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  • ein 2. Preis

    KiBiZ-Gesamtplan, © nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner

    Landschaftsarchitekten
    nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Christoph Schonhoff

    Mitarbeit
    Evelyn König, Marcus Hanke

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Schuster Architekten, Düsseldorf (DE)
    Energieplaner: Stahl+Weiß, Bauphysik und Energiekonzeption, Freiburg (DE)

    Preisgeld
    21.000 EUR

    Erläuterungstext
    Entwickelt aus der Lagegunst entsteht durch die vorgeschlagenen landschaftsarchitektonischen Interventionen ein Freiraumkonzept, das besondere Angebote und spannende Räume anbietet und einen Schulstandort mit eigener Identität schafft.
    Die Haupterschließung erfolgt über die Nord-Ostseite des Areals. Die Wartezone entlang der Gneisenaustraße ermöglicht durch die übersichtliche Struktur und den fließenden Übergang zu den Haupteingangsbereichen ein unkompliziertes Bringen und Abholen der Kinder. Südlich der Sporthalle sind die nötigen Stellplätze verortet, die über die „Geneisenaustraße“ erschlossen werden. Insgesamt sind 208 Fahrradstellplätze dezentral in den Bereichen Schulhof, Kita und Sporthalle angeordnet. Von der Schule bis zur Sporthalle spannt sich einheitlicher Belag auf und fasst die einzelnen Gebäude zu einer räumlichen Einheit zusammen.
    Bei der Gestaltung der Außenanlagen wird die Leitidee „Haus im Garten“ verfolgt.
    Die organischen, landschaftlichen Formen stehen im bewussten Kontrast zur orthogonalen Ausprägung der Kubatur. Auf dem Schulhof und der Außenfläche der Kita entstehen hierdurch abwechslungsreiche Spiel- und Lernlandschaften. Die Anordnung der Außenräume erfolgt in enger Korrespondenz mit dem Raumprogramm des Bildungszentrums:
    Entlang der Nord-Westseite entsteht durch den Küchengarten und die großzügige Außenterrasse die freiräumliche Erweiterung der Mensa. Auf dem Schulhof entsteht eine spannende Raumfolge, die unterschiedliche Spiel-, Sport- und Rückzugsangebote schafft. Neben den gut begeh- und berollbaren befestigten Flächen aus Betonwerksstein bieten Sand, Rasen und EPDM-Flächen eine materielle Vielfalt für die unterschiedlichen Ansprüche im Raum. Bankelemente im lichten Schatten der Gehölze erzeugen Qualitative hochwertige Aufenthaltsmöglichkeiten.
    Westlich des Kita-Gebäudes erstreckt sich, abgeschirmt durch Hecken und Gehölze, eine weiträumige Spiel- und Abenteuerlandschaft. Direkt an die Terrasse schließen gut einsehbare Zonen wie Sandspiel und Spielwiese an. Durch die Gestaltung entsteht ein vielseitiger Schulfreiraum, der neben konkreten Angeboten wie der „Naturwerkstatt“ auch das freie Spiel und die Aneignung des Ortes durch die Schüler impliziert. Unterstützt wird der spielerische Charakter durch die Evakuierungsrutsche welche von der Trasse des ersten OG herab in die Erdgeschossebene führt.
    Ziel ist es durch die vorgeschlagenen landschaftsarchitektonischen Interventionen einen Standort zu schaffen, der durch sein differenziertes Angebot zu einer vielseitigen Lern- und Spiellandschaft entwickelt wird. Ein Ort, der von den Kindern gern entdeckt und erkundet werden will und dem zeitgenössischen Bedarf an aktivierendem Freiraum gerecht wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebau
    Ein 2-geschossiges Gebäudeensemble vermittelt angemessen zwischen geplanten kleinformatigen Eigenheimen und großmaßstäblichen Gebäuden östlich des Planungsgebietes.
    Die Konzeption von 4 Bauten unterstützt zusammen mit der Geschossigkeit eine verträgliche und kindgerechte Maßstäblichkeit des Entwurfes. Die städtebauliche Grundidee folgt dem Pavillonkonzept, das das Planungsgebiet in eine Abfolge von Kuben und Grünbereichen aufgliedert.
    Da alle Gebäudezugänge von Osten her geplant sind, ist mit erheblicher Verkehrsbelastung und Behinderungen durch die „kiss and ride“-Nutzung der Gneisenaustraße zu rechnen. Ein besonderes Erschließungsproblem ergibt sich für die Kita, da sie weder von Süden noch von Norden / Osten anfahrbar ist. Sowohl für die Hol- und Bringezone, als auch für die Zulieferung der Kita müssen in einer Überarbeitung des Entwurfes neue Lösungen gefunden werden.
    Krippe und Kindergartennutzung müssen im Außenbereich noch klarer differenziert werden.
    Der großzügige Schulhof im Nordosten des Planungsgebietes formt ein identitätsstiftendes Entree. Er wird von der geplanten Einfamilienhausbebauung nach Westen hin durch Gebäude akustisch abgeschirmt.
    Westlich der Kita wird eine klar identifizierbare Außenfläche als „Naturwerkstatt“ geschaffen, die auch spielerisch durch eine Rutsche aus dem Obergeschoss erschlossen wird.
    Die Zweifachsporthalle kann ggf. in einem zweiten Bauabschnitt ohne Störung des Gesamtkonzeptes errichtet werden. Sie ist über den Parkplatz am Südring auch für externe Nutzer gut erschlossen.

