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  • DE-72070 Tübingen
  • 07/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-329426)

Bildungshaus Winkelwiese in Tübingen


  • 2. Preis

    kein Bild vorhanden
    Landschaftsarchitekten
    LUZ Landschaftsarchitektur Planungsgesellschaft mbH, Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: JUDARCHITEKTUR, Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    22.500 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf für den Neubau Bildungshaus Winkelwiese in Tübingen formuliert einen selbstbewussten klaren, städtebaulichen Flachdachbaukörper mit rechteckigem Grundriss. Der Neubau wird gekonnt auf dem zur Verfügung stehenden Gelände situiert und in die vorhandene topografische Situation eingebettet. Einschnitte im Gebäude verzahnen das Bildungshaus mit den umliegenden Außenräumen. Die vorhandenen Bäume werden weitestgehend erhalten, platziert sich der Neubau doch nahezu am Ort des rückgebauten Bestandes und sorgt so für eine ortsspezifische Identität mit hohen Aufenthaltsqualitäten.

    Der neu geschaffene Vorplatz im Süden ist funktional und schafft ausreichend Platz für die geforderten Stellplätze und Fahrradstellplätze. Vom Platz aus gelangt man über den gut gelegenen Haupteingang in das Gebäude. Ein großzügiges und funktional gut gelegenes Foyer zieht sich als „Spielstraße“ in Längsrichtung durch das Haus und verknüpft die gewünschten Funktionsbereiche Grundschule, Kinderhaus und Mensa miteinander. Die Wege sind kurz und übersichtlich. Mensa, Musikraum und die gemeinsamen Fachräume können direkt vom Foyer aus erreicht werden und sogar i.T. räumlich mit ihm verknüpft werden. Größe und Geometrie entsprechen den vielfältigen Nutzungsanforderungen. Die Besprechungs- und Personalräume dienen richtigerweise als Bindeglied zwischen Schule und Kindertagesstätte. Diese liegt auf gleicher Ebene auf der nördlichen Seite des Neubaus und ist als Einheit, räumlich separiert, ohne abgetrennt zu sein. Dies gewährleistet eine optimale Betreuungssituation, wenngleich die Durchwegung der Schulkinder in diesem Bereich kontrovers diskutiert wird. Auch die Orientierung der Schlafräume zum Pausenbereich der Schule wird kritisch hinterfragt. Die weiteren Raumfolgen und ihre funktionalen Verflechtungen sind ansonsten gut gelöst. Die Kindertagesstätte erhält zudem einen gesonderten Eingangsbereich im Westen. Dies wird aus Gründen der Flexibilität begrüßt.

    Über die zentrale „Spielstraße“ gelangt man von der Eingangsebene auch in die Grundschulebene im 1. Obergeschoß. Hier sind alle Cluster räumlich kompakt zusammengefasst, ohne sich gegenseitig zu stören. Die Klassenräume sind direkt und funktional richtig an den Gemeinschaftsbereich angebunden. Auch ihre Verknüpfungen untereinander entsprechen den inneren Abläufen. Alle Nebenräume wurden folgerichtig an die begrünten Innenhöfe gelegt. Die räumliche Dimensionierung der Höfe wird allerdings in Hinblick auf die Tageslichtsituation im Erdgeschoß kritisch bewertet.

    Die Sporthalle wird dem kompakten Gebäudekonzept folgend in den Hangbereich geschoben. Sie kann unabhängig erschlossen werden und bekommt direktes Tageslicht von Osten.

    Die konstruktive Lösung und die Materialität der Innenräume erscheinen angemessen. Der bauliche Brandschutz wirft allerdings Fragen auf. Die klare, ruhige Fassadengliederung weiß zu überzeugen und ist konsequent aus den Innenräumen abgeleitet. Die plastisch-räumliche Ausbildung der Balkonbereiche im Obergeschoß ist gekonnt vorgetragen und weiß zu überzeugen. Die äußere Holzverkleidung wirkt zurückhaltend, angemessen.

    Der Entwurf bewegt sich mit seinen wirtschaftlichen Kenndaten eher im oberen Bereich. Hingegen liegen das A/V Verhältnis und die notwendigen Hüllflächen in einem wirtschaftlich günstigen Bereich, ohne dabei räumlich, gestalterische Qualitäten opfern zu müssen.

    Die architektonische Gestalt wirkt der Aufgabe gegenüber angemessen, besonders in Bezug auf die komplexen, funktionalen Aspekte. Es handelt sich hier um eine insgesamt sehr gute Arbeit mit überzeugenden innen- und außenräumlichen Qualitäten. Besonders überzeugend erscheint der zentrale Raum der „gemeinsamen Spielstraße“ als zukünftiger Schnittpunkt für ein „lebendiges Bildungshaus“.