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  • DE-45127 Essen
  • 07/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-308171)

Neubau BürgerRatHaus in Essen


  • 2. Rundgang

    © RKW Architektur + / formtool

    Architekten
    RKW Architektur +, Düsseldorf (DE), Leipzig (DE), Münster (DE), München (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Lars Klatte , Silke Lange , Mehdi Pamsari

    Mitarbeit
    Immo de Haan, Thomas Zimmer, Meike Sänger

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: FSWLA Landschaftsarchitektur GmbH, Düsseldorf (DE), Köln (DE)
    Brandschutzplaner: Görtzen Stolbrink & Partner mbB, Beratende Ingenieure für Brandschutz, Kalkar (DE), Düsseldorf (DE), Bremen (DE), Berlin (DE)
    Tragwerksplaner: R&P RUFFERT Ingenieurgesellschaft mbH, Limburg (DE), Leipzig (DE), Berlin (DE), Koblenz (DE), Halle (DE), Düsseldorf (DE), Erfurt (DE), Nürnberg (DE), Frankfurt am Main (DE), Hamburg (DE)
    Verkehrsplaner: ambrosius blanke verkehr.infrastruktur, Bochum (DE)
    TGA-Fachplaner: LINDSCHULTE + GGL Ingenieurgesellschaft mbH, Krefeld (DE)
    Bauphysiker: ISRW - Institut für Schalltechnik, Raumakustik, Wärmeschutz Dr.-Ing. Klapdor GmbH, Düsseldorf (DE), Berlin (DE), Bielefeld (DE), Mainz (DE), Hamburg (DE), Karlsruhe (DE), Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Prägender Gedanke des neuen Bürgerrathauses ist die Gestaltung eines Ortes der Zusammenkunft, der Informationsvermittlung und nicht zuletzt auch der Orientierung für diejenigen, die Unterstützung benötigen.

    Städtebaulicher Kontext
    Die Lage des Wettbewerbsgrundstücks erscheint für das zukünftige Rathaus auf den ersten Blick gut geeignet zu sein. Die schiere Distanz von der belebten Essener Innenstadt und dem Hauptbahnhof ist nicht der Rede wert, sodass einer guten Verbindung zum zukünftigen Rathaus nichts im Wege zu stehen scheint.
    Diesem Anschein wird jedoch sogleich ein „aber“ nachgestellt, da sowohl die scheinbar guten Sichtbezüge, als auch die gute Erreichbarkeit nur in der Theorie bestehen. Denn das Grundstück ist ringsherum von vielbefahrenen Verkehrswegen umgeben, die die Erschließung des Geländes spürbar erschweren und optisch isolieren. Neben den dominierenden Straßen, verhindern auch die gebaute Landschaft und hochgewachsene Bäume in der unmittelbaren Umgebung die Sicht auf das neue Rathaus, sodass die Präsenz des Bürgerrathauses minimiert wird.
    Um dieser Situation entgegenzuwirken, war für den Entwurf vor allem wichtig, dass sowohl die Anordnung der neuen Eingänge, die generelle Formsprache der Architektur sowie das damit einhergehende, freiräumliche Konzept eine hohe Präsenz des neuen Rathauses begünstigen würden. Infolgedessen sieht der Entwurf vor, dass die Blickbezüge vom hochfrequentierten Burgplatz zum Rathaus hin durch strategisches Ausdünnen der dazwischenliegenden Baumgruppen gestärkt werden. Auch die am Burgplatz befindlichen Stufen, die sich in gewisser Entfernung zum Wettbewerbsgelände hin abtreppen, werden als Motiv aufgegriffen. Somit umfasst der städtebauliche Entwurf eine konzeptionelle Ausweitung auf den angrenzenden, erhöhten Burgplatz, von dem der Blick und somit auch die Bewegung des vorbeigehenden Passanten in Richtung des Bürgerrathauses gelenkt wird. An richtungsweisenden, gestalteten Freianlagen vorbei gelangt der Bürger auf eine Anhöhe, die nicht nur das neue Essener Rathaus, sondern auch die stadthistorisch bedeutenden, denkmalgeschützten Bauten der alten Synagoge und der altkatholischen Friedenskirche über den fließenden Verkehr hinweg wieder in den Fokus rücken.

