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  • DE-79219 Staufen im Breisgau
  • 03/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-317450)

Neubau Bürgerhaus und Mediathek der Stadt Staufen


  • 2. Preis


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    Architekten
    di dörr & irrgang - Architekten und Generalplaner GmbH, Au (DE)

    Verfasser
    Peter Johannes Dörr , Danica Magin , Lena Göpfert

    Mitarbeit
    Frank York Irrgang, Valeri Topalov

    Preisgeld
    19.000 EUR

    Erläuterungstext
    Erläuterungstext

    Städtebau
    Das neue Ensemble aus Bürgerhaus und Mediathek bildet den strukturellen Abschluss der neuen Wohnbebauung auf dem Schladererareal.
    Die städtebauliche Körnung der Wohnbebauung setzt sich in den Hauptbaukörpern des Bürgersaals und der Mediathek fort. Dabei werden Winkel aus den polygenen Freiräumen und Strukturen der Wohnbebauung aufgegriffen.
    Diese zwei massiven Baukörper, Bürgersaal und Mediathek, sind die beiden Protagonisten des Ensembles. Durch ihre Stellung und Ausrichtung spannen sie eine gemeinschaftliche Platzfläche, den Bürgerplatz, auf.
    Durch das verbindende, dienende Gebäudevolumen wird der Platz dreiseitig gehalten und öffnet sich nach Westen in Richtung Festplatz, Neumagen und Martin-Luther-Kirche.
    Eine großzügige und zum Verweilen einladende Treppenanlage nutzt die vorgegebene Topographie und ermöglicht gleichzeitig die Unterbauung des Bürgersaals mit einer Tiefgarage.

    Verkehr und Erschließung
    Die Zufahrt der TG liegt gut auffindbar an der Straße „Am Schießrein“ im Baukörper der Mediathek. Die TG-Zu- und Ausfahrt ist damit vollständig im Gebäudevolumen untergebracht.
    Im Falle großer Veranstaltungen im Bürgersaal oder bei Ausweitung der Fläche des Bürgerplatzes auf den Festplatz, wird der Erschließungsverkehr der TG über die bestehende Parkplatzanlage geleitet. Damit bleibt die erweiterte Vorfläche des Bürgerplatzes frei von PKW-Verkehr.
    Fahrräder werden auf dem Niveau der Straße „Am Schießrein“ an den dort angeordneten Fahrradstän-dern abgestellt. Der erhöhte Bürgerplatz wird damit ausschließlich fußläufig erschlossen und bleibt frei von Fahrzeugen.
    Von Süden kommend leitet eine flache Rampe entlang der Fassade barrierefrei auf den Bür-gerplatz.
    Auch der offene Aufgang aus der TG erfolgt direkt auf den Bürgerplatz, sodass die TG unabhängig von der Nutzung des Bürgerhauses und der Mediathek als öffentliches Parkhaus betrieben werden kann. Somit werden alle Gebäude und Nutzungen am Bürgerplatz von eben diesem aus erschlossen.

    Abstandsflächen, Bezug zur Wohnbebauung
    Durch die abgestufte Gebäudestruktur hin zur Wohn-bebauung im Osten wird deren Innenhof weiterhin gut besonnt und belüftet. Der Abstand zu östlichen Grenze beträgt durchgängig fünf Meter. Zugänge/ Anlieferungen finden in diesem Bereich nicht statt, sodass dieser Raum durch seine gleiche Gestaltung den Außenraum des Innenhofes optisch erweitert. Eine Bepflanzung mit größeren Bäumen ist durch höhere Erdüberdeckung der TG möglich.

    Lärm- / Schallschutz
    Durch die Anordnung des Bürgerhauses und der Mediathek an der Westflanke des Quartiers bildet dieses einen Lärmschutzriegel zwischen Festplatz und Wohnbebauung. Die Orientierung der öffentlichen Flächen ausschließlich nach Westen sowie der dienenden Funktionen nach Osten vermeiden eine Störung durch die Aktivitäten auf dem Bürgerplatz; das den Bürgersaal einfassende Foyer fungiert zusätzlich als Pufferzone.

    Orientierungen
    Die Hauptnutzungen und der Bürgerplatz sind eindeutig von der Wohnbebauung abgewandt. Statt-dessen ergeben sich differenzierte Kontaktflächen der Innenräume zu Bürgerplatz, Straßenraum und Festplatz. Über diese Transparenz entsteht eine Interaktion zwischen dem Innenraum und dem öffentlichen Raum: das Bürgerhaus wird mit seinen Veranstaltungen zum Wohnzimmerfenster der Stadt.

    Blickbezüge
    Durch das Aufgreifen der polygonalen Gebäudetypologie der Wohnbebauung in den Hauptbaukörpern bleiben die weiten Blickbeziehungen innerhalb der Wohnbebauung erhalten.
    Durch die Erschließung des Bürgersaals über eine Schmal- und Längsseite, mit vorgelagerter Anord-nung der Multifunktionssäle, treten diese Nutzungen im öffentlichen Straßenraum in Erscheinung.
    Der Bürgersaal selbst ist ein konzentriertes, introvertiertes Gebäude, das vom eingeschossigen, transparenten Foyer umschlossen wird. Damit fließen die öffentlichen Flächen über den Innenraum bis an den Saalkörper heran.

