des DLZ entsteht durch das Rückversetzen der vorhandenen Mauer (auf Privatgrundstück) eine weitere kleine Aufweitung, die als Außengastronomie vom Gasthaus Bahnhof bespielt werden soll und damit zur Belebung dieses zentralen Bereichs beiträgt. Ein Wasserbecken betont die Bedeutung dieses zentralen Bereichs.

    SÜDLICHE BAHNHOFSTRASSE UND LINDENSTRASSE
    Das Fahrbahnprofil des gesamten Straßenzuges wird analog der nördlichen Bahnhofstraße gestaltet, also mit einseitigem Flachbord und gegenüberliegender Rinne als Dreizeiler. Die Fahrbahnbreite vor i.d.R. 6,50 m wird partiell auf 6,00 m bzw. 5,50 m reduziert. Auf der Nordseite der Bahnhofstraße wird die lineare Baumpflanzung fortgesetzt. Alle – heute sehr verkehrsgerechten – Kurvenradien werden auf ein notwendiges Maß reduziert.

    SCHLOSSHOF
    Ein weiterer Schwerpunkt entsteht im Bereich des Schlosshofes. Dieser soll in seiner Grundkonzeption erhalten, jedoch mit neuen Materialien gestaltet werden. Hier wird aufgrund des historischen Kontextes ein anderer Bodenbelag vorgeschlagen, nämlich Granit-Kleinsteinpflaster, wie in den Randbereichen bereits vorhanden. Dieses Material soll zur Stärkung des Bereichs über die Lindenstraße hinweg gezogen und damit dem historischen Bereich eine bessere Identität verliehen werden. In diesem Bereich wird die Straße partiell auf 6,0 m bzw. 5,50 m verengt. Die gewünschte Bushaltestelle wird hier verortet.
    Die Verbindung zum östlichen Kopf des DLZ (und damit zur Bahnhofstraße) wird über eine durchgehende Pflasterung und die Anlage eines kleineren gelenkartigen Plätzchens am DLZ hergestellt.

    PARKIERUNG
    Die Parkierung erfolgt dezentral im gesamten Planungsbereich entlang der Straßenzüge in dafür gestalteten Parkbuchten sowie – in neu gestalteter Form – in den bereits heute vorhandenen Platzaufweitungen. An einigen Stellen werden auch Längsparker entlang der Fahrbahn angeboten. Wichtig ist aber auch die Realisierung der Aufstockung des Parkdecks am Eisenbahnweg, um die Gesamtzahl der Stellplätze zu erhöhen.
    Insgesamt werden 69 öffentliche Stellplätze im Plangebiet (Bestand 65 St.), sowie 94 private Stellplätze (Bestand 105 St.).

    RADVERKEHR
    Aufgrund der innerörtlichen Situation und den begrenzten Platzverhältnissen wird auf einen separat geführten Radweg verzichtet und der Fahrradverkehr auf der Fahrbahn mitgeführt (Zone 20 bzw. verkehrsberuhigter Bereich).


    MATERIALKONZEPT
    Entsprechend dem Konzept eines möglichst ruhigen Stadtbodens sollen nur wenige verschiedene Belagsmaterialien zum Einsatz kommen.
    Die Gehwegbereiche (einschließlich der privaten Vorzonen) sollen aus grau-gelblichem Granit-Pflasterplatten in gestockter Oberfläche gestaltet werden, ebenso wie die breiten, nur leicht höhenversetzten Bordsteine.
    Die Fahrbahnen sollen aus einem oberflächenveredeltem Asphaltbelag hergestellt werden, der die Farbe des Pflastermaterials aufnimmt (z. B. Possehl-Beschichtung). In ausgewählten Bereichen kommen auch Aufpflasterungen im Fahrbahnbereich zum Einsatz (DLZ-Platz, Schlossbereich).

    BAUMARTENKONZEPT

    Es sind drei verschiedene Baumstrukturen vorgesehen:
    - Platzbäume
    - Straßenbäume
    - Landschaftliche Bäume
    Generell sind standortgerechte, überwiegend heimische, stadtklimafeste und trockenheitsresistente Baumarten geplant.

    Platzbäume/ Solitärbäume (mittel- bis großkronig)
    - Kastanie
    - Walnuss
    - Bergahorn
    - Hainbuche
    - Boulevardeiche

    Straßenbäume (mittelkronig, lockere/ lichtdurchlässige Krone)
    - Dornenlose Gleditschie
    - Vogelkirsche
    - Italienische Erle

    Landschaftliche Bäume (klein- bis mittelkronig)
    - Feldahorn
    - Spitzahorn
    - Wildbirne
    - Vogelkirsche
    - Hainbuche
    - u. a.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 21.02.2019, 11:05
Zuletzt aktualisiert 22.02.2019, 16:52
Beitrags-ID 4-169928
Seitenaufrufe 79