    Formale Beschaffenheit
    Bereits von weitem lässt sich erkennen, wie sich die Baukörper des neuen Rathauses zur Innenstadt hin öffnen und zum Betreten einladen. Die geschwungenen Formen der Baukörper schaffen eine harmonisch fließende Bewegung bis in das Gebäudeinnere. Gleichzeitig bewirkt das Zusammenspiel der unterschiedlich hohen Kuben eine gewisse Spannung und einen gleichmäßigen Aufwärtstrend, der sich von dem benachbarten Gebäude der katholischen Kirche über die einzelnen Baukörper hinweg bis an die Spitze des höchsten Gebäudes bewegt und so Synergien untereinander schafft. Hierbei agiert der höchste Kubus nicht nur als Landmarke, sondern fängt gleichermaßen den Blick und die Bewegungen im Inneren des Gebäudekomplexes ein. Dennoch hält sich der Hochpunkt im hinteren Bereich des Geländes dezent zurück.

    Öffentliche Empfangssituation
    Die landschaftlich neugestaltete Plattform nahe dem Burgplatz bildet ein variationsreiches Entrée für das Rathaus. Wo in Zukunft eine Fußgänger- und Fahrradbrücke eine direkte Verbindung über die Straßen zum Rathaus schaffen könnte, geht es nun seitlich hinunter zu der neugestalteten Straßenüberquerung, die direkt zum Rathausvorplatz führt. Wo im Sommer schattenspendende Bäume stehen und sich Kinder fröhlich im Wasserspiel des Rathausplatzes vergnügen, können im Winter Glühwein- und Maronenstand mit wohlig wärmenden Köstlichkeiten zum Verweilen einladen. Von hier aus leiten die Gebäudekanten sowie die diesen Formen folgende Freianlagen durch den großflächig verglasten Eingangsbereich im Südwesten in das Foyer.
    Auch mit PKW und öffentlichen Verkehrsmitteln gelingt die Erschließung des neuen Bürgerrathauses problemlos. Die Bus- und Bahnhaltestellen in unmittelbarer Nähe des Grundstückes gewährleisten eine gute Erreichbarkeit des Rathauses. Die in den Entwurf integrierte Neustrukturierung des Fahrradnetzes fördert zusätzlich die Anbindung. Eingangsnahe, witterungssichere Fahrradbehausungen bieten den Radfahrern zusätzliche Optionen und forcieren eine zukunftsorientierte, grüne Fortbewegung.
    Wer mit dem eigenen Auto kommen möchte, kann die hauseigene Tiefgarage gut aus allen Richtungen her an der Bernestraße erschließen und im Anschluss über die Varnhorststraße wieder in alle Richtungen verlassen. Der Gebäudezugang aus der Tiefgarage verläuft über Treppenhäuser, die direkt in den offenen Foyerbereich und von dort in die verschiedenen Bürobereiche führen.
    Im Foyer angelangt, befinden sich direkt im Eingangsbereich Infoständen, an denen Personal den Weg in die angrenzenden Beratungsbereiche im Erdgeschoss oder 1.Obergeschoss verweist.
    Auch die öffentlichen Bereiche der medizinischen Behandlungs- und Beratungsräume sowie der autarke Familien- und Begegnungspunkt sind über das Foyer schnell zu erreichen. Hierbei bietet die helle und offen gestaltete Foyerhalle eine einfache Orientierung im Gebäudeinneren. Im Falle längerer Warte- oder Verweilzeiten schaffen die Raumstrukturen mit Sitzmöglichkeiten im Innen- und Außenbereich sowie Kinderspielecken und Kioskbereiche eine angenehme, familienfreundliche Atmosphäre. Es stehen verschiedene Informationstheken bereit, an denen sich die Besucher über bevorstehende Veranstaltungen informieren können.

