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  • DE-84095 Furth
  • 07/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-327403)

Neubau 7-gruppiger Kindergarten mit Kinderkrippe und -hort in Furth


  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: ama_architekturbüro michael auerbacher, Burghausen (DE)

    Preisgeld
    22.800 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Der Entwurf greift die vorgefundene städtebauliche Struktur öffentlicher Gebäude mit in Ost-
    West-Richtung verlaufenden Baukörpern auf und schreibt diese fort : Zwei zueinander in
    Grundriss und Aufriss versetzte Gebäudeflügel fügen sich mit ihrer Höhenfolge in die bestehende
    Topographie ein. Der Neubau bindet mit einer Magistrale das bestehenden Hortgebäude an,
    sodass eine Gesamtfigur mit drei Flügeln entsteht : Krippe, Kindergarten und Hort.
    Mit der versetzten Anordnung der Baukörper entstehen eigenständige, den einzelnen Nutzungen
    zugeordnete Freiräume. Vorplätze bieten separate Zugänge für die verschiedenen Nutzungen. Die
    2-geschossigen, aufgegliederten Baukörper schaffen einen kleinteiligen und kindgerechten
    Maßstab.


    Funktionen und räumliche Organisation

    Die neuen Hortgruppen werden anstelle der derzeitigen Krippe im Bestandsgebäude
    untergebracht. Für die Krippengruppen aus dem Bestand wird im Neubau Ersatz geschaffen. Somit
    ist eine durchmischungsfreie Nutzungszuordnung für Krippe, Kiga und Hort baukörperweise
    möglich.
    Die einzelnen Bereiche sind für sich eigenständig erschlossen und organisiert. Sie funktionieren
    als separate Nutzungseinheiten und sind jeweils für sich abschließbar. Gleichermaßen sind sie Teil
    eines Ganzen mit kurzen inneren Wegen und wechselseitiger funktionaler Verknüpfung. Die
    gemeinschaftlich genutzten Räume (Personal, Catering und Mehrzweckräume) liegen hierbei
    zentral an der Magistrale mit kurzer Anbindung zu Hort, Kiga und Krippe.
    Es wird die Möglichkeit einer wettergeschützten Anbindung der Schule an das Foyer des
    Hortgebäudes am nördlichen Ende der Magistrale aufgezeigt.
    In den 3 Gebäudeteilen verteilen sich die jeweiligen Nutzungen auf 2 Ebenen. Die Gruppenräume
    verfügen über direkten Außenzugang in die Freiflächen oder haben vorgelagerte großzügige
    Balkone. Die angebotenen Raumstrukturen sind flexibel nutzbar, alle Hauptnutzflächen sind
    südorientiert, die dienenden Räume liegen nach Norden. Die Flure werden aufgeweitet, es
    entstehen Spielzonen und informelle Freiräume. Oberlichten führen Tageslicht in das
    Gebäudeinnere.
    Es entstehen offene, freundliche Innenräume mit guter Orientierbarkeit und hoher
    Aufenthaltsqualität. Die Technikräume liegen in der Ebene -1.


    Erschließung

    Die Erschließung erfolgt in 2 Ebenen über - den Gebäudezugängen vorgelagerte verkehrsfreie
    Platzsituationen : Von Süden über die Klosterstrasse (Hauptzugang Krippe und Kiga) und über den
    nördlichen bestehenden Parkplatz (Zugang Hort/ Personaleingang/ Andienung Küche). Die
    Vorplätze schaffen ein angemessenes Entree für die Zugangssituationen und bieten Raum für
    Wartezonen, Begegnung und Kommunikation. Der bestehende nördliche Zugang des Bestandes
    (Hortgebäude) wird beibehalten.
    Zur Anfahrt und Abholung für Krippe und Kindergarten wird eine Vorfahrt an der Klosterstraße
    angeboten. Dies schafft eine sichere Hol – und Bringsituation. Fahrradstellplätze liegen an den
    Vorplätzen in räumlicher Nähe zu den Gebäudeeingängen. Die Ver – und Entsorgung der Küche
    kann – entkoppelt vom Hauptzugang - mit kurzer Anbindung über den bestehenden Parkplatz
    erfolgen.


