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  • DE-76726 Germersheim
  • 03/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-316139)

Erweiterungsbau Kreishaus Germersheim


  • 1. Preis

    Blick vom Luitpoldplatz, © K9 Architekten, faktorgruen

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Schedlbauer

    Mitarbeit
    Ricardo Patings, Danilo Meixner, Michał Herl

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: K9 ARCHITEKTEN Borgards.Lösch.Piribauer, Freiburg im Breisgau (DE)

    Preisgeld
    52.000 EUR

    Erläuterungstext
    Am alten Standort Luitpoldplatz entsteht das neue Kreishaus in Germersheim als offenes und kompaktes Verwaltungsgebäude. Dabei wird das Offiziersgebäude aus der Zeit des Jugendstiels wie selbstverständlich in das Ensemble integriert und ein großzügiger innerstädtischer Frei- und Grünraum entlang der Queich aktiviert.

    Das Gebäude definiert drei unterschiedliche Freiräume neu: der Luitpoldplatz bekommt einen adäquaten Abschluss neben dem bestehenden Altbau. Die Cafénutzung am Haupteingang des Kreishauses wird den Platz an dieser Stelle auf urbane weise beleben.

    Zwischen der Rückseite des Altbaus und dem neuen Westflügel wird der konisch zugeschnittene „Offiziershof“ entstehen. Er gibt der alten Mauer und deren Toren an der Bismarkstraße Sinn. Der Freiraum ist als Erweiterung der Eingangshalle gedacht, im Erdgeschoss des Westflügels befinden sich die Personalräume. Ein eigener, geschützter Stadtraum entsteht.

    Das neu entwickelte Gebäude gibt der Queich großzügigen Raum zur Renaturierung innerhalb des Stadtgrundrisses. Der Bachlauf wird aufgeweitet und naturnah umgestaltet. Auf beiden Seiten kann flaniert werden, insbesondere die Verlängerung der Ludwigstraße vom Königsplatz kommend wird entlang des Flusses verlängert und im Osten an die Hauptstraße angebunden. Flache Sitzstufen machen die Queich in der Stadt erlebbar. So entsteht neben dem eher strengen Luitpoldplatz eine kleine grüne Oase mit eigenem Charakter und hohen stadtklimatischen Qualitäten inmitten der Stadt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das III bis IV-geschossige Gebäudeensemble fügt sich selbstverständlich in die städtebauliche Situation ein. Das Raumprogramm wird auf mehrere eigenständige Gebäudeteile aufgeteilt, die auch ohne Ideenteil sowohl räumlich als auch städtebaulich funktionieren. Das denkmalgeschützte ehemalige Offiziersgebäude wird im Osten auf unprätentiöse Weise angebaut, die denkmalgeschützte Mauer wird freigestellt und die Verbindung zum rückwärtigen Gebäude positiv herausgearbeitet. Das Gesundheitsamt ist als eigener Baukörper im Norden konzipiert. Durch den Ideenteil werden die Bestandteile zu einem harmonischen Gesamtbild zusammengefügt.

    Der Flussraum der Queich wird renaturiert und aufgeweitet. Es wird ein weiterer Fußweg auf der Südseite angeboten, der auch einen flussseitigen Zugang in das Gebäude ermöglicht. Zwischen den Gebäudeflügeln entstehen U-förmige, gerahmte Grünhöfe, die differenziert ausgestaltet sind.

    Der Zugang zum neuen Kreishaus erfolgt direkt vom Luitpoldplatz in eine angemessen repräsentative und lichtdurchflutete Gebäudemitte mit Bezug zum „Flusshof“ und zum „Offiziershof“. Das Café ist richtig positioniert und hat eine Scharnierfunktion zwischen Luitpoldplatz und Gebäude.

    Durch die Eingangshalle als Verteiler hat das Gebäude eine sehr gute Orientierung im Innern. Die Abteilungen und die Büroflügel sind auf kurzem Wege erschlossen. Es entstehen attraktive Arbeitsplätze mit schönen Blickbeziehungen. Die Flure sind unterschiedlich gestaltet und bieten definierte Warte- und Kommunikationsbereiche mit Aufenthaltsqualität sowie Lufträume die durch Oberlichter mit Tageslicht belichtet werden. Alle Räume sind barrierefrei gut angebunden, lediglich der barrierefreie Zugang zum Altbau über ein Hubpodest ist nicht optimal gelöst. Die funktionalen Anforderungen sind bereits ohne den Ideenteil erfüllt.

    Die Materialität und Proportion der Neubaufassade korrespondiert hervorragend mit dem denkmalgeschützten Bestand. Die Neubaufassaden sind von einer zeitlosen Eleganz und ermöglichen durch die Rasterung eine flexible Raumeinteilung der dahinterliegenden Raumschicht. Es wird diskutiert, ob die straßenseitige Fassade in ihrer Länge zu monoton wirkt. Es wäre eine abschnittsweise Gliederung zu prüfen. Die Kenndaten zu BGF und BRI liegen leicht unter dem Durchschnitt der Arbeiten.

    Aufgrund der selbstverständlichen städtebaulichen Einfügung, der guten inneren Funktionalität in Verbindung mit einer hohen Aufenthaltsqualität sowie einer angemessenen und zeitlosen Architektursprache stellt die Arbeit einen hervorragenden Beitrag zur Aufgabenstellung dar.