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  • DE-10707 Berlin
  • 02/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-330764)

Quartier „Haus der Statistik“ in Berlin


  • Teilnahme Zur Überarbeitung aufgefordert


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    Stadtplaner
    COBE Berlin, Berlin (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Studio Sörensen Landschaftsarchitektur, Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    Die Mitte von Mitte

    0. Ausgangslage
    Das Quartier um das ehemalige Haus der Statistik soll zur neuen öffentlichen, sozialen und kulturellen Mitte des Bezirks Mitte werden.
    Heute bildet das Areal den städtebaulichen Abschluss der durchgrünten, offenen Stadtlandschaft entlang der Karl-Marx-Allee mit ihren eleganten horizontalen Raumdimensionen. Auf der gegenüberliegenden Seite am Alexanderplatz entstehen vertikale Dominanten - eine von Hochhäusern verdichtete Stadtstruktur.
    Beide Welten sprechen eine metropolitane Sprache aus sehr unterschiedlichen Zeiten. Diesen sowohl räumlichen, wie auch zeitlichen Wendepunkt soll ein neuartiger, vieldeutiger Stadtraum Rechnung tragen, der zwischen den beiden Welten vermittelt und dabei eine eigene Identität entwickelt.
    Ein großer Freiraum bildet die gemeinsame Mitte für das neue Quartier mit seinen unterschiedlichen AnrainerInnen und NutzerInnen. Diese stammen aus dem 2. Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee ebenso, wie sie Angestellte des Rathauses, des Finanzamtes, sozialer Träger oder der BIM sind, MieterInnen der WBM, Obdachslose oder Kulturschaffende und Kreative.
    Ziel ist es also, ein gemeinwohlorientiertes, grünes, gemischtes, offenes Berliner Quartier zu entwickeln, das zugleich metropolitan aber auch kiezig ist und den unterschiedlichen Bedürfnissen der verschiedenen NutzerInnen nicht nur gerecht wird, sondern sogar Synergiepotentiale zwischen ihnen aufzudecken und zu nutzen vermag.

    1. Gemeinsamer Freiraum – die Mitte der Mitte
    Ein Hauptanliegen des Entwurfes seit Beginn des Prozesses war es, einen großen zusammenhängenden Freiraum zu schaffen, der in seiner Erscheinung eine souveräne urbane Kraft ausstrahlt, den unterschiedlichen NutzerInnen als gemeinsame Mitte dient und dabei gleichzeitig den unterschiedlichen sozialen Ansprüchen gerecht wird.
    Vom Bahnhof Alexanderplatz aus erreicht man das Areal über eine mineralisch, steinern geprägte Fußgängerebene und großräumige Kreuzungsbereiche. Komplementär ist es Anliegen, dem Freiraum eine von Bäumen geprägte und dadurch bestimmte Atmosphäre zu verleihen. Der gemeinsame Binnenraum soll sowohl Privatheit und Ruhe, als auch vielfältiges, städtischen Leben ermöglichen, einen Ort des kollektiven Ankommens und Aufenthaltes - eine gemeinsame Mitte - schaffen.

    Bäume
    Die Baumartenwahl erzeugt unterschiedliche Dichten und Weiten für die Aneignung des Raumes. Es entstehen Raumsequenzen mit differenzierten Eigenschaften. Diese wiederum regulieren sonnige und schattige, intime und öffentliche Orte. Sie schaffen Reibungspunkte, die Begegnung und Distanz bieten. Eine unterirdisches Rigolensystem, sammelt das anfallende Regenwasser und trägt zur Bewässerung bei.
    Die Baum-Allee entlang der Karl-Marx-Allee wird fortgeführt. Ein gemeinsamer Pavillon aller NutzerInnen (Koop5-Pavillon) vervollständigt diese in Fortführung der Kette aus Pavillons entlang der Karl-Marx-Allee.
    Vor dem Haus der Gesundheit gibt es eine schmale Baumreihe aus Balsampappeln. Die Balsampappel ist eine Berliner Besonderheit als Straßenbaum in den Gründerzeitquartieren. Populus balsamifera ist die am meisten nördlich vorkommende Baumart, was bedeutet, dass sie außergewöhnlich früh grünt und Helligkeit und Wohlgeruch in die dunklen Stadtquartiere bringt. Mit dieser Reihe wird der historische Stadtgrundriß nachvollzogen.
    Auch parallel zur Arche entlang der Otto-Braun-Straße ist eine Baumreihe aus Balsampappeln vorgesehen. Der Zwischenraum wird von Marktständen zeitweilig verdichtet und intensiviert.