    Interne Erschließung für Mitarbeiter
    Das Backoffice wird durch den Veranstaltungsbereich im Erdgeschoss eingeleitet und erstreckt sich von dort über die Schulungsräume in die oberen Etagen des Gebäudes. Über eine spezielle Aufzugssteuerung wird die gewünschte Erschließung gewährleistet.
    Brücken im 2.Obergeschoss bieten kurze Verbindungen zwischen den einzelnen Gebäuden.
    Besondere Pausen- und Aufenthaltsräume in jeder Etage schaffen zudem eine abwechslungsreiche Arbeitsatmosphäre. Zusätzlich bieten großzügige, begrünte Dachterrassen auf unterschiedlichen Ebenen Austritte ins Freie.
    Eine besondere Option stellt das oberste Geschoss des höchsten Gebäudes dar, in dem neben einem multifunktional nutzbaren Bereich für verschiedene Veranstaltungen auch ein Café angeboten wird, das sowohl für Mitarbeiter als auch für Besucher zur Verfügung steht. Von dort aus bietet sich über eine offene Dachterrasse ein spannender Ausblick über die Stadt Essen.
    Der Backoffice-Bereich in den oberen Geschossen bietet eine vielfältige und moderne Arbeitswelt. Die einzelnen Büroebenen umfassen ein zukunftsorientiertes Konzept, in dem die Ebenen sowohl vielzählige Rückzugsräume bieten, als auch Besprechungsbereiche, die sowohl für die interne Kommunikation als auch den Austausch mit Externen genutzt werden können. Die Vielfalt der Büroflächen begünstigt einen reibungslosen Arbeitsablauf sowie ein harmonisches Arbeitsklima.
    Die resultierende Flexibilität der Räumlichkeiten ermöglicht vielfache Optionen im Büroalltag und vor allem auch für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Konzeptionierung des Gebäudes.

    Das Herz des Rathauses
    Als verbindendes Element zwischen den einzelnen Gebäudekuben verkörpert das transparente Foyer des neuen Rathauses das Herz des gesamten Gebäudekomplexes. Die ETFE-Dachkonstruktion und -fassade erlauben vielfältige Sichtbezüge. Innenraum und Außenraum gehen ineinander über und verkörpern die Offenheit und Verbundenheit des Rathauses mit seiner Stadt und den Bürgern.
    Auch in der Nutzung laufen im Foyer alle Fäden zusammen. Das Foyer ist gleichzeitig Ort des Ankommens, des Verweilens, des Verteilens sowie öffentlicher Veranstaltungen. Denn wo im normalen Büroalltag Besucher über bevorstehende Aktivitäten informiert werden oder den Weg zu ihrem Termin gewiesen bekommen, da stellt dieser Bereich zu besonderen Anlässen die exponierte Lokalität für temporäre Ausstellungen und Vorträge dar.
    Insgesamt gestaltet sich das Foyer als lebendiger, verbindender Ort, der spannende Raumerlebnisse und Sichtbeziehungen zulässt und trotzdem eine gute Orientierbarkeit im Gebäudekomplex garantiert.

    Konstruktion und Fassadengestaltung
    Die helle Ziegelfassade des Rathauses passt sich an ihre Umgebung an und nimmt sich gleichzeitig neben den denkmalgeschützten Bestandsgebäuden zurück. Die Gestaltung des Fassadenrasters spiegelt eine vertikale Staffelung wieder, bei dem sich das Gebäude von oben nach unten immer weiter dem Auge des Betrachters gegenüber öffnet und das statische Konstrukt zugleich optisch auflockert. In den oberen Geschossen gestaltet ein Spiel aus geschlossenen und offenen Wandelementen eine angenehme, ruhige Optik. Die angewandte Regelmäßigkeit steht gleichermaßen für räumliche Flexibilität und eine qualitative Gleichwertigkeit der inneren Räumlichkeiten.
    In den unteren Geschossen repräsentieren die großzügigeren Öffnungen den für die Öffentlichkeit zugänglichen Bereich. Hierbei verdeutlichen die geöffneten Fassadenelemente eine klare Transparenz der Vorgänge im Inneren und sorgen so für eine freundliche, einladende Atmosphäre, die Bürgernähe vermittelt.
    Alle Kuben vereinend, strahlt der Foyerbereich, der in ein Kleid aus hochmodernen, großflächig gespannten ETFE-Kissen gekleidet ist, die größte Transparenz aus und ist damit eindeutig als wegweisender Eingang und Verbindungselement zu erkennen. Die Konstruktion des ETFE-Daches beruht auf einem einfachen System aneinandergereihter Folienkissen, die in schlanken Stahlrahmen sitzen. Die statische Beschaffenheit dieser Kissen ermöglicht eine hohe Spannweite. Die Gestaltung wird so extrem flexibel gehalten und die Konstruktion einfach und leicht.
    Gleichzeitig folgt die hinterlüftete Klinkerfassade dem Prinzip des zeitlosen Minimalismus. Im Entwurf wurde darauf geachtet, dass die Fassade als Gebäudehülle statischen wirksam ist, sodass auf zusätzliche Schichten verzichtet wurde. Damit besticht die Fassadenkonstruktion sowohl durch sehr gute Robustheit und Langlebigkeit, als auch durch einen minimalen Konstruktionsaufwand. Die Klinkerfassade ist wartungsarm und zeichnet sich durch Nachhaltigkeit aus.

