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  • 3. Preis

    © PONNIE Images (Waechter + Waechter Architekten BDA / terra.nova Landschaftsarchitektur)

    Architekten
    Waechter + Waechter Architekten BDA, Darmstadt (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: TERRA.NOVA Landschaftsarchitektur, München (DE)

    Erläuterungstext
    Zur Einfügung in das Weltkulturerbe des kaiserlichen Pfalzbezirkes werden Veranstaltungshalle und Hotel mit den wilhelminischen Kasernenbauten zu einem Ensemble gefügt. Um ein zentrales Forumsplatz entsteht, ohne Störung der Kaiserpfalz, ein Vierklang um die stadträumlich unbefriedigenden Räume neu zu ordnen und zugleich das bestehende Wegesystem aufzuwerten. Die historische Raumverbindung aus der Altstadt, vorbei an der Marktkirche und der ‚Abzucht‘ auf die alte Dom-Vorhalle und die ehemalige Stiftskirche wird über eine großzügige, sanft in das Gelände verwobene, Sitz-Stufenanlage auf das neue Forum geführt. Dieses vereint auf einem Höhenniveau Amtsgericht, Stadtverwaltung und die ergänzten Nutzungen mit ausreichend Raum für Außengastronomie und Open-Air-; locker gestellte Bäume und kleine Gruppen von Wasser-fontänen unterstreichen eine stimmungsvolle, entspannte Atmosphäre.

    Am Stiftsgarten um St. Simon und Judas liegt die niedrige Veranstaltungshalle, so dass die Besucher entlang einer Promenade den Blick auf die Kaiserpfalz mit der Kaiserbleek, sowie auf den neuen Stiftsgarten genießen. Der Wallgarten mit einer zeichenhaften Abbildung der Wall-anlagen und einem Weg entlang der ehemaligen Stadtmauer erinnert an die mittelalterliche ‚Stadtbefestigung‘. Anhand von Informationstafeln kann sich der Besucher über die vorhandenen Denkmäler informieren. Die offene Wiese mit einer freien Bestuhlung lädt zum Verweilen und Erholen ein und gewährleistet einen ausreichenden Abstand zu den kleinmaszstäblichen Bauten um den Hubertushof. Eine große Treppenanlage (mit integrierter Aufzugsanbindung) durch das Erzholtor zwischen Stadtverwaltung und dem Hotel bildet die Hauptanbindung zu den Stell-plätzen der Reisebusse, sowie die Verknüpfung mit dem Wohngebiet am Fuße des Rammelsberg.

    Aus dem zuletzt abgeschotteten Komplex wird so ein durchlässiges Gefüge, eine spannungs-volle Abfolge gut proportionierter öffentlicher Räume, das eng in die umliegenden Quartiere und die Altstadt verknüpft ist.

    Schaufensterartig öffnet sich der Saal und das Foyer der Veranstaltungshalle in den öffentlichen Raum, zum Forum wie zum Stiftsgarten, so dass Neugierde geweckt und die Bürger zum Besuch eingeladen werden. Aus den miteinander koppelbaren Saal und Foyer ist wiederum durch den eindrucksvollen Ausblick auf das Weltkulturerbe die Geschichte allerorts erlebbar – ein eindrucksvoller Auftakt für das ‘Sehen und Gesehen werden‘ vor und nach der Aufführung. Durch eine Podienanlage kann der Saal ebenengleich oder ansteigend bestuhlt werden. Die Saalwände sind mit vertikal drehbaren reflektierenden/absorbierenden Lamellen ausgeführt, so dass der Saal je nach Nutzung variabel gestimmt und eine sehr gute Diffusität im Raum erzeugt wird. Nach Norden zum Wallgarten liegen die Multifunktionsräume. Im Dachgeschoss ist oberhalb des Foyers die Skybar mit großen, vorgelagerten Dachterrassen angeordnet und über das Tiefgeschoss direkt an das Hotel angebunden, ohne jedoch die Hotelruhe zu stören; eine entsprechende Abtrennung ermöglicht die Nutzung auch unabhängig des Saals. Bistro und Shop beleben ganztägigen das Foyer und laden bei schönen Wetter mit Außenbestuhlung zur Rast ein. Garderobe und Sanitärbereich sind im Tiefgeschoss angeordnet und damit synergetisch auch durch das Bistro und die Bar zu nutzen.

    Durch die ringförmige Anordnung des Hotels um einen zentralen Innenhof entstehen im Inneren, statt dunkler Flure, hellbelichtete Erschließungsflächen für die Gäste mit Sitzbereichen zum Warten an den Stirnseiten des Hofs. Die verschiedenen Hotelnutzungen können allseitig ohne Vor- und Rückseite mit Blick auf den Rammelsberg, die Altstadt, Stiftsgarten und Kaiserpfalz angeordnet werden. Der Eingang liegt stirnseitig am Forum, ebenso das Restaurant mit der Möglichkeit den Platz zur Außenbestuhlung zu nutzen. Nach Westen zum ehemaligen Wallgarten liegen die Säle und können hierhin geöffnet und erweitert werden. Die Suiten werden im obersten Geschoss nachgewiesen mit entsprechend zugeordneten Freibereichen. Der Spabereich liegt auf der Hofebene – Ruhe und Fitnessflächen sind längsseitig angeordnet und werden über den Innenhof belichtet. Im Innenhof liegt als ‚Herz’ das Außenschwimmbecken mit zugeordneten Liegeplätzen.

