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  • DE-82467 Garmisch-Partenkirchen
  • 02/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-315206)

Seniorenzentrum „Altes Finanzamt“ in Garmisch-Partenkirchen


  • Anerkennung

    Blick in den Innenhof, © baum-kappler architekten gmbh

    Architekten
    baum - kappler architekten gmbh, Nürnberg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: WLA Wengemuth Landschaftsarchitektur, Erfurt (DE)
    Visualisierer: loomilux, Berlin (DE)
    Modellbauer: Architekturmodelle Thomas Looks, Weimar (DE)

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das Maß der Bebauung sowie die Körnung in Bezug zur verbleibenden Freifläche orientiert sich an innerstädtischen Maßstäben. Die gewählte Höhenentwicklung und die Ausprägung von 2 4-geschossigen Baukörpern entspricht der Höhenentwicklung des Bestandes. Die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse (Belichtung und Belüftung), sowie die erforderlichen Lichteinfallswinkel wurden berücksichtigt. Die Abstandsflächen wurden nachgewiesen. Die Neubauten Rücken in angemessenem Abstand vom Denkmal ab. Die Anbindung erfolgt ausschließlich erdgeschossig durch ein Foyer. Auf eine maximale Verdichtung wurde bewusst verzichtet.
    Durch Ergänzung des Alten Finanzamtes durch zwei Neubauten entsteht ein u-förmiges Ensemble, welches sich um einen Park zur Parkstraße gruppiert. Die Grundriss-orientierung ist Süd-/ West ausgerichtet, um die geschlossenen wirkenden baulichen Strukturen des Einkaufszentrums und der Kirche „auszublenden“. Das Seniorenzentrum wird mit behutsamen Eingriffen im Bestandsgebäude verortet. Die Wohnungen und die großflächigen Nutzungen wie Cafè und Multifunktionsraum werden im Neubau nachgewiesen. Öffentliche Funktionen befinden sich hierbei im Erdgeschoß. Das Foyer bildet das Bindeglied zwischen Alt- und Neubau. Die Gebäude sind im Erdgeschoß durch einen Verbindungsgang witterungsgeschützt verbunden. Die öffentlichen Funktionen öffnen sich zum Park mit seiner gestalteten und möblierten Freifläche.

    Über das Foyer wird der bauliche Bestand durch Einbau eines neuen Aufzuges barrierefrei erschlossen. Die Raumstrukturen des Einzeldenkmals wurden auf die bauzeitlichen Strukturen zurückgeführt. Das Raumprogramm für das Seniorenzentrum wurde vollumfänglich umgesetzt. Räume für öffentliche Nutzungen befinden sich in den Hauptgeschossen.
    Die Seniorenwohnungen werden in den geförderten Größen in den beiden Neubauten nachgewiesen. Die Aufteilung ist flexibel. Durch ein Liberozimmer können nachträglich 2- bzw. 3-Zimmer Wohnungen gebildet werden. Alle Wohnungen verfügen über ausreichende Bewegungsflächen, um als rollstuhlgerecht eingestuft zu werden. Die Wohngruppe wurde im ersten Obergeschoß verortet. Grundsätzlich kann der Wohnungsmix auch verändert werden, indem die dargestellten Cluster in den Ebenen getauscht werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Platzierung der beiden Neubauten lässt dem denkmalgeschützten Altbau angemessenen Raum. Zusammen mit der Erdgeschosszone bilden die Baukörper eine einfache und klare städtebauliche Lösung mit einem attraktiven Innenhof. Die gemeinsame Erschließung für Altenzentrum und Café ist großzügig und liegt günstig.

    Der Zugang zur Erschließung der einzelnen Wohnhäuser ist in der vorliegenden Form nicht funktional. Die Erschließung des Altbaus aus der Tiefgarage ist nicht barrierefrei. Die im Untergeschoss vorgeschlagene Küche mit Anbindung durch einen Lastenaufzug entspricht nicht der Arbeitsstättenverordnung.
    Treppenräume, Grundrissgestaltung, mehrheitlich dreiseitige Belichtung sowie die Ausformung der Loggien versprechen eine hohe Wohnqualität. Bei einigen Wohnungen werden keine Schlafräume/Schlafnischen ausgewiesen. Bäder und Gemeinschaftsflächen in den Wohngemeinschaften sind zu knapp bemessen.

    Die Fassade wirkt ansprechend und gut proportioniert. Die dargestellte Konstruktionslösung im Holzbau überzeugt im Bereich der Fassade nicht. Die insgesamt niedrigen Werte bei GFZ, GRZ, Wohnflächen sowie die vorgeschlagene Tiefgaragenlösung lassen keine sozialverträglichen Mieten erwarten.

    Das Konzept zeichnet sich durch einen besonders sensiblen Umgang mit den Freiräumen aus. Der Platz spannt sich gut dimensioniert zwischen den drei Gebäuden auf. Als vierte Fassade werden die hohen Bestandsfichten erhalten, die eine starke atmosphärische Wirkung auf den Platzraum haben und den Straßenverkehr in der Wahrnehmung zurückdrängen. Die Hinführung zwischen Finanzamt und der gärtnerisch gestalteten Grünfläche ist angemessen und dramaturgisch interessant. Mit den Gemeinschaftsgärten im Norden und den unkompliziert angeordneten Erschließungsflächen im Osten entsteht ein schlüssiges, abwechslungsreiches Freiraumkonzept.