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  • DE-93047 Regensburg, DE-93057 Regensburg
  • 05/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-324996)

Neubau Grundschule Sallerner Berg + Erweiterung Jakob-MuthSchule in Regensburg


  • 3. Preis

    Außenperspektive - Haupteingang Grundschule Sallerner Berg, © Behnisch Architekten

    Architekten
    Behnisch Architekten Partnerschaft mbB, Stuttgart (DE), München (DE), Boston (US) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Planstatt Senner, Überlingen (DE), Stuttgart (DE), München (DE)
    Tragwerksplaner: Knippers Helbig Advanced Engineering, Stuttgart (DE), New York City (US), Berlin (DE)

    Preisgeld
    54.000 EUR

    Erläuterungstext
    Architektur:
    Auf einem Grundstück im nördlichen Regensburger Stadtteil Sallerner Berg zwischen Harzstraße und Hunsrückstraße soll ein neuer Bildungsort mit einer modernen und zukunftsweisenden pädagogischen Grundidee entstehen. Das an einem Südhang gelegene Grundstück ist zum Regensburger Stadtzentrum hin terrassiert und gibt einen herrlichen Aus- und Überblick über das Stadtgebiet frei. Die Bestandsgebäude, eine Grundschule, Sporthallen, die Jakob-Muth-Schule sowie die angegliederte Hausmeisterwohnung, sollen schrittweise zurückgebaut werden. Zeitgleich und stufenweise ist der Neubau für die Grundschule am Sallerner Berg und die Erweiterung der Jakob-Muth-Schule zu realisieren sowie eine Turnhalle, eine Mensa und ein 5-gruppiger Hort mit Sprachförderung in den konzeptionellen Überlegungen zu berücksichtigen.

    Das neue Haus soll differenziert ausformulierte Lernmethoden nachhaltig fördern. Als übergeordnetes Kernelement des pädagogischen Konzepts beider Schulen ist eine am Lernhaus orientierte Clusterung als bauliche Umgebung vorgesehen. Klar definierte und überschaubare räumliche Einheiten sollen für die Rhythmisierung der Lernkultur sorgen und so ein nachhaltiges, eigenverantwortliches und selbstgesteuertes Lernen ermöglichen.

    Eine schöne, komplexe und interessante Aufgabenstellung, welche eine intelligente Lösung aufzeigen müsste, die im besonderen Maße zum Gelingen der pädagogischen Ideen und Ziele beiträgt. Die neuen Schulhäuser und Freiflächen sind in ganz selbstverständlicher Weise in die Umgebung der unmittelbaren Nachbarschaft einzufügen, jedoch sollte auch eine markante Eigenständigkeit und Charakteristik des „Neuen“ zu erkennen sein und die vorhandenen Randbedingungen sorgfältig einbezogen werden. Die Aufgabenstellung beschränkt sich demnach nicht ausschließlich auf die Konzeption eines neuen Hauses, sondern umfasst ebenso die Idee eines lebendigen und anregenden Bildungsortes sowie das Zusammenspiel von Außenraum und Gebautem. Der Gedanke einer offenen, transparenten und einladenden Bildungseinrichtung sollte erlebbar gemacht werden, wobei eine klare Erkennbarkeit beider Schulen als Identifikationsmerkmal anzustreben ist.
    Die neue Gesamtanlage findet in selbstverständlicher Weise Ihren Platz auf dem Grundstück. Hierbei wurden die abschnittweise Realisierung und der davon abhängige Rückbau der Bestandsgebäude berücksichtigt. In seiner Grundordnung entwickelt sich der Organismus aus einer übergeordneten Überlegung von Einzelhäusern, die spielerisch in die Landschaft eingestreut sind. Differenziert in der Höhenstaffelung positionieren sich die einzelnen Lernhäuser zueinander und definieren so die unterschiedlichen Pausenräume im Freien. Jedes Einzelhaus erhält einen Innenhof, der sowohl die eigene Identität stärkt als auch die Aktionsfläche zwischen den Klassenräumen mit Tageslicht versorgt.

    Die “Häuser“ der Grundschule am Sallerner Berg befinden sich am Fusse des Hanges an der Harzstraße. Über einen schönen, grosszügigen Vorplatz betritt man das verbindende Foyer, welches die Einzelhäuser über drei Ebenen luftig verbindet. Der Hort ist in einem der Häuser im Erdgeschoss untergebracht und kann als eigenständige Funktionseinheit über einen separaten Zugang vom Vorplatz aus erreicht werden. Die Freiflächen der Gruppenräume orientieren sich nach Osten, im ruhigeren Bereich umgeben mit einem schönen Bestand alter Bäume. Die "Häuser" der Jakob-Muth-Schule sind auf dem Hügel mit einem schönen Blick zum Stadtzentrum gelegen. Der Zugang und die Vorfahrt erfolgen über die Hunsrückstraße. Durch die Nähe zur Bushaltestelle sind kurze und barrierefreie Wege zum Eingang, zum Foyer und zur schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) gewährleistet.

