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  • DE-85716 Unterschleißheim
  • 03/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-325564)

Neugestaltung des Stadtzentrums Unterschleißheim


  • ein 1. Preis

    Perspektive Bahn, © baum-kappler architekten

    Stadtplaner
    baum - kappler architekten gmbh, Nürnberg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: Johannes Kappler Architekten, Nürnberg (DE)
    Landschaftsarchitekten: adlerolesch LANDSCHAFTSARCHITEKTEN GmbH, Nürnberg (DE), München (DE)

    Preisgeld
    11.000 EUR

    Erläuterungstext
    Ensemble als städtebauliche Setzung

    Das Ziel des Bebauungsvorschlags ist die Entwicklung eines zusammenhängenden
    städtebaulichen Ensembles mit öffentlichen Räumen, die mit einer hohen
    Aufenthaltsqualität die neue Stadtmitte Unterschleißheims auf räumlich attraktive Weise
    mit der Nachbarschaft verzahnen.

    Durch die vorgeschlagene Setzung der neuen Gebäudevolumen soll ein Dialog zwischen den Neubauten und den Bestandsgebäuden in Bezug auf den Maßstab, die Raumkanten und die Höhenentwicklung entstehen. Gleichzeitig sollen die neuen Stadtbausteine aber auch als eigenständige Baukörper ablesbar sein. Durch ihre formale Ausprägung entsteht eine spannungsreiche Abfolge aus öffentlichen Verbindungs- und Aufenthaltsräumen, die eine optimale fußläufige Durchwegbarkeit und attraktive Sichtbeziehungen zum Rathausplatz als zentrale Mitte garantieren.

    Optimierung der Nutzungsmischung

    Die Nutzungsverteilung folgt der städtebaulichen Setzung. Direkt am Hauptzugang des S-
    Bahnhofs Unterschleißheim ist das Hotel als solitärer Hochpunkt platziert. Die Typologie des Punkthauses eignet sich besonders gut, die Hotelzimmer auf effiziente Weise um einen zentralen Erschließungskern anzuordnen. Mit der Lobby und den gastronomischen
    Einrichtungen im Erdgeschoss bestehen zudem attraktive Möglichkeiten, die angrenzenden öffentlichen Räume ganztägig zu aktivieren.


    In östlicher Richtung schließt ein kompakter Stadtbaustein in Form eines Blocks an. Er bildet das Verbindungsglied zum benachbarten Rathaus und den südlichen Auftakt der zentralen Einzelhandelszone Unterschleißheims. Seine Dimensionierung bietet im Erdgeschoss einen Raum, der flexibel für die Anordnung eines optionalen Bio-Supermarkts oder für eine kleinteilige Ladenstruktur mit Vorderseiten zum öffentlichen Raum genutzt werden kann. In den Obergeschossen gruppieren sich flexible Büroräume um ein zentrales Atrium.

    Das dritte Baufeld wird mit einem skulpturalen Wohnblock bespielt, dessen Ränder
    differenziert auf die angrenzende Bebauung und Freiräume reagieren und verschiedene
    senioren- und familiengerechte Wohnformen aufnehmen können. Er umschließt eine
    großzügige, gemeinschaftlich nutzbare Grünfläche, zu der sich die privaten Freiräume der Wohneinheiten lärmgeschützt orientieren. Das Erdgeschoss ist vollflächig mit Einzelhandel programmiert. Die großen Einzelhandelsflächen (Vollsortimenter, Supermarkt und Drogeriemarkt) sind im Inneren des Sockelgeschosses aneinandergereiht und mit einer Raumschicht aus kleineren Ladeneinheiten und Eingangszonen für die Wohneinheiten in den Obergeschossen umsäumt, damit die Gebäude allumseitig eine belebte Vorderseite erhalten.

    Aktivierung der öffentlichen Räume

    Das Grundgerüst der öffentlichen Räume bildet sich durch die Aufwertung von zwei
    bestehenden übergeordneten Wegebeziehungen, die sich kreuzförmig im Rathausplatz als zentralem Aufenthaltsbereich der neuen Mitte Unterschleißheims treffen. Auf der einen Seite wird die Einkaufsstraße in Nord-Süd-Richtung bis zur P&R-Anlage unter der Le-Crès-Brücke erweitert, auf der anderen Seite erhält die bestehende Wegeverbindung zwischen dem S-Bahnhof Unterschleißheim und dem Schulcampus in Ost-West-Richtung eine angemessene Eingangs- uns Auftaktsituation. Diese städtisch anmutenden Räume werden durch einen Freiraum entlang der Bahngleise ergänzt, der die dort vorhandenen
    Landschaftselemente aufgreift. Er mündet in den ÖPNV-Knotenpunkt unter der Le-Crès-
    Brücke.