    Unterschiedliche Angebote für unterschiedliche NutzerInnen
    Im Zentrum der gemeinsamen Mitte ist umgeben von einem urbanen Hain ein geräumiges Gewächshaus platziert, das einen ganzjährigen, öffentlichen Freiraum bietet. Während der aktiven Jahreszeiten dient das Gebäude als ein durch die Nachbarschaft aneigenbarer Versammlungsort und für gemeinschaftliche Anlässe, sowie zur Unterbringung von Mobiliar und Spielgeräten, z.B. Stühlen, die ausgeliehen und dann auf dem gesamten Gelände genutzt werden können. Die Kalthauspflanzen können im Sommer auf den naheliegenden öffentlichen Terrassen platziert werden.
    In der angrenzenden südlichen Raumsequenz und am durchgängig sonnigsten Ort des Quartiers, bildet eine Plansche den Mittelpunkt umgeben von hochstämmigen Baumgruppen. Die Plansche ist zum einen ein Zitat aus dem vormals sozialistischen Städtebau, zum anderen soll sie als Attraktion zur Belebung des Ortes beitragen. Die Idee dieses Wasserplatzes ist ausbaubar in einen auch für Erwachsene nutzbaren Pool, für eine Eisbahn in der kalten Jahreszeit. Diese Vorschläge bedürfen in der weiteren Entwicklung des Projektes der Konkretisierung.
    Unter und in den Bäumen sind Spielgeräte für alle Generationen installiert, von Schaukeln bis Sportgeräten. Die nachzuweisenden Spielplatzflächen sind großzügig in die Baumquartiere integriert. Das Angebot der erforderlichen Spielplatzflächen wird auf dem Dach der Arche um zusätzliche 900 m2 und auf verschiedenen Dachterrassen um weitere Flächen dezentral erweitert. Hier sind besonders für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene sehr bewegungsaktive Angebote vorgesehen.
    An der westlichen Rückseite des Hauses der Statistik ist eine eingeschossige „Markthalle der Ideen“ platziert zum gemeinnützigen Gebrauch. Eine vorgelagerte Holzterrasse (Experimentierfläche) bietet die Erweiterung des Angebotes im Freien. Auf dem Dach darf sich gesonnt werden, dort finden Yogakurse oder andere Aktivitäten mit Blick in die Baumkronen statt.
    Das Motiv der vorgelagerten Holzterrassen/Experimentierfelder durchzieht auch das Quartier der WBM/Initiative auf der gegenüberliegenden Seite und bildet attraktive Orte der Aneignung des Außenraums.
    Der Quartiersplatz an der Berolinastraße bildet einen Eingang ins Quartier aus dem 2. Bauabschnitt Karl-Marx-Allee. Er wird durch die anliegenden Nutzungen (Restaurant, Repair-Café, Paketstation) belebt und inszeniert das Fahrradparken (im UG) durch eine großzügige Rampe.
    Das Umfeld des Rathauses wird als streng gefasste, städtische Platzfigur verstanden.
    Ein langer Wassertisch zieht in das Innere der Anlage. Der Wassertisch kann zu feierlichen Anlässen ohne Wasser z.B. als Hochzeittisch für große Gesellschaften genutzt werden. Absicht ist hier die kollektive Bedeutung und kulturelle Dimension der Rathauses im öffentlichen Raum sichtbar zu machen und zu festivalisieren. Gleichzeitig bildet diese Sequenz quasi die Krone des Baumhaines mit offenem Bezug zum Hotel.
    Die gemeinsame Mitte mit ihren Einbauten bleibt ganz dem selbstbestimmten, kollektiven Leben vorbehalten, während entlang der umliegenden Straßenräume (Koop5-Pavillon, Arche mit Markt, Rathausplatz, Quartierszentrum) unterschiedlich intensive oder kommerzielle Angebote das Areal umranden.

