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  • DE-64285 Darmstadt, DE-64283 Darmstadt
  • 06/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-324287)

Neubau der Heinrich-Hoffmann-Grundschule mit Kita in Darmstadt


  • Anerkennung

    LP 1:200

    Landschaftsarchitekten
    LA.BAR Landschaftsarchitekten bdla, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: CKRS ARCHITEKTEN, Berlin (DE), Berlin (DE)

    Preisgeld
    8.633 EUR

    Erläuterungstext
    Der neue Vorplatz an der Ecke Lindenhof-/ Mühlstraße bildet das Entrée der Heinrich-Hoffmann-Schule. Er wird als steinerner Platz mit einer kleinen, gefassten Grünfläche und einem Baum gestaltet. Die für die Schule nachzuweisenden Fahrrad- und Rollerstellplätze befinden sich am östlichen Rand, eingebunden in den von Bäumen überstandenen Grünstreifen an der Mühlstraße. Die 10 PKW-Stellplätze werden in der Lindenhofstraße angeboten. Eine Stufenanlage vermittelt zwischen der Richtung Altstadt abfallenden Lindenhofstraße und der Platzfläche.

    Der Schulhof wird von der unteren Aula des Schulgebäudes sowie dem neuen Struwwelpeterweg* im Süden erschlossen. Eine begrünte und von Bäumen überstandene Böschung vermittelt zur ca. 1,6 Meter höher liegenden Lindenhofstraße und bildet die vom Auslober gewünschte räumliche Abgrenzung zu den öffentlichen Verkehrsflächen. Der Schulhof gliedert sich in einen harten Allwetterplatz und einen naturnah gestalteten Pausenhof mit Spielinseln mit verschiedenen Kletter- und Bewegungsangeboten. Der Schul- und Nachbarschaftsgarten formuliert den räumlichen Abschluss zur Fußwegeverbindung an der historischen Stadtmauer. Im Sinne der vom Auslober gewünschten nachschulischen, öffentlichen Nutzung ist der Schulgarten bewusst auch als Nachbarschaftsgarten konzipiert und steht somit auch interessierten AnwohnerInnen zur Verfügung.

    Der neue Struwwelpeterweg liegt zwischen Schule und Kita und erschließt die Sporthalle von der Mühlstraße aus. Vor der Sporthalle und dem Nebeneingang der Kita öffnet er sich zu einer kleinen Platzfläche, die mit dem Schulhof korrespondiert. Der Eingang der Kita befindet sich an der zweiten neuen Wegeverbindung, dem Perlenfeinweg* nördlich vom Woogsplatz. Die eingefriedeten naturnah gestalteten Freianlagen orientieren sich zur Stadtmauer. Hier werden separate, räumlich getrennte U3 und Ü3-Spielbereiche angeboten. Für die Ü3 Kinder stehen ferner noch eine Spiel- und Bewegungslandschaft auf dem Dach sowie das Atrium zur Verfügung. Die Stellplätze für Fahrräder und Roller werden in der Nähe des Eingangs angeboten.
    Die 5 nachzuweisenden PKW-Stellplätze befinden sich auf der Westseite des Woogsplatzes und werden über einen Anliegerweg von der Straße Am kleinen Woog erschlossen.

    Zwischen Kita und Mühlstraße wird der neue öffentliche Wasser- und Kletterspielplatz angelegt. Der Ort ist den Anwohnern vertraut und auf kürzestem Wege von den Schülern und Kita-Kindern erreichbar. Das abfallende Gelände ist für eine naturnahe Gestaltung ideal geeignet.

    Der Woogsplatz bildet den südlichen Abschluss des neuen Bildungsstandortes und das Scharnier zu dem angrenzenden Stadtraum mit dem sich südlich anschließenden Kapellenplatz. Dieser Bedeutung entsprechend wird er vollkommen vom ruhenden Verkehr befreit und zu einem Nachbarschafts- und Generationenplatz mit diversen Spiel- und Fitnessangeboten für alle Altersgruppen umgestaltet. Die Umfahrung wird rückgebaut und zu einem wassergebundenen Platzrahmen mit Sitzbänken umgestaltet. Unter dem Baumdach laden Tische und Stühle zum Spielen, Picknicken und bloßen Zusammensein ein. Einzelne, außerhalb der Wurzelbereiche platzierte Fitnessgeräte, ergänzen das Angebot.

    Weitere Ersatzspielflächen werden an der Lindenhofstraße und an der Stadtmauer angeboten. Die Grünfläche am Jugendstilbad wird unter Beachtung der notwendigen Feuerwehrbewegungsflächen zu einem Spiel- und Staudenband aufgewertet. Eingebettet in robuste Stauden- und Gräserflächen befinden sich Spielflächen mit z.B. Trampolinen, Tischtennisplatten und Bewegungsangeboten. Ein umlaufender Weg mit Bänken bildet den Rahmen für dieses urbane Spielangebot.

    In der Grünfläche an der Stadtmauer mit Bezug zum Wroogesplatz wird für Jugendliche ein Streetballplatz angeboten. Weitere Spielangebote auf dem vorhandenen Plateau hinter der Stadtmauer vervollständigen das Angebot an öffentlichen Spielflächen.