    Funktion
    Die Schule wird in zwei zweigeschossige Hauptbaukörper mit grünen Lichthöfen und einem eingeschossigen Verbindungsbau aufgegliedert. Dadurch ergibt sich eine ablesbare Gliederung und logische Orientierung. Der Eingangsbereich mit Atrium und Mensa schafft einen großzügigen Eingangs- und Verteilbereich. Die Grundrisskonzeption erlaubt unterschiedliche Lehr- und Lernformen. In einer Überarbeitung müssen 15 Unterrichtsräume mit 65 m² nachgewiesen werden. Der Ersatz durch ein 50 m² großes Klassenzimmer ist für die geforderte rollstuhlgerechte Nutzung nicht ausreichend. Die Lehrküche im inneren Bereich des Planungsgebietes ist für die Anlieferung und Entsorgung ungünstig gelegen.
    Die Trennung der Baukörper führt zu zusätzlichen Treppen und einem zusätzlichen Aufzug.
    Die Räume der Kita gruppieren sich ebenfalls um einen grünen Lichthof. Es ergeben sich einige Probleme bei der funktionalen Zuordnung der Nutzungen. Die Ausgabeküche im OG ist zu überdenken.
    Die Absenkung der Sporthalle verringert stimmig im Sinne der Gesamtkonzeption die wahrgenommene Baumasse. Die ebenerdige Haupterschließung erfolgt auf der Ebene der Zuschauertribüne.

    Architektur
    Die Architektur ist durch eine einheitliche Sprache geprägt. Holzelemente für die Fassade und in den Innenbereichen dienen der Identitätsstiftung im Sinne eines „Wohlfühl“-Charakters.
    Die Darstellung der Fassaden ist noch sehr rudimentär und bedarf der genaueren Darstellung.

    Wirtschaftlichkeit
    Die Verkehrsflächen liegen bei allen Gebäuden im mittleren Bereich. Die Aufteilung in 4 wesentliche 2-geschossige Gebäude erfordert zusätzliche Treppenräume sowie 4 Fahrstühle. Das Außenwand-Volumen-Verhältnis sowie das Verhältnis von BRI zu NUF ist im Vergleich zu kompakten Gebäuden im unwirtschaftlichen Bereich.

    Resümee
    Die Arbeit ist städtebaulich und architektonisch ein insgesamt sehr guter Beitrag. Funktionale Mängel und Probleme bei der Erschließung müssen jedoch bei der Überarbeitung berücksichtigt werden.