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  • 2. Preis

    © Trapez Architektur GmbH

    Architekten
    Trapez Architektur GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Sven Petersen

    Erläuterungstext
    Die Form

    Die kantige, mit Vor- und Rücksprüngen versehene Bewegung des
    Bestandsgebäudes wird aufgenommen und an den beiden Kopfenden erweitert.
    Um den umliegenden Gebäuden, aber vor allem dem Baumbestand der
    Parkanlage gerecht zu werden, wird auf eine vertikale Weiterentwicklung des
    Gebäudes verzichtet. Die Höhe des Schulgebäudes bleibt erhalten, der
    Bestandsbau bildet nach wie vor den höchsten Punkt des neuen Ensembles.

    Das Konzept

    Der Entwurf nimmt das vorhandene Gebäude als Ausgangspunkt, strukturiert es
    jedoch vollständig neu und führt es an beiden Enden mit je einem ergänzenden
    Neubau fort. Der bisherige Bewegungsraum wird ersetzt.
    Der Grundgedanke der Schulbauten der 70er Jahre nach dem Kasseler
    Schulmodell ist die starke Unterscheidung zwischen Roh- und Ausbau, von
    tragenden und nichttragenden baulichen Elementen. Der auf einem Stützenraster
    von 7,20m und aussteifenden Kernen basierende freie Grundriss ermöglicht eine
    grundlegende Umstrukturierung des Gebäudes ohne den Abriss seines
    Grundgerüstes. Während der Ausbau vollständig überarbeitet wird, bleibt der
    Rohbau nahezu komplett bestehen, das konstruktive Prinzip wird aufgegriffen und
    weitergeführt. Dieser ressourcenschonende Ansatz spart Kosten und Zeit.
    Darüber hinaus werden weitere, zukünftige Umstrukturierungen des
    Schulgebäudes ermöglicht.
    Das Konzept verbindet das gesamte Gebäude zu einer zusammenhängenden,
    ruhigen Einheit mit umlaufender Fassade. Dabei wird das Bauwerk vollständig
    neu organisiert und erfährt eine umfängliche energetische, räumliche und

    Fassade und Material

    Durch den Rückbau des Bestandsgebäudes auf seine tragende Struktur ist es
    möglich, den gesamten Komplex mit einer einheitlichen Fassade zu versehen und
    zu einer ruhigen Einheit zu verbinden. Die Fassade gliedert sich in waagerechte
    Bänder, die sich leicht und elegant in das Grün der Parkanlage einfügen.
    Größtmögliche Fensterbänder schaffen eine intensive Belichtung und helle
    Innenräume. Eine Nachtauskühlung kann hinter den in den Ansichten zu
    sehenden vertikalen Lamellen erfolgen.

    Die Erschließung

    Die neue Eingangshalle schafft eine kommunikative Mitte für die
    Christoph-Graupner-Schule. Die großzügige, zweigeschossige Halle ermöglicht
    Nutzern und Besuchern eine Orientierung im hellen und freundlichen Zentrum
    des Gebäudes. Im Erdgeschoss sind die Sonderfunktionen wie Mensa,
    Aula/Bewegungsraum, die Verwaltung und einige Aneignungsräume mit
    Außenbezug angeordnet. In den Obergeschossen sind die Lernräume und der
    Ganztagesbereich übersichtlich zusammengefasst. Die Erschließung der Räume
    erfolgt barrierefrei, geradlinig und klar. Ein wichtiger Beweggrund für die
    horizontale Erweiterung des Bestandes war die Ermöglichung eines
    funktionsübergreifenden Unterrichts, ohne dass die Schüler bei ihrer
    Fortbewegung auf technische oder menschliche Hilfe angewiesen sind.

    Der Innenraum

    Grundlage der räumlichen Gliederung sind Cluster von ca. 400 qm. Jedes Cluster
    beherbergt die Räume für einen Klassenverband mit je 4 Klassen, die sich jeweils
    um eine gemeinsame Mitte gruppieren. Diese Klassen weisen unterschiedliche
    Größen und Anordnungen von Unterrichts-, Lager sowie Differenzierungsflächen
    auf. Hierbei sind alternative pädagogische Räume mal offen und mal geschlossen
    gestaltet. Jede Clustermitte hat direkten Zugang zu einer Außenfläche. Die
    Bestandsbalkone bleiben konzeptionell als räumliche, pädagogische
    Erweiterungsflächen erhalten.

