loading
  • Gewinner Städtebau

    Vogelperspektive, © Förder Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    Förder Landschaftsarchitekten, Essen (DE), Luxembourg (LU) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Förder

    Mitarbeit
    Lutz Zangenberg

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: REICHER HAASE ASSOZIIERTE GmbH, Aachen (DE), Vianden (LU), Aachen (DE), Dortmund (DE)

    Erläuterungstext
    Übergeordnete Idee:

    Das ehemalige Freibad, die Wurm und der Bereich südlich der Rurtalschule bieten ein einmaliges Potential zur Aufwertung der Freiräume in Heinsberg-Oberbruch. Der Entwurf „Einer für Alle“ nutzt dieses Potential und schafft über klare Wege-und Nutzungsstrukturen einen zusammenhängenden Freiraum, ohne die Charaktere der einzelnen Abschnitte zu vernachlässigen. So stehen im freiraumplanerischen Entwurf die Charaktere der einzelnen Parks-und Freiraumabschnitte und im städtebaulichen Entwurf die Integration einer Wohnnutzung in die Freiraumstrukturen im Mittelpunkt.

    Wohnen im Park:

    Das neue Freibadquartier stellt das Wohnen im Park in den Vordergrund des städtebaulichen Entwurfs. Die Verzahnung der Bebauung mit dem Freibadpark und der damit erzeugte Bezug zwischen Wohnen und Park führt zu einem grünen und hochwertigen Wohngefühl.
    Die geschlossene Seite der Bebauung bildet ein klares städtebauliches Gesicht zur Boos-Fremery-Straße aus und schafft zudem ruhige und private Gartenhöfe.
    Die drei Gartenhöfe öffnen sich mit ihren privaten Freiflächen in Richtung Südosten und bieten somit Sichtbezüge Richtung Wurm und Freibadpark. Durch die Auffächerung der Bebauung Richtung Freibadpark entstehen zudem zwei Grünfugen mit Sitzgelegenheiten, Kinderspiel und Zugang zu einem Wurmbalkon. Die Grünfugen stärken die Verzahnung der Bebauung mit dem Park und bilden Nachbarschaftstreffpunkte für die neuen Bewohner.
    Die neue Bebauung wird in einfachen Baukörpern organisiert. Drei unterschiedliche Typen (Geschosswohnungsbau, Solitär mit Gartenwohnungen und Reiheneinfamilienhaus) schaffen ein Wohnangebot für unterschiedliche Nutzer sowie ein vielfältiges architektonisches Erscheinungsbild. Zugänge an der Mischverkehrsfläche, in den Grünfugen sowie an der Boos-Fremery-Straße schaffen eine klare Orientierung zu den öffentlichen Bereichen und definieren den privaten Raum.
    Erschlossen wird das Quartier über eine an die Boos-Fremery-Straße angeschlossene Mischverkehrsfläche. Geparkt wir in Stellplätzen entlang der Mischverkehrsfläche. In die Wohnbebauung integrierte Garagen bieten weitere Stellplätze.
    Der städtebauliche Entwurf bildet somit ein eigenständiges, mit dem Ort verwobenes neues Quartier für Oberbruch, Heinsberg.

    Die Parks und ihre Charaktere:

    Der bestehende Volkspark, der zukünftige Freibad-und Auenpark bilden ein interessantes Gebilde an Freiräumen. Alle drei Parks haben ihren eigenen Charakter. Der Volkspark ist ein repräsentativer Freiraum. Der Freibadpark wird ein Freiraum für jeden Bürger, egal welchen Alters und wird nutzungsintensiv gestaltet. Der Auenpark macht die Nähe zur Natur erleb-und erfahrbar. Diese starken Charaktere der Parks ziehen sich durch alle Aspekte der Gestaltung.

    Erschließung:

    Die drei Freiflächen werden durch ein stringentes Wegenetz verbunden. Im Fokus dieses Wegenetzes steht die Verknüpfung des Freibadparks, des Auenparks und der Wurm. So gibt es eine primäre Wegeverbindung entlang der Wurm, die in das übergeordnete Freiraumkonzept einzubinden ist. An dieser Verbindung werden die Erschließung des Freibadparks und des Auenparks angeschlossen. Diese Hierarchisierung zieht sich durch alle gestalterischen Ebenen und wird auch durch die Materialwahl und die Ausbildung der Wegebreiten gestärkt. Diese klare Struktur fördert die Orientierung, auch über die einzelnen Parks hinweg und macht den Freibadpark und Auenpark erkennbar zusammengehörig.

