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  • DE-79219 Staufen im Breisgau
  • 03/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-317450)

Neubau Bürgerhaus und Mediathek der Stadt Staufen


  • 3. Preis

    © Swiatkowski-Suerkemper Architekten | Steinhoff / Haehnel Architeken

    Architekten
    Swiatkowski-Suerkemper Architekten, Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: STEINHOFF / HAEHNEL ARCHITEKTEN GmbH, Stuttgart (DE)
    Modellbauer: Architekturmodellbau Michael Lo Chiatto, Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    15.500 EUR

    Erläuterungstext
    Stadträumliches Konzept

    Das neue Gebäude des Bürgerhaus und der Mediathek steht im Kontext zur neuen
    Wohnbebauung und bildet Auftakt und Gesicht des Ensembles.
    Beide Funktionen sowohl das Bürgerhaus als auch die Mediathek erhalten durch Ihre
    eigenständige Gestaltung als höhere Gebäudeteile eine „ Adresse“.
    Die Volumina des Bürgerhaus und der Mediathek heben sich von den anderen
    Gebäuden ab, obwohl sie geometrisch und in Ihrer Dimension mit den benachbarten
    Gebäuden kommunizieren.
    Mit dem neuen Saalbaukörper und dem gegenüberliegenden Gebäude auf der
    anderen Straßenseite der Schladererstraße wird ein Stadteingang formuliert. Der
    Stadtgrundriss wird mit dem neuen Gebäude komplettiert.
    Ein Parkhaus auf dem Schießrainplatz kann diesen ergänzen.
    Der vorgelagerte Platz vor dem Eingang des Bürgerhaus bzw der Mediathek ist nicht
    nur Außenraum, Freifläche und Aufenthaltsfläche, sondern wird als neuer Festplatz
    bis zum Ufer des Fluss „Neumagen“ erweitert.
    Dies wird unterstrichen mit einem durchgehenden Belag über die Straße hinaus.

    Gebäudestruktur

    Ähnlich wie bei der neuen Wohnbebauung stehen sich zwei unterschiedlich
    orientierte Baukörper gegenüber.
    Der Baukörper des Saals ist längsgerichtet, der Hochpunkt der Mensa ist dazu quer
    orientiert. Dazwischen befindet sich ein „Lücke“ als Terrassenzone.
    Während der Baukörper des Bürgerhaus mit seinem geschlossenen Charakter von
    seiner Materialität lebt, öffnet sich die Bibliothek in 2 Geschossen zum Außenraum.
    Die Gebäudeteile Bürgerhaus und Bibliothek werden mit dem eingeschossigen
    Gebäude der Foyerbereiche und Nebenfunktionen mit einer Glasfassade verbunden.
    Die Bibliothek ist in 2 Geschossen untergebracht. Im Erdgeschoss befinden sich die
    öffentlichen Funktionen, im Obergeschoss die Verweilbereiche.
    Präsentationen, Kinderbereiche und Leselounge gruppieren sich um eine 2
    geschossige Galerie, die das Zentrum der Bibliothek bildet.
    Diese Bereiche können durch eine Leseterrasse über den Foyerzonen erweitert
    werden. Die Ausblicke zum Flussufer und zur Burg Staufen tragen zur besonderen
    Atmosphäre im Obergeschoss der Bibliothek bei.
    Das Foyer verbindet als vorgelagerte Fläche zum Saal alle Funktionen .
    Der Eingang der Bibliothek kann für Präsentationen in das Foyer erweitert werden.
    Die Multifunktionsräume können gemeinsam genutzt werden.
    Der Übergang zur vorgelagerten Platzfläche soll fließend sein. Außenflächen des
    Bibliothekscafes und Bewirtungen im Außenraum führen zur Verbindung von Außenund
    Innenraum, die Belagsflächen gehen „nahtlos“ ineinander über.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebau
    Den Verfassern gelingt es, das beschriebene Programm in einem angemessen dimensionierten Baukörper umzusetzen. Dabei reagiert die Kubatur auf die Körnung der benachbarten Wohnbebauung und ist zugleich als öffentliches Gebäude am Rande der Innenstadt überzeugend gesetzt. Die Maßstäblichkeit wurde mit einer Firsthöhe von 11 m gekonnt gewählt.
    Die Funktionen Mediathek und Bürgersaal bilden sich baukörperlich nach außen gut lesbar ab, im Inneren werden aber trotzdem alle positiven Nutzungssynergien in einem Baukörper vereint. Einerseits verfügen beide Einrichtungen über ein gemeinsames aber abtrennbares Foyer; dennoch besitzen sie jeweils gut auffindbare eigenständige Eingänge. Der Neubau überzeugt mit seiner platzseitigen Ansicht als öffentliches Gebäude mit positiver Identität. Nach Norden und Osten hin reagiert es mit reduzierter Höhe und lässt zur Nachbarbebauung ausreichend Raum.
    Der zurückgezogener Außenraum der Mediathek im OG ist ein wertvoller Nutzungsbereich, ist jedoch auf die Erfordernisse von Schall- und Windschutz zu prüfen. Die Vorgaben des Bebauungsplans wurden eingehalten.