    Die Foyers und Aulen beider Schulen sowie die warmen Verbindungen zwischen den Einzelhäusern, die teilweise mehrgeschossig ausgeführt werden, beherbergen schöne, verbindende Treppen und Galerien mit vielfältigen Lufträumen. Hier bewegt man sich zwischen den Schulen, hier kaskadieren die Treppen den Hang hinauf, hier erlebt man die Landschaft und die Freiräume im Warmen. Hier wird der Spannungsreichtum zwischen introvertierten Lernhäusern und kommunikativ Verbindendem zum Erlebnis, hier vermittelt die
    Gesamtanlage ihren offenen Charakter.

    Die Mensa wird als Bindeglied zwischen den Lernhäusern verstanden, die ihrer Aufgabe als zentrale Anlaufstelle für Schüler und Lehrer beider Schulen gerecht wird. Die Sporthalle tritt nicht baulich in Erscheinung, sondern ist vielmehr als landschaftliches Element in die Freianlagen integriert. Die Zufahrt zur Tiefgarage erfolgt über die Harzstraße, unmittelbar am westlichen Rand des Grundstücks, wodurch eine Belastung im Vorplatzbereich und im weiteren Straßenverlauf mit der angrenzenden Wohnbebauung vermieden werden kann. Die Anlieferung zur Mensa erfolgt über die Hunsrückstraße von Norden her.

    Die vorgeschlagenen Materialien folgen der Idee der Authentizität, angepasst an die funktionalen Anforderungen. Die Holzkonstruktion findet sich in der Fassadengestaltung wieder. Eine vertikale Verschalung der Fassade mit Lärchenholz, die auch in den Innenraum fortgeführt wird, unterstreicht die Grundidee der Ablesbarkeit der Lernhäuser als Einzelhaus und belebt so das Innere ebenfalls mit einem haptisch angenehm warmen Material. Die Fenster selbst sind aus Lärchenholz vorgesehen. Im Kontrast hierzu sind die transparenten Fassaden der Foyers und der Verbindungselemente zu sehen. Ein leichter Vorhang als Aluminiumfassade unterstreicht die gewünschte Transparenz und Offenheit. Stahlgeländer mit Netzstrukturen und funktional detaillierte Einbauten aus Holzwerkstoffen bieten eine angemessene Ergänzung zu strapazierfähigen Linoleum- und Teppichböden in den Flurzonen und Klassenräumen.

    Tragwerk:
    Das Tragwerk ist als vollständig vorgefertigte Holzkonstruktion in Elementbauweise konzipiert. Dies ermöglicht eine sehr schnelle Bauzeit, sodass schon nach wenigen Wochen das Gebäude gegen die Witterung dicht hergestellt werden kann. Die tragenden Flurwände und Fassaden werden als geschosshohe, ca. 8-10m lange Elemente aus Brettsperrholz vorgefertigt. Der technische Ausbau kann dann bereits in der Werkstatt im Element integriert werden, was die Fehlerquelle auf der Baustelle deutlich reduziert. Die Fassadenelemente werden bereits fertig verglast angeliefert. Die Decken sind als Hohlkastenelemente
    vorgesehen, die als Bauprodukte (Lignatur, Lignotrend) oder in Eigenkonzeption auf dem Markt gut verfügbar sind und die vorhandenen Deckenspannweiten von 7,5 und 9m ermöglichen. Sie lagern als Durchlaufträger auf den tragenden Fassaden und Flurwänden. Die horizontale Aussteifung des Gebäudes erfolgt durch die aussteifenden Kerne und tragenden Wandscheiben.

    Energiekonzept:
    Ziel des Energiekonzeptes ist die Entwicklung eines ökologisch und ökonomisch optimierten Schulgebäudes, das hohe Komfort- und Behaglichkeitsansprüche erfüllt, niedrige CO2-Emissionen verursacht und günstig im laufenden Betrieb funktioniert. Durch die Anordnung der Lehrräume, der Innenhöfe und durch die Abstände zu den Nachbarhäusern sind eine ausgezeichnete Tageslichtversorgung und eine natürliche Durchlüftung gegeben. Die Innenhöfe sind wettergeschützt mit einem Dach versehen, bilden aber den Hof trotzdem als Außenraum aus. Integrierte PV-Elemente dienen zum einen als Sonnenschutz und tragen zum anderen aktiv zur Stromversorgung bei. In den Innenhöfen unterstützt die Begrünung saisonal aktiv das Gebäudeklima, im Frühling und Sommer wird es durch die Begrünung mit Verdunstungskühlung begünstigt, im Winter gelangt viel Wärme und Licht in das Innere.

