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  • DE-66119 Saarbrücken, DE-66123 Saarbrücken
  • 04/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-317057)

Neubau Forschungsgebäude Zentrum Biophysik der UdS in Saarbrücken


  • 1. Preis

    Perspektive Haupteingang, © NOVA

    Architekten
    NOVA Michael Beck Architekten GmbH, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Michael Beck

    Erläuterungstext
    Leitgedanke:
    Zentraler Leitgedanke des Entwurfes ist die Ermöglichung und Förderung von Kooperation und Kommunikation aller Nutzer im Gebäude durch Schaffung von verschiedenen Begegnungszonen die alle Bereiche und Ebenen verbinden.
    Auf Basis dieser Grundidee werden alle Nutzungen im Gebäude so verteilt, dass die funktionalen Zusammenhänge optimal gelöst sind und auch zukünftig flexibel angepasst werden können.
    Innenhöfe gliedern das Gebäude und bringen Licht in alle Bereiche.
    Der Baukörper versteht sich als selbstverständlicher Baustein des Campus, der ohne große Geste durch sorgfältige Gestaltung der Proportionen und Details wirkt.

    Städtebau:
    Der Baukörper nimmt nördlich und südlich die Flucht des östlich angrenzenden Gebäudes der Pharmazie auf. Im Westen wird die Linie des Gebäudes der organischen Chemie fortgesetzt. Zusammen mit dem zukünftigen Neubau des Praktikumsgebäudes Pharmazie wird hier ein klarer Straßenraum in Richtung Mensa geschaffen.
    Dem Bebauungsplan entsprechend wird der Neubau ab der Eingangsebene der Pharmazie dreigeschossig organisiert, am westlichen Ende, außerhalb des Bereiches der Höhenbegrenzung, kommen zwei weitere Geschosse hinzu. Durch die Aufnahme der vorhandenen Gebäudefluchten fügt sich das Gebäude selbstverständlich in die umgebende Bebauung ein.
    Die Staffelung der Höhen folgt dem Hang und vermittelt zwischen der Pharmazie im Osten und dem Praktikumsgebäude im Westen.
    Durch die kompakte Organisation des Neubaus kann im Osten ein angemessener Abstand zum Pharmaziegebäude gehalten werden. Es entsteht eine großzügige, platzartige Durchwegung vom Hörsaalgebäude zur Mensa mit der auch die Pharmazie einen neuen angemessenen Eingangsbereich erhält. In seiner Fortsetzung bildet eine mit grünen Elementen durchzogene Stufenanlage den Vorplatz zum Haupteingang des ZBP.
    Das Gebäude erhält zwei grüne Innenhöfe, die Licht und Luft in die angrenzenden Räume bringen.
    Der Bereich zwischen den beiden Höfen ist über alle Geschosse als zentrale Aufenthalts- und Kommunikationszone gestaltet. Eine multifunktional nutzbare Treppe durchzieht das Gebäude und verbindet alle Abteilungen untereinander und mit dem kommunikativen Kern.

    Erschließung:
    Das Institutsgebäude hat seine Haupteingänge auf der Nord- und Ostseite in einem zurückgesetzten Bereich. Dieser markiert die Zugänge und leitet die Passanten auf den Weg zwischen Hörsaalgebäude und Mensa.
    Von hier aus wird die zentrale Eingangshalle erreicht. Sie wird über den östlichen Hof belichtet und gewährt Zugang zu den direkt angrenzenden gemeinsamen Seminar- und Besprechungsräumen.
    Hier beginnt die zentrale Treppenanlage die das Gebäude von Ost nach West durchquert und dabei entlang der Höfe durchgehend alle Geschosse bis in den Turm der theoretischen Abteilungen verbindet. Sie ist offen konzipiert und verjüngt sich der abnehmenden Personenanzahl entsprechend nach oben. Sie ist in den unteren Bereichen mit Sitzstufen gestaltet, die zum Verweilen und zum Austausch einladen und als zusätzlicher Vortragsbereich bei Veranstaltungen geeignet sind.
    Zwei Aufzüge stellen die Barrierefreiheit sicher.
    Ein weiterer Eingang erschließt das Gebäude an der Westseite im 1.OG.
    Gegenüber dem Chemikalienlager des Campus befindet sich im Süden der Lieferzugang zum Gebäude mit direkter Anbindung an den Lastenaufzug, der alle Laborbereiche direkt andient. Hier können auch Lager für Chemikalien und Gasflaschen direkt von außen bedient werden.

