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  • DE-84095 Furth
  • 07/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-327403)

Neubau 7-gruppiger Kindergarten mit Kinderkrippe und -hort in Furth


  • Anerkennung

    Lageplan

    Architekten
    NEUMANN & HEINSDORFF ARCHITEKTEN, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Thomas Neumann , Marko Heinsdorff

    Erläuterungstext
    Der Neubau der Kindertagestätte in Furth stellt aufgrund seiner ungewöhnlichen Größe, seiner (sehr schönen) Lage am Hang und den umfangreichen funktionalen Verknüpfungen eine besondere Herausforderung dar. Wie können wir den komplexen Anforderungen gerecht werden und eine für Kinder masstäbliche und überschaubare Kindertagesstätte bauen ?
    Wir meinen, dass es im Sinne der angestrebten Nachhaltigkeit sehr sinnvoll ist, den Neubau im funktionalen Zusammenhang zum bestehenden Bau zu betrachten. Aufgrund seiner unmittelbaren Nähe zur Schule schlagen wir daher die Umnutzung des Bestands in eine reine Hortnutzung vor. Dies ermöglicht in der Folge eine klare Zonierung aller Innen- und Aussenbereiche, die auf das Alter der Kinder und ihre unterschiedlichen Bedürfnisse Rücksicht nimmt. Der Neubau für Kindergarten und Kinderkrippe, ein langgestreckter, zweigeschossiger Bau, nutzt die Hanglage aus: der Hangkante folgend besetzt er die gesamte Breite des Grundstücks, gliedert sich einerseits zur südlichen Gartenseite in kleinere, zweigeschossige Baukörper und gibt andererseits dem Hol- und Bringbereich auf der Nordseite eine klare, eingeschossige Fassung. Zentrale Elemente des Neubaus sind die Höfe, um die sich die Gruppenräume herum anordnen. Zwei Gruppen bilden so jeweils eine überschaubare räumliche Einheit, sowohl im Bereich des Kindergartens auf dem oberen, als auch in der Kinderkrippe auf dem Hofniveau. Die Höfe sorgen zudem für eine gute Belichtung der Räume und der zentralen Erschliessungszonen, bieten eine geschützte Erweiterung der Gruppenräume ins Freie und können gut für gruppenbezogene Aktivitäten genutzt werden. Ein durch eine Terrasse überdachter Freibereich bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Gleichzeitig vermitteln die gefassten Hofräume zu den freien Spielbereichen im weiteren Verlauf des Gartens, die allen Kindergartenkindern zur Verfügung stehen und die der Topograhie folgend naturnah gestaltet sein können. Das Rückgrat ist der alles verbindende Spielflur, der zwischen den Gruppenräumen reizvolle Ausblicke in die Höfe, den Garten und in die weite Landschaft gewährt.
    Die klare funktionale Trennung in den Neubau für Kindergarten und Kinderkrippe, sowie den Hort im Bestandsbau ersetzt eine aufwendige, dabei technisch und gestalterisch unbefriedigende bauliche Anbindung an den Bestand. Auf einer Plattengründung auf WU- Stahlbetonplatten und den Hangabfangwänden aus WU-Beton wird der Neubau in massiver Holzbauweise aus Brettsperrholz, bzw. Brettstapelholz für die tragenden Bauteile erstellt. Die Aussenwände werden als Holzrahmenkonstruktion erstellt und erhalten eine hochwärmedämmende Holzfassade. Zu den Schulen und zum Hort gibt sich die KiTa durch die einheitliche Gestaltung mit einem Holzspalier eher zurückhaltend, die Gartenseite lebt von der großzügigen Öffnung der Räume mit großen Holzfenstern. Während der zentrale Erschliessungsbereich von einfachen, natürlichen Materialien wie geglättetem Zementestrich und Beton lebt, werden die Gruppenräume mit Holzböden und hölzernen Wandvertäfelungen wohnlich ausgebaut. Die nach Süden weit aufgefächerte, nach Norden geschlossenere Baustruktur stellt zusammen mit hochwörmedämmenden Bauteilen aus nachwachsenden Baustoffen und einem aussenliegedem Sonnenschutz schon in der baulichen Konzeption einen nachhaltigen Beitrag zum sparsamen Umgang mit Energie dar.