    Barrierefreiheit

    Alle Ebenen des Neubaus sind schwellenlos gestaltet, ebenso die Verbindung zwischen Neubau
    und Bestand. Ein Aufzug im Neubau verbindet die Ebenen -1, +-0 und +1 barrierefrei. Ein
    Behinderten-WC ist in der Eingangsebene ausgewiesen. Die Zugänge zu den Gebäudeteilen
    Krippe, Kiga und Hort sowie die Ausgänge zu den Freibereiche sind schwellenlos erreichbar.


    Freiflächen

    Vorplätze und Gärten prägen die Freiflächen. Ihre Zonierung schafft eine Trennung der
    Funktionen (Zugänge, Anlieferung, Parkierung, Gärten usw.) und ermöglicht hohe Nutzungs –
    und Aufenthaltsqualitäten für die Außenanlagen.
    Die mit der Situierung der Baukörper einhergehende Freiraumgliederung ermöglicht den
    jeweiligen Nutzungen Hort/ Kiga/ Krippe unmittelbar zugeordnete eigenständige Freibereiche.
    Diese sind ausnahmslos südorientiert.
    Die Bespielung der Freiflächen ist durch zusammenhängende Räume flexibel möglich - vom freien
    Bewegungsspiel, geschützten Rückzugsnischen, bis hin zum Lehrgarten. Überdachte Terrassen
    bieten Möglichkeit zum witterungsgeschützten Aufenthalt im Freien. Die Topographie der
    bestehenden Freiflächen wird im Wesentlichen erhalten, ebenso der vorhandene Baumbestand,
    welcher vegetationsgerecht integriert und mit Blütenbäumen ergänzt wird.
    Im direkten Dialog mit der inneren Organisation entstehen offenen Spielwiesen mit altersgerecht
    ausgestatteten Spielboxen, die von den jeweiligen Gruppen individuell nutzbar sind. Ein Teil der
    Freiflächen des Kindergartens wird als Dachterrasse über dem Flügel der Krippe höhengleich zu
    den Gruppenräumen der oberen Ebene ausgewiesen.
    Die Parkierung wird dezentral angeboten : Südliche entlang der Klosterstraße (Zufahrt von bzw.
    über die Klosterstraße) und nördlich am bestehenden Parkplatz. Der bestehende Wendehammer
    wir zugunsten eines verkehrsfreien Vorplatzes neu organisiert. Ein Erweiterung des
    Stellplatzangebotes ist über ein Nachverdichten der nördlichen Spange auf der oberen Terrasse
    möglich (Senkrechtparker statt Längsparker). Fahrradstellplätze werden eingangsnah
    ausgewiesen.


    Hangsicherung/ Abstandsflächen

    Die terrassierte Einfügung der Neubauten in die vorgefundene Topographie beschränkt die
    Erfordernis für Hangsicherungen auf das Nötigste. Aufwendige Tiefbaumaßnahmen werden durch
    die Adaption des bestehenden Geländemodells nicht erforderlich.
    Die Abstandsflächen zu den angrenzenden Nachbargrundstücken werden eingehalten.


