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  • DE-18055 Rostock, DE-18057 Rostock
  • 06/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-326468)

Bibliotheksneubau ULMICUM an der Universität Rostock


  • Anerkennung


    Architekten
    Peter Zirkel Gesellschaft von Architekten mbH, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Peter Zirkel

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Lemme Locke Lührs Architektinnen BDA, Dresden (DE), Berlin (DE)
    Visualisierer: LINDENKREUZ EGGERT | Bildermacherei & Utopografie, Dresden (DE)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Überraschend einfach und überzeugend gelingt es den Verfassern, einen klaren, rechtwinkligen Bibliotheksbaukörper stadträumlich einzugliedern und damit den Duktus der vorhandenen strengen städtebaulichen Vorgaben der ehemaligen Kaserne fortzuschreiben. Das Bibliotheksgebäude schiebt sich in den Freiraum an der Arno-Holtz-Straße und begrenzt den Raum dort am richtigen Ort. Mit der unregelmäßigen Form des Bauwerks, in dem sich das Institut für Ur- und Frühgeschichte, das Institut für Qualitätssicherung und das Staatliche Schulamt befinden, welches zwischen Bibliotheksbau und Gleisanlage verortet ist, reagieren die Verfasser auf die städtebauliche Platzbildung Am Röper.

    Durch die zweigeschossige Aufstockung des Hauses 5 und die Schaffung eines Zugangs vom Campus in die Bibliothek wird die neue Bibliothek sichtbar am Campus verankert. Die Aufstockung des denkmalgeschützten Bauwerks wird in der Jury allerdings sehr kontrovers diskutiert und erscheint insbesondere wegen des vollständigen Verlusts der historischen Substanz des Dachtragwerks derzeit nicht genehmigungsfähig.
    In Haus 5 befindet sich der Hauptzugang zur Bibliothek. Ein weiterer, größer dimensionierter Zugang wird ein Geschoss tiefer von der Arno-Holtz-Straße geschaffen. Die Jury kritisiert hier die Unausgewogenheit beider Zugänge und hätte sich im Sinne des gewählten Konzeptes eine deutlichere Prägnanz des Zugangs vom Campus gewünscht. Zudem ist die übergeordnete Zugänglichkeit auf den Campus von der S-Bahn-Haltestelle verbesserungswürdig und auch nicht barrierefrei umgesetzt. Die periphere Lage der Stellplatzanlage für Fahrräder an der Gleisanlage wird sich im Betrieb nicht bewähren, da sie zu abgelegen angeordnet ist.

    Die Entscheidung, alle Bibliotheksbereiche im Hauptbaukörper unterzubringen, Agorá, Cafeteria im EG von Haus 5 und das Seminarzentrum in den beiden oberen Ebenen im aufgestockten Teil zu situieren, sowie die externen Einrichtungen in einem separaten dritten Gebäude anzuordnen, wird nachvollzogen und entspricht den Bedingungen der Einzelfunktionen unter Darstellung ihrer unterschiedlichen Geschosshöhen, der Zugänglichkeit und der Adressbildung.

    Die Bibliothek ist funktional gut gegliedert. Der Nachweis über die Trennung von ungesichertem und gesichertem Bereich funktioniert und die Haupterschließung ist gut auffindbar und funktional richtig angeordnet. Insgesamt gelingt es, eine robuste, für Veränderungen offene Bibliothek zu organisieren. Der mittig angeordnete, mehrgeschossige Lesesaal der Forschungsbibliothek und die sich zu mehrgeschossigen Lufträumen öffnenden Lesebereiche der Fachbibliotheken schaffen eine räumliche Situation, die angenehm im Kontrast zur strengen Gesamtgliederung steht. Die Anordnung der Leseplätze entlang von Galerien entspricht einer konservativen Auffassung, bei der der Nutzer allerdings akustische Störungen befürchtet. Die räumlich-bauliche Trennung von Seminarzentrum und Bibliothek ist vom Nutzer in der vorgeschlagenen Form zudem nicht gewünscht. Die Einzelraumstrukturen der ausgelagerten Institute und des Schulamts sind nachvollziehbar um einen angemessen dimensionierten Innenhof organisiert.

    Die Entscheidung, im Sockelbereich und für das separate Verwaltungsgebäude auf das am Ort benutzte Ziegelmauerwerk zurückzugreifen, ist naheliegend und nachvollziehbar. Die Verfasser beabsichtigen, durch die Pfosten-Riegel-Fassade mit großen Glasanteilen der Dimension und Strenge des 110 m langen Bibliotheksgebäudes entgegenzuwirken. In der Jury wird kontrovers diskutiert, ob durch die Strenge der Gebäudeanordnung und die eher traditionelle Architektursprache ein angemessener Ausdruck für eine „Bibliothek der Zukunft“ erzeugt werden kann. Insgesamt gelingt es den Verfassern, einen guten Entwurf zu präsentieren, der allerdings wenig Innovatives zu einer Bibliothek der Zukunft beiträgt.