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  • 1. Preis

    Perspektive mit Kultur- und Heimathaus, © Dietrich | Untertrifaller Architekten, faktorgruen

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Schedlbauer , Ricardo Patings , Danilo Meixner

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Dietrich | Untertrifaller Architekten ZT GmbH, Bregenz (AT), Wien (AT), St. Gallen (CH), Paris (FR), München (DE)
    TGA-Fachplaner: ZWP Ingenieur-AG, Köln (DE), München (DE), Stuttgart (DE), Wiesbaden (DE), Berlin (DE), Hamburg (DE), Bochum (DE), Dresden (DE), Köln (DE), Köln (DE)

    Preisgeld
    32.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Projekt entwickelt sich konzeptionell nachvollziehbar aus der Analyse vorhandener Typologie, Raumbildung und Maßstäblichkeit des historischen Ortskerns.
    Für eine angemessene Einordnung der neuen Baumassen in den Landschaftsraum und seine sensible Topographie werden die Programme von Kultur- und Heimathaus und Feuerwehr entflochten und als unterschiedliche Gebäudestrukturen unabhängig voneinander in verschiedene Zonen bestehender Besiedlungsstruktur eingeordnet, die folgend über das Freiraumkonzept locker vernetzt werden.
    Die entstehenden Setzungen und Raumfolgen überzeugen in ihrer Maßstäblichkeit und Adressbildung. Besonders hervorzuheben ist dabei die inszenierte Raumöffnung des zentralen Platzes am Kultur- und Heimathaus in Richtung historischer Altstadt. Die Raumrichtung der Brücke kann dabei in Abstimmung mit der Denkmalpflege weiter feinjustiert werden, da die Platzfigur unberührt bleibt.
    Das freiräumliche Konzept bindet die neuen Gebäude sensibel in die Kulturlandschaft ein. Die Hauptwegachse von der Landschaft über die Fußgängerbrücke zur Stadtmauer wird von einer spannenden Sequenz aus Pflanzbändern und kleinen Platzsituationen begleitet, die in ihrer Kleinstruktur angemessen auf den dörflichen Charakter reagieren. Der von den Dorfhäusern gerahmte kleine Platz erhält im Südwesten seinen Abschluss durch eine Treppenanlage, die gut nutzbar für Veranstaltungen erscheint. Ihre genaue Höhenausbildung und Steilheit könnte jedoch eine zu starke Grenze zur Landschaft bilden und ist nochmal zu überprüfen. Der Übergang zum westlich gelegenen Spiel- und Sportbereich ist aufgrund der gut positionierten Gebäude gelungen, müsste jedoch noch weiter ausformuliert werden.
    Der Ansatz, die notwendigen Stellplätze dezentral zu organisieren, erleichtert ihre Einbindung in die landschaftliche Situation und wird begrüßt.
    Insgesamt kann die Freiraumgestaltung durch einen geringen Versiegelungsgrad, ihre klare Linienführung und eine zurückhaltende Gestaltung überzeugen, müsste jedoch noch konkreter ausformuliert werden.
    In Interpretation ortsüblicher Satteldachtypologie entstehen mit dem Kultur- und Heimathaus und der Kulturscheune zwei selbstverständliche, moderne Gebäude, die im Dialog mit der lokalen Bautradition stehen, und dabei die neuen Programme modern und eigenständig umsetzen. Die Kulturscheune als offenes Holzständerbauwerk entwickelt sich als Bindeglied zum östlich angrenzenden Freiraum und wirkt in ihrer durchlässigen Kubatur einladend in die Raumachse zur Altstadt. Das Kultur- und Heimathaus addiert giebelständig die einzelnen Nutzungsbereiche in eine übergeordnete Adresse, die somit maßstäblich gegliedert auftritt.
    Die Funktionalität des Kultur- und Heimathaus ist gegeben, die etwas zu große Gebäudetiefe im Bereich Café und noch zu umständliche Zugang zu Ausstellung können im Rahmen des robusten, additiven Systems sicherlich aufgenommen werden. Die in zwei Bereichen als Grenzbebauung ausgebildete Setzung ist nach aktuellen Eigentumsverhältnissen jedoch nicht möglich. Die Abstandsflächen nach BauONW sind in diesem Bereich nicht hinreichend berücksichtigt.
    Das Gebäude der Feuerwehr überzeugt durch seine Baumassengliederung, insbesondere auch gegenüber dem angrenzenden Wohnquartier. Im Bereich Schwarz-Weiß-Trennung und Rettungswege sind die Grundrisse weiter zu präzisieren.
    Eine Entflechtung der Alarmzufahrt vom Besucherverkehr ist noch nicht ausreichend nachgewiesen. Architektonische Aussagen zum Haus sind aktuell noch nicht in vergleichbarer Tiefe gegeben, können sich aber im Kontext der städtebaulichen Setzung ein Stück weit unabhängig entwickeln.
    In der Materialisierung überzeugt die vorgestellte Architekturhaltung über einfache, analoge Konstruktionen und Materialbezüge zum Ort, die als moderne Fassaden offen und sympathisch umgesetzt werden.
    Die baulichen Kennwerte der Arbeit für das Kultur- und Heimathaus und Feuerwehr liegen im durchschnittlichen Bereich.
    Das Energie- und Technikkonzept überzeugt durch die Differenzierung von Grundlastversorgung und die Abdeckung von Lastfällen. Der vorgeschlagene Wärmeverbund ist nachvollziehbar und sollte weiter konkretisiert werden.
    Insgesamt bietet die Arbeit einen Lösungsvorschlag, der nicht nur in seiner funktionalen und technischen Durcharbeitung überzeugt, sondern auch hinsichtlich der Angemessenheit des architektonischen und freiräumlichen Auftritts in exponierter Lage.