    Der Lernbereich differenziert zwischen offenen, mäandernden Lernlandschaften
    und geschlossenen, klar strukturierten Rückzugsorten. Während die
    Klassenräume geschlossene Einheiten darstellen, sind die alternativen
    Lernräume wie Differenzierungsräume, pädagogische Basisräume, Physio- und
    Therapieräume divers interpretiert. Den jeweiligen Anforderungen entsprechend
    kann auf diese Weise offen oder geschlossen unterrichtet werden.
    Eine individuelle Farb- und Materialgestaltung der unterschiedlichen Lerncluster
    erleichtert den Schülern die Identifikation mit dem ihnen zugeordneten Bereich
    sowie die Orientierung im Schulgebäude.

    Die Gliederung in jeweils in sich abgeschlossene Cluster ermöglicht einen
    besseren Überblick der Lehrkräfte über die Schülergruppen. Jedes Cluster
    verfügt über zwei bauliche Rettungswege. Die Fläche eines Clusters kann
    deshalb frei und individuell ohne brandschutztechnische Anforderungen
    organisiert werden.

    Das differenzierte Raumkonzept schafft Raum für zeitgemäßen, rhythmisierten
    Unterricht mit abwechselnden Phasen von Lernen, Entspannen, Bewegung und
    Ruhe.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf verfolgt das Ziel einer Zweigeschossigkeit wesentlicher Gebäudeteile, um den
    Schülerinnen und Schülern der Christoph-Graupner-Schule große, zusammenhängende Geschossebenen zu bieten und ihnen so die Nutzung und Erschließung des Gebäudes zu erleichtern. Hierzu werden die beiden möglichen Baufelder – sowohl im Osten, als auch im Westen des Bestandsgebäudes – weitgehend ausgenutzt. Bezüglich der Umsetzung einer Erweiterung und Sanierung unter laufendem Schulbetrieb wäre dieser Vorschlag vertieft zu untersuchen.

    Durch die weitgehende Zweigeschossigkeit des Gebäudes gelingt städtebaulich eine angenehme Integration in das bauliche und landschaftliche Umfeld. Der im Westen geplante Neubauteil geht jedoch zu Lasten einiger Baumstandorte.

    Die Grundrissstruktur des Gebäudes ist dreibündig versetzt angelegt. Dadurch entsteht eine insgesamt schlüssige und qualitätsvolle Raum- und Erschließungsorganisation, innerhalb derer der Betrieb der Schule gut vorstellbar wäre. Positiv hervorgehoben werden durch die Jury die angemessen breiten, gut nutzbaren Flure. Sowohl die Schulräume wie auch die Erschließungsbereiche weisen eine Vielzahl von qualitätsvollen Außenbezügen auf. Einen guten Beitrag stellen auch die räumlich-gestalterisch hervorgehobenen Zonen innerhalb der Flure sowie die Idee eines Wechsels von offenen und abgeschlossenen, ruhigen und kommunikativen Lernbereichen dar.

    Die Grundidee einer kleinen »Schulstadt«, bei der die Klassenräume auf einer weitgehend
    auf einer Ebene organisiert sind, wird durch die Jury gewürdigt. Die formulierte Clusteridee
    müsste mit dem aktuellen pädagogischen Konzept der Schule abgestimmt werden. Dem
    neu geplanten Bewegungsraum fehlt die im Bestand vorhandene Qualität und Bespielbarkeit.

    Insgesamt wird die Anmutung der Fassade für eine (Förder-)schule durch die Jury kritisch dikutiert. Aus Sicht der Barrierefreiheit kann der hohe Anteil an geschosshohen Verglasungen die Raumerfahrung und die Orientierung vieler Kinder erschweren. Dieser Mangel wird allerdings durch die Ergänzung von Fassadenelementen wie Lamellen oder Paneele als heilbar angesehen. Die durchgehenden Fensterbänder schränken aus Sicht der Schule auch die Funktionalität und Nutzbarkeit einiger Klassenräume ein. Auch hier wäre jedoch Abhilfe möglich. Ungünstig ist auch, dass der Eingang mit dem dahinterliegenden, zweigeschossigen Foyer in der Fassade nur eingeschränkt wahrnehmbar ist. Wünschenswert wäre eine stärkere Freiraumverbindung im
    Erdgeschoß.