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  • DE-76726 Germersheim
  • 03/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-316139)

Erweiterungsbau Kreishaus Germersheim


  • Anerkennung

    Lageplan

    Architekten
    ASSEM ARCHITEKTEN FREIE ARCHITEKTEN BDA, Karlsruhe (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: ramthun Landschaftsarchitektur, Baden-Baden (DE)

    Preisgeld
    13.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Die städtebauliche Struktur der Innenstadt Germersheim wird wesentlich durch zwei Faktoren geprägt:
    - durch den Straßenraum definierte Blockstrukturen, die baulich heterogen ausgebildet sind
    - die Innenstadt umgebende großformatige Bauwerke mit ursprünglich militärischer Nutzung und beeindruckenden Abmessungen
    Beides führt zu einer nach außen klar begrenzten und im Inneren verdichteten
    Innenstadt, die durch großzügige Platzanlagen wie den Königsplatz und den
    Luitpoldplatz aufgelockert werden.
    Ohne größere Bedeutung ist die Queich. Ihr Verlauf mäandert innerhalb der Blöcke,
    ist strukturell jedoch nicht prägend. Es zeigt sich aber, das die Qeich bei neueren
    Bauvorhaben und durch den neu angelegten Steg als Attraktivität gesehen und
    zunehmend einbezogen, erschlossen wird.
    Der Entwurf hat die Aufgabe, innerhalb dieses Spannungsfeldes eine sehr große
    und logistisch komplexe Verwaltungsstruktur in den innerstädtischen Rahmen
    einzupassen. Dies gelingt, indem ein Mäander als gestaltprägende Großstruktur
    die Blockbildung stärkt und gleichzeitig durch Unterbrechungen innerhalb der
    Fassade sowie einer spielerischen Dachausbildung differenziert auf die jeweils
    umgebenden Bebauungshöhen und Maßstäblichkeiten reagiert.

    Räumliche Bezüge

    Für die Einbindung des Bauwerkes in die umgebenden Strukturen und Verankerung im Stadtgefüge werden kleinräumliche Bezüge hergestellt. Bewußt wird die Mittelachse des Luitpold- / Paradeplatzes aufgenommen und zum Haupteingang ausgebaut. Die Achse der Ludwigstraße wird in der Fassadengestaltung berücksichtigt, wodurch der neue
    Bau zum untergeordneten Gegenpart des dominanten Universitätsgebäudes wird, der die Achse beendet und auch hierdurch die städtische Blockstruktur stärkt.
    Wesentlich stellt die Höhenentwicklung des Gebäudes Bezüge zum Umfeld her. Die fallenden Dachlinien reagieren auf die umliegende heterogene Bebauung und Freiräume. Zum Luitpold-Platz weist das Gebäude die größte Bauhöhe auf, die das ehemalige Offizierswohnhaus respektiert und dennoch angemessen auf den Platz reagiert. Entlang der Bismarckstraße wird die Bauhöhe aufgrund der gegenüber liegenden klar ausformulierten Blockkanten nur leicht reduziert.
    Entlang der Hauptstraße sinken Traufkante und Firstlinie analog zum abfallenden
    Gelände. Der Kopfbau an der Brücke zur Queich wird somit auf die umgebenden
    Gebäude ausgerichtet.
    Die Differenzierung der Höhen geht einher mit bewußt ausgebildeten Teilungen
    innerhalb der Fassade. Die aus der Großstruktur, der universellen Nutzbarkeit und
    wirtschaftlichen Ausführung entwickelte Lochfassade betont die mit den Dachlinien verbundenen Gebäudeecken, bilden Zäsuren innerhalb der Fassaden und setzt Maßstäblichkeiten.
    Der zum Blockinneren stark strukturierte Baukörper reagiert auf die neu geschaffenen, landschaftlich geprägten Flächen hin zur Queich.

