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  • DE-91052 Erlangen, DE-90409 Nürnberg
  • 03/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-315891)

Studentenwohnheim Avenariusstraße in Nürnberg


  • ein 4. Preis


    Architekten
    Franz&Sue, Wien (AT) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: EGKK Landschaftsarchitektur, Wien (AT)

    Preisgeld
    12.000 EUR

    Erläuterungstext
    Kleinteilige Dorfstruktur
    Durch das Aufteilen des Bauvolumens in einzelne Baukörper entsteht eine kleinteilige Struktur mit dörflichen Charakter. Die einzelnen Gebäudeteile sind zueinander versetzt, sodass eine Zonierung der Zwischenräume entsteht und sich dadurch spannende Platzsituationen ergeben. Ein Vorplatz zur Avenariusstraße dient als gemeinsamer Zugang für Kinder, Eltern und Studenten. Zum Parkstreifen entsteht ein geschützter Freibereich für den Kindergarten und in der Mitte ein großzügiger Freiraum für die Studenten. Unterschiedliche Farbtöne der Ziegelfassaden der einzelnen Baukörper fördern den Eindruck einer kleinteiligen Dorfstruktur.

    Lebendige Erdgeschosszone
    Durch die Anordnung der Baukörper entlang der Grundstücksränder, entsteht eine freie Zone in der Mitte. Ein vielfältiges Nutzungsangebot sowohl im Freien, als auch in den Bauteilen soll die Bewohner zu gemeinsamen Aktivitäten einladen. Sämtliche Gemeinschaftsräume befinden sich im Erdgeschoss und sammeln sich um den zentralen Binnenplatz. Großzügige Verglasungen generieren eine offene Zone. Dadurch entsteht trotz einzelner Baukörper ein zusammenhängender Raum der die Gemeinschaft im Heim fördert und den Austausch unter den Studenten anregt.

    Private Freiräume
    Um den Studenten neben den Gemeinschaftlichen Zonen im Erdgeschoss auch ihre privaten Freiräume zu bieten, entstehen raumhohe Fenster mit einer über die Fassade vorspringenden Laibung aus Betonfertigteilen. Dadurch ergibt sich ein kleiner privater Freiraum für jedes Zimmer der vielfältig nutzbar ist. Eine Aufenthaltszone im Freien zum Sonnen, Kräuter anpflanzen und Kommunikationsraum zwischen den Zimmer und über die einzelnen Bauteile hinweg.

    Einfache Erschließung
    Die Haupteingänge sind zur Mitte orientiert um dort eine Begegnungszone zu schaffen.
    Da es für das Grundstück keine Haupterschließungsrichtung gibt, sind die Fahrradabstellräume über den Bauplatz verteilt nach außen gerichtet, um eine einfache Erreichbarkeit zu gewährleisten und die Mitte verkehrsfrei zu halten.
    Die Zufahrt für den motorisierten Verkehr erfolgt über die Diltheystraße. Die Parkplätze sind im südlichen Abschnitt teils in einem Parkdeck, teils im Freien untergebracht. Durch das Parkdeck wird der Niveausprung am Grundstück aufgenommen und zusätzliche Freifläche am Dach geschaffen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Versetzt angeordnete und der Höhe gestaffelte Kuben unterschiedlicher Größe versuchen ein Dorf, ein studentisches, vielleicht auch ein gallisches zu bilden. Der Ansatz, mit einer kleinteiligen, sehr differenzierten Struktur ablesbare Adressen zu bilden, ist sympathisch und anzuerkennen und bei näherer Betrachtung gar nicht so dörflich, sondern durchaus städtisch und zeugt von einer urbanen Haltung. Das Haus auf der Parzelle, Grundthema der Europäischen Stadt, scheint die Leitidee, nicht die Großform, nicht die Wohnmaschine. Die Kleinteiligkeit lässt selbst eine punktuelle Sechsgeschossigkeit akzeptabel und maßstäblich erscheinen, allerdings wird im Preisgericht auch die Frage gestellt, ob die städtebauliche Struktur nicht etwas Beliebiges haben könnte.

    Der entstehende, differenziert gestaltete Innenhof lässt das Entstehen studentischen Lebens erhoffen, auch da die erdgeschossigen Nutzungen dorthin durchwegs richtig orientiert sind. Lediglich die Nebenräume im Bereich des Vorplatzes vermögen nicht das hier eigentlich zu erwartende Angebot zu schaffen, ebenso kann der südliche Innenhofabschluss hinsichtlich des Nutzungsangebotes und der Gestaltung nicht vollständig überzeugen. Zudem erscheint das statische Konzept ebenso unklar wie die Darstellung von Großbäumen auf der Tiefgarage.

    Die Grundrisse sind durchdacht und gut möblierbar. Die Darstellung der Fassadendetails lässt gestalterische Qualität erhoffen, dieses Versprechen gilt es einzulösen.

    Die Lage der Kita an der nordwestlichen Grundstücksecke ist eher ungünstig. Das Außengelände ist durch den Gebäudeversatz gut bespielbar. Die Kennwerte lassen eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten.

    Insgesamt stellt der Beitrag einen sehr eigenständigen Beitrag zum Thema studentisches Wohnen in der Stadt dar.

    Hohe Wohnqualität: Keine Individualräume mit Nordausrichtung, Einzelapartments alle mit bodentiefen Fenstern mit französischer Balkon (vorspringende Laibung), Platz für Esstisch mit Stuhl; Gemeinschaftsapartments mit großer Küche und Essbereich, pro Person eine Nasszelle; Eltern/Kind-Apartments nur für Säuglinge geeignet, da nur ein Raum; Jedes Haus ist in sich abgeschlossen.

    Sicherheit: Fahrradstellplätze bei jedem Haus, jedes Haus abschließbar

    Geringe Gemeinschaftsflächen: ca. 20% unter Schnitt, aber großzügige Grünanlagen in der Mitte der Anlage

    Sehr hohe Wirtschaftlichkeit: Verhältnis 408 Wohnplätze zu 8727qm Wohnfläche, umbauter Raum ca 10% unter Durchschnitt