    Die Freiraumgestaltung behält die bestehende Topografie weitestgehend bei. Aushubmassen, werden - soweit möglich - zum Verfüllen herangezogen. Der nördliche, durch den öffentlichen Weg abgetrennte Teil des Areals wird als Obstbaumwiese vorgeschlagen. Dieser Hain könnte allen Kindern im Rahmen von kleinen "Exkursionen" als lebendiges Anschauunngsmaterial oder auch nur zum besondern Verweilen zur Verfügung stehen.
    Der Freibereich zwischen Hort und Kindergarten wird als befestiger Platz vorgeschlagen, der für Sport und Spiel zur Verfügung steht. Der durch Pflanzflächen gerahmte Vorplatz am Haupteingang öffnet sich zur Straße hin und bietet dem Ankommenden Aufenthalts- und Fahrradabstellflächen. Im Freibereich des Kindergartens werden die Bäume weitestgehend erhalten, eine gezielte Staffelung von befestigten Flächen und von artenreiche Extensivwiesen zu nutzbaren Rasenflächen sorgt für eine feine Differenzierung der Freiräume. Die bestehende Erschliessung wird durch einem Umbau auf Senkrechtparker auf 40 Stellplätze für den Hol- und Bringverkehr für Hort-, Kindergarten und Kinderkrippe erweitert. Für das Personal und zur Anlieferung der Küche wird ein zusätzlicher Parkbereich vorgeschlagen, der von der Klosterstrasse aus erschlossen wird und durch Grünstrukturen zum östlichen Nachbarn abgeschirmt ist.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das städtebauliche Konzept des Entwurfs charakterisiert sich durch eine markante Kammstruktur, die sich nach Süden über den Hang ausrichtet. Das Gebäude greift dadurch wenig in die Topographie ein und lässt damit eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten.
    Der Zugang zum Gebäude erfolgt unspektakulär über eine o/w gerichtete Erschließungsspange mit einem 70m langen Flur, dem leider der Foyercharakter fehlt.
    Mit vier Fingern gelingt es dem Verfasser geschickt die Kinderkrippe auf Gartenniveau barrierefrei zu organisieren. Darüber erstreckt sich der Kindergarten mit kleinen Terrassen und erlebnisreichen Wendeltreppen zum Garten.
    Die Hortkinder sind eigenständig und überwiegend im Bestandsgebäude untergebracht, jedoch fehlt leider die Anbindung an die Garteneinrichtung und die Barrierefreiheit. Der Neubau wird als strenge Rasterstruktur in Holzbauweise vorgeschlagen und ist als sehr wirtschaftlich einzustufen. Städtebaulich wirkt die Arbeit zunächst befremdlich, ist aber durch ihre Strenge und Geradlinigkeit ein diskussions- würdiger Beitrag zum Wettbewerb.
    Die oberirdische Anordnung der Stellplätze wird grundsätzlich begrüßt, allerdings erscheint der von Süden erschlossene Parkplatz mit Anlieferung insgesamt mit fast 2m Höhenunterschied zu steil. Der Vorschlag die Fläche zwischen Kindergarten und Bestandsgebäude als Spielfläche für den Hort zu nutzen, wird begrüßt. Zur Gestaltung und Abgrenzung der Fläche zu Vorfahrt und Parkierung wird leider keine Aussage getroffen. Die Freifläche von Kindergarten und Kinderkrippe wird in einem durchgängigen, der Geometrie des Gebäudes folgenden Duktus gestaltet. Damit ist die Krippe optimal an den Freiraum angebunden. Die Zugänglichkeit aus dem, im OG situierten Kindergarten, ist nur über Wendeltreppen bzw. etwas umwegig über eine Treppe am Ende des Gebäudes gegeben.
    Insgesamt verbleibt relativ wenig nutzbare Spielfläche.