    Nutzung:

    Die Nutzungsangebote sind das Herzstück der Parks. Diese orientieren sich an den jeweiligen Charaktereigenschaften der Freiräume und den umliegenden Gebäudenutzungen. So zielen die Nutzungen im Freibadpark darauf ab, etwas für jede Alters-und Nutzergruppe anzubieten. Die Nutzungen des Auenparks beziehen sich einerseits auf die angrenzenden Bildungseinrichtungen und andererseits auf die Nähe zur Natur.
    Die Nutzungsstrukturen des Freibadparks sehen vor, dass jede Nutzer-und Altersgruppe bedient wird. Angelehnt an die „vor langer Zeit von der Wurm mitgeführten Kiesel“ entstehen vier Nutzungsschwerpunkte im Freibadpark, die als Inseln ausgebildet werden.
    Die Freibad-Insel liegt im Herzen des Parks. Ein Freibadgebäude wird zu einem Park-Café mit Außenterrasse umfunktioniert, ein Gebäude dient als Toilette und eines könnte einer Jugendeinrichtung dienen. Der Sprungturm wird durch herabfallendes Wasser artifiziell in Szene gesetzt, die Struktur des ehemaligen Beckens aufgegriffen und als ein Wasserspielplatz mit Fontänen umfunktioniert. In diesem Bereich steht das Zusammentreffen der Bürger im Vordergrund.
    Im Süden davon liegt die Wurmbalkon-Insel. Ein Jugendspielangebot findet hier seinen Platz, verschiedene Sitzmöglichkeit laden zum Ausruhen oder Betrachten des Treibens ein. Es entsteht ein beliebter Treffpunkt. Zur Wurm hin öffnet sich ein Balkon mit integrierten Sitzstufen und lädt auf einen Blick entlang des Wassers ein.
    Östlich der Wurmbalkon-Insel befindet sich die Plantsch-Insel. Es werden Spielangebote und Aufenthaltsmöglichkeiten für Kinder angeboten. So wird das alte Kinderbecken seiner ehemaligen Nutzung entsprechend als Kinder-und Wasserspielplatz umfunktioniert und ein Sandspielbereich für Kinder schließt sich an.
    Eine vierte Insel liegt innerhalb des neuen Freibadquartiers. Dort wird ein quartiersbezogener Freiraum entwickelt. Ein Kinderspielangebot, Sitzmöglichkeiten und ebenfalls ein kleiner Balkon, der sich zur Wurm hin öffnet, bieten Gelegenheit für eine starke Nachbarschaft.
    Der Auenpark wird in seiner Nutzung einerseits durch seinen naturnahen Charakter, andererseits auch durch seine Nähe zu den umliegenden Bildungseinrichtungen, im speziellen der Rurtal-Schule, geprägt. So wird auf der Rückseite der bestehenden Tribüne eine neue Tribüne aus der Böschung entwickelt, die einen Blick über den Auenpark und in die Landschaft ermöglicht. Die Wand der Rückseite wird als potentielle Graffitiwand gesehen. Die Nutzungen südlich der Rurtal-Schule sind als eine Erweiterung des Schulhofes zu verstehen. Ein Kletterfelsen fungiert als Landmarke und Anziehungspunkt. Eine Dirtbike-Mountainbikestrecke, ein Multifunktionsfeld und eine Lern-Lounge im Grünen erweitern den Schulhof um spannende Aktivitäten und bieten Jugendlichen einen neuen Hotspot im städtischen Gefüge von Heinsberg-Oberbruch.

    Ökologie:

    Die besondere Lage des Planungsgebietes bietet eine einmalige Möglichkeit der ökologischen Betrachtung. Eine Aufweitung des Gewässerbettes der Wurm im Bereich des Auenparks fördert die standörtliche Diversität und steht für eine ökologische Aufwertung.
    Durch die Aufweitung wird das Retentionsvermögen der Wurm erweitert. Es entsteht eine Pufferung für die starken Schwankungen des Wasserstandes und die Fließgeschwindigkeit wird verringert.
    Aus dieser Besonderheit des Auenparks entwickelt sich die Gestaltung, der neu geschaffene Bezug zur Natur wird aufgegriffen und erlebbar gemacht.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.