    Die Mitte von Mitte
    Wir verstehen den gesamten Freiraum als eine Gemeinschaftsressource, die viele Arten der Aneignung ermöglicht, in denen die alltäglichen Abläufen sich immer wieder neu formieren können: Gemeinsame Mittagspause im wärmenden Glashaus oder unter schattigen Bäumen in Zurückgezogenheit. Toben in der Plansche aber in Sichtweite zur Werkstatt. Auf der Terrasse arbeiten. Spielen auf dem Kiezplatz an der Berolinastraße, wo mit Hilfe der Nachbarn von einer nahen Person das Fahrrad repariert wird.
    Ziel ist es, mit den unterschiedlichen NutzerInnen ein soziales Netzwerk zu initiieren und den öffentlichen Raum als „common space“ mit gemeinsamen, vielleicht genossenschaftlichen Praktiken, wie jahreszeitlichen Aktivitäten (Laubbeseitigung, Laternenfest, Bäume wässern etc.) zu entwickeln. Die Angebote Plansche, Wintergarten, Yogaterrasse usw. werden gemeinschaftlich verwaltet und bilden auch für die angestammte Bevölkerung eine Ergänzung zu den Innenhöfen im angrenzenden Kiez.
    Umgekehrt können Rundwege durch die großräumigen Freiräume im bestehenden Wohnumfeld Angebote für Bewegungsvielfalt (Joggen, Spazieren und Ruhen) schaffen und eine soziales Netz mit den angestammten BewohnerInnen etablieren. Dafür könnten auch dort punktuelle Infrastrukturen geschaffen werden, z.B. der Standort für die Quartiersflotte in der Berolinastraße.

    Oberflächen und Wege
    Die baumbestanden Flächen haben überwiegend eine einheitlich versickerungsfähige, stabile Oberfläche, wie Grand. Das Gebiet wird durchzogen von befestigten Wegen und kleinen platzartigen Aufweitungen für besondere Nutzungen (Werkstatt, Cafe etc.) in Holz, Asphalt bzw. Betonplatten.
    Der Binnenraum ist für den FußgängerInnenverkehr optimiert. Außerhalb an der Otto-Braun-Straße und der Berolinastraße gibt es jeweils große Fahrradstellplatzanlagen, sodass ein Kreuzen des Freiraumes mit Fahrrädern auf Grund der offenen Nutzungsvielfalt nicht erwünscht und auch nicht notwendig ist.
    Die vorgelagerten Freiräume entlang der Berolinastraße widmen sich dem anliegenden Wohnquartier. Es entsteht ein kleines Quartierszentrum mit unterschiedlichen Versorgungsfunktionen (Gesundheit, Nahversorgung, soziale Dienste, Gesundheitszentrum, Frisör, Kita), die den Straßenraum beleben und aufweiten.

    2. Perlenkette, Zeitschichten, Stadtschichten
    Um einen möglichst großen gemeinsamen Freiraum zu realisieren, werden die Bauten und notwendigen Infrastrukturen am Rande des Grundstücks konzentriert. Im Geiste der offenen Stadtlandschaft, die diesen Ort prägt, soll jedes Gebäudevolumen als Solitär erkennbar und von vier Seiten erfahrbar sein. Im Ergebnis entsteht eine Perlenkette aus Solitären, die den gemeinsamen Freiraum umspielt, vielfältige Funktionen aufnimmt und Durchwegungen ermöglicht.