    Offiziersgebäude

    Das ehemalige Offiziersgebäude wird vom Neubau umgeben, bleibt seiner dominanten Stellung im Stadtraum und baulichen aufwändigen Fassadengestaltung entsprechend aber freigestellt, ist nach wie vor gestaltprägender Schwerpunkt am Luitpoldplatz und die Adressbildung der neuen Kreisverwaltung. Die Anbindung an den Neubau erfolgt
    über ein verglastes Treppenhaus, das gleichzeitig Haupteingang und zentrale Erschließung ist. Rückseitig prägen das Offiziersgebäude und die ehemalige Hofmauer den neu etablierten Städtischen Hof mit neuer Nutzung.
    Das Offiziersgebäude ist auch zukünftig Sitz des Landrates und der Dezernatsleiter/-innen.
    Außenräume
    Der Entwurf reagiert auf die Außenräume und ergänzt diese. Der Luitpoldplatz und die Achse des Paradeplatzes sind die repräsentativen Vorbereiche und Zugangsflächen zum Gebäude.
    Die Zwischenräume der Baukörper bilden einen geometrischen, städtischen Hof, der von Altbau und Neubau geprägt wird, sich mit der Eingangshalle und dem Mehrzweckraum überlagert, in das Gebäude hinein wirkt und die Räume nach außen öffnet. Der neue repräsentative Hof fungiert sowohl als Personaleingang, Anlieferung etc., wird aber ebenso durch die Außenbestuhlung des Cafés unter dem Baumdach, für interne und externe Veranstaltungen und Empfänge, etc. genutzt. Er bildet auch unabhängig der Öffnungszeiten die öffentliche Schnittstelle der Kreisverwaltung mit der Stadt, bietet Platz für städtisches
    Leben, bewahrt den halböffentlichen Charakter hinter der historischen Mauer.

    Der Bereich zwischen Neubau und Queich wird mit landschaftlichen
    Elementen der Umgebung ausgebildet. Es entsteht ein Landschaftshof, der
    den Fluß als überregionales landschaftsprägendes Element begreift und
    darstellt. Die Inselbildung und flachen Ufer thematisieren einen natürlichen
    Gewässerverlauf, dessen Bild sich durch wechselnde Pegelstände verändert.
    Die höhergelegenen Blumenwiesen in Verbindung mit frei stehenden Bäumen und Obstbaumhainen greifen regionale Motive des Umlandes auf, die sich entlang der Queich stetig wiederholen. Zugängliche Bereiche dienen Mitarbeitern und der Öffentlichkeit als Pausen- und Ruheraum. Gleichzeitig verhindern die hohen Blumen und Obstwiesen eine zu große Annäherung an die Büroflächen im EG und reduzieren die Unterhaltskosten.

    Gebäudestruktur

    Zentrales Element ist ein langestreckter 2-hüftiger Baukörper, ein Band, sinnbildlich für die Vielzahl einheitlicher Räume, sich verändernde Abteilungs- und Dezernatsstrukturen und wirtschaftlicher Wiederholung standardisierter Bauelemente. Durch Faltungen und Aufweitung der Verkehrszone direkt neben dem Altbau entsteht eine Mitte, ein
    verdichteter Raum mit Anbindung an den Luitpoldplatz, an die Flügel und den Altbau, die die zentrale vertikale Erschließung enthält, die Wartebereiche, das Bürgerbüro und gleichzeitig Eingangshalle ist, zugänglich vom Luitpoldplatz. Die Überlagerung mit dem Städtischen Hof schafft neue Qualitäten und eine zusätzliche räumliche Verdichtung. Die abgewinkelten Enden des Bandes bilden wiederum kleine Subzentren, eine eigenständige Kleinstruktur,
    die mit eigenen Vertikalerschließungen auch in andere Geschoßebenen kurze Wege ermöglichen. Gleichzeitig beenden sie das Band auf selbstverständliche Art.
    In der Gebäudemitte werden auch die verschiedenen Gebäudeebenen barrierefrei zusammengeführt. Die Hauptebenen des Neubaus und die Ebenen des Altbaus werden über einen Aufzug angefahren und zusätzlich mittels kurzen Treppenläufen verbunden. Beide Häuser haben zusätzlich ihre eigenständigen Vertikalerschließungen. Das entlang der
    Hauptstraße abfallende Straßenniveau wird durch einen halbgeschossigen Versatz im Ideenteil ausgeglichen (s. Schema), der erst möglich wird, wenn der Kopfbau an der Hauptstraße über den Ideenteil an den Hauptbau in den
    E b e n e n 1 . OG - 3 . OG b a r r i e r e f r e i angeschlossen werden soll. Bis dahin ist der
    Kopfbau eine eigenständige Funktionseinheit, in dem vollständig das Dezernat 4 mit eigenem Eingang und somit einer eigenständigen Adressbildung vorgesehen ist.
    Landrat und Dezernatsleiter verbleiben imhistorischen Altbau, alle anderen sind
    abhängig von ihrem Besucherbezug um die Mitte der zentralen Erschließung herum
    angeordnet.

