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  • Preisgruppe 1. Wettbewerbsstufe

    Vogelperspektive 1.Stufe, © karres+brands / ADEPT

    Architekten
    ADEPT, Copenhagen (DK) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: karres+brands, Hilversum (NL)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurfsbeitrag schlägt die Vision der lernenden Stadt als neues Paradigma im Umgang mit Unsicherheiten und veränderlicher Rahmenbedingungen nachhaltiger und zukunftsorientierter Stadtentwicklung vor. Dies wird – umgesetzt in einem ambitionierten Konzept – den Anforderungen der Auslobung in großen Teilen gerecht und bietet dies in einem markanten Spannungsfeld aus geometrischen Städtebauprinzipien und organischen Freiraumstrukturen an. Hervorzuheben ist dabei der sensitive Umgang mit der Historie Augsburg als Siedlungsentwicklung am Wasser, was im Entwurf auch als Leitprinzip einer grün-blauen Infrastruktur wiedererkennbar ist und die sich in Nord- Süd-Richtung entlang der Hangkante und in Ost-West-Richtung sogar als einziger Beitrag bis hin zum Stadtwald erstreckt. Anzuregen wäre eine stärkere Öffnung des Ost-West-Bands zur Terrasse hin
    sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit den begrenzenden Baukörpern. Die heutige
    Bodennutzung als meist landwirtschaftlich genutzte Flurstücke setzen sich im vorgeschlagenen Freiraumkonzept auf der gesamten Terrasse fort, werden funktional neu interpretiert zur Versorgung des künftigen Gebiets und verbinden gleichzeitig Stadt und Landschaft in einem offenen Ökosystem. Als wichtige Eigenschaft der städtebaulichen Leitidee ist dabei auch die Prozesshaftigkeit der einzelnen Entwicklungsphasen zu erwähnen, die eine neue Planungs- und Teilhabekultur zwischen Bevölkerung und Verwaltung vor Ort einfordert.

    Die stadträumlichen Strukturen werden der in der Auslobung geforderten Auseinandersetzung mit einer pluralisierten Gesellschaft gerecht und ermöglichen eine große Offenheit für unterschiedliche Typologien und Nutzungen. Zu hinterfragen ist dabei die recht hohe Dichte im Vergleich mit den anderen Arbeiten und das Heranrücken der Bebauung bis an den Fuß der Geländekante und, im Norden, sogar darüber hinaus. Sozialräumlich betrachtet besteht weniger ein formaler Anspruch auf Quartiersbildung, sondern es wird eher ein urbanes und flexibles Konzept mit horizontaler und vertikaler Durchmischung vorgeschlagen. Dies scheint eine moderne Interpretation neuer Quartiersgemeinschaften und Nachbarschaften, die durch ein breites Angebot an sozialen „Nischen“ (Spielplätze, Pocket Parks, Sportanlagen, Quartiersplätze) auch akzentuiert werden. Hierbei ist aber zu berücksichtigen, dass gerade bei den Sportanlagen eine stärkere Bündelung sowohl unter funktionalen wie auch lärmbezogenen Aspekten angesichts umliegender Wohnbebauungen von Vorteil wäre. Insgesamt sucht der Entwurf gezielt neue Wege bei der Aneignung und Belebung öffentlicher Flächen zur Gemeinschaftsbildung im Quartier.

    Aus verkehrlicher Sicht ist das Konzept als robust zu bewerten. Es berücksichtigt auch innovative Elemente wie den Ringschluss („Loop“) zu Haunstetten, vernetzte und zunehmend fahrerlose Mobilitätsangebote sowie auch den perspektivischen Rückgang von Individualverkehr im Rahmen der Verkehrswende. Zu überarbeiten sind aus Sicht des Preisgerichts die Abhängigkeiten zwischen Dichte und ÖV-Qualität sowie dem Angebot der Quartiersgaragen. Auch eine Auflösung der Nord-Süd-Achse zur Minimierung von Durchgangsverkehren, z.B. durch einzelne Schleifenerschließungen, ist bedenkenswert. Dabei sollte auch der südliche Anschluss Richtung Königsbrunn angepasst werden.

    Wünschenswert für die weitere Ausarbeitung wäre die konsequentere Ausprägung des Bildungs- und Vernetzungsquartiers im Anschluss an Alt-Haunstetten, welches den Bestand mehr würdigt und sinnvoll ergänzt. Es stellt sich abschließend die Frage, ob bereits dort im Sinne der lernenden Stadt und des ersten Bauabschnitts visionäre Konzepte erprobt und demonstriert werden können, die damit auch eine wichtige Sensibilisierung der Stadtgesellschaft leistet. Insgesamt stellt der Beitrag eine kraftvolle und innovative Konzeption bereit, die sowohl eine echte Stadt von übermorgen realisieren als auch aus seiner Natürlichkeit „neue Wurzeln“ für Haunstetten ausbilden kann.


INFO-BOX

Angelegt am 16.07.2019, 17:50
Zuletzt aktualisiert 17.02.2020, 12:39
Beitrags-ID 4-177198
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