    Die Baufenster sind so dimensioniert, dass sie - städtebaulich robust - vielfältige Architekturen aufnehmen können und die Vielfalt der Bebauung im Kontext aus Scheiben, Superblöcken, Türmen und historischer Bebauung in einem Gesamtensemble fortführen.

    Das Areal ist historisch stark überformt, so dass sich vielfache Zeitschichten ablesen lassen. Aus unserer Sicht bietet die vertikale Gliederung der Bauten der sozialistischen Planung und die teilweise noch vorhandene historische Bebauungsstruktur einen kontext-spezifischen, baulichen Ansatz einer vertikalen Funktionsmischung, die auch auf das neue Quartier übertragen werden kann.
    So zeichnen sich die markanten Bauten der Ostberliner Zentrumsplanung durch ca. 12 m hohe (ehemals öffentliche, teilweise noch heute zugängliche) Sockelbereiche mit Terrassen aus. Die Höhe von 22 m OKF bildet auch eine Schallgrenze für die Realisierung kosteneffizienten Wohnungsbaus. Wohnbauten der umliegenden Wohnquartiere sind ca. 30 m hoch, die Scheibenbauten der DDR-Verwaltungsbauten bis zu 45 m, die markanten Hochhäuser (Haus des Reisens, Haus des Lehrers, Berliner Verlag) sind um die 65 m hoch. Um das Park Inn-Hotel (123,9 m) werden mehrere bis zu 130 m hohe Bauten entstehen. Dadurch wird der Alexanderplatz als einer von drei Hochhausclustern Berlins (neben City West und Potsdamer Platz) weiter entwickelt. Die markante Höhenstaffelung soll sich in das Quartier fortsetzen, um so vielfältige erlebbare Freiräume zu schaffen. Daher sollen sich die neuen Bauten jenseits des Alexanderplatzes jenen da qua Höhe unterordnen.

    Das Rathaus der Zukunft
    soll das im Quartier höchste Gebäude und weit sichtbares Wahrzeichen des Bezirks Mitte werden. Der Baukörper untergliedert sich in drei über einander gestapelte Gebäudeteile und Funktionsabschnitte: der Turm nimmt die 600 geforderten Arbeitsplätze und Gruppenräume auf, bietet aber auch ein öffentlich zugängliches Dachgeschoss (Restaurant/ Bar/Club) mit Blick über Mitte. Umlaufende doppelt hohe Kommunikationsräume lassen den Sonnengang nachvollziehen, gliedern den Turm und bieten den NutzerInnen eine besondere Arbeitsatmosphäre. Im mittleren Gebäudeteil sind Besprechungsräume und der multifunktionale 350 m2 Saal (BVV) angeordnet. Die unterschiedlichen Säle und Besprechungsräume dieses Funktionsbereiches sind so organisiert, dass sie auch zusammengeschaltet werden können und so vielfältig nutzbar sind. Von der unteren „Sitzungsebene“, wo z.B. auch Hochzeiten stattfinden können, hat man Zugang auf eine großzügige Dachterrasse mit Berlin-Mitte Aussichtspunkt.
    In den unteren Stockwerken des Rathauses liegen Empfang, Kantine, (die sich durch die gesamte Gebäudetiefe zieht und so auch den Innenhof aktiviert) Bürgeramt, Media-/Infothek und Bibliothek, sowie Lehr-Lern-Bereiche für alle Altersgruppen. Die unteren zwei Funktions-Ebenen des Rathauses sind durch eine skulpturale Treppe verbunden, die als Treffpunkt funktioniert und vielfältige Raumbezüge aufmacht. Im hinteren Teil des Rathauses befindet sich von der Straße her ein Zugang zu den Räumlichkeiten der Stadtmission.
    Zum Innenhof hin ist ein eigenständiger Bauteil dem Rathaus zugeordnet, der je nach Wunsch der NutzerInnen diesem zugeschaltet werden kann oder nicht. Dort befinden sich Angebote für gemeinschaftliches Wohnen der ZKB mit gemeinschaftlich genutzten Räumen oder Atelierwohnen im EG-Bereich. Wir stellen uns hier einen Mix aus betreutem Wohnen und Atelierwohnen vor. Dieser Gebäudeteil kann auch unabhängig vom Rathaus realisiert und betrieben werden. Daran angelagert sind die Räume der Stadtmission mit separatem Eingang.
    Für das Rathaus schlagen wir zwei Szenarien vor. Alle für das Rathaus und das Gesamtareal nachzuweisenden Flächen sind mit einem Rathausbau bis 65 m Gebäudehöhe zu realisieren. Hier lässt sich jedoch auch ein Turm von 95 m Höhe realisieren, ohne dass sich die Abstandsflächen benachbarter Bauten überlappen oder gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse beeinträchtigt wären. So entstünde ein zusätzliches Flächenpotential von 12.000 m2 (10 Stockwerke).

