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  • DE-72202 Nagold
  • 02/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-339110)

Neugestaltung Umfeld Stadtkirche in Nagold


  • 1. Rang

    Perspektive Umfeld Stadtkirche Endausbau, © faktorgruen, Thomas Schüler

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Schedlbauer

    Mitarbeit
    Ricardo Patings, Danilo Meixner, Michał Herl

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten, Stadtplaner: Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    Stadträumliche Einbindung
    Das Nagolder Neuordnungskonzept mit den gründerzeitlichen Stadtfeldern, den „Nagolder Höfen“ wird auf dem Kirchengelände fortgeführt. Die angrenzende Bebauung mit ihren offenen Rückseiten wird geschlossen und Teil der Hofsituationen –die neuen Kirchenhöfe. Das Umfeld der Johanneskirche zeigt sich heute als ein Freiraum in Randlage, der weder städtebaulich noch freiraumplanerisch in das Stadtgefüge Nagolds eingebunden ist. Dies gilt es aufzuheben und die Johanneskirche zu einem Teil der Stadt zu integrieren.

    Die stadträumliche Einbindung erfolgt über die Neue Straße und die Kirchstraße, die zukünftig bis zum Kirchenvorbereich herangeführt werden. Hier bildet die Johanneskirche auf seinem Plateau ruhend eine eigenständige stadträumliche Situation aus. Über die Bahnhofstraße wird das neue Kirchenumfeld an die neu gestaltete Burgstraße mit der Treppenanlage am Amtsgericht angebunden.

    Kirchenhöfe
    Das Nagolder Neuordnungskonzept mit den gründerzeitlichen Stadtfeldern, den „Nagolder Höfen“ wird auf dem Kirchengelände fortgeführt. Die angrenzende Bebauung mit ihren offenen Rückseiten wird geschlossen und Teil der Hofsituationen – die neuen Kirchenhöfe.

    Die neuen Gebäude nehmen die Gebäudetypologie Nagolds auf, bilden ruhige Innenhofsituationen und schaffen gleichzeitig eine räumliche Fassung des Kirchenumfeldes. Sie sind gutproportioniert, mit steilen Satteldächern und besitzen eine zeitlose elegante Anmutung. Die Geschichte der Stadtkirche wird aufgegriffen und angemessen sowie respektvoll weitergeführt.

    Das neue Kirchenquartier
    Der neue Zwischenraum wird als Kirchenforum verstanden, der durch die kirchliche Nutzung der Neubauten und der Johanneskirche selbst zu einem unverwechselbaren Stadtraum mit hohen stadträumlichen Qualitäten wird. Stadtkirche, Platzraumund die neuen Gebäude bilden eine in sich harmonische Gesamtkomposition. Die Materialität und Detailierung nehmen aufeinander Bezug und schaffen so ein harmonisches Ganzes mit eigener Identität.

    Die neuen Gebäude beherbergen kirchliche und soziale Einrichtungen, sowie alle notwendigen Räumlichkeiten für die Kirchenmusik und die musikalischen Veranstaltungen. Das Kirchenquartier bildet einen neuen attraktiven Anlaufpunkt in Nagold und repräsentiert die Kirchengemeinde mit seinen Aktivitäten. Ein kleines Cafe wäre denkbar und könnte das Kirchenquartier zu einem dezent belebten Stadtraum machen.

    Das Kirchenplateau
    Die Johanniskirche erhält ein eigenes Umfeld in Form eines neuen Kirchenplateaus, das sich wie ein Bilderrahmen um die Stadtkirche legt und ihr ihren eigenen Charakter verleiht. In Ergänzung und Fortführung der neuen Bebauung bildet eine umlaufende Sitzmauer ein rahmendes Element, das die Wirkung des Plateaus unterstreicht und einen starken Raum erzeugt.

    Die Eigenständigkeit des Kirchenumfeldes wird durch einheitliche Materialien betont, die sich aus der Farbigkeit und Materialität der Johanneskirche herausentwickeln. Der Platz, die neuen Gebäude und die Kirche bilden eine Einheit und stärken die plateauartige Situation.

    Ein durchgängiger Pflasterbelag aus rötlichem Natursteinpflaster sowie das Eichenholz der Einbauten bestimmen die Gestaltung der Freiflächen und betonen den zeitlosen Anspruch der Kirche selbst. Das Holz der Kirchenbänke setzt sich im Außenraum in Form eines eigens entwickelten Platzmöbels fort, mit dem sich hier flexibel und spielerisch unterschiedliche Sitzarrangements gruppieren lassen, die ein zwangloses kommunikatives Zusammenkommen fördern.

    Die großzügige Treppenanlage bindet das Kirchenumfeld an den Stadtraum der historischen Altstadt an. Die Barrierefreiheit wird über die Neue Straße in Verbindung mit einem stufenfreien Zugang an dieser Stelle gewährleistet.

    Als Abschluss und Übergang zur Hohen Straße wird unter Ausnutzung des Höhenunterschieds eine Sitzstufenanlage in Form von grünen Rasenstufen, ähnlich einem Amphitheater angeboten. Diese bildet eine neue Aufenthaltsqualität und kann im Sommer in Verbindung mit einer mobilen Bühne für Konzerte und Theaterveranstaltungen genutzt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Hinsichtlich der Interpretation des geschichtlichen Ortes und seinem zeitgenössischen Bezugs ist die Arbeit aus Sicht der Denkmalpflege der gelungenste Beitrag. Hervorzuheben ist das Angebot der Hofbildung mit den Bestandsgebäuden im Süden des Gebiets. Die Mischung von Freianlagen und baulichen Kanten wird als positiv und stimmig angesehen. Die Neubebauung wirkt zurückhaltend, schlicht und steht nicht in Konkurrenz zum Kirchengebäude. Der gestalterische Umgang mit dem Gelände folgt sensibel der Topographie. Die Arbeit bietet unterschiedliche Ausbaustufen und wäre somit modular umsetzbar. Die Bewertungskom-mission bevorzugt die Variante mit dem Außenspielbereich an bestehender Stelle. Kritisch wird die geringe Tiefe der Neubauten gesehen und die geringe Distanz zur Kirche, sollten hier privatwirtschaftliche Nutzun-gen entstehen.