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  • DE-71034 Böblingen
  • 02/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-332993)

Neubebauung des City Centers in Böblingen


  • 1. Preis

    © STEINHOFF / HAEHNEL ARCHITEKTEN GmbH

    Architekten
    STEINHOFF / HAEHNEL ARCHITEKTEN GmbH, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Roland Haehnel

    Mitarbeit
    Ina Vetter, Luis Carrasco, Kathrin Stumpf, Roman Stegmüller, Katharina Burster

    Erläuterungstext
    Konzeptionelle Leitgedanken

    Zentral in der Böblinger Innenstadt gelegen, bietet die Planung auf dem ehemaligen Citycenter-Areal ein neues städtebauliches und architektonisches Highlight, das eine umfassende Stadtteilerneuerung weiter vorantreibt. Durch vielfältige Maßnahmen soll sich das Gebiet weg von der funktionsgetrennten, autogerechten Stadt hin zu einem urbanen, fußgängergerechten Quartier mit Aufenthaltsqualität entwickeln. Der neue Baustein setzt dabei als beispielgebende Neubebauung im Zuge des Stadtumbaus ein deutliches Zeichen an der Wolfgang-Brumme-Allee und definiert neue Maßstäbe in Bezug auf stadträumliche Qualitäten.
    Durch eine Teilung des Baufelds entstehen zwei Teilbaukörper, die durch eine urbane Fuge getrennt sind und so eine völlig neue Durchquerung des Quartiers einerseits und eine Neuorientierung der Bebauung andererseits ermöglichen. In der Fuge entsteht eine urbane Ladenpassage, die durch die abgeschrägte, nach außen öffnende Form richtungsweisend zwischen Bahnhof und Altstadt vermittelt und Passanten zum Flanieren und Durchqueren einlädt. Durch den Abbruch der Fußgängerbrücken über die Wolfgang-Brumme-Allee wird eine klare Aussage getroffen, wie sich das Fußwegenetz künftig entwickeln soll und welche Bedeutung dabei der Erdgeschosszone zuteilwird. Auch vor diesem Hintergrund bekommt die Verbindungsfuge einen beispielgebenden Charakter, der mit seiner Gestaltung und Zonierung von Laufbereich, Aufenthaltszonen und Pflanzflächen als Vorbild für die anschließenden Fußwegeverbindungen der Innenstadt dienen kann.
    Um die städtebaulich wichtige Kante zur Allee und zur Olgastraße zu fassen, wird auf dem Baufeld zunächst eine Blockrandbebauung ausgebildet. Die Gebäudeecke am Friedrich-List-Platz bildet aus Richtung Altstadt den Auftakt für das neu entstehende Areal und wird deshalb auch architektonisch als Sonderbaustein ausformuliert: Wenngleich kein Hochpunkt, entwickelt das Kopfgebäude durch die Abstaffelung nach hinten eine Höhenwirkung und erhält als einziger polygonaler Baukörper ein markantes Profil. Während der geschlossene Blockcharakter zur stark befahrenen Allee hin erhalten bleibt, löst sich die Massivität zur verkehrsberuhigten Olgastraße hin auf. In den oberen Geschossen wurde eine kleinteiligere und höhendifferenzierte Struktur entwickelt, die sich an der angrenzenden Bestandsbebauung orientiert. Ausschnitte an drei Seiten der Blockstruktur erzeugen eine der Wohnnutzung angemessene Maßstäblichkeit, ohne dass dabei die Rahmung des Innenhofes verloren geht. Die Neubebauung schließt im Norden und Süden jeweils direkt an die angrenzenden Bestandsgebäude an und generiert durch die vollflächige Nutzung der Handelseinheiten einen Bürohof auf Ebene +1 in Baufeld B sowie einen der Wohnnutzung zugeordneten Innenhof auf Ebene +2 in Baufeld A. Durch die Positionierung der Einschnitte werden verschiedene Blickbeziehungen geschaffen.

    Verbindungen zwischen der Erdgeschosszone und den höherliegenden Höfen werden an zwei Stellen geschaffen. Über eine Treppe wird der Höhenunterschied im Bereich der nördlichen Fuge überwunden und der private Wohnhof mit dem Straßenniveau verbunden. Zum Kreissparkassen-Areal im Süden wird ein Durchgang geschaffen, der das von der Wolfgang-Brumme-Allee zugängliche, bestehende öffentliche Plateau mit dem Bürohof verbindet. So entsteht ein überdachter Freibereich, der mit einem Pavillon einen Treffpunkt für Mittagspause und Veranstaltungen schafft. Dieser ist von allen Büroeinheiten über die Treppenhäuser direkt erreichbar. Vom Freibereich aus führt eine Außentreppe direkt zur offenen Ladenpassage im Erdgeschoss und schafft so eine durchgängige Wegeverbindung für die Büroangestellten und Besucher.

    Die Erschließung der Büro- und Wohneinheiten erfolgt hauptsächlich von den Straßenseiten aus, im Bereich der Verbindungsfuge konzentrieren sich hingegen die öffentlichen Zugänge zu den Handels- und Ladeneinheiten, die sich jeweils über das gesamte Erdgeschoss sowie das 1. OG von Baufeld A erstrecken. Ebenfalls befindet sich hier ein zentraler Eingang zum Untergeschoss, der den Kunden von Supermarkt, Drogerie und Discounter einen mittigen Zugang in die Tiefgarage ermöglicht.