    Das Haus der Statistik und die „Arche“
    soll auch zukünftig durch seine ursprüngliche Ästhetik bestechen. Darauf bezieht sich auch der Gewinnerentwurf des entschiedenen Fassadenwettbewerbs. Die ursprüngliche Ästhetik soll durch einen behutsamen Umgang mit der Erdgeschoßebene in diesem Bereich noch untermalt werden. In Anlehnung an den Fassadenwettbewerb schlagen wir hier einen einfachen linearen Bauköper vor, der eine zentrale Fahrradgarage (UG, Teile EG und 1. OG für BIM, Finanzamt, Haus A und BesucherInnen des Gebiets), eine Kantine (Teile UG, EG und 1. OG) und ein Experimentarium (2. OG) aufnimmt. Lediglich zum Binnenraum erweitert sich das Erdgeschoß des Haus der Statistik durch die Markthalle der Ideen, die bspw. Satelliten der Berliner Universitäten, Probenräumen und Co-Working vereint. Die Foyers der BIM und des FA sind gut sichtbar im EG-Bereich angeordnet. Zur Otto-Braun-Straße hin verweist eine Aussparung in der Arche auf den Eingang zum FA. Dort gibt es große Schaukeln oder andere Installationen, die zum Verweilen einladen. Der Eingang zum Finanzamt erfolgt über den Rathausplatz durch den kleinen herausgeschobenen Baukörper. Ansonsten schafft die Arche einen vom Verkehrslärm entlasteten Bereich.
    Das Dach der Arche wird durch Spielflächen für ältere Kinder und Jugendliche gekrönt.
    Zwischen Arche und Haus der Statistik gibt es Platz für Bäume und einen Wochenmarkt.

    WBM-Quartier
    Unsere Auseinandersetzung mit dem Quartier der WBM war sehr intensiv. Es soll qua Maßstab zwischen den großen Bauten des Haus der Statistik und Rathaus sowie dem Wohnquartier vermitteln und effiziente, kostengünstige Wohnung ermöglichen. Es werden überwiegend sehr kleine und kleine Wohnungen gewünscht. Dazu haben verschiedene Szenarien auf denselben Baufeldern entwickelt, die auch eine freie Platzierung und Phasierung von einem oder zwei eigenständigen Häusern für die Initiative ermöglichen.
    Allen Szenarien ist gemein, dass sie auf zwei Sockelebenen gestaffelte Baukörper entwickeln, die Dachterrassen zum Hof und zur Berolinastraße ausbilden und durch ihr aktives Erdgeschoß zur Belebung des öffentlichen bzw. öffentlich gewidmeten Raums beitragen. Eine Höhenstaffelung hilft, die große Baumasse zu gliedern. Vor- und Rücksprünge maximieren Besonnung und Ausblick.
    Angelehnt an den Kontext weisen die Bauten abwechselnd 22 m OKF (bzw. knapp 26 m Höhe/2 plus 6 Stockwerke) oder knapp 45 m, wie das Bauteil B und C des Haus der Statistik, (2 plus 13 Stockwerke) auf.