    Beide Baukörper sind über ein Tiefgeschoss miteinander verbunden, so dass die verschiedenen Nutzungen für Gäste und das Catering ideal zu erreichen sind. Die Erschließung der nur eingeschossigen Tiefgarage erfolgt von der Wallstraße. Von hier wird auch das Hotel über das Forum (Vorfahrt bzw. Andienung) erschlossen; die Beschickung der Veranstaltungshalle erfolgt außerhalb des Sichtfelds an der westlichen Zufahrt.

    Veranstaltungshalle und Hotel sind klar als eigenständige Bausteine der Gegenwart erkennbar, suchen jedoch im ruhigem Ausdruck den Zusammenhang und Zusammenklang zum sensiblen Kontext, ohne dabei einfach auf die vorhandenen geschichtsträchtigen baulichen Zeugnisse zurückzugreifen oder aber zu ihnen in Konkurrenz zu treten. Im Gegenteil – durch den vielseitigen Ausblick in die Umgebung wird die Schönheit des Ortes geliehen um dem Ensemble einen unverwechselbaren Charakter mit hohen Wiedererkennungswert zu verleihen. Die charakteristisch ausgeformten Fassadenteile aus sandsteinfarben eingefärbten Sichtbeton transferieren die Formensprache des Bestands zur identitätsstiftenden Anmutung außen und innen. Durch Variation der Elemente werden zugleich vielfältige Atmosphären erreicht, die jeweils einen angemessenen Hintergrund für die verschiedenen Nutzungen bilden.

    Das klare, über die Geschosse durchgehende Skeletttragwerk mit sinnvollen Spannweiten und aussteifenden Kernen ist wirtschaftlich, ermöglicht einen schnellen Bauablauf aufgrund hoher Vorfabrikation und entspricht den Anforderungen einer nachhaltigen Bauweise. Die dreifach verglasten transparenten Flächen ermöglichen optimale passive Sonnenenergienutzung, außenliegende Vertikalmarkisen aus Screengewebe stellen den sommerlichen Wärmeschutz sicher. Innenliegende, helle Vorhänge dienen als Blendschutz sowie zur Verdunklung und ermöglichen je nach Nutzung immer wieder abwechselnde Raumstimmungen unterschiedlicher Transparenz zum Außenraum und beleben damit auch das Fassadenbild. Alle Einbauten sind hölzern und bilden zusammen mit den filigranen Metallbauteilen aus Baubronze einen ruhigen und zurückhaltenden Hintergrund für die Vielfalt der Nutzungen.

    Die kompakte Baukörperdisposition gewährleistet energetisch minimale Transmissionswärme-verluste. Die hohe Tageslichtautonomie aller Nutzungsbereiche sowie effiziente Beleuchtungs-komponenten reduzieren den Primärenergiebedarf weiter. Die Böden in den Erschließungs-flächen sind als homogen helle, matt geschliffene Terrazzoflächen konzipiert, um als Speichermasse in das Energiekonzept eingebunden zu werden. Die vorgesehene Geothermie für den verbleibenden Heiz- bzw. Kühlbedarf ist regenerativ bzw. primärenergetisch günstig und wird flächig über die Böden verteilt, so dass insgesamt ein sehr guter Energiestandard erzielt wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Dem Verfasser ist es gelungen, mit nur 2 Baukörpern und überschaubaren Baumassen den Freibereich vom Stiftsgarten aus fortzusetzen. Durch die Anordnung des Hotels in den hinteren Bereich des Baufeldes rückt es aus der Sichtachse der Kaiserpfalz. Die Absenkung zur Mauer an der Clausthaler Straße lässt ein ebenes Gelände bis auf das Niveau des Stiftsgartens entstehen. Die Orientierung der Stadthalle zum Stiftsgarten und zur Stadt wird positiv bewertet, auch in Bezug auf die Sichtachse von der Kaiserpfalz. Die Stadthalle ist für den Publikumsverkehr gut zugänglich. Das Gelände ist vielseitig zugänglich, somit sind Verbindungen in Süd-/Nord-Richtung wie auch von Ost nach West zur Markierung der Stadtmauer gegeben. (...)

    Ansonsten nimmt der Entwurf Rücksicht auf die denkmalgeschützten Kasernen, aber viel mehr noch auf den denkmalgeschützten Hubertushof. Die Zufahrt zur Tiefgarage ist gut gewählt. (...)