    Funktionen und räumliche Organisation:
    Das Gebäue gliedert sich vertikal in drei Zonen:
    Gemeinschaftsbereiche im EG mit zentralen Büros, zentralen Seminar- und Besprechungsräumen und den gemeinsam genutzten Laboren. Diese Ebene verfügt über eine größere Geschosshöhe um Spezialanforderungen von Reinräumen und Sonderlaboren gerecht zu werden.
    Die Seminarräume befinden sich im Eingangsbereich, die Büros im Osten und die Labore im teilweise eingegrabenen westlichen Bereich. Büros und Labore sind klar von den öffentlichen Erschließungen getrennt.
    Erstes und zweites OG nehmen die Abteilungen auf, die sowohl über Büros als auch über Labore verfügen. Auf der Nordseite begleiten die Büros die zentrale Erschließung. Sie sind als transparente und öffenbare Zonen gestaltet, um die Kooperation zu fördern. Die Sozialräume wurden im zentralen Kommunikationsbereich zusammengefasst. Um lange Wege zu vermeiden verfügt jede Abteilung zusätzlich über eine kleine eigene Teeküche.
    Über drei Arme sind die Labore unmittelbar und mit sehr kurzen Wegen mit der Bürozone verbunden. Die Lage der Grenze zwischen den Nutzungen ist variabel, so dass auch zukünftig auf sich verändernde Abteilungsgrößen oder Verschiebungen der Anteile zwischen Labor und Büro reagiert werden kann. Durch die drei Anbindungen erhält jede Abteilung einen separaten und abgeschlossenen Laborbereich. Durch den durch-laufenden Flur sind gleichzeitig alle Abteilungen eng verbunden, so dass die gewünschten Kooperationen optimal erfolgen können.
    Zweites und drittes Obergeschoss als Turmgeschosse beherbergen die theoretischen Abteilungen, die ebenfalls über gemeinsame Kommunikationsbereiche verfügen. Im 3. OG ist eine Dachterrasse zum ungestörten und konzentrierten Arbeiten im Freien vorhanden.

    Gestaltung und Fassaden:
    Die äußere Wirkung des Gebäudes ergibt sich aus der spannungsvollen Volumetrie des liegenden Baukörpers mit den erhöhten Turmgeschossen. Dieser wird ganz selbstverständlich mit horizontalen Fensterbändern geteilt. Sie erhalten einen außenliegenden Sonnenschutz aus dunklen Lamellenraffstores. Die Brüstungen werden mit dunklem, leicht strukturiertem Stein verkleidet.
    Einschnitte, deren geschlossene Flächen innen wie außen Verkleidungen aus gold-bronze eloxierten Aluminiumblechen erhalten, markieren Eingänge und Gemeinschaftsbereiche. So wird das Volumen zusätzlich spannungsvoll gegliedert.
    Im Innenbereich dominieren helle Oberflächen und Holz bei den Bürotrennwänden und den Einbauten der Gemeinschaftsbereiche. Hier sind die primären Gestaltungselemente die Dynamik der Treppen und der Ausblick in die begrünten Innenhöfe.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf ist geprägt von einem gestuften flächigen Baukörper, der zum Pharmazie- und zum Praktikumsgebäude mit seiner Viergeschoßigkeit einen prägnanten städtebaulichen Akzent setzt.
    Durch das geschickte Ausnutzen der Hangsituation erscheint das Gebäude zum Stadtraum weitgehend wohltuend dreigeschossig. Der Haupteingang ist folgerichtig zum Stuhlsatzenhausweg angeordnet, der Nebeneingang gegenüber des Pharmaziegebäudes ist attraktiv und städtebaulich richtig. Ein weiterer Nebeneingang auf der Westseite ermöglicht einen Zugang im ersten Obergeschoss, allerdings ist die Ausprägung etwas beengt und in Zusammenhang mit der Treppe überarbeitungsbedürftig.
    Die Eingangshalle ist von hoher architektonischer Qualität, die Haupterschließung ergibt sich wie selbstverständlich und ist räumlich attraktiv, wenngleich die über mehrere Geschosse offene Halle eines intelligenten, ausgeklügelten Brandschutzkonzepts und einer Besprinklerung bedarf. Die sich in allen Geschossen ergebenden Aufenthaltsqualitäten sind sehr ansprechend, die Blickbeziehungen in die beiden Innenhöfe wohltuend.
    Die Anordnung der verschiedenen Arbeitsgruppen ist ideal und entspricht perfekt der Auslobung. Die gewählten Laborraster sind richtig und zukunftsfähig. Die mehrfach auftauchenden Z-förmigen Labore sind nicht nachvollziehbar, können aber problemlos verändert werden.
    Die Anordnung der Theoretischen Physik in den oberen Geschossen ist gut gelöst.
    Die Verfasser bieten an mehreren Stellen reizvolle Loggien und Dachterrassen an, die auch in der Fassade sinnhafte Akzente setzen.
    Die Technikflächen sind ausreichend dimensioniert, die Lage im Untergeschoss wird grundsätzlich begrüßt. Allerdings sind Lösungen für die Einbringöffnung und die Ausbildung der Fortluft und die Außenluftansaugung von den Verfassern nicht dargestellt. Die vorgeschlagenen Schächte sind in der dargestellten Größe und Anzahl nicht ausreichend, teilweise schlecht erreichbar und nicht begehbar. Eine Überarbeitung ist notwendig, aber ohne Änderungen des grundsätzlichen Gebäudekonzepts möglich.
    Der architektonische Ausdruck des Gebäudes ist stark, zeitgemäß und der Bauaufgabe angemessen. Die zurückhaltende Farbigkeit mit wenigen bewusst gesetzten Akzenten an den Eingängen und den Loggien ist angenehm.
    Das Verhältnis von Fensterflächen zu geschlossenen Fassadenflächen ist für ein Laborgebäude auch im Sinne der Nachhaltigkeit vernünftig und lässt vielfältige Möblierungsvarianten zu.
    Die Arbeit ist ein hervorragender Beitrag der sowohl in der funktionalen Ausarbeitung wie in der
    architektonischen Setzung und ästhetischen Haltung überzeugt.


INFO-BOX

Angelegt am 24.04.2019, 10:24
Zuletzt aktualisiert 07.05.2019, 12:24
Beitrags-ID 4-172952
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