    Auch die Mediathek bietet einen der Nutzung ange-messenen geschützten Rahmen, jedoch mit gezielten Ausblicken und definierten Kontaktflächen zum öffentlichen Raum und dem Bürgerplatz. Im Inneren wird der Raum durch vielfältige, interne Blickbezüge erlebbar.

    Bürgerhaus
    Das Bürgerhaus beinhaltet den großen Bürgersaal und zwei Multifunktionsräume, welche sich in unmittelbarer Nähe der Bühne befinden, um im Bedarfsfall als zusätzliche Garderoben, Einspielsaal des Orchesters etc. dem Bühnenbetrieb zugeschaltet werden zu können.
    Die Multifunktionssäle lassen sich durch mobile Trennwandsysteme bilden. So können sie eigenständige Nutzungseinheiten bilden oder bei Großveranstaltungen der Foyerfläche zugeschlagen werden. Auf diese Weise entstehen attraktive, vielfältige und großzügige Aufenthaltsbereiche für Veranstaltungspausen, Empfänge, Ausstellungen u.v.m. Das Bürgerhaus zeigt sich mit seiner lebendigen Nutzung nach außen.
    Der Bürgersaal kann an all seinen Flanken betreten werden und besitzt somit eine großzügige und leis-tungsfähige Zugänglichkeit für Gäste, Künstler und Servicekräfte.
    Die äußere, massive Schale des Saals mit einer steinernen Fassadenbekleidung setzt sich auch im Innenraum an der Schnittstelle zum Foyer fort.
    Die innere, hölzerne Auskleidung bildet den Klangkörper. Durch entsprechende Ausbildung der inneren Schale (Faltung, Neigung, verstellbare Akustikkiemen im oberen Bereich) lässt sich die für den Nutzer gewünschte Akustik einstellen.
    Großflächige, geneigte Akustiksegel im Decken-bereich erschaffen einen warmen Klangkörper mit optimierten Nachhallzeiten. Unterschiedliche akustische Anforderungen (Sprache, elektronische Beschallung, Instrumente, Gesang etc.) können über Jalousielamellen innerhalb der Akustiksegel entsprechend eingestellt werden.
    Diese Lamellen erlauben auch für eine Kongressnut-zung die Bespielung des Saales mit Tageslicht, indem die geschlossenen Deckensegel zu einer tageslichtdurchflutete Lichtdecke geöffnet wird.
    Eine unterstützende, natürliche Nachtdurchspülung des Luftvolumens kann somit ermöglicht werden.
    Die notwendige, mechanische Belüftung des Bürger-saals im Veranstaltungsfall erfolgt über die, die Längsseiten flankierenden, Wandelemente. Die dafür erforderliche Lüftungsanlage befindet sich im Obergeschoss, den Saal an der Ostseite begleitend.

    Mediathek
    Die Mediathek, als eigenständiger Mitspieler am Bürgerplatz, bildet den Gegenspieler zum Bür-gersaal.
    Mit ihrer massiven, ebenfalls steinernen Kontur fasst sie den Platz, bildet einen prägnanten Auftakt und schließt gleichzeitig das Ensemble nach Norden ab.
    Gezielte Öffnungen in der Fassade fangen gerahmte Blickbezüge ein oder bilden definierte Kontaktstellen zum Bürgerplatz. Die Erschließung erfolgt im dienen-den und sich mit dem Bürgerhaus verbindenden Element. Somit bleibt der Innenraum des polygonalen Körpers den unterschiedlichen Erlebniswelten der Mediathek vorbehalten. Treppenanlagen, Lufträume, Blickbeziehungen innerhalb der Mediathek lassen unterschiedlichste Veranstaltungen und Nutzungskonzepte umsetzen. Die Topographie der TG-Zufahrt wird in den Innenraum integriert und sowohl als Bühne, als auch als Tribüne bespielt. Bereiche in den Körpern der Treppenanlagen werden zu Rückzugsmöglichkeiten (Alkoven). Somit gliedern sich geschützte „Kleinräume“ um die offenen Themenbereiche auf zwei Ebenen.

    Dienende Spange
    Die Nebenräume sind entlang einer durchgängigen Achse im Osten angeordnet. Sie flankieren den Saal auf seiner Längsseite mit den Serviceräumen und Garderoben; die Küche dient mit der Essensausgabe die Stirnseite das Foyer an, während WCs und TG-Aufgang als Schnittmenge im Zwischenbau sowohl für Bürgerhaus als auch Mediathek unabhängig nutzbar sind. In der Mediathek findet die Servicespange ihre Fortsetzung mit dem Empfang und allen dort erforderlichen Nebenräumen.
    Jeweils an den Stirnseiten der Spange erfolgt die Anlieferung für Bühne, Küche und Mediathek.