    Durch die Ausrichtung der Gebäude und die Positionierung der Einschnitte können alle Wohnungen mit ihren Freibereichen in südöstliche und südwestliche Richtung und somit weg vom Schall orientiert werden. Die Anordnung von geschlossenen und hohen Baukörpern entlang der Wolfgang-Brumme-Allee sorgt für eine Abschirmung der rückwärtig gelegenen Gebäudeteile und Innenhöfe vom Verkehrslärm. In durchgesteckten Grundrisstypen, bei denen auch Schlafräume zur schallbelasteten Seite hin orientiert wurden, werden Doppelfenster zum Schallschutz eingesetzt. Durch die optimale Ausrichtung der Wohnungen und der Loggien wird der Sonnenlichteintrag maximiert. Die Treppen-häuser werden hierzu konsequent nach Norden orientiert.
    Trotz des urbanen Erscheinungsbildes nach außen, werden im Inneren des Gebäudeensembles unterschiedlich gestaltete, qualitätsvolle, begrünte Außenanlagen für Bewohner und Angestellte geschaffen. Über die Treppenhäuser erhalten alle Wohnungen in Baufeld A einen direkten Zugang zum Innenhof. Den Häusern 1 und 2 werden private Gärten zugewiesen. Zentral angeordnete Spiel- und Aufenthaltsbereiche werden zu einer für alle Bewohner nutzbaren grünen Mitte und zur Plattform für einen nachbarschaftlichen Austausch und ein positives Miteinander.
    Architektonische Gestaltung und Fassade

    Die Fassadengestaltung verleiht den Baukörpern, die ganz verschiedene Nutzungen unter einem Dach vereinen, eine einheitliche Struktur, die sich rings um das Gebäude zieht. Trotz der unterschiedlichen Anforderungen und Grade von Öffentlichkeit ist es wichtig, dass das Gebäude ein großes Ganzes bleibt und über alle Nutzungen hinweg eine Einheit bildet. Unterschiedliche Fensterformate und Geschosshöhen erlauben dennoch eine Ablesbarkeit von Handel, Büro und Wohnen: Im Erdgeschoss finden sich großflächige Verglasungen, die vor allem zur Verbindungsfuge hin Schaufenster für die Passanten bieten. In den Bürogeschossen garantiert die große, regelmäßige Fenstereinteilung eine gleichmäßige Belichtung, in den Wohngeschossen hingegen finden sich nutzungsangepasst entsprechend kleinere Fensterformate.
    Im Allgemeinen vermittelt die Außenfassade der Blöcke ein ruhiges, homogenes Erscheinungsbild. Auch die Loggien schließen zur Straße hin bündig ab. Zu den Innenhöfen hin wird die Fassadenstruktur der Wohnbebauung räumlicher. Balkone schieben sich mit Pflanzbereichen aus den Loggien heraus und schaffen eine angemessene Kleinteiligkeit, um den Hof abwechslungsreich und grün zu rahmen.

    Zusammenfassung
    Das entwickelte architektonische und freiraumplanerische Konzept für das Citycenter-Areal schafft einen ganzheitlichen Ansatz aus Städtebau, Fassadenqualität, Grundrissvarianz und Nachhaltigkeit und wird so der besonderen Lage am Schnittpunkt zwischen Bahnhofsquartier und Altstadt gerecht. Durch das gelungene Gesamtkonzept wird das Gebäudeensemble zu einer Adresse in der Stadt und schafft nachhaltige Qualitäten für die Bewohner und die Nachbarschaft. Die Stärkung der Erdgeschosszone und die Schaffung eines extrovertierten Bausteins, der mit dem Stadtraum kommuniziert, leistet einen wesentlichen Beitrag für das im Umbruch befindliche Stadtquartier und setzt beispielgebende Maßstäbe für weitere Entwicklungen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die städtebauliche Setzung wird als besonders gelungen angesehen: der Hochpunkt am Friedrich-List-Platz ist an diesem städtebaulichen Übergang richtig gesetzt, auch die Höhenstaffelung zur Olgastraße bindet sich gut ein. Insbesondere überzeugt die Ausbildung der Volumina, die eine neue Verbindung der zwei Straßen durch einen sich zu zwei Seiten aufweitenden öffentlichen Raum schafft. Von hier aus sind die großflächigen Handelsräume erschlossen und können zudem kleine Einheiten wie Bäckerei und Café mit Außengastronomie den Straßenraum beleben. Sogar die Verkehrsfläche im 1. OG erfüllt ein einsehbarer und angenehm proportionierter Zugang im Blickpunkt der beiden Plätze.
    Gut gelegene Treppenhäuser erschließen auch von den Straßenseiten die auf den Gewerbeflächen liegenden Wohnungen. Hier entwickelt sich auf dem größeren Baufeld eine 3-5 geschossige Wohnwelt und grüne Freiflächen eine räumliche Qualität sowohl nach außen zur Stadt als auch nach innen zum Wohnhof.
    Durch die unterschiedlichen Höhen der auf ca. 6 bis ca. 11 m gelegenen großen Grünbereiche wurde eine spannende Durchwegung im Erdgeschoss für die Stadtbewohner geschaffen und zudem eine reizvolle Freiraumgestaltung geschaffen. So ergibt sich die Anbindung an die Kreissparkasse und schafft über das vorgeschlagene Bistro einen attraktiven Freiraum für die Büros, die gut erschlossen und geschnitten sind. Die Qualität der Wohnungen, die sich an den gewünschten Größen orientiert, sind in Hinsicht auf Erschließung, Besonnung und Zuschnitt gut gelungen.
    Insgesamt zeigt der Entwurf, dass es möglich ist einen angenehmen, gut nutzbaren öffentlichen Raum mit einer hohen Funktionalität der Gewerbeflächen und einer hohen Wohnqualität mit vielen Freiflächen an diesem Ort in Böblingen zu realisieren.


INFO-BOX

Angelegt am 15.03.2019, 16:40
Zuletzt aktualisiert 18.03.2019, 16:07
Beitrags-ID 4-170917
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