    Gebäudetechnischer und energetischer Lösungsansatz
    Unter Berücksichtigung der vorangegangenen Auszeichnungen der Stadt Essen als Kulturhauptstadt (2010) und als „Grüne Hauptstadt“ (2017) sollte auch das neue Rathaus als repräsentativer Ort der Stadt ein innovatives Vorzeigeprojekt darstellen.
    Das resultierende Energie- und Klimakonzept führt die Hauptziele der Nachhaltigkeit durch Ressourcenschonung, Energieeffizienz, Nutzerkomfort und Wirtschaftlichkeit zusammen und ermöglicht so ein zukunftweisendes multifunktionales Verwaltungsgebäude. Das Zusammenspiel aus Gebäudehülle auf Passivhausniveau und der innovativen Anlagentechnik bereitet den Weg die strengen energetischen Anforderungen zukünftiger Gesetzgebung an ein Niedrigstenergiegebäude (55 % Unterschreitung des Referentenentwurfs des GEG) zu erfüllen.
    Die Wärmeversorgung erfolgt, mit ihren niedrigen Installations-, Wartungs- und Bedienaufwand, singulär über die primärenergetisch günstige Fernwärme (fp = 0,39 und CO2=179 g CO2/kWhEnd).
    Der geforderte thermische Komfort macht eine Raumkühlung sowie eine Kühlung der über zentrale Lüftungsgeräte eingebrachten Zuluft notwendig. Mit Hilfe einer indirekten Verdunstungskühlung in den Lüftungsgeräten, einer Nutzung des Sprinklertankes als Kältespeicher kann die zu installierende Kälteleistung deutlich reduziert und Energiebedarf minimiert werden. Weiterhin erfolgt in ausgewählten Luftgeräten eine Vorkühlung / Vorwärmung der Außen- / Zuluft über ein Wärmerückgewinnungssystem (KVS-System), welches über einen Wärmetauscher die Tiefgaragenabluft nutzt. Dabei wird im Sommerfall die Tiefgaragenabluft befeuchtet und somit abgekühlt. Über das KVS-System wird Kühle an die Lüftungsgeräte übergeben. Im Winter kann eine Vorwärmung über das System erfolgen. Die Befeuchtung erfolgt ressourcenschonend anteilig über aufbereitetes Regenwasser. Diese Regenwassernutzungsanlage wird in der Heizperiode zur Versorgung der öffentlichen WC-Anlagen herangezogen.
    Der Restkältebedarf wird über hocheffiziente wassergekühlte Kältemaschinen im Verbund mit adiabaten Trockenkühlern erzeugt. Die freie Kühlfunktion über diese Rückkühler ermöglicht eine Versorgung der akustisch wirksamen Kühldecken in den Verwaltungs- und Beratungsbereichen und ggf. der Fußbodenkühlung im Atrium.
    Die Raumkonditionierung erfolgt für eine hohe Grundrissflexibilität, aus Akustikgründen und des hohen Nutzer- / Regelkomforts weitgehend durch Heiz- und Kühlsegel sowie über die zentralen Zuluftanlagen. Der maschinelle Außenluftwechsel orientieren sich allgemein an der DIN EN 15251 Kategorie II.
    Das großflächige Atrium erhält ein 4-lagiges ETFE-Folienkissendach mit einem U-Wert von ca. 1,6 W/m²K und einem g-Wert von ca. 0,37. Die großflächigen automatisierten Lüftungsöffnungen in den Vertikalfassaden und im Dachbereich sorgen für eine natürliche Belüftung und Entwärmung. Eine Fußbodenheizung /-kühlung und Gebläsekonvektoren garantieren die Beheizung und Kühlung auf ein angemessenes Maß. Die Konvektoren werden dabei linienförmig an den sich zum Atrium öffnenden Beratungs- und Wartebereichen angeordnet und dienen einer thermischen Entkopplung dieser vom Atrium. Dies wird auch von den ausziehbaren mobilen Glastrennwänden unterstützt.
    Die Photovoltaik-Anlagen (ca. 190 kWp) auf den Dachflächen sorgen zusammen mit einer 100 kWh Batterieanlage für eine deutliche Senkung des Primärenergiebedarfs und der Energiekosten. Eine bereichsweise CO2-Steuerung der Lüftungsanlage reduziert zusammen mit einer Tageslichtgeführten LED-Beleuchtung weiter den Strombedarf und die CO2-Emission. Dies wird durch tageslichtlenkende automatisierte äußere Sonnenschutzbehänge unterstützt.

    Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit in Erstellung, Betrieb und Unterhalt
    Kostengruppe 300 (Bauwerk – Baukonstruktionen):
    geographische Lastvorgaben:
    Das Gebäude soll in der Innenstadt von Essen errichtet werden. Gemäß geotechnischer Stellungnahme liegt das Gebäude in der Erdbebenzone 0.
    Erdbebenlasten müssen demnach beim Nachweis der Aussteifung nicht berücksichtigt werden. Die Windlasten lassen sich in die Windzone 1, Binnenland und die Schneelasten wiederum in die Schneelastzone 1 einordnen.
    Gründung:
    Zu berücksichtigen ist, dass der Baugrund in Teilen inhomogen ist. In Kombination mit einem Gründungspolster (h~1,00-1,50m, vgl. Baugrundgutachten) ist von einer Flachgründung auszugehen.
    Verbau:
    Für den Rückbau des Bestandsgebäudes und die Neuerrichtung des BürgerRatHauses ist ein Verbau erforderlich. Die Planung / Konzeptionierung dieses Verbaus ist nicht Gegenstand des Wettbewerbs, da dieser im Zuge der Abbruchplanung des Bestandsgebäudes realisiert wird.
    WU-Konzeption:
    Das Untergeschoss wird für Nutzungsklasse B (Tiefgaragennutzung) ausgelegt.
    Transferplatte:
    Aufgrund der unterschiedlichen Nutzung und Bauwerksgeometrie im Untergeschoss und den aufgehenden Gebäudeteilen wird die Decke über dem Untergeschoss als Stahlbeton-Transferplatte ausgebildet, um den Wechsel des Stützenrasters wirtschaftlich realisieren zu können. Die Dicke der Transferplatte wird maßgeblich von den Stützenstellungen beeinflusst.
    Stützen und Wände:
    Die vertikalen Bauteile (Stützen und Wände) sind im Regelfall als Ortbetonbauteile aus normal- und hochfestem Beton feuerbeständig ausgebildet.
    Die hinterlüftete Klinkerfassade umfasst Fensteranteile in Pfosten-Riegel-Konstruktion mit 3-fach-Verglasung. Die Fenster sind hierbei öffenbar.
    Die Innenwände sind als Leichtbau- und Systemtrennwände konzipiert.
    Aussteifung:
    Die auftretenden Horizontallasten auf das Bauwerk resultieren im Wesentlichen aus Windlasten und Lasten aus Imperfektion.
    Für den horizontalen Lastabtrag werden die sehr günstig regelmäßig über den Grundriss angeordnete Treppenhaus- und Aufzugkern angesetzt.
    Deckensysteme
    Die Decken sind als Ortbetonflachdecken konzipiert, auf die Doppelböden integriert werden.
    Das gewählte Fassadenraster mit einem Regelmaß von 1,35m ermöglicht ein insgesamt sehr wirtschaftliches und gleichzeitig flexibles Regelstützenraster von 6,75m / 8,10m. In den Regelgeschossen sind an beiden Fassadenseiten sowie den Achsen der Mittelflurwand Stützenachsen vorgesehen.
    Die Deckenstärken sind unter Berücksichtigung der Lasten, der Durchstanzsicherung, der Deckendurchbiegung sowie der Wirtschaftlichkeit optimiert. Die Durchstanzsicherung an den Stützen erfolgt durch den Einbau von Dübelleisten. Die Regeldeckenstärke ist mit h~30 cm vordimensioniert.
    Um Kollisionen mit Haustechniktrassen (insb. Lüftung) zu vermeiden, sind die Decken unterzugsfrei geplant.
    Dächer:
    Das ETFE-Folienkissendach der Eingangshalle ist modern, selbstreinigend und umfasst gute thermische, wie auch statische Eigenschaften, die eine leichte Dachkonstruktion begünstigen. Darüber hinaus ermöglicht das ETFE-Dach eine Inklusion von Photovoltaikfeldern, sodass die Konstruktion dem Strom-Autarkiegrad des Gebäudes beisteuert. Dies macht die ETFE-Elemente zu einer nachhaltigen Lösung.
    Die Flachdachkonstruktion der Ziegelbauten ist mit extensiver Begrünung versehen.