    Energie

    Das hoch gedämmte Gebäude kann aufgrund des großen Grundstückes und des kurz unterhalb der Tiefgarage anstehenden Grundwassers weitestgehend autark über `oberflächennahe` Geothermie (ca. 20 m) in Verbindung mit
    einer Betonkerntemperierung geheizt und gekühlt werden. Großflächige Fenster ermöglichen effektive Fensterlüftung.
    Räume mit/für Besprechungen werhalten eine Doppelfassade, so daß sie durchgehend gelüftet werden können.
    Der ungenutzte Dachraum dient als zusätzlicher Puffer zur thermischen Stabilisierung des obersten Geschoßes.

    Material

    Der Sandstein nimmt Bezug auf die Region und auf den Altbau. Die Anwendung auf Dach und Wand erzeugt einen monolitischen Eindruck, der alle Gebäudekanten gleichermaßen betont und somit den skulpturalen Ansatz des Entwurfes zum Ausdruck bringt. Die unterschiedlichen Oberflächen-strukturen mit einem bewusst gewählten Versatz
    der einzelnen Platten durch unterschiedliche Stärken verleiht der Fassade ein Spiel aus Licht und Schatten, sowie dem Material eine angenehme Haptik. Die Verarbeitung im Verbund mit zementären Trägerplatten erlaubt die Verwendung uneinheitlicher Zuschnitte und erzeugt eine lebhafte Grundstruktur bei gleichzeitig hohem Vorfertigungsgrad der
    Formteile.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit bildet mit ihren als Zweibund angelegten Baukörpern eine Blockbebauung, die die städtischen Räume Hauptstraße und Luitpoldplatz sowie das denkmalgeschützte ehemalige Offiziersheim fasst und sich zur Queich hin öffnet, die dabei als grüne Mitte des gesamten Quartiers aufgewertet wird. Während der Umgang mit dem Naturraum des Flusses gelungen ist, bleibt die Einbindung des Denkmals in die Gebäudefigur fraglich. Die Straßenrandbebauung ermöglicht dagegen flexibel auf zukünftige und bestehende Entwicklungen zu reagieren, ohne dass das Gebäude rudimentär wirkt.

    Die Fassade und das Dach des Gebäudes sollen aus Sandsteinplatten bestehen, die sich in den Kontext der Umgebung in ihrer monolithischen Anmutung richtigerweise einbinden, indem sie einen Bezug zu den vorhandenen massiven Festungsbauwerken darstellen und durch ihre differenzierten Dachhöhen zwischen den Gebäuden vermitteln.

    Die achsiale Erschließung über die Gebäudemitte mit einer hallenartigen Aufweitung ist zunächst gelungen, könnte aber deutlicher ausgeprägt sein. Hierbei ist hervorzuheben, das sich dieses Konzept der mittigen Aufweitung durch alle Geschosse zieht.

    Die Räume sind alle sinnfällig untergebracht. Die Notwendigkeit, das Gesundheitsamt abschließbar auszubilden wird selbstverständlich als Abschluss der städtebaulichen Figur gelöst.

    Insgesamt zeigt sich bei diesem Beitrag ein angemessener Umgang mit dem Landschaftraum und den städtebaulichen Notwendigkeiten. Die Funktionalität des Entwurfes und die Baukörperfügungen können aber nicht in allen Details überzeugen.