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  • CH-9000 St. Gallen
  • 12/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-307641)

Neugestaltung Marktplatz und Bohl in St. Gallen


  • 5. Rang

    © Andreas Geser Landschaftsarchitekten AG

    Landschaftsarchitekten
    Andreas Geser Landschaftsarchitekten AG, Zürich (CH) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten, Stadtplaner: Atelier Bottlang, St. Gallen (CH)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Autorinnen und Autoren nähern sich dem Ort mit einer konzisen, historischen Analyse und stellen pragmatisch fest, dass das Vorgefundene nicht Resultat eines gerichteten
    stadträumlichen Konzeptes, sondern vielmehr historisch gewachsen ist. Sie erkennen
    das Raumkontinuum insbesondere als den Ort des Zusammentreffens von Stadt und
    Stadterweiterung, gleichermassen trennend wie einigend, und fassen ihre Lektüre unter
    dem noch abstrakten Begriff der «Fuge» zusammen. Programmatisch deuten sie dann
    die Fuge als zusammenhängenden Platzraum, suchen folglich die Vereinheitlichung, nicht
    die Verdeutlichung von Unterschieden.
    Unter dem Begriff des «Feldes» werden dann die räumlichen und gestalterischen Möglichkeiten der These ausgelotet. Dabei stellen sich die Autoren in die baugeschichtliche
    Wirkungslinie des Ortes: Einfache, zurückhaltende Eingriffe als präzise Ergänzungen,
    Interventionen oder Verdichtungen sollen vorgefundene Qualitäten weiterentwickeln
    und Mängel beheben. Die Autoren erklären die Rondelle zum Nukleus des ständigen
    Marktes, bündeln den Verkehr in einer Strasse und nutzen Baumpflanzungen als vereinigendes und gliederndes Prinzip. Die unaufgeregte, aufgeräumte Stimmung ist glaubhaft,
    auch wenn die Bildgebung (ohne Verkehr) seltsam verlangsamt wirkt. Die öffentliche
    Beleuchtung wird nur sehr zaghaft skizziert, anderes im Luftraum wird gänzlich unterschlagen.
    Zum Quadrat geordnet, säumen die geforderten Marktstände die Rondelle, ergänzen
    diese zum ständigen Markt mit innerem und äusserem Umgang und schaffen so kurze
    Wege. Als mobile Marktstände können sie auch andernorts gruppiert werden. Sie sind
    elaboriert, müssen und können viel. Dennoch scheinen sie der Rondelle mehr bei- oder
    vorgestellt, als von ihr inspiriert und sie inspirierend. Man mag dem Ensemble die Einheit noch nicht ganz glauben. Die Massierung des ständigen Marktes spielt dann aber
    den eigentlichen Marktplatz für den Wochenmarkt, aber auch temporäre Grossveranstaltungen frei.
    Zweierlei Baumpflanzungen sind vorgeschlagen: Reihen und Gruppen. Baumreihen
    entlang der platzraumbildenden Gebäudezeilen sollen die Grossform der Fuge sichern.
    Dieser durchgehende «Vorhang aus Bäumen» wird jedoch in Frage gestellt. Einerseits
    wird die Notwendigkeit eines zu den Gebäudezeilen zusätzlich einigenden Motives
    grundsätzlich bezweifelt, andererseits kann zwischen Baum- und Gebäudezeile nicht
    die Grosszügigkeit eines Boulevards beansprucht werden und funktionale Aspekte wie
    Anlieferungen würden vielfach die Geschlossenheit durchbrechen müssen.

    Bestehende und neue Bäume sollen die Grossform der Fuge situativ bespielen: Ein
    Konzept, das in dasjenige des «umlaufenden Baumvorhanges» eingebettet ist und zwingend mit diesem gedacht werden muss. Hinsichtlich einer freieren Bespielbarkeit des
    Platzes müsste die Platzierung der losen Baumgruppen noch überprüft werden. Mit einer
    Boskette vor dem Bankgebäude wird die Fuge (unter Berufung auf einen historischen
    Befund) gegen Süden räumlich geschlossen. Abgesehen von der Rasenfläche überzeugt
    die Massnahme, auch weil sie nicht mit dem gebauten Umfeld konkurrieren will. Insgesamt gelingt es, sehr unterschiedliche Räume mit hoher Rückzugs- und Aufenthaltsqualität für allerlei Bedürfnisse zu schaffen.
    Dem Verkehr wird eine durchgehende Strasse am nördlichen Rand der Fuge zur Verfügung gestellt. Folgerichtig wird die Spur in das übergeordnete Strassennetz eingewoben.
    Die Calatravahalle wird in das verlässliche Konzept mit versetzt angeordneten Haltestellen integriert. Die westliche Halle bleibt schemenhaft, und man fragt sich, ob eine
    Vereinzelung in mehrere Einheiten der Situation nicht zuträglicher wäre.
    Abgesehen vom Strassenzug wird die Oberfläche des Platzraumes durchgängig gleichbehandelt. Die vorgeschlagene Pflästerung erschliesst sich einzig aus den Bildern. Hier bleiben Aussagen zur Materialisierung vage und Übergänge ungeklärt.
    Der Beitrag der «kleinen Interventionen» verzichtet mutig auf die grosse, befreiende
    Geste und lotet beharrlich die Möglichkeiten des Weiterbauens aus. Sorgfältig nähern
    sich die Autorenschaft dem Ort. Aufgabe und Vorgefundenes werden befragt und die
    Thesen formuliert. Mit derjenigen des Baumvorhanges als vereinigende Geste tut sich
    die Jury indes schwer. Dennoch gelingen ein kluger, zurückhaltender Vorschlag und eine
    wertvolle Auseinandersetzung zu Aufgabe und Ort.