    Parkhaus
    Das Parkhaus auf dem Schießrainplatz bildet die städtebaulichen Raumkanten für die Schladererstraße und den Schladererplatz.
    Es ist als dreigeschossiges Gebäude angelegt, wel-ches an seinem südlichen Ende, der Topografie fol-gend, gegenüber der Wohnbebauung niedriger er-scheint.
    Die Zufahrt zum Gebäude ist kurz nach der Kreuzung angeordnet. Die Ausfahrt erfolgt – zum Lärmschutz eingehaust - am südlichen Ende des Grundstücks.
    Fußgänger verlassen das Gebäude am Uferweg entlang des Neumagens und erreichen über die bestehenden Fußgänger Querung an der Schladererstraße den Festplatz, das Bürgerhaus und das Stadtzentrum Staufens.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Den Verfassern dieser Arbeit gelingt eine überzeugende städtebaulichen Weiterführung, der durch den Wohnungsbau im Nord-Osten begonnen wurde. Dabei wird nicht versäumt, sowohl in der Positionierung als auch durch die eingeschossige Einfassung, unmissverständlich auf eine andere, nämlich öffentliche Nutzung zu verweisen.
    Die Eingangssituation wird durch die Piazzetta auf dem Grundstück klar signalisiert. Die Position schafft eine räumliche Nähe zur Altstadt. Die hier platzierte Mediathek wird an dieser Stelle ebenfalls ein gefühlter Bestandteil der historischen Kernstadt.
    Das große Volumen des Bürgersaal im Bereich der Einmündung „Am Schiessrain“ in die Schladererstraße bildet wiederum hier die gewünschte städtebauliche Setzung und Stabilität.

    Die innere Gliederung der Nutzungsbereiche ist funktionsfähig geordnet, die Schnittstellen und Übergänge versprechen die gewünschte multifunktionale Anwendung. Kritisch wird von der Jury der zu geringe Bühnenrückbereich und die verwinkelte Bühnenerschließung.
    Die beiden Multifunktionsräume im Falle einer großen Veranstaltung zum erweiterten Foyerbereich zu wandeln, wird positiv bewertet, wenngleich die große Rückwand für die Positionierung der Faltwände im Bereich der Sektbar überdacht werden sollte.
    Der Vorbereich der sinnig gemeinsam genutzten Sanitärräume erscheint etwas zu knapp bemessen. Von der Jury wird positiv bewertet, dass die Tiefgaragenabfahrt mit einer Einfahrt in das Gebäude organisiert ist. Dies verhindert schallschutztechnische Probleme und bietet die Möglichkeit einer schmal ausgebildeten Altstadtgasse im Anschluss an das Schladerer-Grundstück.

    Die systematisch um die Saalkubatur gezogene „Schicht“ verspricht, dass alle notwendigen raumakustischen Einbauten ihren Platz finden. Der Zugang in den Saal ist hier „versperrt“!
    Die Mediathek mit der südlichen Orientierung zur Piazetta verspricht eine attraktive Erweiterung der Nutzung in den Freibereich. Abendliche Veranstaltungen im Bürgersaal lassen des Westlicht in die Tiefe des Vorplatzes und ins Foyer fliesen. Von der Jury wird empfohlen die Piazetta mit einem Großbaum, oder einer Großbaumgruppe zu ergänzen und zur Umsetzung eines Erdanschlusses in der Tiefgarage ein oder zwei Stellplätze zu opfern.

    Die zur Anordnung der Tiefgarageneinfahrt gewählte Split-Levellösung verbindet gekonnt die beiden Stockwerke der Mediathek und macht sie gefühlt zu einem Volumen, mit gut gestaffelten, akustisch separierten Bereichen und einer attraktiven Raum-Wegeabfolge. Das schmale Antlitz der Mediathek Fassade an der Schiessrainstraße wird in der Jury kritisch besprochen. Der Baukörper scheint hier, insbesondere mit der Anordnung der Tiefgaragenzufahrt als zu schwach.
    Die Kennwerte für die BGF und die BRI liegen deutlich unter dem Mittelwert aller Arbeiten und versprechen eine wirtschaftliche Umsetzung.

    Das gewählte Material mit Naturstein für die großen Kubaturen geben dem Entwurf die nötige Stärke und unterstreichen die städtebauliche Setzung als Auftakt in die Altstadt.

    Die erarbeite Lösung ist ein gelungener Beitrag für die Aufgabenstellung, dem insbesondere die Fusion von Funktionalität der Nutzungsbereiche und mit dem Setzen eines Auftakts in die Altstadt Staufens gelingt und dabei nicht versäumt sensible, differenzierte Antworten zur Nachbarschaft anzubieten.


INFO-BOX

Angelegt am 22.03.2019, 15:45
Zuletzt aktualisiert 26.03.2019, 12:43
Beitrags-ID 4-171118
Seitenaufrufe 37

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