    Alle Gebäudeeingänge, Außen- und Spielanlagen sind barrierefrei erreichbar. Der Anteil der versiegelten Flächen wird auf das funktional notwendige Maß beschränkt. Das anfallende Oberflächenwasser der Wege- und Platzflächen entwässert in die angrenzenden Grünflächen. Das Regenwasser auf den Dächern wird über (Mulden-)Rigolen auf den jeweiligen Grundstücken versickert.

    * Die Namen beziehen sich auf die von Heinrich Hoffmann verfassten Kinderbücher „Struwwelpeter“ und „Grünewald und Perlenfein mit ihrem lieben Eselein“.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Entwurfsverfasser wollen die Grünfläche innerhalb der Stadt erhalten, weiter stärken und ausbauen. Stadt – Park – Schule, Stadt – Park - Kita sind die prägenden Grundgedanken der Entwurfsverfasser.

    Für die Kindergartenkinder, die Schüler und die Bürger soll ein ‘Stadtpark‘ entstehen, in den zwei kompakte quadratische Kuben eingestellt werden, die sich in der Höhenstaffelung nach Süden abstufen. Die Intention des Stadtparks wird mit dem grünen Fassadenvorhang an der Fassade des Schulhauses gesteigert. Die Pflanzenauswahl für den grünen Fassadenvorhang muss allerdings überdacht werden.

    Der dreigeschossige Baukörper bildet ein adäquates Pendant zum gegenüberliegenden historischen Jugendstilbad. Vorgelagert wird ein steinerner Vorplatz zum Schulhaus mit Hauptzugang Ecke Lindenhofstraße.
    Der Entwurfsansatz, zwei Baukörper (Schulhaus und Kindergarten mit Sporthalle) in einem Grünraum zu positionieren, wird gewürdigt, in der Umsetzung jedoch als nicht ausreichend konsequent gesehen. Die Proportion der Baukörper ‘im Park‘ erscheint im städtebaulichen Footprint zu groß, in den Funktionen der Geschosse, vor allem in den Clusterebenen zu knapp. Der ‘Stadtpark‘ entspricht damit lediglich einer Grünfläche im städtischen Raum.

    Im Erdgeschoss des Schulgebäudes finden sich zentrale Funktionen, wie Mensa, Bibliothek und Musikraum. In der Hangebene ist der Kunst- und Werkraum sowie eine „untere Aula“ verortet, die sich direkt mit dem Pausenhof verknüpft.
    Der Haupteingang liegt unmittelbar der Außenwandkante, was sehr ungünstig erscheint und zu einer Grundrissneuorganisation in diesem Bereich führen wird.
    In den Obergeschossen werden die Cluster sinnfällig an der Fassade abgewickelt, genau dort
    wünscht man sich allerdings mehr räumliche Qualitäten für gemeinsamen Funktionsflächen.

    Eine separate Erschließung der Kita von Süden ist gut vorstellbar. Die Grundrissgestaltung der Kita ist allerdings grundlegend zu überdenken, zwingend wäre vor allem die Lage der Verwaltung am Eingangsbereich, um Ansprechbarkeit und Kontrolle zu gewährleisten.

    Das Preisgericht bewertet den Einsatz der intensiven Dachbegrünung und der vorgeschlagene
    Fassadenbegrünung positiv. Der Dachgarten auf der Kita / Sporthalle stellt eine geschickte
    Erweiterung der Außenspielflächen dar. Diese sollten jedoch näher definiert werden.

    Der Baumbestand wird weitestgehend erhalten. Die Freibereichen haben Potential für eine naturnahe Gestaltung.

    Die Dimensionierung der Freiraumflächen werden positiv gewertet, allerdings sind die
    Freiraumflächen der Schule sehr knapp bemessen. Das öffentliche Wasserspielangebot reduziert die Außenspielfläche der Schule zusätzlich, welche um das nötige Maß erweitert werden müsste.

    Zur Erhaltung der Vitalität der großzügig verwendeten Vegetation auf Freiflächen und an den
    Gebäudehüllen sollte insbesondere für die zunehmenden Hitzeperioden eine Regenwasserspeicherung vorgesehen werden. Das Projekt könnte hinsichtlich der Begrünungsvorschläge Modellcharakter für die Stadt entwickeln.
    Die Anordnung der Stellplätze an der Nordseite ist unangebracht. Die Stellplätze an der Südseite zum Woogsplatz sind aus verkehrlichen Gründen nicht erwünscht.

    Positiv werden die Vorschläge zum energetischen Konzept, wie zum Beispiel die Nutzung solarer Energie und die Wärmerückgewinnung, gesehen. Hinsichtlich der Kühlung wird die mögliche Fensterlüftung begrüßt. Eine adiabate Kühlung würde das Konzept sinnvoll ergänzen.

    Das Schulhaus hat verschiedene Brandschutzprobleme, was vor allem am offenen Atrium liegt, das in Bezug auf die Akustik ebenfalls kritisch gesehen wird.
    Auch im Kita Bereich ist der Brandschutz im 1 Obergeschoss aufgrund des offenen Atriums noch nicht gelöst.

    Durch die Trennung der Baukörper ist keine Redundanz in der Barrierefreiheit gegeben. Auch im Außenraum wird eine konsequente Barrierefreiheit vermisst