    Qualität des architektonischen und gestalterischen Konzeptes
    Die Architektonische Anmutung des Gebäudes wird vom Preisgericht als schlüssig und für den Ort als passend empfunden. Die Differenzierung der Materialien zwischen Bürgerhaus und Mediathek ist gut nachvollziehbar. Die Verwendung von Holz als nachhaltigem Baumaterial wird begrüßt. Die Fassaden sind gut durchgearbeitet.

    Nutzungskonzept und Funktionalität
    Ein großzügiges Foyer erschließt als Querspange Bürgerhaus und Mediathek gleichermaßen. Vieles ist gut erreichbar und mit kurzen Wegen auffindbar, wobei die aneinandergereihte Anordnung der Funktionsräume im Foyer wird kritisch diskutiert wird.
    Die Synergien zwischen den Nutzungen werden gut ausgeschöpft und positioniert.
    Der Saal bietet alle Voraussetzung für die Erfüllung der akustischen Anforderungen.
    Die Wandscheiben zwischen Bühne und Saal sind mit Blick auf die Raumakustik allerdings unerwünscht. Das Angebot von Galerieplätzen wird begrüßt.
    Insgesamt sollten die Erschließungswege großzügiger dimensioniert werden.
    Im Untergeschoss ist die Tiefgarage umsetzbar nachgewiesen. Die Anordnung der Lager und deren Verknüpfung mit der Hubbühne wird lobend hervorgehoben. Allerdings fehlt eine direkte barrierefreie Wegeverbindung aus der Tiefgarage in das Foyer.
    Es gelingt, die Mediathek in zwei Etagen zu organisieren.
    Die Bühnenanlieferung wird kritisch gesehen. Eine Einhausung ist hier erforderlich.

    Wirtschaftlichkeit
    Aufgrund der geringen BGF und des gut erfüllten Raumprogramms erscheint eine wirtschaftliche Umsetzung als realistisch. Die geplanten Dachbegrünungen tragen zur Reduzierung der Unterhaltskosten bei.

    Qualität und Funktionalität des Freianlagenkonzeptes
    Die Freiräume sind eindeutig zugeordnet. Der Vorplatz ist topographisch gut herausgearbeitet, muss aber im Kreuzungsbereich besser abgesetzt werden. Generell ist eine stärkere Akzentuierung und Raumbildung zum Straßenraum für die Aufenthaltsqualität im Vorplatzbereich notwendig. Eine weitere Ausarbeitung des Erscheinungsbildes der Freianlagen ist erforderlich.
    Die Senkrechtparker an der Schladererstraße erscheinen aufgrund der kreuzungsnähe unrealistisch.
    Insgesamt wird die Bauaufgabe städtebaulich überzeugend in einem angemessenen Baukörper mit einnehmender Ausstrahlung umgesetzt.