    Koop5-Pavillon
    Der Koop5- Pavillon ist weit sichtbares Zeichen des neuen Quartiers. Er sitzt an der Straßenkreuzung Karl-Marx-Allee/Otto-Braun-Straße und ist eine gemeinsame Einrichtung, die vielfältige Nutzungen ermöglicht. Hier können sich die unterschiedlichen NutzerInnen des Quartiers informieren. Hier treffen sich die ProtagonistInnen des Projekts, um die Entwicklung des Quartieres weiter voranzubringen. Hier kann man als Außenstehende dem transparent Prozess der Kuratierung der Freiräume und Erdgeschosse beiwohnen. Das EG halt dazu ein Café und einen Informationspunkt bereits. In den oberen Stockwerken sind multifunktionale Räume für Ausstellungen vorgesehen. Ein 350 m2 großer Saal erlaubt es der BVV auch hier zu tagen. Hier können aber auch Konferenzen abgehalten oder Kunstwerke betrachtet oder Performances beigewohnt werden. Die Dachterrasse ist öffentlich zugänglich.
    Die hier dargestellte Form des Pavillons verstehen wir als Chiffre. Der Pavillon soll in seiner Anmutung elegant, offen und transparent sein.

    4. Nutzungsmischung und Flexibilität
    Die Mischung von Nutzungen ist eine zentrale Forderung der KOOP5. Dies bezieht sich zum einen auf die Nutzungen der Bauten, aber auch der Außenräume. Wir schlagen vor, dass es mit Ausnahme des gemeinsamen Koop5-Pavillons, jeweils einen Hauptnutzer für jedes Gebäude bzw. jeden Baublock gibt. Diese Hauptnutzung, bspw. FA, Rathaus oder Wohnen, wird „aufgemischt“ durch andere Nutzungen der Koop5 oder Programme, die aus der Stadtgesellschaft in den Prozess eingebracht wurden. Hierzu wird jeweils eine Mischung im Verhältnis 80/20 Haupt- und Nebennutzung mindestens angestrebt.
    Zwischen einzelnen Hauptnutzungen sind „Scharnierfunktionen“ implantiert, die Synergiepotentiale zwischen benachbarten Hauptnutzungen aufdecken und entwickeln helfen. Dies kann eine Kantine sein, die Menschen aus den unterschiedlichen Bereichen zusammenbringt, aber auch Konferenzräume, Repair-Café oder Co-Working Bereiche, die durch zwei benachbarte Hauptnutzer genutzt werden können oder eine gemeinsame Fahrradgarage.
    Für die Entwicklung der Bestandsbauten war eine Mischung von Beginn an vorgesehen. Diesen Gedanken setzen wird fort im WBM/Initiativquartier, indem die beiden Nutzer in einem Aushandlungsprozess unterschiedliche Parzellen besetzen können. Die Phasierung und Bauteilgröße kann dabei flexibel auf die Bedürfnisse der WBM/Initiative angepasst werden. Auch das Rathaus soll durch andere Nutzungen aufgemischt werden. Dazu schlagen wir einen flachen Bauteil vor, der verschiedene Formen gemeinschaftlichen Wohnens und die Räume der Stadtmission aufnimmt und auch unabhängig (also früher) als das Rathaus entwickelt werden kann. Dies trägt im Entwicklungsprozess auch zur Entlastung der Mitte vom Verkehrslärm bei.
    Auch die Arche weist Programme auf, die für unterschiedliche Parteien der KOOP5 Angebote machen. Sie ist eine Infrastruktur des FA/BIM, kann aber auch Räume für Lehr-Lern-Formate der Initiative aufnehmen.
    Einzelne Sockelbereiche verstehen wir als „Voids, die ganz unterschiedliche Nutzungen aufnehmen könnten, z.B. die Markthalle der Ideen. Diese können temporär sein oder durch das Areal fluktuieren. Der Gedanke der Kuratierung dieser Flächen sollte auch auf Bereiche des Freiraums und seine möglichen Nutzungen übertragen werden.
    Dazu setzt die Koop5 den Prozess der Zusammenarbeit während, aber auch nach der Realisierung des Quartiers fort. Der Koop5-Pavillon, der aus Flächenanteilen der unterschiedlichen NutzerInnen getragen wird, bildet dafür die notwendige Infrastruktur, die wiederum der Stadtgesellschaft als gemeinsamer Ort zur Verfügung gestellt wird.