    Kostengruppe 400 (Bauwerk – Technische Anlagen):
    Energiebedarfsdeckung des neuen Bürgerrathauses verläuft über Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Gleichzeitig steuert die Dachbegrünung zur thermischen Regelung der Umgebungsluft bei und hilft zudem, die Biodiversität zu steigern.
    Die Retention und anschließende Wiederverwendung des Regenwassers dient der Versorgung der WC-Anlagen und der zusätzlichen Kühlung des Gebäudes. Dies schont bewusst wertvolle Ressourcen und stellt einen zukunftsorientierten Weg öffentlicher Gebäude dar.
    Natürliche sowie mechanische Belüftung begünstigen eine gut regelbare, thermische Behaglichkeit im Gebäudeinneren. Gleichzeitig steuern auch Kühlsegel einer angenehmen Atmosphäre bei und helfen zudem, die Raumakustik zu regulieren.

    Sicherheitskonzept:
    Das Brandschutzkonzept sieht eine komplette Sprinklerung des Gebäudes vor.
    Für eine klare Regulierung der unterschiedlichen, funktionalen Bereiche helfen räumliche Trennung von Mitarbeiter- und Besucherbereichen. Zudem ist auch eine Vereinzelung der Besucherströme möglich.
    Kostengruppe 500 (Außenanlagen):
    Die Geländefläche im Südosten präsentiert sich als mäandernde, terrassierte Topografie, in die Rampen für die behindertengerechte Erschließung integriert sind. Betonbänke mit Holzverkleidung und indirekter Beleuchtung schaffen hierbei Sitzmöglichkeiten in angenehmer Umgebung. Die gepflanzten Solitärbäume entsprechen mit ihrer Stadtklimaresistenz einer zukunftsorientierten Bepflanzung.
    Die befestigten Flächen sind mit großformatigen Betonplatten 30/60/10 cm versehen, während der Bodenbelag des Foyers in gebundener Bauweise gestaltet ist.
    Als besonderer Akzent ist ein Wasserspiel mit Sprühdüsen auf dem Vorplatz integriert, das mit Steuereinheizung gesteuert werden kann. Zudem bieten überdachte Fahrradstellplätze in filigraner Stahl-Glas-Konstruktion eine witterungsgeschützte Möglichkeit, Fahrräder in Eingangsnähe abzustellen.
    Insgesamt spiegeln die in den Freianlagen integrierten Elemente die Formen der Gebäude wieder und unterstützen somit das gestalterische Konzept.

    Fazit
    Alles in allem lässt sich schlussfolgern, dass der Entwurf des neuen Bürgerrathauses eine Bereicherung für die Stadt Essen darstellt. Die Gebäudekubatur prägt das Stadtbild durch seine geschwungenen Formen, die Terrassierung der einzelnen Volumen sowie die transparente Empfangshalle gegenüber des Burgplatzes.
    Zudem bietet der Entwurf einen Ort, der flexibel und vielschichtig genutzt werden kann und so Raum für Kommunikation garantiert.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 30.07.2019, 13:08
Zuletzt aktualisiert 05.08.2019, 09:10
Beitrags-ID 4-177800
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