    Die Parkierung erfolgt im Untergeschoss als große zusammenhängende Fläche. Sie wird
    direkt von der Robert-Schumann-Straße sowohl durch die Zu- und Ausfahrt der bestehenden
    Rathausgarage als auch durch eine neue Zu- und Ausfahrt im Hotelvolumen erreicht. Somit kann die Erschließungszone entlang der Bahnlinie als barrierefreie Mischverkehrsfläche ausgebildet werden, die Aufenthaltsqualitäten für kommerzielle Einrichtungen generiert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit schreibt die bestehende städtebauliche Struktur behutsam fort und zeigt einen sensiblen Umgang mit dem Umfeld. Der Rathausplatz wird mit dem S-Bahnhof über eine direkte Achse verbunden, die am Haltepunkt in einen neuen Platzraum mündet. Er entsteht durch das Zurückweichen des südwestlichen Baufeldes zum einzigen Hochpunkt im Plangebiet. Der Hochpunkt selbst positioniert sich nach Auffassung der Jury richtig am Kreuzungspunkt von S-Bahn und Le-Crès-Brücke.
    Der neue Platz ist baumbestanden und schafft gegenüber dem Rathausplatz ein alternatives Angebot an öffentlichem Raum. Das Öffnen und Weiten dieser Wegeverbindung wird jedoch aufgrund der Konkurrenzsituation beider Plätze kont¬rovers diskutiert. Darüber hinaus erscheint die Dimension der Aufweitung und die Aufenthaltsqualität des Platzes in Bezug auf Lärm und Wind kritisch.
    Die Nutzungen werden im Plangebiet auf einfache und überzeugende Art in drei Bausteine sortiert: Nördlich der We¬geverbindung zeigt sich das Wohnen, südlich die gewerblichen Nutzungen. Der durchgehende Ladenbesatz im Erdge¬schoss des nördlichen Baufelds zeigt sich nach Auffassung des Preisgericht noch zu indifferent und weist in Bezug auf die Erschließung sowohl für die Kundschaft als auch für die Anlieferung Mängel auf. Befürwortet wird die Positionierung des Discounters als nördlichen Endpunkt der Ladenfolge. Die Anlieferung der Läden ist nicht dargestellt und daher schalltech¬nisch nicht prüfbar.
    Die verschiedenen Seiten des Wohnblocks zeigen sich in der Geometrie differenziert und reagieren auf die unterschiedli¬chen Seiten. Der allseitig umschlossene, ruhige Innenhof ist gut proportioniert und bietet den Bewohnern ein differenziertes Nutzungsspektrum.
    Durchgesteckte Grundrisse - und damit verbunden eine natürliche Belüftung - sind über eine lärmabgewandte Fassade und ruhige Außenbereiche realisierbar. An lärmbeaufschlagten Fassaden im Wohnbereich wären bauliche Schallschutz¬maßnahmen (zum Beispiel verglaste Laubengänge) notwendig.
    Die beiden südlichen Baufelder sind mit den Nutzungsbausteinen Hotel und Büro gut dimensioniert und nutzbar. Die gefor¬derte Realteilbarkeit ist nachgewiesen.
    Aus dem südlichen Baufeld wird auch die durchgehende Tiefgarage zentral angefahren. Sie ist in das Hotel integriert und funktioniert schalltechnisch gut. Als eingeschossige Tiefgarage ist sie jedoch nicht ausreichend bemessen.
    Fahrradabstellmöglichkeiten sind zwar den Wohnungen, nicht jedoch den Einzelhandelsnutzungen zugeordnet. Sie sind nur an der Bahn im Westen vorgesehen. Die vier Bushaltestellen funktionieren in der dargestellten Form nicht.
    Insgesamt zeigt die Arbeit eine einfache aber schlüssige städtebauliche Lösung für das Stadtzentrum von Unterschleiß-heim. Sie könnte sich als robuste Grundlage für eine weitere Entwicklung erweisen und ließe für die architektonische Ausformung genügend Spielraum und Potential, ohne dass das städtebauliche Grundgerüst in Frage gestellt würde.