    Durch das vorgeschlagene Lüftungskonzept sollen sommerlicher und winterlicher Komfort und gleichzeitig die Luftqualität in den Klassenzimmern optimiert werden. In den Klassenräumen kommt eine hybride Lüftung zum Einsatz. Die Frischluft strömt mittels Lüfter angetrieben aus den Innenhöfen in einen im Deckenaufbau integrierten Kanal in die Klassenräume. Die Luft wird gezielt an den Heizkörpern vorbeigeführt und vorgewärmt. Die Abluft strömt mittels Überströmelemente in die Flurzone und von dort weiter in die Verbindungsbauten. Über Dach wird die Luft über Klappen abgeführt oder mittels Kreislaufverbundsystem eine Wärmerückgewinnung erzielt und zu deren Unterstützung eine Wärmepumpe vorgesehen. Die Öffnungsflügel in der Fassade verfügen über einen Einbruch- und Regenschutz. Sie können im Sommer zur passiven Kühlung und Optimierung des Komforts durch erhöhte Nachtlüftung eingesetzt werden. Bei offenen Innenhöfen wird die Querlüftung unterstützt. In den Bereichen der Mensa und Küche wird ein zentrales Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung eingesetzt. Die Zuluft wird als Quellluft mit niedriger Luftgeschwindigkeit über Unterflurkonvektoren entlang der Außenfassade eingebracht und im Küchenbereich abgeführt. Die Energieversorgung der Schule erfolgt über ein Pellet-System, eine aktive Kühlung ist nicht vorgesehen. Auf die Dachflächen werden Photovoltaikmodule platziert, um lokal erneuerbaren Strom zu erzeugen.

    Die Hülle in Holzbauweise wird in einer hohen thermischen Qualität errichtet. Um die Infiltrationswärmeverluste zu minimieren wird die Hülle zudem luftdicht ausgeführt. Die Fenster werden mit 3-fach-Verglasung versehen. Der Fensterflächenanteil ist optimiert auf eine gute Tageslichtversorgung bei gleichzeitiger Minimierung von solaren Lasten. Die Sichtdecke aus Lehm bietet eine hygrothermische Speichermasse und puffert neben Temperaturen auch Schwankungen in der Luftfeuchtigkeit, wodurch das hybride Lüftungskonzept gestärkt und optimiert wird. Innenraumbedingungen werden thermisch durch die passive Kühlung verbessert und in den Wintermonaten Zustände mit trockener Innenraumluft minimiert.

    Um eine sommerliche Überhitzung zu verhindern haben die Fensteröffnungen des Neubaus einen beweglichen Sonnenschutz in Form von außenliegenden, horizontalen Lamellen. Diese werden automatisch dem Sonnenstand nachgeführt und verfügen über sogenannte „Cut-Off“-Stellungen, welche nur das direkte Sonnenlicht ausblenden, den Durchblick nach außen aber ermöglichen.

    Freianlagen:
    Grundidee der Freiraumgestaltung ist es, die vorhandene Grünstruktur des Aberdeenparks im Nordwesten des Planungsgebietes fortzuführen und mit dem neuen Schulcampus zu verbinden. Der städtebauliche Duktus generiert durch seine Anordnung abwechslungsreiche Freiraumsequenzen, welche die Ausformulierung unterschiedlicher Schulhöfe und Pausenplätze ermöglichen. Das dabei entstehende Wechselspiel aus Baukörpern und Landschaft verzahnt folglich Architektur mit Freiraum und schafft einen Dialog zwischen Innen und Außen. Darüber hinaus erzeugt die Setzung der Baukörper Fugen, die wir in unserem Konzept als Teil der verbindenden Grünstruktur einsetzen. Der das Schulgelände umschließende "Grüne Rahmen" wird gestärkt und fortgeführt. Gehölzpflanzungen aus heimischen Arten sickern in die Zwischenräume und werden bis an die Gebäude herangeführt. Alle Dächer erhalten eine Begrünung, die den zeitgemäßen ökologischen Anforderungen entspricht.

