loading
  • DE-88178 Markt Heimenkirch
  • 03/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-317795)

Umbau des ehemaligen Brauereigasthofes Sonne in Markt Heimenkirch


  • 3. Preis

    Lageplan Heimenkirch M 1:500, © Mettler Landschaftsarchitektur

    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: ANDY SENN, St. Gallen (CH)

    Preisgeld
    8.025 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf greift die Ergebnisse der Voruntersuchung auf und schlägt vor, das Bestandsgebäude im Wesentlichen zu entkernen und dabei die ortsbildprägenden Lochfassaden zu erhalten. In Referenz auf die historische Ausprägung des Ursprungsbaus werden konsequent An- und Zubauten entfernt.
    Die Umsetzung der geforderten Wohnnutzungen gelingt geschickt durch die Öffnung des Gebäudes nach Süd-Osten über eine vorgestellte, offene Holzkonstruktion als Terrassenschicht, die in Form- und Materialsprache ablesbar wird. Es entsteht ein Solitär, der im Zusammenspiel mit der Kirche im Norden und den markanten Gebäuden jenseits der Kemptener Straße geschickt die städtebaulichen Qualitäten des Bestandes im öffentlichen Raum stärkt.

    Im Erdgeschoss sind die gewerblichen Einheiten vom Vorplatz aus erschlossen und tragen zur Belebung an der Kemptner Straße in Fortführung der öffentlichen Freibereiche bei. Im Süd-Osten wird eine den Wohnungen vorgelagerte großzügige halböffentliche Freifläche angeboten, deren möglichen Potenziale aber nicht weiter ausgearbeitet wurden. Ebenso schränken die unmittelbar am Gebäude angelagerten Außenstellplätze die Freiflächenqualitäten ein.

    Die Wohnungen werden von Norden aus giebelseitig über eine einladende Freitreppe erschlossen. Im Inneren wird die Erschließung in differenzierter Form mit Aufweitungen, Blickbezügen über mehrere Ebenen, großzügige Belichtungsöffnungen über alle Geschosse, Verbindungen zwischen Flurzonen und Wohnungen weitergeführt. Gemeinschaftsflächen, die im Dachraum angeboten werden, stärken ebenfalls das Ziel eines gemeinschaftlichen Miteinanders und bieten Raum für informelle Begegnungen.

    Die geforderte Wohnungsmischung wird ideal erreicht und ein reichhaltiges Angebot gut belichteter Wohnungen entwickelt. Zur guten Qualität der Wohnungen trägt bei, dass in allen Ebenen Freibereiche, Loggien oder Dacheinschnitte angeboten werden und so die gewünschten Außenraumbeziehungen in zentraler Lage hergestellt werden können.

    Die Tiefgarage nutzt die große Gebäudetiefe des Bestandes aus, indem eine Parkreihe in den Bestand geschoben wird, was zu einer kompakten Erschließung und geringen Grundfläche positiv beiträgt. Planungsseitig wird vorgeschlagen, das bestehende Untergeschoss für Lager- und Abstellräume zu erweitern und direkt über den neu eingeführten Treppenraum mit Aufzug auf kurzem Weg wirtschaftlich anzubinden. Wünschenswert wäre, wenn der im Norden gegenwärtig nur von der Tiefgarage aus erreichbare Fahrradraum von außen direkt anfahrbar wäre. Als Nachteil wird gesehen, dass die Tiefgaragenzufahrt eine Barriere bildet und somit keine fußläufige Verbindung zwischen den Freiflächen im Osten und Süden des Gebäudes besteht.

    Nachdem der zweite bauliche Rettungsweg fehlt und die dargestellten Öffnungen in den Geschossdecken brandschutztechnisch zu hinterfragen sind, ist keine abschließende Bewertung möglich. Ebenso sind im Sinne einer wirtschaftlichen Realisierung die teilweise versetzt angeordneten Loggien, Dacheinschnitte und die nicht übereinander liegenden Sanitärkerne zu hinterfragen.

    Die vorgeschlagene Baukonstruktion mit vorgefertigten Holz-Betonverbundelementen lässt eine wirtschaftliche Errichtung des Gebäudes erwarten. Die Anordnung tragender, über alle Geschosse durchlaufender Wandelemente an den Erschließungen und der Ablastung auf die Außenwände lässt plausible Stützweiten und eine flexible Grundrissorganisation zu.

    Die Architektursprache mit feinem Gespür für den Einsatz ortstypischer Materialien mit gegliederter Putzstruktur und Fensterfaschen, Biberschwanzdeckung und Holzelementen fügt sich harmonisch in das Ortsbild ein. Es wird eine angemessene Architektursprache im Umgang mit der historischen Bestandsfassade gefunden, die mit zeitgemäßen Elementen bereichert wird und somit einen positiven Beitrag zur Ortsentwicklung Heimenkirchs leisten kann.