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  • DE-06122 Halle (Saale)
  • 06/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-325636)

Wohnquartier am Böllberger Weg in Halle (Saale), 2. BA


  • 2. Preis

    © Schettler Architekten / plandrei Landschaftsarchitektur GmbH

    Architekten
    Schettler Architekten, Weimar (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: plandrei Landschaftsarchitektur GmbH, Erfurt (DE)
    Modellbauer: modellwerk weimar | Architekturmodelle, Modellbau, Frässervice, Laserservice, Weimar (DE)

    Preisgeld
    33.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit fügt einzelne Teilgebiete zu einem neuen, stark durchgrünten Quartier zusammen. Im Ganzen entstehen nun vier lineare Baufelder mit unterschiedlicher Typologie, die das Gesamtgebiet klar gliedern und ihm eine robuste städtebauliche Grundstruktur verschaffen. Körnung und Größe der Gebäude nimmt dabei vom landschaftlich geprägten Freiraum der Saale mit der sich bereits in Planung befindlichen Bebauung des 1. Bauabschnitts hin zum lärmbelasteten Böllberger Weg im Südosten zu.

    Anstatt zu versuchen, den Landschaftsraum entlang der Saale immer weiter in Richtung Südosten fortzuführen, schlagen die Verfasser in dem von ihnen beplanten Teilabschnitt einen großen zusammenhängenden Freiraum, das „Saalewäldchen“, vor. Um diesen gruppieren sich nun alle Gebäude des Teilabschnitts. Dieser aus dem Kontext der Lösungen vorliegender Wettbewerbsarbeiten herausfallende Vorschlag überrascht zunächst. Obwohl im Preisgericht kontrovers diskutiert erscheint er bei näherem Betrachten umso überzeugender, weil die Thematisierung der Freiräume und die Typologie einzelner Gebäude auf die jeweilige städtebauliche Situation präzise eingehen und eine große Vielfallt unterschiedlicher, differenzierter räumlicher Erlebnisse ermöglichen, ohne dabei die Einheitlichkeit des Gebiets aufzulösen.

    Das zentrale Saalewäldchen wird durch geknickte Bauzeilen gefasst, die ihn schützend eingrenzen, die perspektivische Wirkung des Freiraums verkürzen und ihn vor Verkehrslärm schützen. Die Wohnungen orientieren sich konsequenterweise zu dem zentralen Freiraum, wobei zu hinterfragen wäre, ob dadurch der Blick zur Saale hin und die Durchlässigkeit des Gesamtareals nicht geschwächt werden.

    Die Gebäude sind klar strukturiert und bauen trotz stark gegliederter Fassaden mit sehr abwechslungsreicher Raumgeometrie einzelner Wohnungen auf einer begrenzten Anzahl von Grundtypen auf. Der strukturell ähnliche Aufbau der Zeilen in Richtung Saale und zum Böllberger Weg erscheint etwas schematisch und nicht ganz auf die doch sehr unterschiedliche Situation bezogen. Die Organisation der überwiegenden Anzahl an Hauseinheiten als Zweispänner führt zwar zu guten Wohnungsgrundrissen, aber zugleich auch zu einer etwas geringeren Flächeneffizienz. Vergleichsweise kleine Fassadenhüllflächen könnten diesen Nachteil allerdings ausglei- Realisierungswettbewerb Wohnquartier am Böllberger Weg – 2. BA 10 / 12 chen. Die in den Ansichten sehr geordnete, etwas konventionell wirkende Fassadenstruktur mit relativ kleinen Öffnungen scheint dem eher topografisch-plastisch wirkenden Charakter der Grundrisse nicht ganz zu entsprechen.

    In Bezug auf den Freiraum überzeugt der tragende Entwurfsgedanke des gemeinschaftlich nutzbaren „Saalewäldchens“. Es wird mit markanten Platzsituationen eingefasst wird und ist zugunsten der Vegetation bewusst nicht von der Tiefgarage unterbaut. An diesen halböffentlichen, starken Grünraum, der gebietscharaktergebend sein wird, schließen charmant Mietergärten an. Die öffentlichen Freiräume entlang der umgebenden Straßen erfahren eine gekonnte Differenzierung mittels Grünstrukturen sowie begrünten Kleinarchitekturen, wobei die Höhe bzw. Transparenz der vorgartenabgrenzenden Mauern kontrovers diskutiert wurde. Positiv wird der Erhalt der südwestlichen Böschungsbegrünung bewertet.

    Bezüglich der Einhaltung der GFZ im Teilbaugebiet (TG) 3 besteht noch Anpassungsbedarf an die Festsetzungen des B-Plans Nr. 170.2. Die Überschreitung der GRZ liegt im Toleranzbereich. Im TG 1.4 werden die festgesetzten Gebäudelängen und die Abstandsflächen zum nördlich angrenzenden Nachbarn nicht eingehalten. Es liegen einzelne Aufenthaltsräume im Lärmpegelbereich V entlang des Böllberger Weges. Insgesamt handelt es sich um einen qualitätsvollen, originellen Beitrag, der eine robuste Grundstruktur aufweist, die ohne große Probleme angepasst und weiterentwickelt werden kann