    5. Mobilität, Erschließung Nachhaltigkeit
    Das Areal liegt im Zentrum Berlins und ist durch den ÖPNV exzellent erschlossen. Der Entwurf baut auf dieser exzellenten Lagegunst auf, indem es das Areal auf die Bedürfnisse von FußgängerInnen und RadfahrerInnen optimiert und vom MIV weitgehend entlastet.
    Aller Verkehr (Lieferverkehr, Ver- und Entsorgung, Fahrradverkehr) wird am äußeren Perimeter des Grundstücks abgewickelt, so dass der gemeinsame Binnenraum (bis auf notwendige Rettungswege) allein FußgängerInnen vorbehalten bleibt.
    HDS-Platz und Rathausplatz bieten von der Otto-Braun-Straße her Vorfahrten, sowie Anfahrten für die Ver- und Entsorgung. Hier sind, zusammengenommen mit der Rathaus-Tiefgarage, ausreichend Behindertenstellplätze für die Arche, HDS und Rathaus vorgesehen. Das Rathaus verfügt über ein Untergeschoß, das ebenfalls von der Otto-Braun-Straße angefahren wird. Hier sind Fahrradstellplätze und Technikflächen vorgesehen. Eine Anlieferung des Rathauses kann ebenfalls von dort oder über Rathausplatz erfolgen.
    Die Erschließung des WBM/Initiativ-Quartiers erfolgt von der Berolina-Straße. Eine zentrale Packstation am Quartiersplatz sammelt Lieferungen für die MieterInnen. Anlieferungen erfolgen über Kurzzeitparkplätze in der Berolinastraße. Die Müllentsorgung erfolgt über Hubanlagen, die ebenfalls von der Berolinastraße aus angefahren werden können und für die MieterInnen von den Fahrstuhl-/Treppenhauskernen leicht zu erreichen sind.
    Zentrale Sammelanlagen für Fahrräder finden sich entlang der Otto-Braun-Straße in der Arche und in der Berolinastraße unter dem Quartiersplatz.
    Eine Quartiersflotte ist diesem Platz leicht vorgelagert im Bereich des heutigen 2. BA KMA vorgesehen und bietet so ein wichtiges Angebot für die angestammte Bewohnerschaft.

    Der Baumhain produziert mit seinem massiven Grünvolumen eine klimatisch ausgewogene Atmosphäre. Der überwiegende Teil des Binnenraumes ist nicht versiegelt und kann über ein intelligentes Ent- und Bewässerungssystem (inkl. der anfallenden Entwässerung der versiegelten Oberflächen und Gebäude) nachhaltig entwickelt werden.

    Das Quartier orientiert sich an den Nachhaltigkeitskriterien der DGNB, umfasst und ermöglicht verschiedene Maßnahmen, die zur nachhaltigen Entwicklung des Gebietes und seines Umfeld beitragen können (siehe Diagramm). Eine weitere Detaillierung dazu muss im weiteren Prozess erfolgen.

    Januar 2019
    COBE Berlin und Studio Sörensen Landschaftsarchitektur

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 26.02.2019, 10:05
Zuletzt aktualisiert 07.03.2019, 12:30
Beitrags-ID 4-170075
Seitenaufrufe 179

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