    Den Nutzungen der Gebäude entsprechend entwickeln sich im Außenbereich individuelle Räume, die den pädagogischen Anforderungen gerecht werden, Raum für persönliche Entfaltung ermöglichen sowie gemeinsames Spiel- und Naturerlebnis zulassen. Das Freiraumkonzept interpretiert und integriert die Bestandsböschungen als spannenden Raumcharakter und topographische Besonderheit. Die nahegelegenen Spielwälder können zudem als grüne Erweiterung der Pausenhöfe verstanden werden und tragen zum Lernen und Spielen unter Bäumen ein. Die neu organisierten Bereiche des Schulsports fließen mit der Dachflächennutzung der Dreifachsporthalle zusammen, was eine optimale Raumausnutzung ermöglicht.

    Den repräsentativen Auftakt bilden die beiden markanten, adressbildenden Platzflächen vor den Hauptzugängen der Grundschule am Sallerner Berg bzw. des Förderzentrums Jakob-Muth. An diesen Treffpunkten finden sich ausreichend Sitzmöglichkeiten, Radstellplätze und Einstellmöglichkeiten für Cityroller. Vor der Jakob-Muth-Schule sind 20 Kurzstellplätze für Kleinbusse teils in radialer Anordnung situiert. Dies gewährleistet eine problemlose Beförderung der Schüler von und zur Schule. Die Platzbereiche sind mit einem hochwertigen Belag vorgesehen, der die Bedeutung dieser Räume unterstreicht und sich zudem in den Verbindungszonen der Gebäude fortsetzt. Lockere Baumsetzungen sorgen auf den Plätzen für ausreichend Schatten und Begrünung und laden zum Verweilen ein. Die Anzahl der Bäume im gesamten Planungsgebiet wird durch die Leitidee des grünen Netzes deutlich vervielfacht, Bestandsbäume werden subtil in das Freiraumkonzept integriert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Scheinbar zwanglos und ungeordnet erscheint die Schulanlage als Ensemble einzelner Lernhäuser, die sich den Hang hinauf staffeln. auf der Ostseite entsteht eine eher kleinräumliche Verzahnung mit dem baumbestandenen Freiraum, während nach Westen zum Aberdeenpark hin eine große konkave Geste formuliert wird. Ein gekrümmter Verbindungsgang verbindet eine nördliche und eine südliche Erschliessungshalle miteinander und fügt die Gesamtanlage zu einem zusammenhängenden Schulorganismus. Die Sporthalle ist in der Mitte des Areals in eine Geländestufe integriert und tritt lediglich als Kante in Erscheinung. Die Mensa liegt ebenfalls an zentraler Stelle und verbindet den östlichen mit dem westlichen Freiraum.

    Die Ansammlung von insgesamt 7 Kuben wirkt in ihrer freien Figuration zunächst etwas chaotisch und willkürlich, folgt aber einer inneren Logik in der Abfolge und funktionalen Zuordnung. Die Freiräume im Osten wirken teilweise eingeengt und topografisch ungeklärt im Übergang zum

    bestehenden Gelände. Der Freibereich des Horts ist eng und schlecht besonnt. Auf der Westseite wird der großzügige Freibereich auf dem Dach der Sporthalle durch die Einzäunung des Allwetterplatzes beeinträchtigt. Der separate Zugang zur Sporthalle von außen ist ungeklärt, erkennbar ist nur ein Zugang über die Garage. diese ist aufgrund der geometrischen Bedingungen kaum vernünftig organisierbar.

    Die Lernhäuser sind prinzipiell gut organisiert, jedoch sollten die Lehrerstützpunkte zum offenen Lernbereich orientiert sein und die Treppenhäuser direkt ins Freie führen. Die räumliche Qualität der beiden Erschließungshallen ist reizvoll, wobei eine multifunktionale Nutzung aufgrund der Treppenlaufführung eingeschränkt ist.

    Im äußeren Erscheinungsbild ist die Maßstäblichkeit und Transparenz positiv hervorzuheben, während die Anschlüsse des Verbindungskörpers an die Kuben sowohl gestalterisch als auch bautechnisch ungelöst sind. Allzu beliebig und ohne erkennbare Logik stoßen die Bauteile hier aufeinander. Darunter leidet auch die Wirtschaftlichkeit von Realisierung und Unterhalt, zumal auch das Verhältnis von Hüllfläche zu Volumen die ansonsten guten Kennwerte beeinträchtigt. Insgesamt handelt es sich um einen eigenständigen Entwurf mit poetischen Qualitäten, der jedoch architektonische Fragen aufwirft, die nur schwer zu lösen sind.