    Energiekonzept/ Ökologie

    Für das energetische Konzept zeigt der Entwurf Möglichkeiten zu nachhaltigen Ansätzen
    (Betonkerntemperierung, Niedertemperatursystem, Lüftung mit Wärmerückgewinnung etc.) auf.
    Das Verhältnis A/ V ist durch die kompakte Gebäudeform optimiert. Die Gebäudehülle wird
    hochwärmegedämmt und luftdicht ausgeführt. Die Südorientierung der Hauptnutzflächen
    ermöglicht die Nutzung solarer Gewinne. Nebenräume nach Norden dienen als Klimapuffer. Auf
    den Dachflächen ist eine südorientierte PV-Anlage möglich.
    Für die Freiflächen ist eine naturnahe Gestaltung der Gärten sowie ein reduzierter
    Versiegelungsgrad der Parkierungsflächen vorgesehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf greift die vorgefundene städtebauliche Struktur sehr gut auf und schafft durch die in Ost/West-Richtung verlaufenden Baukörper ein harmonisches, sich aus dem Dorfzentrum fortsetzendes Gefüge. Die vom Rathaus kommenden Raumachsen werden vorteilhaft baulich freigehalten.
    Die vorgeschlagene „Magistrale“ verbindet signifikant und funktional alle drei Einrichtungen Hort, Kindergarten und Krippe mit der Grund- und Mittelschule. Durch den Gebäudeversatz wird der entstehende Freiraum exzellent strukturiert. Die Anbindung an das bestehende Hortgebäude gelingt den Verfassern auf hervorragende Weise. Durch den Versatz fügt sich das Gebäude optimal in die Topographie ein.
    Durch die einfache und übersichtliche räumliche Zonierung der Nutzungen von Hort, Krippe und Kindergarten werden die Anforderungen des Wettbewerbs sehr gut erfüllt. Kritisch wird die nicht vorhandene direkte Anbindung der Krippenräume 3-6 an das Gelände beurteilt, welche jedoch durch den westlichen Zugang (Terrasse, Tür) ermöglicht wird. Krippe 1+2 wird der Nutzungsanforderung unmittelbar gerecht. Die Kindergarten- und Nebenräume sind aufgelockert und logisch erschlossen und gestaltet. Es entsteht eine freundliche Innenraumatmosphäre mit hoher Aufenthaltsqualität. Die zentrale Anordnung der Funktionsräume fördert die Nutz- und Bespielbarkeit der Einrichtung. Auch die Erweiterungsmöglichkeit wird honoriert. Die unterschiedlichen Ebenen bzw. Nutzungen werden von gut proportionierten Vorplätzen aus erschlossen. Die Stellplätze sind oberirdisch angeordnet und den Vorplätzen zugeordnet, eine kostengünstige und praktikable Lösung. Die 5 Stellplätze im unübersichtlichen Kurvenbereich der Klosterstraße sind so nicht realisierbar, auch die Erschließung der Stellplätze über dem Gehweg ist zu hinterfragen. Die Freibereiche sind eindeutig und jeweils ebenerdig zu erreichen. Bei der Kinderkrippe wäre eine stufenlose Verbindung vom OG zum unteren Spielbereich noch nachzuweisen.
    Die innere Erschließung (Aufzug, Treppen) kann sehr wirtschaftlich und ansprechend realisiert werden. Die zweihüftige Erschließung und die geplanten Oberlichte mit Sonnenschutzverglasung werden positiv bewertet. Gänge sind aufgelockert und ansprechend gestaltet. Die vorgeschlagene Pfosten - Riegel - Konstruktion aus Holz zeichnet sich selbstverständlich nach außen ab und unterstreicht durch ihre Materialität den Holzbau und den Nachhaltigkeitsanspruch der Gemeinde. Die vorgelagerten Balkone in Holz spenden den notwendigen Schatten, welcher durch den integrierten außenliegenden Sonnenschutz für den Innenraum optimal abgerundet wird. Leider fehlt ein Aufzug für die barrierefreie Erschließung des gesamten Bestandsgebäudes (1. OG).
    Durch die kompakte Gebäudeform ist das Verhältnis AV sehr gut und verspricht eine wirtschaftliche Erstellung im Bau. Mit angemessenen Unterhaltskosten ist zu rechnen. Nebenbei wird die PV - Nutzungsmöglichkeit anerkannt. Insgesamt stellt der Entwurf einen hervorragenden Beitrag zum Wettbewerb dar und liefert ein wertvolles Gebäude für den ländlichen Raum.